—
5 ——
r
—
——
8 2
.
N
8
————
— ͤ(—
9 ——
ö— — T——
52—
——
—
176 ö 1
3
— —
—— —
5 * 1 75 4 1
Seite 6.
Mitteldeutsche Sounutags⸗Zeitung.
Nr. 41.
manshorn. Daß das hinübergemeldet wird, das wußte ich ja und es wurden auch richtig zwei Poltzisten nach Friedrichshafen beordert, um mich dort in Empfang zu nehmen. Ich stieg in Kreuzlingen ein und verließ in Münster⸗ lingen, der ersten Station nach Kreuzlingen, den Zug, um zu Fuß wieder nach Hause zurück⸗ zugehen. Fuhr aber dann entgegengesetzt über Schaffhausen ins Elsaß, wo ich die schon vor⸗ ausgesandte Ware glatt distribuierte.
n Friedrichshafen hatte man mich natürlich vergeblich erwartet. Am Abend ging mein Junge an den Konstanzer Hafen, um die Gesichter der zwei ausgesandten Späher zu sehen. Diese wußten freilich, als sie mit dem Schiff kamen, dem sie erwartenden Wachtmeister nichts anderes zu berichten als:„Er ischt nit kumma.“
*
Der hilfsbereite Polizist.
In Waldsee im schwäbischen Oberland saß ich einmal in einer Brauerei und machte meine Pakete, den Rest, den ich noch hatte, fertig zur Post. Da kam ein Polizeier mit einer Bestell⸗ ung an den Wirt. Er unterhielt sich mit mir und ich zahlte ihm einen Schoppen und fragte ihn aus über einige Firmen, mit denen ich an⸗ geblich Geschäfte machen wollte. Ich war na⸗ türlich Reiseonkel. Dann fragte ich ihn, wo die Post sei, und als er sah, daß ich etwas schwer zu schleppen hatte, nahm er die Hälfte der Sachen selbst und trug sie mit bis an den 1 Ich danke diesem Wackeren heute noch.
* Ein Schlauberger im Polizeirock.
Auf einer Rückfahrt nach getaner Arbeit promenierte ich auf dem Perron in Radolfzell und erwartete den Verbindungszug. Ein Kon⸗ stanzer Schutzmann, Kurz hieß der gute Mann, tat dasselbe. Er musterte mich fortgesetzt und als ich einstieg, kam er auch zu mir in mein Koupee nach. Hier betrachtete er mich nochmals von unten bis oben. Endlich faßte er sich ein Herz und fragte mich:„Nicht wahr, Sie sind der Herr Belli?“ Ich bejahte, und dann meinte er:„Mit Ihnen ist etwas nicht in Ordnung. Ich glaube, es hat etwas im Fahndungsblatt gestanden. Sie sind ein sozialistischer Agitator, jetzt weiß ich nicht, soll ich Sie verhaften oder nicht.“ Ich sagte ihm nun:„Herr Kurz, das ist sehr einfach. Wenn wir nach Konstanz kommen, dann ist dort, wie immer, wenn ein Zug ankommt, der Wachtmeister auf dem Perron. Da fragen Sie den eben, was zu tun sei mit mir.“— Damit war der Biedere zufrieden. Der Wachtmeister war auch 9 auf dem Perron. Kurz stieg schnell aus und ging auf ihn zu. Ich stieg aber auf der andern Seite auch schnell hinaus, ging den Zug entlang neben dem Geleise hinauf und war am Ende des Zuges dann gleich auf Schweizer Gebiet, wäh⸗ rend die zwei Polizisten wie toll den Bahnhof absuchten.
* Auf der Bahn signalisiert. Eines schönen Tages gab ich
auf einer Güterhalle einer elsässischen Station zwei Kisten auf und schrieb eben auf dem Bureau die Frachtbriefe dazu, da kam ein Gendarm geritten, stieg ab und begab sich ins Neben⸗ zimmer zum Bahnmeister. Durch die offene Tür hörte ich, wie er die Meldung machte, daß ich unterwegs sei, und man vermute, daß ich Waren aufgeben werde. Wenn ich komme, solle man mich festhalten. Als er herauskam, fragte der Assistent auch noch nach der„Affär“ und ich frug mit. Als er uns erzählt hatte, was er wußte, forderte ich ihn auf, den Kerl un⸗ bedingt nicht entweichen zu lassen.„Dafür habe ich gesorgt,“ sagte er triumphierend und ging. Leider wurden diese beiden Kisten an den An⸗ kunftsorten in Kaufbeuren und in Frankfurt beschlagnahmt. Nachträglich hat man es also doch gemerkt, daß ich der Gesuchte gewesen sein mußte.
Die Hüter des Gesetzes waren aber mit⸗ unter auch manchmal recht anständig. Auch das soll gesagt werden. Auf einer badischen Station sah mich einmal nach getaner Arbeit ein Wacht⸗ meister, der mich kannte.„B. mache schnell
daß du auf den Zug nach Basel kommst,“ sagte er mir. Ich war aber eben im Begriff, es zu tun.
Einmal lief ich auf dem Perron des Bahn⸗ hofes in Schaffhausen auf und ab, um den Genossen Adolf Geck zu erwarten. Da hörte ich hinter mir meinen Namen nennen. Ich drehte mich um und sah zwei Grenzer, einen deutschen und einen schweizer. Ich fragte, was man von mir wünsche, und da sagte mir der deutsche Grenzer, daß er seinem Kollegen eben erzählt habe, daß ich vor eintger Zeit in Singen in den Etzwyler Zug umgestiegen sei, da habe ihm der dortige Gendarm gesagt:„Das ist der B., der die sozialdemokratischen Sachen be⸗ sorgt, den sollte man festnehmen, aber mir fährt er wohl davon.“ Auch diesem Braven sei es noch gedankt. N
Heute natürlich, nach überstandener Gefahr, so schließt Gen. Belli seine Feldpost⸗Abenteuer⸗ Erzählungen, bleiben in der Erinnerung die heiteren Momente haften— die oben angeführ⸗ ten sind natürlich nur eine Auslese— in der Regel waren es harte, schwere Stunden, wie sich die Genossen wohl selber sagen können.
4* 5 Unterhaltungs-Cril. 2—— 05
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung von Melchior Meyr.
50(Fortsetzung.)
Frühmorgens erwachend, fühlte er sich er⸗ frischter, gestärkter, und als er im Scheine der Morgensonne die Situation überdachte, kam sie ihm schon viel weniger desperat vor; ja, zuletzt begann sogar schüchtern, aber süß, die Hoffnung sich wieder zu regen. Er freute sich, daß er seinem Vater noch acht Tage Zeit abgewonnen und war sich dessen als einer Art von Tat be⸗ wußt. In acht Tagen— was konnte da nicht alles geschehen! Welche Auskunftsmittel konnten ihm da nicht einfallen!—
Für sich war er entschlossen. Das Gesicht der Bäbe, wie er es zuletzt gesehen, glänzte wieder so wunderschön vor seiner Seele— von ihr zu lassen, konnte ihm nicht einen Augenblick in Gedanken kommen! Er wollte das auch seinem Vater sagen, wenn's not tat— nur jetzt nicht. Jetzt wollte er eben warten und das Glück der achttägigen Frist auch wirklich benützen. Er wollte sinnen und denken, wie er möglicher⸗ weise am besten und leichtesten zu seinem Zwecke und zunächst um die Sibylle herumkomme.
Zwei Tage sann er nach und kein Gedanke bot sich ihm dar, welcher brauchbar gewesen wäre. Endlich hatte er einen Einfall— augen⸗ scheinlich den besten, den er haben konnte und den er auch ohne weiteres ins Werk setzen mußte. Er wollte mit der Bäbe eine Zwiesprach halten, ihr wollte er alles entdecken, wie es stand— und ste sollte ihm raten, was nun zu tun sei. — Dieser Gedanke mehrte das Vertrauen, das ihn wieder zu beleben angefangen hatte, mit einemal um das Doppelte. Die Bäbe, die in verschiedenen Diensten herumgekommen, die sogar in Ulm gewesen war, die überhaupt aussah, als ob sie durch nichts in Verlegenheit gebracht werden könnte— sie mußte eine Auskunft wissen.
Er überlegte, an welchem Tage, zu welcher Tageszeit er sie sprechen könne, ohne daß es jemand sah und sie störte, und kam endlich mit sich überein, sie für den nächsten Sonntag abends zu sich in seinen Garten einzuladen. Sonntag abends war der Alte regelmäßig im Wirtshaus, der Kaspar trieb sich mit seinen Kameraden herum und die Walpurg benützte seht häufig die Gelegenheit, mit einer Bäuerin, die einige hundert Schritte weiter ihren Hof hatte, auf der Hausbank zu schwätzen. Der Garten ging wie die meisten dörflichen auf's Feld hinaus,
chatte eine Hecke und neben alten Obsteäumen
eine zu dichtem Buschwerk verwilderte Laube, hinter der man sich wohl verbergen konnte, falls auch eines auf dem Feldweg vorbeiging, das über die Hecke sah. Gegen die Gasse schützte das eigene Haus und der Stadel des Nachbars, nebst einer kurzen, aber hohen Mauer, die beide verband. Es war freilich hier nicht vollkommen sicher, möglicherweise konnte man ste doch sehen — aber das mußte eben riskiert werden!— Den Eingang konnte die Bäbe vom Felde aus durch ein zerrissenes Eck der Hecke nehmen, das man glücklicherweise noch nicht ausgebessert hatte; und sie mußte eben so gescheit sein und nur hineingehen, wenn niemand um den Weg war!
Als er sich das alles ausgedacht hatte, und lebhaft vorstellte, wie's gut ging, war er ordent⸗ lich erheitert. Er wollte sich um nichts kümmern, bis er mit Bäbe gesprochen hatte; denn am Ende— wurde es anders, wenn er sich ab⸗ sorgte? Als er mit seinen Leuten zu Mittag aß, betrachtete ihn die Walpurg und dachte: er hat sich dreingefunden. Und der Vater sagte sich im stillen: der Humor scheint ihm zu kommen. Laut sagte er nichts; denn er hatte dem Sohne acht Tage Frist gegeben, und die sollte er un⸗ gestört haben, bis zur letzten Stunde. Dann wollte er schon mit ihm abrechnen.—
Tobias hatte zunächst die Einladung zu machen. Diese ging nicht wohl ohne eine vor⸗ läufige Aufklärung der Bäbe über den Stand der Dinge, also nicht ohne ein kleines Gespräch bei irgend einer Begegnung, und das war jetzt in keiner Art ratsam. In der Not, in welche ihn diese Frage verstrickte, hatte er eine Idee, auf die bis jetzt noch kein Liebender im Dorfe geraten war: er setzte sich in seiner Kammer hin, schrieb mit Bleistift nieder, was er der Geliebten zu sagen hatte, ging dieser in der Abendstunde zu Gefallen und drückte ihr im Vorbeigehen nach leichtem Gruße das Briefchen in die Hand. Die Bäbe nahm es, ohne über⸗ rascht zu sein und ohne sich etwas merken zu lassen. So gut wußte sie sich in allen Ver⸗ hältnissen zu benehmen.
Wie sie zu Hause das Schreiben las, geriet sie doch in große Aufregung. Solche Gefahr drohte ihrer Liebe? Der Tobias sollte ge⸗ zwungen werden, eine andere zu heiraten? Und die Sibylle, die letzte von den Mädchen im Dorfe—diese Sibylle sollte den lieben Menschen haben? Da wollte ste doch erst sehen, ob man ihr nehmen könnte, was ihr gehörte von Gott und Rechts wegen!
Daß Tobias ihr geschrieben und sie zu einer geheimen Unterredung einlud, freute sie herzinnig. Sie hatte schon vernommen, daß er nicht gerade der Herzhafteste sei und sich aus Gutmütigkeit manches gefallen lasse, was andere zum Beißen und Kratzen brächte: um so mehr schmeichelte ihr die Entschlossenheit, um ihretwillen etwas zu wagen und dem Vater sich entgegenzustellen. Die Gefahr, das treue Herz zu verlieren, machte ihr ihn nochmal so teuer— und als sie am andern Tage wieder an ihm vorüberging, sagte ste nach dem lauten, gewöhnlichklingenden Guten⸗ tag, mit gedämpft entschlossener Stimme:„Ich komm'!“ 7
Dies war am Samstag. Der Sonntag brach herrlich an und versprach das schönste Juniwetter. Am Freitag hatte nicht nur„a kloes Regale“ die Wünsche der Landleute er⸗ füllt, sondern ein echter Landregen, der abends begann und die Nacht durchwährte, sie über⸗ troffen. Nachdem am Samstag bei aufgeklärtem Himmel die Trocknung begonnen hatte, war am Sonntag von den Wirkungen des Ergusses nichts mehr übrig als die Staublostgkeit und die allgemeine Frische der Natur. Die Vögel sangen mit Jubel, und die Landleute grüßten sich mit jenen halbfeierlichen, tiefzufriedenen Mienen, die ihnen am heiligen Tage eigen sind, wenn die Sonne scheint und der Stand der Saaten eine ergiebige Ernte verheißt.
Tobias war in guter, ja heiterer Stimm⸗ ung. Das allgemeine Vergnügen der Natur und der Menschen wirkte magtsch auf ihn, und eine Hoffnung belebte sein Herz, die zur förm⸗ lichen Zuversicht wurde. Des Abends ging alles nach Wunsch. Man aß früher als ge⸗ wöhnlich, und Kaspar eilte sogleich hinweg.
9—.
—.
——-—.—


