Ausgabe 
26.10.1902
 
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Nr. 43.

Mitteldeuische Sonntags⸗ZJeitung.

Seite 5.

Die jungen Vaterlandsvertei⸗ diger zogen dieser Tage in hellen Haufen in unsere Stadt ein, um sich, soweit sie nicht hier bei den Jägern eingestellt wurden, beim Hauptmeldeamt zur Weiterbeförderung zu stellen. Eine Abteilung Rekruten der Artillerie, die nach Hagenau in Elsaß⸗Lothringen bestimmt waren, lieferten am Dienstag abend, kurz vor ihrer Abreise, erst noch ein Gefecht mit anderen Rekruten, bei dem es blutige Köpfe setzte. Nur mit Mühe gelang es den begleitenden Transporteuren, die rauflustigen Rekruten aus⸗ einander zu bringen.

Mogcelei.

Aus Darmstadt wird berichtet: Gegen einen Beamten im Ministerium schwebt augen⸗ blicklich eine Untersuchung, weil er den Kandi⸗ daten zum Finanzexamen vorher gegen Ent⸗

eld ein Buch zur Verfügung stellte, in dem fast alle in Betracht kommenden Fragen und Antworten enthalten sind. Für das Buch hatten die Kandidaten dem Beamten 45 Mk. Leihgebühr zu zahlen. Dies soll der Beamte schon jahrelang treiben und selten soll bei seinen Schützlingen ein Durchfall zu verzeichnen sein. Natürlich erwartete dann der Brave klingende Belohnung von dem durch das Examen ge⸗ schwindelten Kandidaten.

Prügelpädagogen.

Im Juni ds. Is. teilten wir mit, daß in Ebsdorf im Kreise Marburg der Lehrer Bierwirth den Knaben Weimer fürchterlich geprügelt hatte. Der Vater des Jungen ver⸗ langte damals eine Bestrafung des Lehrers, die Behörde hat aber ein Einschreiten abge⸗ lehnt. Und das, trotzdem der Arzt dieses Attest ausgestellt hatte:

Der Sohn des Arbeiters Weimer kam am 3. Juni in ärztliche Behandlung. Es zeigte sich Unter⸗ und Oberlippe stark angeschwollen, mit wenigen, oberfläch⸗ lichen, leicht blutenden Einrissen. Am linken Oberarm fanden sich zwei etwa daumenbreite, blutunterlaufene Striemen und ihre Umgebung ebenfalls angeschwollen. Der Junge klagt über starke Schmerzen in Ohren und Kopf.

g Dr. Frohwein.

Trotzdem erklärte die Regierung dem Be⸗ schwerdeführenden:

Auf Ihre am 4. d. Mts. bei dem Herrn Landrat zu Marburg zu Protokoll gegebene Beschwerde gegen den Lehrer Bierwirth dortselbst wegen Ueberschreitung des Züchtig⸗ ungsrechtes an Ihrem Sohn Caspar eröffnen wir Ihnen, daß nach den angestellten Er⸗ mittelungeu kein Grund vorliegt, gegen den Lehrer disziplinarisch vorzugehen.

Auch die Staatsanwaltschaft nahm sich der Sache nicht an. Wir wollen nun gewiß nicht den Lehrern ihren ohnehin aufreibenden Beruf erschweren, meinen aber, hier wäre eine Bestrafung am Platze gewesen. Ein ähnlicher Fall wird uns von dem Lehrer Blecher in Weilmün⸗ ster mitgeteilt. Dieser richtete den Knaben August Weil fürchterlich zu.

Furchtbares Urteil.

In Halle wurden zwei Kürrassire zu 5 und 6 Jahr Zuchthaus wegenMeuterei verurteilt. Das Vergehen bestand in Wirklich⸗

keit in einer gewöhnlichen Gehorsamsver⸗ weigerung.

Christliche Kultur.

Der Kampf zwischen Geschossen und Panzer- platten wird immer heftiger. Die Zeitschrift Engineering bringt einen Bericht über neuliche Versuche in England, die dort in Fachkreisen große Erregung verursacht haben. Die Geschosse von Vickers⸗Kanonen zu 152 und 190 Milli- meter Kaliber haben dabei Panzerplatten von über 30 Centimeter Dicke völlig durchlöchert. Sie waren mit einer cylindrischen Kappe aus ehämmertem Stahl versehen, die die Durch⸗ schlagskraft bedeutend erhöht. Panzerplatten von 152 Millimeter wurden durch solche Ge⸗ schosse von 152 Millimeter glatt durchschlagen, und die größeren Geschosse(von 190 Millimeter) drangen sogar hinter der Platte noch 6 Meter

tief in eine Sandschicht ein. Man kann sich einen Begriff von der Zerstörung machen, die ein derartiges Geschoß, geladen mit den jetzt gebräuchlichen Sprengstoffen, in einem Panzer⸗ schiff berursachen würde. Eine Panzerung von 305 Millimeter Dicke bietet gegen das Geschoß keinen Schutz mehr, wenn dieses mit einer Geschwindigkeit von 854 Metern in der Sekunde auftrifft. Diese Thatsachen sind für die englische Marine höchst beunruhigend, da selbst deren stärkste Schiffe nur einen Panzer von 152 bis 178 Millimeter Dicke haben. Dabei ist es eine Thatsache, daß die Geschosse mit Stahlkappe wenigstens in der französischen Marine bekannt und in Gebrauch sind, weshalb auch die neuen französischen Kriegsschiffe einen Panzer von 275 Millimeter erhalten haben.

Kleine Mitteilungen.

r Eisenbahn-Unfall bei Wiesbaden. Am Sonntag früh entgleiste der 9.38 von Wiesbaden nach dem Rheingau abgehende Personenzug kurz vor Biebrich⸗ Mosbach. Die Maschine stürzte mit dem Schutzwagen die Böschung hinunter. Von den Reisenden wurde nie mand verletzt; aber der Heizer erlitt einen doppelten Beinbruch, auch der Lokomotivführer wurde leicht verletzt. Ein Schienenbruch soll die Ursache der Entgleisung sein.

k Aus einer Irrenanstalt. In der Berliner IrrenanstaltWuhlgarten wurde am 3. Oktober der Epileptiker Maler Stägemann in der Jöolierzelle tot aufgefunden. Wie man annimmt, ist Stägemann von dem Wärter Tryszineski gewaltsam iu die Jsolier⸗ zelle gesperrt worden, nachdem der Patient den Wärter ersucht hatte, durch seine Unterhaltung die Anderen nicht im Schlafe zu stören. Der Wärter habe dann auf ihn losgeschlagen und ihn totgeprügelt. Oberbürger⸗ meister Kirschner hat Untersuchung eingeleitet und den Stadtrat Dr. Straßmann mit der Angelegenheit betraut. Außerdem hat die Gattin Stägemanns die Sache bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

** Ein Bubenstück führten am Sonntag in Dortmund nichtswürdige Burschen ans, indem sie in einer Wirtschaft die Gasbrenner auf dem Abort ab drehten, so daß Gas ausströmte. Mit einem Lichte in der Hand bemühten sich die Wirtin, deren Tochter und ein Heizer zu erfahren, von wo der Geruch ent standen war. Plötzlich erfolgte eine furchtbare Detonation und alle drei wurden sehr schwer verletzt.

k Fünffacher Mord. In Damerkow, Kreis Stolp in Pommern, schlug der Arbeiter Bantin mit einer Axt die Wittwe Dona tot. Als er ihr Geld rauben wollte, kam Frau Grunst mit drei Kindern hinzu. Alle Vier erschlug Bantin und entfloh alsdann.

Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung.

Wegen bedeutender Lohnreduk⸗ tion traten am Montag sämtliche Schuhmacher der Mainzer Schuhfabrik Waldmann u. Co. in den Ausstand. Bei den Arbeiterinnen wurden die Löhne um die Hälfte heruntergesetzt, wodurch sie bei den hohen Lebensmittelpreisen natürlich sehr empfindlich getroffen werden.

T Einen schönen Erfolg hat die Brauerorganisation in Kulmbach in Bezug auf ihre Anerkennung durch die Unter⸗ nehmer erfochten. Durch die Boykottirung des Kulmbacher Bieres in Sachsen wurden die organisationsfeindlichen Arbeitgeber zum völligen Nachgeben gezwungen und 14 Brauereiftrmen verstanden sich zur Abgabe einer schriftlichen Erklärung, in der sie sich u. A. verpflichteten, alle von der Lohnkommission getroffenen Ver⸗ einbarungen strengstens zu beachten, der Organi⸗ sation der Brauereiarbeiter künftig nichts in den Weg zu legen, die Koalitionsfreiheit der Arbeiter zu respektien und bei Bedarf von Arbeitskräften in erster Linie arbeitslose Brauer und Hilfsarbeiter am Orte selbst einzustellen.

Der schristliche Holzarbeiter⸗Ver⸗ band eine Streikbrecher-Organi⸗ sation. In der Tischlerei von Zache in Berlin, Fruchtstraße 8, hatten die Gesellen die Arbeit niedergelegt. Sie verlangten, daß die durch fortgesetzte Abzüge verminderten Löhne wieder auf die frühere Höhe gebracht werden, und daß zwei Gesellen, die mit einem Schein von dem Arbeitsnachweis der Innung einge stellt waren, wieder entlassen würden, ein Ver⸗ langen, welches angesichts des Kampfes, den

die organlsierten Holzarbeiter seit Monaten

gegen den Arbeusnachweis der Innung führen, durchaus berechtigt ist. Die dem christlichen Verbande angehörigen Gesellen hatten vorher die Arbeit mit niedergelegt, traten dann aber als Streikbrecher ein, der Vorsitzende ihrer Organisation beorderte sogar seine Verbands- mitglieder in diese Werkstelle. Eine nette Organisation!

Die Mannheimer Gewerbegerichts⸗ wahlen sind nun auf den 17. November anberaumt und zwar müssen neue Vorschlags⸗ listen eingereicht werden. Die Christlichen und Hirsch⸗Dunckerianer, die bekanntlich das erste Mal die Einreichung der Listen zur Pro⸗ portionalwahl vergessen hatten, haben nun erreicht, was sie wollten. Verdient auch ein derartiges Verfahren den schärfsten Protest, so können andererseits die Gewerkschaften es nur begrüßen, sich in offenem Kampfe mit ihren Gegnern messen zu können und diesen ihre Nichtigkeit im Verhältnis zur klassenbewußten Arbeiterschaft im eigenen Spiegelbilde zu zeigen.

Buchdrucker⸗-Einigung. Nunmehr dürfte endlich der verderbliche Streit, der jahre⸗ lang unter den Buchdruckern herrschte, und der vom Verband auf der einen, der an Mitgliederzahl nur schwachenGewerkschaft auf der andern Seite geführt wurde, eingestellt werden. Wie das Verbandsorgan, derCorrespondent schreibt, sind die Verhandlungen wegen Aufnahme der Gewerkschaftsmitglieder in den Verband am 14. Oktober in Leipzig zum Abschlusse gebracht worden und die Gauvorstände dürften den Vereinbarungen zustimmen.

Versammlungskalender.

Samstag, den 25. Oktober.

Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vollzählig erscheinen! Marburg. Parteiversammlung. Abends

9 Uhr bei Jesberg. Sonntag, den 26. Oktober.

Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammlung bei Orbig. 11 Uhr Oeffentliche Glaserversammlung.

Lollar. Nachmittags 3 Uhr Zusammenkunft der Kollegen bei Schupp.

Montag, den 27. Oktober.

Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr

Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 2. November.

Alsfeld. Wahlverein. Nachmittags 4 Uhr Ver⸗

sammlung bei Wirt Kloos.

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Ugnserer heutigen Auflage liegt ein Preisverzeichnis des Warenhau ses Adolf Baer n Gießen bei, worauf

wir unsere Leser aufmerksam machen.

fesche Stadttheate

Sonntag, den 26. Oktober 1902: nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung:

Sneewittchen und die sieben Zwerge

Komödie in 5 Bildern von C. A. Görner abends:

Othello,

der Mohr von Venedig mit Richard Kirch als Gast. Dienstag, den 28. Oktober 1902:

Der Stabstrompeter (Volkstümliche Vorstellung) Mittwoch, den 29. Oktober 1902: Zum ersten Male:

Der Ausflug ins Sittliche

Komödie in 4 Akten von Georg Engel Freitag, den 31. Oktober 1902:

Kabale und Liebe

Trauerspiel in 5 Akten von Friedr. v. Schiller.

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