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Nr. 38. Gießen, Sonntag, den 21. September 1902. 9. Jahrg Redattion: 7 1 Redaktionsscuß Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Mitteld eutsche e 5 4 U = 2 2 55
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Unser Parteitag.
Unser diesjähriger Parteitag— der drei⸗ zehnte seit dem Fall des Sozialistengesetzes— wurde vorigen Sonntag in München eröffnet. Das Kongreßlokal befindet sich in der Vorstadt Schwabing, einem Orte, der noch vor kaum zehn Jahren zu dem unbestrittenen Zentrums⸗ gebiet gehörte, wo die Abhaltung eines sozial⸗ demokratischen Parteitages eine Unmöglichkeit gewesen wäre. Obwohl das Lokal ganz respek⸗ table Raumverhältnisse aufweist, konnten die Räume den gewaltigen Andrang nicht im Ent⸗ ferntesten genügen, trotzdem von vornherein nur organisterten Parteigenossen der Zutritt gestattet war. Der Parteitag ist stark besucht, obwohl wegen der weiten Entfernung für die nördlichen Reichsgebiete eine zahlreichere Beschickung ja seine pekuniären Schwierigkeiten hat. Frauen sind zahlreich erschienen; es fand bereits vor dem Parteitage eine Konferenz sozialdemokrati⸗ scher Frauen statt, auf deren Verhandlungen wir noch an anderer Stelle zurückkommen werden. Auch unter der Zuhörerschaft war das weib— liche Element ziemlich zahlreich vertreten. Von der Reichstagsfraktion fehlen nur wenige, die bayerische Landtagsfraktion ist vollzählich zur Stelle. Vollzählich ist auch die hessische Fraktion vertreten; außerdem sind aus Hessen als Delegierte anwesend: Busold⸗Friedberg, Raab⸗Pfungstadt, Rink⸗ Offenbach, Fried⸗ berg⸗Mainz für den Kreis Bingen⸗Alzey und Vetters⸗Gießen. Im Ganzen sind 243 Teil⸗ nehmer anwesend, darunter befinden sich 37 Abgeordnete. Groß ist die Zahl der Gäste aus dem Ausland. Aus Oesterreich sind Dr. Adler und Pernerstorffer, Lehrer Seitz und Redakteur Joseph Seliger aus Teplitz, Frau Popp, Frau Schlesinger und Frau Pohl⸗Glas eingetroffen, aus Belgien Vandervelde, aus Italien G. Lerda und Frau Lerda⸗Olberg.
Das Lokal ist hübsch dekoriert. Tannenreisig und Tannenguirlanden schmückten die Säulen und Wände, Schilder erinnern an die früheren Parteitage der Gesamtpartei und der bayerischen Sozialdemokratie, herrliche Seidenfahnen hängen herab, die Banner bayerischer Arbeitervereine. Schwabes Kolossalbüste der Freiheit, die zuerst im Kongreßsaal zu Hannover die Vertreter der Partei grüßte, sieht aus einem Hain immer⸗ grüner Pflanzen neben der breiten Tribüne, auf der das Präsidium sitzt, auf die Delegierten herab. Für die Presse ist die Quertafel vor dem Podium bestimmt, die trotz ihrer Länge kaum ausreicht, um neben den Vertretern unserer Parteipresse den sehr zahlreich anwesenden
bürgerlichen Journalisten Platz zu gewähren.
Gesang der Münchener Arbeitergesangvereine Echo, Nordwest und Vorwärts ging der Er⸗ öffuung des Parteitages voran. Gewählt war ein Lied, dessen Text von unserem verstorbenen Max Kegel gedichtet ist:„Saat und Ernte.“
Kurz nach 7 Uhr betritt unser alter Münchener Genosse Birk das Rednerpult und begrüßt Namens der Münchener Parteigenossen die er⸗ schienenen Verkreter. Nicht mit Glockenklang und Kanonendonner, sondern mit einem schlichten, kernigen Proletarierliede haben wir den Partei⸗ tag willkommen geheißen. Wenn in München
auch historische Thaten nicht verrichtet wurden,
so haben doch die Münchener Parteigenossen in
harten Stürmen mitgekämpft
und manchen unserer alten Mitkämpfer finden Sie heute in Ihren Reihen. Gar manche aber dieser alten Mitkämpfer sind uns entrissen, und auch ihrer wollen wir heute freundlich gedenken. Unter volksfeindlichen Verhältnissen, wie sie heute herrschen, unter dem Zeichen des Brotwuchers, muß der Kampf für das Proletariat immer ernster und schwerer werden. In diesem Saale, der unsere Waffenschmiede sein soll, wird in den nächsten Tagen mancher Funken fliegen. Aber die Gegner werden nicht die Freude haben, sie Feuer fangen zu sehen(Bravorufe.) In unserer schönen, gemütlichen Stadt, die so reich an Kunstschätzen ist, heiße ich Sie nochmals herzlich willkommen.(Stürmischer Beifall.)
Hierauf ergreift Namens des Parteivorstandes das Wort Auer. Er dankt dem Vorredner im Namen der Delegierten. Es ist der erste Kongreß, sagt er, den die sozialdemokratische Partei Deutschlands in Bayern abhält. Die Gestaltung des Vereinsgesetzes hat uns bisher daran gehindert. Diese Hindernisse sind nun gefallen, und allgemein herrschte das Bestreben, in diesem Jahre nach München zu kommen. Jetzt sind wir hier und wir sind überzeugt, daß sich dieser Parteitag würdig seinen Vor⸗ gängern anreihen wird. Wichtige Aufgaben haben wir zu erledigen. Wir haben uns vor Allem mit der nächsten Reichstagswahl zu be⸗ fassen. Mit Ernst und Sachkenntnis— das darf ich wohl aussprechen, gestützt auf frühere Erfahrungen— wird auch diesmal die Tages⸗ ordnung erledigt werden. Gewiß, es werden Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck kom⸗ men, aber sie werden in einer Art und Weise zum Austrag gebracht werden, wie es sich unter Genossen, unter Freunden, unter Personen, die denselben Zielen zustreben, geziemt. Und dem gleichen Ziele, der Emanzipation der Arbeiter- klassen, streben wir ja Alle zu, wenn auch der eine oder andere im konkreten Falle in einem bestimmten Punkte anderer Meinung sein kann. In der Erwartung, daß die Verhandlungen des Parteitages ebenso erfolgreich für unser Parteileben, für die Entwicklung der sozial⸗ demokratischen Bewegung in Deutschland sein mögen, erklärt er den Parteitag für eröffnet.
Es folgt die Wahl des Bureaus, Singer und Vollmar werden zu Vorsitzenden gewählt. Die Geschäfts⸗ und Tagesordnung wird nach der Vorlage angenommen und darauf die Vorversammlung geschlossen.
Am Montag früh begrüßt Singer als Vorsitzender zunächst die ausländischen Gäste. Wir sind stolz darauf, erklärte er, eine so große Anzahl Vertreter der Sozialdemokratie aus anderen Ländern unter uns zu sehen. Die deutsche Sozialdemokratie ist sich stets der Pflicht gegen die internationale Partei bewußt gewesen. Ich bitte die Genossen, in ihre Heimat die Versicherung mitzunehmen, daß wir in Deutsch⸗ land nie vergessen werden, daß das Gefühl der Solidarität die Proletarier aller Länder durchdringt. Hierauf begrüßten die ausländi⸗ schen Genossen den Parteitag im Namen ihrer Auftraggeber. Hervorgehoben seien die Worte des Genossen Vander velde(Brüssel), der im Namen der Sozialisten französische Zunge spricht. Er überbringt den Dank der belgischen Sozialdemokratie für die Unterstützung durch die deutschen und österreichischen, Genossen in
dem schweren Kampfe um das Wahlrecht, den sie vor wenigen Monaten zu käupfen hatte. Der Kampf um die Gleichberechtigung des Proletariats ist zwar unterbrochen worden, er wird aber mit Einsetzung aller Kräfte bis zum endlichen Siege durchgefochten werden. Die belgische Partei ist einiger denn je aus dem schweren Kampfe hervorgegangen, das hat der Verlauf der letzten Wahlen gezeigt und wenn der Kongreß der belgischen Sozialdemokratie auch Meinungsverschiedenheiteu ergeben hat über die Richtigkeit der gewählten Kampfesmittel, so war doch Einigkeit darüber, daß der Kampf zu Ende geführt werden müsse.— Frau Zetkin übersetzt Vanderveldes Rede, die mit lebhaftem Beifalle aufgenommen wird.
Auer erstattet nun den Bericht des Parteivorstandes. Er verweist zunächst auf den veröffentlichten Bericht und wendet sich unter Bezugnahme auf mehrere Anträge zur Tagesordnung gegen die Praxis, durch bestimmte Beschlüsse die Tagesordnung des nächsten Parteitages festzulegen. Zu den Anträgen auf Herausgabe von Agitationsbroschüren, die sich gegen das Zentrum richten sollen, meint er, es sei in Ueberfülle Material gegen das von der Oppositions⸗ zur Regierungspartei umge⸗ wandelte Zentrum vorhanden, Es habe zahl⸗ lose Sünden auf dem Kerbholz, man brauche nicht nach Material zu suchen.
Gewiß ist der Kampf gegen das Zentrum nicht leicht. Das Zentrum hat in jedem Pfarrer und Kaplan einen wohlbesoldeten und gut unter⸗ richteten Agitator. Es repräsentiert eine Macht, gegen die, wie der Dichter sagt, Götter selbst vergebens kämpfen.(Heiterkeit.) Aber unüber⸗ windlich sind die Schwierigkeiten nicht. Die Anträge, den Vorstand zu veranlassen, gute Agitationsbroschüren herauszugeben, sind recht überflüssig. Sind gute Broschüren da, so werden sie freudig gedruckt werden, aber durch Beschlüsse sind sie nicht zu beschaffen. Das Zentrum ist auch nicht überall gleich. In Schlesien ist es anders als in Bayern, dort sind Großgrund— besitzer, hier Kleinbauern, im Rheinland sind es wieder Industriebarone. Was hier ausgezeichnet wirkt, ist dort nicht zu gebrauchen. Die ganze Anregung über den Kampf gegen das Zentrum im Zentralorgan der Partei war taktisch nicht klug. Im Zentrum rumort es, seitdem es Regierungspartei geworden ist. Die Massen empfinden noch nicht so regierungsfreundlich. Den Führern war das Wort Schädlers: Was hat die Regierung für das Volk? Kanonen und Steuerzettel!, unangenehm. Herr Schädler hat sich daraufhin beeilt, zu zeigen, daß er auch anders konnte. So wohl ist dem Zentrum nicht in seiner Haut, wie es thur und thun muß.
Redner streift dann die finanzielle Lage der Partei. Er weist auf die großen Opfer hin, welche verschiedene Preßunternehmungen ver⸗ schlangen. Für das Polenblatt wurden in 11 Jahren 30000 Mk. ausgegeben. Ein Defizit in der Parteikasse wurde durch die Erbschaft von 38000 Mk. verhindert. Aber da nicht jedes Jahr ein Rentier stirbt, der uns Tausende vermacht, so sollen die Genossen gerade in der nächsten Zukunft bedenken, daß es nicht genügt von Zeit zu Zeit ein Hoch auf die internationale Sozialdemokratie auszubringen, sondern daß man auch seinen Obolus entrichten muß. Daun besp icht der Referen die in Oberschlesien mit
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