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Nr. 16. Gießen, Sonntag, den 20. April 1902. 9. Jahra. Redaktion: 2 Redaktion 2 Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Wong en 2 4 Uhr
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Revolution in Belgien.
In 91 009 haben bekanntlich seit Jahrzehnten die Klerikalen die Regierung in der Hand. Die Art und Weise, wie die Pfaffenpartei ihre Herr⸗ schaft ausübte oder richtiger, mißbrauchte, mußte endlich den Widerstand und Unwillen des ge⸗ samten Volkes hervorrufen. Auf allen Gebieten verfolgte die christliche Regierung eine durchaus rückständige und volksfeindliche Politik und es ist kein Wunder, wenn das geplagte Volk die energischsten Anstrengungen macht und alle Mittel anwendet, sich der Pfaffenherrschaft zu entledigen. Als bestes Mittel dazu erweist sich die Beseitigung des jetzt geltenden Pluralwahlrechts und Er⸗ setzung desselben durch das allgemeine Stimmrecht. Unter dem gegenwärtigen Wahlgesetz giebt es in Belgien 915,000 Wähler mit einer Stimme und 557,000 Wähler mit 2 und 3 Stimmen (daher Pluralwahlrecht); die letzteren geben zu⸗ sammen 1,353,000 Stimmen ab. Die Wähler mit nur einer Stimme bilden also 62 Prozent der Wählerschaft und haben nur 41 Prozent der Stimmen, während die Wähler mit mehr Stimmen pur 38 Prozent der Wählerschaft bilden, aber 59 Prozent der Stimmen abgeben. Durch dieses System befestigten die Klerikalen ihre Herrschaft. Zu seiner Beseitigung ver⸗ bündeten sich Liberale, Sozialisten und christ⸗ liche Demokraten und führen seit Jahrzehnten 1 0 einen unablässigen Kampf zur Erreichung es allgemeinen Stimmrechts. Bisher leistete das klerikale Regiment den Reformbe⸗ strebungen halsstarrigen Widerstand, es ver⸗ läßt sich am letzten Ende auf Polizei und Soldaten.
Im Kampfe um das allgemeine Stimmrecht ist es in den letzten Tagen der vorigen Woche in mehreren Städten Belgiens zu blutigen Zu⸗ sammenstößen gekommen. Daran sind aber die ich und Behörden schuld; von Seiten der sozialistischen Führer wurden die riesigsten Anstrengungen gemacht, die Arbeiterschaft von Ausschreitungen abzuhalten. Polizei und Gen⸗ darmerie ging mit unerhörter und durch nichts begründeter Brutalität vor; auf harmlose De⸗ monstranten, auf Kinder, Weiber und andere Wehrlose wurde losgehauen und losgeschossen.
Am vergangenen Freitag begann, wie der „Vorwärts“-Korrespondent berichtete, eine solche Polizeiattacke auf die„Maison du Peuple“, wo
vielleicht nur 100 Personen befanden. „Schließlich konnten wir das Haus verlassen und trafen am Place des Sablons 30 Poli⸗ zisten, die Säbel in der Hand. Als wir gegen den Platz de la Chapelle hinabstiegen, begannen einige Personen die Bretter eines Neubaues abzureißen, andere Eisenschienen aus dem Bau 3 zu fügen, in 15 Minuten stand eine rt Barrikade da. Daß diese Barrikadenbauer Sozialisten waren, scheint sehr zweifelhaft, denn die Sozialisten befanden sich bei den Mani⸗ festanten, die die Stadt durchzogen.“
Auf dem Platze de la Chapelle sprangen nach dem Berichte des Vorwärts ungefähr 20 Poltzisten aus einer Straße hervor, schlugen wie die oel anf ale l mit dem Säbel um sich und schossen auf alle Passanten. Von einem 5 00 auf die Polizisten kann keine Rede sein, da diese eben erst ankamen und auf demganz en Platz sich vielleicht 50 Neugierige befanden.
Dann machten ste Jagd auf fliehende Passan⸗ ten.— Die folgenden Tage gab es sogar Tote.
An den nächsten Tagen kam es nur ver⸗ einzelt zu Zusammenstößen; der Generalrat der sozialistischen Partei erließ einen Aufruf, der die Genossen aufforderte, sich jeder Ausschreitung zu enthalten. Die Mahnung wurde überall be⸗ folgt. Desto energischer wird der General⸗ streik durchgeführt, den die Parteileitung proklamiert hat und der teilweise von den Unternehmern gebilligt und unterstützt wird. Bis Mittwoch wurden etwa 300000 Aus⸗ ständige gemeldet und noch immer greift die Bewegung um sich. Zweifellos wird durch die Streikbewegung ein bedeutender Druck aus⸗ geübt; es verlautete bereits, daß verschiedene Industrielle sich an den König wenden wollten, um den Rücktritt des Ministeriums zu fordern. Das liberale Hauptorgan schrieb:„Es gilt dem Lande eine Krisis zu ersparen, deren Intensität noch niemand ermessen kann. Nicht nur die Hauptstadt, sondern das ganze Land drohe in Brand zu geraten. Warum solle denn in Belgien ein Wahlrecht schädlich sein, welches bei denn Nachbarn im Süden und Osten seit lange bestehe? Der bekannte hervor⸗ ragende Soziologe Degreef forderte den Rück⸗ tritt des katholischen Ministeriums. Von anderer Seite werden die Bürgermeister der großen Städte aufgefordert, mit dem König zu unterhandeln.
Die Soldaten und besonders die Bürgergarde bezeugen vielfach der Volks⸗ bewegung ihre Sympathien. Von mehreren Orten wurde berichtet, daß der Aufruf der sozialistischen Frauen an die Soldaten, worin diese aufgefordert werden, nicht auf ihre Eltern und Geschwister zu schießen, großen Eindruck auf die Soldaten gemacht habe. In Gent, Brüssel, Charleroi und andere Orten kam es sogar zu sozialistischen Kundgebungen des Militärs, die sich in Absingen der Marseillaise und anderer revolutionärer Lieder äußerte. Auch viele Fälle von direkten Gehorsams⸗ verweigerungen kamen vor. Dagegen sind die Gensdarmen ihres brutalen Vorgehens wegen beim Volke äußerst verheßt.
Der Generalrat der belgischen sozialistischen Arbeiterpartei hat einen Aufruf an die Ar⸗ beiter aller Länder erlassen, in dem diese zur Unterstützung des Generalstreiks aufgefordert werden. Die deutsche Sozialdemokratie hat bereits 10000 Mk. überwiesen, wie Vander⸗ vel de in einer Riesenversammlung im Brüsseler Volkshaus am Donnerstag mitteilte. In dieser, von 4000 Menschen besuchten Versamm⸗ lung herrschte großartige, entschlossene Ruhe. Vandervelde hielt eine begeisternde Ansprache, in der er nach der Frkft. Ztg. sagte:
Mit unbeschreiblicher Bewunderung blicke ich auf den Heldenmut von 300,000 Arbeitern, die auf Lohn verzichten und den Hunger er⸗ wählen, um das System zu stür zen, das ein Attentat auf die Gerechtigkeit ist. Falls der König, so schließt er, ein Gefange⸗ ner der Klerikalen sein will, wird er zu denen gehören, die wir zermalmen! Dann forderte er auf, die Beschlüsse der Parteileitung unbedingt zu befolgen. Die Menge gelobte es und stimmte die Marseillaise an.— Die Kammersitzung am Don⸗ nerstag verlief äußerst erregt, doch zeigte das Ministerium kein Entgegenkommen den Volks⸗ forderungen gegenüber.
Amerikanisches Kleisch.
Moses, oder vielmehr(da die Epistenz dieser sagenhaften Persönlichkeit mehr als zweifelhaft) die sogenannte mosaische Gesetzgebung hat be⸗ kanntlich den Juden manche Speisen verboten, die bei ihnen als unkoscher(koscher= brauch⸗ bar, einwandfrei) gelten. Wirft man nun einen Blick in den Inseratenteil einer orthodox⸗jüdischen Zeitung, so erstaunt man, was da Alles als unkoscher erklärt wird. Das ist nicht sowohl auf die Vermehrung jener mosaischen Verbote durch den Talmud zurückzuführen, als viel⸗ mehr auf das Geschäftsinteresse gewisser Firmen, die den„frommen“ Juden zahlreiche Viktualien als unkoscher verekeln, woran früher nie gedacht wurde, um ihnen ihre koscheren Fabrikate aufzudrängen.
An dieses spekulative Manöver erinnern lebhaft allerlei gouvernementale Maßnahmen gegen angeblich gesundsheitsschädliche Lebensmittel vom Ausland, was den agrarischen Interessen so sehr zusagt. Nachdem seit längerer Zeit das amerikanische Büchsen⸗ fleisch als unkoscher deklariert und von der Einfuhr ausgeschlossen wurde, hat man neuer⸗ dings auchanderes amerikanisches Fleisch verboten, weil es Borsäure(zur Konservie⸗ rung) enthält, die unkoscher sein soll, nämlich gesundheitsschädlich. Borsäure ist ein stark an⸗ tiseptisch(fäulnisverhütend) wirkendes Präparat, zur Erhaltung von Fleischwaren also besonders geeignet. An ihre Gesundheitsschädlichkett glau bt kein Mensch, weder in wissenschaftlichen, noch in nicht wissenschaftlichen Kreisen.
Es sollte uns nicht wundern, wenn in der agrarischen Presse der Nachweis zu erbringen versucht würde, daß alles auswärtige Ge⸗ treide gesundheitsschädlich ist und maß⸗ gebende Autoritäten sich diese Auffassung an⸗ eigneten. Dann könnte ja die ganze Einfuhr verboten werden und die böse Zolltariffrage wäre zur vollen Zufriedenheit der Junker mit einem Schlage gelöst!
Wie rührend ist diese zarte Besorgnis um die Volksgesundheit! Und wie könnte man den Zionswächtern der Volksgesundheit im Reich deweisen, daß sie agrarische Tendenzen ver⸗ folgen? g 1
Freilich aber läßt sich damit die sonstige Reichspolitik schwer zusammenreimen. Denkt man namentlich an den Zolltarif oder an die lendenlahme Arbeiterschutzgesetzge⸗ bung, so fällt Einem das Wort vom Mücken⸗ seigen und Kameelverschlucken ein.
Ist nicht die ausreichende Ernährung die Basis der Gesundheit? Sind nicht alle Hygieiniker und Pathologen darüber einig, daß der wohlgenährte Organismus gegen die Er⸗ reger bösartiger Krankheiten, wie Tuberkulose, Diphtherie, denen so viele Proletarier und Pro⸗ letarierkinder zum Opfer fallen, widerstands⸗ kräftiger ist als der schlecht genährte? Wie kann man also den Massen das Brot und das Fleisch verteuern wollen, wenn man aufrichtig auf deren Gesundheit bedacht ist? Warum protestieren nicht jene Stellen, von denen solche Verbote verfügt werden, gegen jede Erhöhung der Zollsätze auf Volksnahrungs mittel? i
Warum rafft man sich ferner nicht endlich auf zur Einführung eines Maximalarbeitstages,
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