SSS
2 1 8
2 be, Niten⸗
— 8 F
und
iu zur zeit
ger und 4 gut cgen guten Lohn, ei
ing M.
ger Heuchelhein,
2 15 Aika 0 18
gußsducle für
Gold⸗ d waren
n und Ge Wirtschafl Frinnerung. 5 Rittergane
0 Alzüge Gatten,
120
5 von 17 Jahten
eunde
Jagd Farben
112
nager. 5 1 E
5 mul W gelder
burg. 2
— 7 ehen. Giehe
„
Al. 9. 1
keine sonderliche Rolle gespielt.
Nr. 30.
Gießen, Sonntag, den 27. Juli 1902.
9. Jahrg.
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr
r
Abounementspreis: Die Mitteldeutsche
Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.
Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940)
finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg.
4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33¼%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt
Juserate a Die 5 gespalt. Bei mindestens
Ein altes Rezept.
Mit beklommenem Herzen hat die fromme Kreuzzeitung den„christlichen Gewerkschaften auf paritätischer Grundlage“ ihren Segen ge— geben. Das Blatt, das von einer Organisation der Arbeiter überhaupt nichts wissen will, kann ein anderes Mittel, den„sozialdemokratischen, religions⸗ und vaterlandslos geleiteten Gewerk⸗ schaften“ entgegenzuwirken, nicht mehr finden und meint, als„maßgebender Grundsatz“ müsse hier zur Geltung gelangen:„Divide et impera!“ (Spalte sie und Du herrschst über sie.)
Mit so zynischer Offenheit ist der arbeiter⸗ feindliche Zweck der von den herrschenden Klassen gegründeten Arbeiterorganisationen noch niemals ausgesprochen worden und die sozialdemokratische Presse hat dazu die gebührenden Kommentare gegeben. Was die Kreuzzeitung ausgeplaudert hat, war indessen läugst kein Geheimnis mehr. Versuche, die große Arbeiterbewegung durch von den herrschenden Klassen geleitete und in deren Interesse wirkende Arbeiterorganisationen lahm zu legen, sind seit dreißig Jahren stets gemacht worden.
Nachdem bei den deutschen Arbeitern nament⸗ lich durch die Agitation Ferdinand Lassalles das Klassen⸗Bewußtsein wieder geweckt worden und eine selbständige Arbeiterbewegung in Fluß gekommen war, suchte zunächst die liberale Bourgeoisie die Bewegung zu spalten, nachdem sie erkannt hatte, daß sie sich derselben nicht mehr bemächtigen könne. Der brave Mastbürger Schulze⸗ Delitzsch, den seine Freunde einst bei Wein und Braten den„König im sozialen Reich“ genannt hatten, ward von den vorgeschrittenen Arbeitern mit verächtlichem Achselzucken ignoriert, nachdem Lassalle den kleinbürgerlichen Inhalt seines Systems enthüllt und kritisch vernichtet hatte. Da warf die liberale Bourgeoisie ihre Blicke auf England. Dort waren nach dem Niedergang des Chartismus die Gewerkschaften emporgeblüht, die einen gewaltigen Machtfaktor bildeten; aber eine selbständige politische Arbeiterbewegung gab es in England nicht mehr. Die liberalen deutschen Bourgeois wollten zwar nicht eine Gewerkschaftsbewegung wie die eng⸗ lische; sie wollten dieselbe aber scheinbar zum Muster nehmen, um die deutsche Arbetter⸗ bewegung zu spalten und zu schwächen. Darum sandten sie den liberalen fortschrittlichen„Muster⸗
knaben“ Dr. Max Hirsch nach England, um dort entsprechende„Studien“ zu machen. Der kam zurück und gründete die deutschen Ge⸗ werkvereine, die den Klassenkampf der eng⸗ lischen Gewerkschaften verwarfen und den Satz von der„Harmonie zwischen Arbeit und Kapital“ an die Spitze ihres Programms stellten. Da einerseits die Bourgeoisie zur Propagierung dieses Blödsinns Mittel zur Verfügung stellte, andererseits die Gewerkvereine durch ihre Kassen den Arbeitern einige Vorteile boten, so gelang es, einen Anhang zusammen zu bringen, da die staatliche Sozialgesetzgebung damals vollkommen im Argen lag.
Diese Gewerkvereine haben in dem großen Kampfe zwischen Kapitalismus und Proletariat Die Kassen gerieten in Schwierigkeiten. Der bekannte „Revers“ gegen die Sozialdemokratie, den die Mitglieder unterschreiben mußten, ließ diese
Organisationen in einer sonderbaren, für die klassenbewußten Arbeiter höchst abstoßenden Beleuchtung erscheinen. Der alte„Harmonie⸗ Apostel“ Max Hirsch ward zur komischen Figur, verdarb es aber auch mit den Industriellen, als wirklich einmal einige schwache Versuche der Gewerkvereine, bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, gemacht wurden.
Der Versuch des Liberalismus, die Arbeiter⸗ bewegung dauernd zu spalten, ward spielend überwunden; sowie der Liberalismus seiner eigentlichen historischen Aufgabe nicht gewachsen, zeigte er auch in diesem Falle seine Unfähigkeit und Unfruchtbarkeit. Die Gewerkvereine bestehen noch, aber sie fallen gegenüber der großen Arbeiterbewegung kaum ins Gewicht.
Weit 1 ist der Versuch, der von der Kirche gemacht wurde, die Arbeiterbewegung in zwei große, sich bekämpfende Richtungen zu zersplittern und diese gegensestig lahm zu legen. Die„Hetzkapläne“, die sozialpolitischen Pfaffen und die Zentrums⸗Demagogen überhaupt kamen zu der Ueberzeugung, daß mit Jünglings⸗ und Gesellenvereinen nicht viel auszurichten sei, trotz Heiligenlegenden und Bettelsuppen. So grün⸗ deten sie die„christlichen Gewerkschaften“, die zugleich ein Damm gegen den Sozialismus, gegen den Unglauben und gegen den Klassen⸗ kampf sein sollten. Die christlichen Gewerk⸗ schaften haben einen nicht unbedeutenden Umfang genommen und der Zweck, die Arbeiterbewegung zu zersplittern, ist in mancher Beziehung er⸗ reicht worden.
So sind die Bergarbeiter immer noch nicht so weit gelangt, einen allgemeinen Kampf mit einer geschlossenen Organisation führen zu können, denn die von den Pfaffen geleiteten Bergarbeiter⸗ organisationen waren stets bereit, ihren Arbeits⸗ brüdern im Interesse von Geldsack und Krumm⸗ stab in den Rücken zu fallen. In anderen Branchen ist es ähnlich.
Diese Spaltung ist eine der größten Schwie⸗ rigkeiten, mit denen die klassenbewußten Arbeiter zu kämpfen haben. Sie muß überwunden werden, wenn die Arbeiter die politische Macht erreichen wollen, die erforderlich ist, um neu⸗ gestaltend im Interesse der Gesamtheit auf unsere Zustände einwirken zu können.
In dieser Beziehung aber kann man guten Mutes sein. Die Gegensätze zwischen den Interessen des Kapitalismus und des Klerus einerseits und der„christlichen“ Proletarier andererseits können denn doch nicht mit Redens⸗ arten aus der Welt geschafft werden. Die kapitalistische Ausbeutung verschärft sich und ein Gegendruck wird fühlbar auch bei den christlichen“ Arbeitern, denn mit Bibelsprüchen und Kapu⸗ zinaden kann man einen knurrenden Magen nicht beruhigen. Von den verschtedenen Auf⸗ lehnungen der Arbeiter„christlicher“ Anschauung gegen den Kapitalismus bis zum Klassenkampf schien es nur noch ein Schritt. Da griffen die Bischöfe mit Hirtenbriefen ein und es gelang, die widerspenstigen Schäflein für den Moment, aber auch nur für den Moment, noch einmal zu beruhigen. 1 Da kam die Zollfrage und der Konflikt zwischen dem Zentrum und den christlichen Arbeitern brach mit verdoppelter Heftigkeit aus. Die Interessengegensätze kreuzten sich in leidenschaftlichen Diskussionen. Die vom Cen; trum beeinflußten„christlichen“ Arbeiterführer
haben zwar einen Sieg davon getragen und den christlichen Metallarbeiterverband hinaus⸗ geworfen aus dem allgemeinen Verband, weil die Metallarbeiter von der Zollwucherpolitik des Centrums absolut nichts wissen wollten. Aber dieser Sieg war ein Pyrrhussieg. Der Widerstreit der Interessen ist damit nicht aus der Welt geschafft und der Konflikt wird weiter gehen. Tausenden von Arbeitern sind die Augen aufgegangen; sie wissen nun, wie sie mit dem Zentrum dran sind. Und Tausende und Abertausende werden auch dahin gelangen.
Das alte Rezept verfängt nicht mehr. Den Schwarzen mag nicht wohl sein bei diesem Streit, der weit mehr bedeutet als sie zugeben wollen. Denn wenn, was unvermeidlich, die christlichen Arbeiter den Trägern der Brot⸗ wucherpolitik den Rücken kehren, dann ist die „führende“ Rolle des Zentrums in Deutschland zu Ende.
Und das nicht allein— dann hört auch die Spaltung in der Arbeiterbewegung auf und die Arbeiter gehen im großen Klassenkampf geschlossen vor.
Das kommt noch nicht sogleich und die demagogischen Künste des Zentrums werden noch eine Weile vorhalten. Aber allzulange ganz gewiß nicht mehr und ein Umschwung kann eintreten, ehe die Zentrums⸗Demagogen sich dessen versehen.
Die Kreuzzeitung kommt mit ihrem jesuiti⸗ chen Rat zu spät; heute„rebellieren“ sogar „christliche“ Arbeiter! Wehe! Wehe!
Leipziger Volkszeitung.
Politische Nundschau. Gießen, den 24. Juli.
Zusammenbruch der Wucherpolitik.
Hoffnungslosigkeit beschleicht die Zöllner und Brotverteuerer. Mit jedem Tage wird die Wahrscheinlichkeit geringer, daß das Ungeheuer von Zolltarif jemals Gesetz wird. Nicht etwa die„sozialdemokratische Obstruktion“ hat ihm den Todesstoß versetzt, sondern die Raub⸗ und Raffgier der kapitalistischen Interessenten, die sich gegenseitig um die Beute zanken und reißen. Bei den Verhandlungen der Zollkommission tritt in geradezu widerlicher Weise zu tage, wie die⸗ jenigen, die angeblich den„Schutz der nationalen Arbeit“ aufrichten wollen, blos ihren eigenen, selbstsüchtigen Interessen dienen, für Erhöhung ihres Profites sorgen. Verblümt sprach das der Handelsminister Möller aus. Auch Graf Posadowsky, der Vater des Entwurfs, sieht endlich ein, daß nichts mehr zu retten ist. Am Dienstag erklärte er voll Erregung:„Trotz vielfacher, lebhafter und eindringlicher War⸗ nungen, die von mir ausgegangen sind, hat die Kommission Erhöhungen gegenüber der Vorlage beschlossen. Ich kann Ihnen verraten, meine Herren, daß ich glaube, unser Zolltarif kommt niemals zustande.“— Allgemeine Verblüffung. Bankrotterklärung der„Heimats⸗ politik“! Klägliches Scheitern der Wucher⸗ pläne!— Das ließ sich übrigens bis zu einem gewissen Grade voraussehen. Verwun derlich ist nur, daß Posadowsky das nicht früher ein⸗ gesehen hat. Warum macht man aber jetzt nun nicht einfach die Bude zu, sondern wirft immer
—
——].. eee
9


