Ausgabe 
23.2.1902
 
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Seite 4.

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Mitteldeutsche Sonntaags⸗Zeitung.

herzogtums Oldenburg gegen die Stimme unserer Genossen genehmigt. Dann wird über das Regentschaftsgesetz beraten. Hierbei bemerkt Genosse Dr. David, daß das Selbst⸗ bestimmungsrecht des Volkes beim Eintritt einer Regentschaft nicht dadurch beschnitten werden dürfe, daß die Wahl des Regenten auf die Mitglieder landesherrlicher oder reichsständischer Familien beschränkt bleibe. Brentano hält diese Beschränkung im Interesse der monarchi⸗ schen Idee für nötig. Der Antisemit Bär ebenfalls, schon weil ihm so dieRassenreinheit des Regenten garantiert erscheint. Die Anträge der Majorität des Ausschusses bezüglich dieser Vorlage werden mit großer Mehrheit an ge⸗ nommen.

Die Regierungsvorloge betr. die Abänderung des Gesetzes über die Ausführung der Unfall⸗ und Krankenversicherung bezüglich der im land- und forstwirtschaftlichen Betriebe be⸗ schäftigten Personen wird nach längerer Dehatte an den Ausschuß zurückverwiesen. Dasselbe geschieht auch mit der Regierungsvorlage, die Strafverfolgung des Landtagsabgeordneten Haas betreffend.

Hierauf giebt der Abg. Frenay den Aus⸗ schußbericht über den Antrag Ulrich betreffend die Milderung der Arbeitslosigkeit. Der Berichterstatter tritt für den Antrag ein und meint, daß die Verhältnisse inzwischen nicht besser geworden seien. Redner erinnert dabei auch an die Arbeitslosenzählung der Berliner Gewerkschaften, der er ihre große Bedeutung nicht absprechen will. Indessen sei es notwendig, die Arbeiterstatistik noch weiter auszubauen und zwar müsse ein Beirat des statistischen Amtes aus den Kreisen der Arbeiter und Ar beitgeber eingesetzt werden. Dafür möge die hessische Regierung ihren Einfluß in Berlia geltend machen. Redner tritt alsdann auch sehr warm für die Arbeitslosenversicherung ein, von der er meint, daß sie unter allen Umständen eine obligatorische sein müsse.

von Uah und Lern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Gießener Angelegenheiten.

Zu was ein Stadtverordneten⸗ mandat gut ist. In der Stadtverordneten⸗ Versammlung am Donnerstag kam es zu in⸗ teressanten Polemiken über die Teilnahme von Stadtverordneten an Grundstücksspekulationen. Herr Löber soll bei Grundstücksversteigerungen erklärt haben, daß er für die Stadt Käufer sei, obschon er dazu auch nicht den geringsten Auftrag hatte. Ebenso hat er dem Bürger⸗ meister erklärt, daß am Rodberg ein Acker für 2200 Mk. verkauft seiz hätte er von dem Ver⸗ kauf gewußt, hätte er den Bürgermeister dar⸗ auf aufmerksam gemacht, da das Grundstück für den BahnhofNord notwendig sei. Auch hier erklärte Bürgermeister Mecum, daß Herr Lober bereits früher 2000 Mk. auf das Grund⸗ stück geboten habe und jetzt habe Herr Müller Möser(Schwiegersohn Löbers) 7000 Mk. ge⸗ boten! Wenn die maßlosen Grund⸗ stücksspekulationen in dieser Gegend nicht auf⸗ hörten, würde der Bahnhof überhaupt nicht gebaut werden und dann möge sich der Stadt⸗ teil bei Herrn Möser und seinen Freunden bedanken.

Herr Löber bestritt so ziemlich alles, auch dasjenige, was ihm durch Dokumente nachge⸗ wiesen wurde. In seinem eigenen Interesse dürfte es liegen, die Einzelheiten klarzustellen, da er als Stadtverordneter die vom Bürger⸗ meister erhobenen Vorwürfe nicht auf sich ruhen lassen darf.

Hieran anschließend brachte Gen. Krumm noch ein Mal die Nichtwahl des Herrn Huhn in die Baudeputation zur Sprache. Auch hier war der Bürgermeister in der Lage, Herrn Huhn Vorwürfe zu machen, die ihn in zwei⸗ deutigem Lichte erscheinen lassen. Er soll Privaten Pläne und Kostenberechnungen auf⸗

als Käuferin recht unbillige Preise zu fordern. Wann die Pläne gemacht worden seien, wurde nicht festgestellt. Auch Herr Huhn hat ein großes Interesse daran, festzustellen, daß seine Thätigkeit in dieser Sache als Architekt statt⸗ fand, bevor er Stadtverordneter wurde.

Unsere Meinung ist nach wie vor, daß Grundstücksspekulanten aus dem Stadtparla⸗ ment ferngehalten werden, sie gehören nicht hinein.

Stammte Liebknecht von Martin Luther ab? Diese Frage, die unserm verstor⸗ benen Genossen selbst sicher sehr wenig Schmerzen gemacht hat, erörterten dieser Tage partei⸗ genössische und auch bürgerliche Zeitungen. Diese Erörterungen sind durch eine Aeußerung Bernsteins angeregt, der sich in seinen Dokumenten des Sozialismus dahin ausspricht, daß Liebknecht wiederholt von seiner Abstammung von Luther gesprochen habe, daß somit anzu⸗ nehmen sei, seine Eltern hätten darüber Nach⸗ weise gehabt. In seiner Plauderei im Neue⸗ Welt⸗Kalender für 1901:Aus meiner Schul meisterzeit erklärt Liebknecht die bei ihm als Kind vorhanden gewesene Abneigung gegen die Katholiken damit, daß seine Familie trotz liberaler Anschauungen auf die von ihr fest geglaubte und von hessischen Genealogen behauptete Abkunft von Dr. Martin Luther nicht wenig stolz war. Zum Andenken an den berühmten Urahn wurde mir auch der Vorname Martin zu meinen anderen vier Namen noch zugelegt.

Auch Genosse Scheidemann erzählt in der Fränk. Tagespost, daß Liebknecht in ver⸗ traulichen Gesprächen wiederholt von dem Ahnen Luther gesprochen habe,doch wollte es uns immer scheinen, als wenn es in seiner spöttischen Weise geschah. Bestimmte Nachweise über nur wenige Generationen zurück schien Liebknecht nicht zu haben. Wir erinnern uns noch sehr wohl, wie sich der gute Alte freute, als wir ihm die Photographie eines von unserem Genossen Orbig entdeckten Grabsteins vom Gießener Friedhof übermittelt hatten. In lateinischer Sprache waren auf jenem Stein verschiedene wichtige Angaben über Vorfahren Liebknechts enthalten. Unter anderem wurde darauf ein Professor Liebknecht erwähnt, der Theologie und Philosophie in Gießen gelehrt hatte und, wie aus einer mit Unterschrift ver⸗ sehenen Lithographie, die ihm Bürgermeisterei⸗ gebäude aufbewahrt wurde, hervorging, auch Rektor der Universität gewesen ist. Daß der bekannte Pfarrer Weidig, der auf so schmähliche Weise im Gefängnis ums Leben kam, ein sehr naher Verwandter Liebknechts war, ist be⸗ Kann

Für uns, die Genossen in der Vaterstadt Liebknechts ist die Sache besonders interessant. Der von Scheidemann erwähnte Grabstein ist an der Kapelle des alten Friedhofs an⸗ gebracht und zwar an der Seite nach der Grünbergerstraße zu.

Auf den Unterhaltungs⸗Abend, den der soz. dem. Wahlverein für Sonntag im Lokale Orbig arrangiert hat, machen wir die Parteigenossen und Freunde unserer Sache nochmals aufmerksam. Nach den uns zuge⸗ gangenen Mitteilungen wird eine solche Fülle guter Unterhaltung geboten werden, daß jeder⸗ mann befriedigt sein wird.

Populär⸗wissenschaftlicher Vortrag. Das Gewerkschaftskartell hat für Donnerstag den 27. Febr. Herrn Konrad Beißwanger Nürnberg zu einem wissenschaft⸗ lichen Vortrage gewonnen. Derselbe findet im SaaleSteins⸗Garten statt: Herr Beiß⸗ wanger, dessen Vorträge in vielen deutschen Städten großen Beifall fanden, wird hier über: Die Wunderwelt des Ozeans und Die Erde und ihre Lebe wesen sprechen. Durch Vorführung zahlreicher Tier⸗ präparate, ausgestopfter Tiere, Versteinerungen etc. werden die mündlichen Ausführungen näher erläutert werden, so daß ein äußerst lehrreicher und interessanter Abend in Aussicht steht. Deshalb ist jedermann der Besuch aufs Wärmste

halten solche von ihrem Kartelldelegierten un⸗ entgeltlich. Die Kartelldelegierten

½9 Uhr abends.

soll vor einigen Tagen

ausgefochten worden sein. darauf sein Tod eintrat.

Aus dem Rreise Wetzlar. h. Lungenheilkuren.

nicht langer Zeit im Kreise Wetzlar eine

Auch die Behörden,

löblichen Thun sind wir natürlich sehr einver⸗ standen. mehrfach betont wüßten wir noch bessere und wirksamere Mittel zur Bekämpfung der Lungenschwindsucht. Bessere Lebenshaltung der arbeitenden Klassen ist die Hauptsache!

Landräte, die man so liebevoll für die armen Lungenkranken sorgen sieht, Doch lassen wir das; gut ist es jedenfalls daß wir eine Lungenheilstätte haben und noch bessfer wäre es, wenn die dort behandelten Kranken keine Klagen zu führen hätten! Leider giebt es deren zahlreiche und ihre Veröffent lichung ist im Interesse der armen Kranken notwendig. Daß die Klagen berechtigt sind, geht schon aus der ganz bedeutenden Abnahme der Frequenz hervor. Zunächst ist es daß Essen, über das viel Beschwerde geführt wird Das wollen wir indessen nicht in den Vorder grund stellen, dieweil der Geschmack verschieden ist und es darin schwerlich Allen recht ge macht werden kann. Eine gute Behand lung gehört aber auch zur Krankenpflege, daran läßt es jedoch Herr Dr. Liebe fehlen ja er scheint manchmal ganz zu vergessen, daß er Kranke vor sich hat. Ein Beispiel. Vo einiger Zeit beschwerten sich die Kranken übe die Milch, die angebrannt war. Das bestrit

ste selbst gekocht,wenn es aber einem nich schmeckt, beschweren sich Alle!Unerhört! ließ sich ein Kranker ob dieser Unterstellunge vernehmen. Das hörte aber der Herr Dokt noch, der eben hinzutrat.Sie haben meine Fran beleidigt, fuhr er den Kranken an,wären S mir gesellschaftlich ebenbürtig, würde ig

kann man gewiß nicht verlangen! Auf dies Art wären die Kranken ein für allemal vo ihren Lungenleiden kuriert! Zwar dürfte dies Kurmethode nicht überall annerkannt werden Ein andermal bezeichnete Herr Dr. Lieh die Kranken als Rowdys, und nur al diese sich die Beschimpfung energisch verbates nahm er sie zurück. Derartige Behandlung nicht geeignet, den Hellungsprozeß zu förder Ganz einwandfrei scheinen auch die gesund lichen Verhältnisse in der Anstalt nicht zu el eine Anzahl Patienten wurden in der Anstz von Flechten befallen. Man weiß nic worauf die Ansteckung zurückzuführen ist, Sach des Arztes wäre es aber doch nachzusehen, un dafür zu sorgen, daß die ohnehin geplagte Menschenkinder nicht noch andere Krankhel mit fort nehmen. Mit dem Brie geheimnis nimmt man's auch m genau. Ein Kranker erhielt einen richtig ihn adressierten Brief eröffnet zuges

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zu empfehlen. Die Karten kosten an der Kasse

gestellt haben, die sie bestärkt haben, der Stadt

50 Pfg. Die Gewerkschaftsmitglieder er⸗

Wer ihn erbrochen, weiß man nicht. 1 sieht, es muß viel gebessert werden, wenn!

sollen die Karten am Samstag, den 22. Febr. von abends 9 Uhr ab bei Orbig in Empfang nehmen. Der Vortrag beginnt am Donnerstag pünktlich

Ein Duell mit tödtlichen Folgen in einer hiesigen studentischen Verbindung der Allemania Bei einer Säbel⸗ mensur habe der eine der Duellfexen derartige Verwundungen erhalten, daß wenige Tage Von einer gericht⸗ lichen Untersuchung haben wir noch nichts gehört.

i Wie schon früher in andern Gegenden Deutschlands wurde vor

Lungenheilstätte errichtet. Um die Grün⸗ dung dieses wohlthätigen Instituts hat sich besonders Herr Dr. med. Liebe verdient ge⸗ macht und er ist es auch, der der Anstalt Waldhof⸗Elgershausen als Direktor vorsteht. die Oeffentlichkeit und Private thaten Vieles, um die Errichtung der Lungenheilstätte zu ermöglichen, denn die Tuber⸗ kulose muß mit allen Mitteln und im Interesse der Gesamtheit bekämpft werden. Mit diesem

Trotzdem das haben wir schon

Da für treten aber die Fabrikanten, Politiker,

Sie vor die Pistole fordern! Mehr

weniger ein!

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Frau Dr. Liebe, die Milch sei gut, sie hal!

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