Ausgabe 
29.6.1902
 
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Nr. 26.

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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

den des Glogauer Gerichtshofes, der kürzlich die Verhandlungen gegen ihn leitete, eine 1 1 auf Pistolen zugesandt. Vorher hatte er schon den ärztlichen Sachverständigen, einen 70 jährigen Greis, zum Duell gefordert, weil er den Führer der nationalen Parteien wle sich der Ueberantisemit bezeichnete als un zu⸗ rechnungsfähig erklärte. Seitens des königlichen Landratamtes ist übrigens bei der Landes⸗ regierung bereits am Samstag die Unterbring⸗ ung des Grafen in einer Irrenanstalt zur Beo⸗ bachtung seines Geistes zustandes beantragt worden. Die Extra⸗Ausgabe der Staatsb. Ztg. vom 7. Juni, die die letzte Rede des Grafen Pückler in Berlin enthielt und von diesem selbst verantwortlich gezeichnet war, ist auf Grund des§ 130 des Strafgesetzbuches e zu Gewalttätigkeiten) durch Ge⸗ richtsbeschluß polizeilich beschlagnahmt worden. Wahrscheinlich erfolgt ein neuer Prozeß gegen Graf Pückler; hoffentlich wird dann der Mann dahin gebracht, wohin er gehört, in eine Heil⸗ anstalt, damit er nicht schließlich großes Unheil anrichtet.

Eisenbahn⸗Thielen ist gegangen.

Der preußische Eisenbahnminister und Chef des Reichseisenbahnamtes hat aus Gesundheits⸗ rücksichten seinen Abschied genommen. Sein Nachfolger ist schon vorher in der Presse ge⸗ nannt worden, es ist der General Budde. Dieser hat sich seiner Zeit vergeblich abgemüht, den Junkern die Notwendigkeit des Mittelland⸗ kanals nachzuweisen. Die Agrarier ließen ihn glatt abfallen.

Königskrönung mit Hinternissen.

Diese Woche sollte die Krönung Eduard des Dicken in London stattfinden. Bei solchen Gelegenheiten wird dort eine fabelhafte mittel⸗ alterliche Pracht entfaltet. Massen von Be⸗ suchern waren in London angekommen, Zu schauer⸗Tribünen errichtet, Fenster zu hohem Preise vermietet. Eine große Anzahl fremder Fürstlichkeiten kam zu Gaste. Jetzt ist der ganze Aufband umsonst gemacht. Der König ist sehr bedenklich erkrankt; er mußte bereits eine schwere Operation durch machen und er ist durchaus noch nicht außer Lebensgefahr. Die Nachrichten aus London lauten ziemlich hoffnungslos. Danach soll die Krankheit in einer gefährlichen Blinddarm⸗ entzündung bestehen; vorher wurde indessen von der Notwendigkeit einer Halsoperation geschrieben. Der König habe die Operation bis nach der Krönung verschieben wollen, doch sei das nicht möglich gemesen. Dienstag zeigte sich, daß ein Absceß von erheblicher Größe vor⸗ handen sein müsse, der, wenn er aufbreche, das Leben des Königs in die größte Gefahr ge bracht hätte. Es heißt, daß ein Einschnitt in der Leistengegend gemacht und daß vier Zoll weit aufwärts mit einer Biegung nach außen zu operiert worden ist. Ein großer Absceß wurde aufgeschnitten und viel Materie daraus entfernt. Ob noch andere gefährliche Bildungen entfernt sind, weiß man nicht. Nach einer solchen Operation kann der Könnig sich während der nächsten drei Monate keinen besonderen Anstrengungen unterziehen.

Die meisten Fremden haben London wieder verlassen, den Londoner Ge⸗

-schäftsleuten, besonders den Hotelbesitzern ent⸗

steht dadurch großer Schaden. Der dänische Kronprinz, der sich ebenfalls in London befindet, hätte an seine Frau depeschiert, daß der Zu⸗ stand des Königs hoffnungslos sei. Die Blutopfer in Südafrika. Nach einer Aufstellung des Kriegsamtes beträgt der Gesamtverlust der britischen Armee im südafrikanischen Kriege 28434 Mann. Es starben 1072 Offiziere und 20870

in Südafrika, sowie 8 Offiziere und 500. nach der Rückkehr nach England, 105 Mann werden noch vermißt und 5879 Mann sind invalide geworden. die auf der Seite der Buren Gefallenen.

Dazu kommen nun noch Man

greift wohl nicht zu hoch, wenn man insgesamt

50000 durch den Krieg vernichtete Menschen⸗ leben annimmt. Welche ungeheuere Summe von Menschenglück wurde da im Interesse des Geldsacks zu Grunde gerichtet!

Geg en das französisch⸗ russische Bündnis

sprach sich Genosse Jaurès am Sonntag auf einer franko⸗italienischen Verbrüderungsfeier aus. Jaures, der den Vorsitz führte, betonte den von ihm in letzter Zeit energisch ver fochtenen Gedanken von der Notwendigkeit, Frankreich zaus den engen Banden einer ausschließlichen Allianz(d. h. der Zarenallianz) zu befreien. Die neuerliche Annäherung zwischen Frankreich und Italien wurde von ihm begrüßt auch als Mittel, jene Bande zu schwächen:Wir werden mit Freuden den eisigen Allianzkreis sich öffnen sehen unter dem Einfluß der heißen Strahlen einer Allianz zwischen Demokratien, die uns helfen den Eisblock der franko⸗russischen Allianz zum Schmelzen zu bringen.

Colly, sozialistisches Mitglied des Pariser Gemeinderats, erstreckte in seiner Ansprache die Verbrüderung auf alle Völker und namenk⸗ lich auf das russische Volk, unter dem Rufe:Nieder mit dem moskowitischen Henker!

Schurkereien russischer Gewalthaber.

5 Das gemeine und schamlose Mittel, mit dem die russische Regierung die Arbeiterbewegung zu unterdrücken denkt, die Körperstrafe, die in so viehischer Weise v. Wahl in Wilna gehandhabt hat, ist nicht nur in Wilna zur Anwendung gekommen, sondern auch in ver⸗ schiedenen anderen Städten. In Jekaterinoslaw, wo es den Arbeitern bei der Maidemonstration gelang, mit einer roten Fahne mit der Inschrift: Nieder mit dem Absolutismus durch mehrere Straßen einen Umzug zu veranstalten, wurden von elf Verhafteten sechs einer grausamen Zu chtigung unterworfen. In Krementschug sind fast alle Arretierte durchgepeitscht worden. Aus der Sckreckensresidenz v. Wahls wird berichtet, daß unter den mit Ruthen be⸗ straften Teilnehmern der Demonstration sich auch ein junges Mädchen befunden habe, das bald nach den barbarischen Unmenschlich⸗ keiten verstorben ist.

Eine weitere Bestialität der zarischen Henker wurde dem Vorwärts gus Liebau mitgeteilt. Dort wurde eine Versammlung von zirka 60 jüdischen Arbeitern und Arbeiterinnen verhaftet. Im Polizeihause wurden die Arbeiterinnen der Sittenpolizei übergeben, sie wurden ge⸗ waltsam einer ärztlichen Unter- suchung unterworfen und man gab ihnen gelbe Billets(Legitimation für Prostituierte). Jeder zivilisierte Mensch welcher politischen Richtung er auch angehören mag wird gegen⸗ über einem Regierungssystem, das solche Mittel in der Verfolgung ehrlicher Arbeiterinnen, die sich an der Organisation ihrer Klasse beteiligten, anwendet, die tiefste Verachtung empfinden. Kann man es da den Gequälten verargen, wenn sie zu den Waffen greifen? Wir meinen sogar, diese Bestien von Beamten mit allen Mitteln zu beseitigen, ist geradezu menschliche Pflicht.

Die Pfaffenseuche in Epauien.

Im frommen Spanien wurde jüngst amtlich die Zahl der Klöster festgestellt. Sie beträgt 3115 mit 50933 Mitgliedern, davon sind 529 Mönchsklöster mit 10745 Mitgliedern und 2586 Nonnenklöster mit zirka 40 188 Mitgliedern. 354 Klöster sind nicht eingeschrieben. Es wäre noch interessanter, festzustellen, wieviel Millionen oder Milliarden durch Erbschleicherei, Bettelei und Bußsteuern in diesen Klöstern aufgehäuft sind. Man würde dann erst begreifen, warum das Land verarmen mußte.

Von Nah und Lern. Hessisches.

Die Zweite Kammer erledigte am

Seite 3. öffentlichen Sparkassen. Diese Vorlage regelt die rechtlichen Verhältnisse der Sparkassen

und trifft Bestimmungen, die die Sicherheit der Einleger erhöhen sollen. Die Vorlage wurde mit einige! Abänderungen genehmigt.

Mittwoch kam in Verbindung mit dem Gesetzentwurf über die Pfandbrief bank die Vorlage über die Wohnungsfür⸗ sorge für Minderbemittelte zur Erörterung. Finanzminister Gnauth begründete die Vorlage sehr eingehend. Wenn auf dem Gebiet der Wohnungsfürsorge für Minderbemittelte etwas Positives geschehen soll, so bedarf es dazu eines billigen Kredits. Zu diesem Zweck wäre zu⸗ nächst die Landeskreditkasse berufen. Wenn man aber der Landeskreditkasse neue Aus gaben zumutet, so kann man das nur, falls man zu⸗ gleich den Staatskredit schonen will, indem man die Landeskreditkasse auf der anderen Seite entlastet. Das soll durch die Pfand⸗ briefbank geschehen. Der Minister führt dann weiter aus, in welcher Weise die Bank in den Stand gesetzt werden soll, den Kreditbedarf der Gemeinden und privater Gewerbetreibender zur Erbauung billiger Wohnungen zu befriedigen. Abg. Gutfleisch bezeichnet die Vorlage als einen Versuch. Er set überzeugt, wenn die Kammer die Vorlage annehme, so würde man für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes einen heilsamen und guten Schritt vorwärts thun. Nach weiterer kurzer Spezialdebatte wird die Vorlage nach den Beschlüssen des Ausschusses angenommen.

Gießener Angelegenheiten.

Der Stadtbahn Schmandt hat seine Entlassung aus dem Dienste der Stadt Gießen eingereicht. Wie berichtet wird, übernimmt er das Direktorium etner Baugesellschaft in Köln. Vor einiger Zeit wurden in der Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung heftige Angriffe gegen das Stadtbauamt gerichtet und es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Rücktritt Schmandts damit zusammenhängt.

O, welche Lust, Soldat zu sein! Auf unsere Notiz in voriger Nummer mit diesem Stichwort schreibt uns ein Freund unseres Blattes:

Vom 7. bis 20. dieses Monats war ich bei der 3. Landwehr⸗Kompaguie(Hauptmann Groß⸗ mann) eingezogen. Schon am Sonntag Morgen (Samstag waren wir eingerückt) merkten wir die Strammheit unseres Hauptmannes. Wider alle Gepflogenheit im aktiven Dienst mußten wir auf dem Kasernenhof Honneur üben, zum Gaudium der aktiven Soldaten, die gerade zum Kirchgang antraten. Und dann der Dienst in der Woche. Jede Minute wurde ausgenützt. Fast jeden Augenblick beim Exerzieren wurde den Unteroffizieren gerufen und sie ermahnt, uns richtig herzunehmen. Und während dessen mußten immerwährend Griffe geübt werden. Ein Glück war nur, daß die Unteroffiziere die Leiden eines solchen Dienstes für den Land⸗ wehrmann besser zu würdigen wußten. Und erst die Titulationen! Alte Weiber, Hammels ꝛc. flogen uur so in der Luft herum. Und wie mag den Frommen zu Mute gewesen sein, als der Hauptmann rief: Jetzt laßt den Herrgott, Herrgott sein, jetzt horcht ihr auf mich! Bei einem Aufmarsch stürzte ein Landwehrmann, dabei entfiel ihm sein Gewehr. Er mußte das Unglück noch mit einer halben Stunde Nach⸗ exerzieren büßen, weil, wie der Hauptmann sagte, er das Gewehr festhalten müsse und wenn der Arm zerbreche. Das Gewehr müsse ihm lieber sein, wie der Arm. Wie sehr die Zeit ausgenutzt wurde, geht daraus hervor, daß wir beispielsweise an einem Tage morgens um ¼6 Uhr zum Felddienst antraten, der bis ½11 Uhr dauerte. Dann hatte die ganze Kompagnie Schießen und um 5.30 Uhr wurde wieder zum Felddienst angetreten, der bis fast 9 Uhr Abends dauerte. 2 Felddienste in einem Tage habe ich in meiner ganzen Dienstzeit nicht mitgemacht. Daß auch der Parademarsch tüchtig geübt wurde, kann man sich denken. Fast täglich gab es nach Beendigung des Ex⸗ erzierens noch einen Vorbeimarsch im Parade⸗ schritt zur Kasernenthüre. Sogar der lang⸗

Dienstag die Regierungsvorlage betreffend die! same Schritt wurde geübt zum Leidwesen