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Nr. 29.
Gießen, Sonntag, den 20. Juli 1902.
9. Jahrg.
. Redaktion: a Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
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Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr,
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Die Landes⸗Konferenz der Sozialdemoßraten Hessens findet
Sonntag, deu 7. September 1902, Vormittags 9 Uhr,
im Gewerkschaftshaus in Worms statt.
Vorläufige Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Landes⸗Komitees. Referent Ge⸗ nosse Ulrich, Offenbach. 2. Rechnungsablage. Referent Genosse Orb, Offen bach. 3. Die bevorstehenden Landtagswahlen. Referent Genosse
Dr. David, Mainz.
4. Der Parteitag in München.
Darmstadt.
5. Die bevorstehenden Reichstagswahlen. nosse Ulrich, Offenbach. Einlaufende Anträge. Wahl des Landes⸗Komitees. Wahl des Ortes der nächsten Landes⸗Konferenz. Partelgenossen! Die Wichtigkeit der Tages⸗ ordnung macht eine zahlreiche Beschickung der Konferenz nötig, sorgt deshalb dafür, daß überall Delegierte ge⸗ wählt werden. Diskutiert die Tagesordnung und sendet etwaige Anträge rechtzeitig an den mitunterzeichneten Genossen Ulrich, damit dieselben veröffentlicht werden können.
Die Delegierten sollen mit einem Mandat versehen sein; die Formulare versendet das Landes⸗Komitee und werden dieselben vom Genossen Ulrich bezogen.
Offenbach a. M., 15. Juli 1902. Das Landes⸗Komitee.
C. Ulrich, ob,
gr. Marktstraße 23. Geleitsstraße 14
Referent Genosse Cramer,
Referent Ge⸗
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Was ist soziale Revolution? Von Genosse Kautsky sind kürzlich zwei kleine Schriften im Verlage des Vorwärts erschienen, in welchen klar und ausführlich dargelegt wird, was man unter„sozialer Revolution“ zu verstehen hat. Beide Schriften führen den Titel„Die soziale Revolution“, welches Thema in zwei Abteilungen:„Soztal⸗ reform und Sozial revolution“ und„Am Tage nach der sozialen Revolution“ behandelt wird. Es sind Niederschriften von Vorträgen, die Kautsky vor einiger Zeit über diese Materie in Holland gehalten hat. Wir können das Studium der beiden Werkchen unsern Genossen auf das Beste empfehlen. Fragen, die oftmals zu lebhaften Auséfnandersetzungen innerhalb unserer Parteikreise Veranlassung gegeben haben, werden da in lichtvoller und für jeden ver⸗ ständlicher Weise klargelegt. Folgendes sind die Ausführungen über die Frage: Was ist soztiale Revolution? Es giebt wenige Begriffe, die soviel um⸗ stritten sind, wie der der Revolution. Dies — kaun man zum Teil dem Umstand zuschreiben, daß keiner bestehenden Interessen und Vorur⸗ teilen so zuwider ist wie dieser, zum Teil aber auch dem Umstaud, daß wenige so vieldeutig sind wie er. 1 85 Vorgänge lassen sich in der Regel nicht so scharf begrenzen wie Dinge, namentlich nicht gesellschaftliche Vorgange, die ungeheuer ver⸗ wickelt sind und immer verwickelter we„ le weiter die Gesellschaft fortschreitet, daf 1 je mannigfaltiger die Formen des Zusar wirkens der Menschen werden. Und verwickeltsten Vorgängen gehört der einer sozialen
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Revolution, das heißt, einer völligen Umwälzung der überkommenen Formen des Zusammen⸗ wirkens der Menschen.
Kein Wunder, daß dieses Wort, das jeder gebraucht, fast von jedem in einem andern Sinne, von demselben zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenem Sinne gebraucht wird. Die einen verstehen darunter Barrikaden, Nieder⸗ brennen von Schlössern, Guillotinen, die Ver⸗ einigung aller denkbaren Scheußlichkeiten. Andere möchten dem Wort jeden Stachel nehmen und es nur im Sinne großer, aber unmerkbarer, friedlicher Umgestaltung der Gesellschaft be⸗ trachten, wie etwa jene, welche durch die Ent⸗ deckung Amerikas, oder durch die Erfindung der Dampfmaschine erzeugt wurden. Zwischen diesen beiden Extremen giebt es noch mannig⸗ fache Zwischenstufen.
Marx bezeichnet in seiner Vorrede zur Kritik der politischen Oekonomie als soziale Revolution die langsamere oder raschere Umwälzung des ganzen ungeheueren juristischen und politischen Ueberbaues der Gesellschaft, die aus der Ver⸗ änderung unserer ökonomischen Grundlagen her⸗ vorgeht.
Halten wir an dieser Erklärung fest, so scheidet aus dem Begriff der sozialen Revolution von vornherein die„Veränderung der ökonomi⸗ schen Grundlagen“ aus, wie sie etwa die Dampf⸗ maschine oder die Entdeckung Amerikas hervor⸗ brachte. Diese Veränderung ist die Ursache der Revolution, nicht die Revolution selbst.
Aber bei dieser Erklärung der sozialen Re⸗ volution möchte ich nicht stehen bleiben. Man kann sie auch in einem engeren Sinne fassen. Dann bedeutet nicht jede Umwälzung des juristischen und politischen Ueberbaues der Ge⸗ sellschaft eine Revolution, sondern es ist eine besondere Form oder eine besondere Methode der Umwälzung, die man darunter versteht.
Jeder Sozialist strebt die soziale Revolution in weiterem Sinne an, und doch giebt es Sozialisten, welche die Revolution verwerfen und die soziale Umwälzung nur durch die Reform erreichen wollen. Man setzt der sozialen Revolution die soziale Reform entgegen. Dieser Gegensatz ist es, der heute in unseren Reihen diskutiert wird. Nur von der sozialen Revulution in diesem engeren Sinne, als be⸗ sondere Methode der sozialen Umwälzung, will ich hier handeln.
Der Gegensatz zwischen Reform und Revo⸗ lution liegt nicht darin, daß in dem einen Falle Gewalt angewendet wird, in dem anderen nicht. Jede juristische und politische Maßregel ist eine Gewaltmaßregel, die durch die Gewalt des Staates durchgesetzt wird. Auch besondere Arten der Gewaltanwendung— Straßenkämpfe oder Hinrichtungen— bilden nicht das Wesentliche einer Revolution im SGegensatz Reform. Sie entspringen be⸗ sonderen Umständen, sind nicht notwendig mit einer Revolution verbunden und können Reform- bewegungen begleiten. Die Konstituierung der Abgeordneten des dritten Standes als National⸗
versammlung Frankreichs am 17. Juni 1789
war eine eminent revolutionäre That ohne jede äußerliche 6 thätigkeit. Dasselbe? eich hatte dagegen 1 9
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rektionen(Aufstände) gesehen, zu dem einzigen, keineswegs revolutionären Zweck, eine Brottaxe
zu erreichen, die der Brotteuerung ein Ende machen sollte!
Der Hinweis auf die Straßenkämpfe und Hinrichtungen als die Merkmale der Revolution ist aber zugleich ein Hinweis auf die Quelle, aus der wir uns Belehrung über das Wesen der Revolutionen holen können. Die große Umwälzung, die in Frankreich 1789 begann, ist der klassische Typus jeder Revolution geworden. Sie hat man vor allem im Auge, wenn man von Revolution spricht. An ihr können wir das Wesen der Revolution und auch ihren Gegensatz zur Reform am besten studieren. Der Revolution war eine Reihe von Reform- versuchen vorhergegangen, darunter am bekann⸗ testen die Turgots, Versuche, die in vieler Beziehung dasselbe anstreben, was dann die Revolution durchführt. Was unterschied die Reformen Turgots von den entsprechenden Maßregeln der Revolution? Zwischen beiden lag die Eroberung der politischen Macht durch eine neue Klasse. Darin liegt der wesentliche Unterschied zwischen Revolution und Reform.
Maßregeln, die dahin streben, den juristischen und politischen Ueberbau der Gesellschaft den veränderten ökonomischen Bedingungen anzu⸗ passen, sind Reformen, wenn sie von den Klassen ausgehen, die bis dahin die Gesellschaft politisch und ökonomisch beherrscht haben— sie sind Reformen, auch wenn sie nicht freiwillig gegeben, sondern durch die Macht der Umstände abgerungen wurden—; dagegen sind derartige Maßregeln Ausflüsse einer Revolution, wenn sie von einer Klasse ausgehen, die bisher ökonomisch und politisch unterdrückt gewesen und die nun die politische Macht erobert hat, welche sie in ihrem eigenen Interesse notwendigerweise dazu benutzen muß, den ganzen politischen und juristischen Ueberbau langsamer oder schneller umzuwälzen und neue Formen des gesellschaftlichen Zusammenwirkens zu schaffen.
Die Eroberung der Staatsgewalt durch eine bis dahin unterdrückte Klasse, also die politische Revolution, ist demnach ein wesentliches Merkmal der sozialen Revolution im engeren Sinne, im Gegensatz zur sozialen Reform. Wer die politische Revolution als Mittel der sozialen Umwälzung prinzipiell ab⸗ weist, aber diese auf solche Maßregeln be⸗ schränken will, die von den herrschenden Klassen zu erlangen sind, der ist ein Sozialrefor⸗ mer, wie sehr auch sein gesellschaftliches Ideal der bestehenden Gesellschaftsform entgegengesetzt sein mag. Dagegen ist jeder ein Revolu⸗ tionär, der dahin strebt, daß eine bisher unterdrückte Klasse die Staatsgewalt er⸗ obert. Er verliert diesen Charakter nicht, wenn er diese Eroberung durch soziale Reformen, die er den herrschenden Klassen abzuringen sucht, vorbereiten und beschleunigen will. Nicht das Streben nach sozialen Reformen, sondern die ausgesprochene Beschränkung auf sie, unter⸗ scheidet den Sozialreformer vom Sozialrevolu⸗ tionär. Andererseis wird nur jene politische Revolution zu einer sozialen Revolution, die von einer bisher gesellschaftlich unterdrückten Klasse ausgeht, welche gezwungen ist, ihre politische Emanzipation durch ihre soziale zu vollenden, da ihre bisherige gesellschaftliche
Stellung im unvereinbaren Gegensatz steht zu
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