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nicht ewig bestehen bleiben.
Nr. 25. Gießen, Sonntag, den 22. Juni 1902. 9. Jahrg. 5 Redaktion: Redaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
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Revolution. Durch die Bewegung in Belgien und die Gährung in Rußland, die sich in verschiedenen Attentaten äußerte, sind wieder Erörterungen über die Revolution angeregt worden. Selbst⸗ verständlich regt sich dabei in vielen guten Spießbürgerseelen die große Angst vor dem „roten Gespenst“. Sozialdemokratie und Kul⸗ turfeindschaft werden einander gleichgesetzt. So hat man leicht Vorwände und Entschuldigungen für alle reaktionären Wünsche und Maßregeln. In Wahrheit sind unsere Ziele nur Kultur⸗ ideale. Wir halten es eben im Interesse der Kultur, im Interesse des gesamten Geisteslebens der Menschheit für unbedingt nötig, daß die großen Massen, welche doch eben die Menschheit bilden, zur Teilnahme an diesem Leben gelangen, daß man ihnen die Wege dazu nicht durch Ausnahmegesetze, ungerechte Verbote und sonstige willkürliche Unterdrückungsmaßregeln verram⸗ melt. Mit weniger Anstand als etwa unsere heutige, zum großen Teil recht sauf⸗ und rauf⸗ lustige Studentenschaft, würden sie diese Wege gewiß nicht betreten. Es handelt sich uns nicht darum,— was Leute, die uns nur aus ein paar gehässigen Phrasen kennen, so gern be⸗ haupten— alle Menschen im Handumdrehen gleich, vor allem gleich reich zu machen. Es gilt nur, gerechtere Daseinsbedingungen zu schaffen, so daß jeder bei mäßiger Arbeit men⸗ schenwürdig leben kann. Die jetzigen Daseins⸗ bedingungen aber, unter denen der Zufall der Geburt und der Geldbeutel der Eltern mehr bedeutet als geistige Anlagen und wirkliche Arbeitskraft, die können nach unserer Ansicht Sie zu verbessern, die Ausbeutung der Masse durch den Kapitalis⸗ mus zu beseitigen, das ist die Umwälzung, die„Revolution“, welche wir erstreben. Die Vernunft ist es, die uns dieses Ziel zeigt; sie wird uns auch die Wege weisen, auf denen es zu erreichen ist. Im Glauben an die Erreichbarkeit dieses Zieles wird uns nichts beirren. Denn es ist ja nur Gerechtigkeit, was wir wollen, und wenn sich die niemals verwirklichen ließe, dann verdiente die Welt überhaupt nicht zu existieren. b Ob aber die Mittel, mit denen wir da⸗ nach arbeiten, friedliche sind oder nicht, das
hängt nicht von uns, das hängt im Gegenteil vielmehr von der Haltung der andern Parteien ab. Gewalt ist vom Standpunkte der Kultur aus betrachtet, stets zu bedauern. Aber wenn man uns die Pistole auf die Brust setzt? Wenn man Vereine der Arbeiter und unserer Partei hindert, wo man kann, zerstört, die der Gegner aber fördert? Wenn man, wie es der biedere Frankfurter General⸗Anzeiger kürzlich wünschte, um nur ja die Gewinne der Industrie nicht zu schmälern, lieber die Ansprüche der Arbeiter auf menschenwürdiges Leben zurückzudrängen sucht? Wenn man das Wahlrecht im Interesse derjenigen einseitig gestaltet, die doch an und für sich schon den größeren Einfluß in der Regierung haben?
Vorläufig steuern wir in Deutschland auf friedlichem Wege vorwärts. Es wäre gut, wenn das so bliebe. Das wünschen wir selbst. Aber wir können trotzdem das Wilnaer Attentat auch nicht verdammen. Unter der russischen Knute hat das unglückliche Volk zur Zeit eben noch keine andern Mittel, seiner be— rechtigten innern Empörung Luft zu machen. Und der Attentäter verdient unsere Bewunde⸗ rung so gut, wie etwa ein Major Schill, der (1809) auf eigene Faust Preußen von den Frauzosen zu befreien suchte. Hier wie dort ist es der gleiche Idealismus, der das eigne Leben gern auf's Spiel setzt, weil er für die Allgemeinheit etwas zu gewinnen hofft. Mag diese Hoffnung nun klug sein oder nicht— das eine müssen wir jedenfalls allen Scharf⸗ machern vorwerfen, daß sie ungerecht urteilen, wenn sie in dem einen Fall nur auf den Haß, im andern nur auf die persönliche Aufopferung hinweisen, d. h. egoistisch nur vom Standpunkt der eigenen Interessen aus urteilen.
Vergessen wir nicht, daß dieser kurzsichtige Egoismus des Adels es war, der Rom in die blutigen Bürgerkriege hineinstieß, daß er es war, der über Frankreich die Schrecknisse der Revolution e pee Beiden Ländern wäre es besser gewesen, sie hätten auf ver⸗ nünftigem friedlichem Wege die absolut nötigen Reformen durchgeführt. In beiden Ländern hat es nicht an einsichtsvollen Männern gefehlt, welche diese Wege deutlich und früh genug zeigten. In beiden Ländern aber war der Adel auch nicht zu dem kleinsten Zugeständnis an die Gerechtigkeit bereit. Damit hat er die blutige Strafe verdient, die er erhielt, und hat die Verantwortung zu tragen für all die Nach⸗ teile, die den Völkern daraus erwachsen sind. Oder will er es versuchen, auf die Regierungs⸗ unfähigkeit des Volkes diese Schuld abzuschieben? Auch regieren will gelernt werden. Wer aber hatte in den genannten Ländern dem Volke jede Gelegenheit geraubt, durch Teilnahme an der Regierung diese zu lernen?
Eben thun wir in Hessen in dieser Beziehung wieder einen Schritt vorwärts durch die Wahl⸗ rechtsverbesserung. Wir begrüßen diesen Schritt mit Freuden. Mögen bald weitere folgen! Möge es den reaktionär egoistischen Gelüsten unseres Adels, unserer Kapitalisten nicht glücken, die gedeihliche Entwickelung unseres Volkes, unserer Kultur in Frage zu stellen. Wenn man uns nicht zur Verzweiflung treibt, so sind wir gewiß die letzten, die Feuer und Schwert
für die edelsten Mittel halten, mit denen sich irgendwelche Kulturideale verwirklichen ließen.
Um das Landtagswahlrecht.
Wir hätten nicht erwartet, daß die General⸗ debatte über den Wahlgesetzentwurf einen solchen Umfang annehmen würde, als es bhatsächlich der Fall war. Noch weniger hätte man in unserer Zet Ausführungen über Volksrechte für möglich halten sollen, wie sie hier von Volksvertretern eines modernen Staates zum Besten gegeben wurden. Geradezu vorsintflut⸗ liche Ansichten! Das Ungeheuerlichste leisteten verschiedene Nationalliberale, besonders Jöckel aus Friedberg. Von den Nationalliberalen hat übrigens jeder eine andere Meinung in Bezug auf das Wahlrecht, Freunde vom direkten sind nur einzelne von ihnen. Es muß Wunder nehmen, daß trotzdem bei der Abstimmung über den Artikel 4 die direkte Wahl mit großer Mehrheit(40 gegen 5 Stimmen) angenommen wurde. Als Gegner des direkten Wahlrechts erklärten sich die Nationalliberalen Heidenreich, Jöckel, Möllinger und Koch, sowie der Antisemit Leun, der Abgeordnete für Gießen-Laud. Dessen Abstimmung wundert uns eigentlich nicht. Denn hätten wir nicht das indirekte Wahlrecht gehabt, so säße Herr Leun nicht im Land⸗ tage, er hat sich gewissermaßen vermittels des indirekten Wahlrechts hineingeschmuggelt und man kann deshalb wohl begreifen, daß er nicht für seine Beseitigung ist.
Die weitere Debatte brachte zunächst die famose Rede des Friedberger Abgeordneten, die schon in der letzten Nummer eine Beleuchtung erfahren hat. Es hieße die Geduld unserer Leser auf eine allzuharte Probe stellen, wollten wir uns mit den Weisheiten des Herrn Jöckel näher befassen. Der Mann gehört mit seinen politischen Anschauungen in die Zeit des alten Fritzen. Die Junkerpartei wird ihn hoffentlich bald das Ehrenmitglieds⸗Diplom aushändigen! Sehr richtig sagte Ulrich, diese Rede Jöckels sei die Grabrede des Liberalismus gewesen, Jöckel habe das Totenlied der Nationalliberalen gesungen.— Warun solle denn das Reichstags⸗ wahlrecht nicht auch für den Landtag gelten? Wenn der Arbeitgeber zu stark sei, fährt Ulrich fort, so daß der Arbeitnehmer, der auf den Verkauf seiner Arbeitskraft angewiesen ist, gegen seine Ueberzeugung zu wählen ge— zwungen wird, um des Brotes willen, so ist die Geheimhaltung der Wahl das einzige Mittel, den wahren Eindruck von der Meinung des Volkes zu erhalten. Gerade durch das öffentliche Wahlrecht züchtet man Heuchler. Die Wahl pflicht anlangend, erklärt der Redner, daß er und seine Freunde an sich dagegen nichts einzuwenden hätten, sie diene ja nur zur Klärung im politischen Leben. Dann müsse aber unter allen Umständen die Steuerklausel fallen, da sich beides, Steuerklausel und Wahlpflicht, nicht vereinigen lassen. Trotz des Abg. Jöckel gebe es eben nun einmal im modernen Staat Klassenunterschiede. Das Volk sei geschieden in Besitzende und Nichtbesitzende. Man verlange seitens seiner Partei nur die völlige Gleichberechtigung der Arbeiter mit Bil— dung und Besitz. Bildung und Besitz zum Maßstabe des Wahlrechts zu machen, sei gar zu veraltet. Nach diesem Maßstabe würde der größte Teil der Bevölkerung zur Zeit überhaupt wahlrechtlos werden. Man könne
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