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Nr. 46. Gießen, Sonntag, den 16. November 1902. 9. Vahr. 5 Redaktion: 2 Mebattton schlug. a Kirchenplatz 11, Schloßgasse. M Id sch Donnerstag Nachmittag 4 —— Mitteldeutsche
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Die hessischen Landtagswahlen.
Die am vorigen Samstag erfolgte Wahl der Abgeordneten ist im Allgemeinen so ver— laufen, wie es nach dem Ausfall der Wahl⸗ männerwahlen vorauszusehen war. Nur in einzelnen Kreisen kam es anders; da kommen durch die bei diesem jammerbaren Wahlsystem ermöglichten Schiebungen wieder Leute in den Landtag, die vorher kaum in Betracht kamen, für die nur wenige Wahlmänner ge— wählt waren. Ein solcher erbärmlicher Kuh⸗ handel verhalf den Antisemiten Hauck im Kreise Dieburg⸗Groß⸗Umstadt zu einem Mandate. Dort hatte der Zentrumsmann 16, der Liberale 13, der Antisemit nur 9 Stimmen. Nun hätte der zweite Wahlgang zur Wahl des Zentrums⸗ mannes führen müssen, weil die Antisemiten erst nicht abstimmen wollten. Aber die liberalen Wahlmäuner, die von dem antisemitischen Ab— geordneten Bähr„bearbeitet“ wurden, fielen um und stimmten für den Antisemiten. Dieser wird also Abgeordneter, trotzdem er nur 9 von 38 Wahlmänunern hatte! Ist eine solche„Wahl“ nicht der reine Hohn? Man sollte meinen, daß ein Mann, der einigermaßen auf politische Reinlichkeit hält, die Annahme eines ihm durch so schmutzigen Handel zugefallenen Man— dats verweigern müßte. In dieser Beziehung wird aber Hauck genau so unempfindlich sein, wie s. Zt. der im Gießener Landkreise„ge— wählte“, Herr Leun.— Dem Zentrum gönnen wir übrigens diesen Reinfall. Versuchte es doch selbst im Offenbacher Landkreise ähnliche verdächtige Manöver. Dort waren 32 sozial⸗ demokratische und 22 Zentrums-Wahlmänner gewählt. Alle waren zur Wahl in Groß⸗ Steinheim erschienen, aber die Zentrumsleute trieben unter Führung eines Kaplans Obstruk⸗ tion, erschienen nicht zur Wahl, so daß die Wahl nicht stattfinden konnte, weil die 32 sozial⸗ demokratischen Wahlmänner nicht das vorge⸗ schriebene zwei Drittel der Wahlmänner repräsen⸗ tieren, es mußte ein neuer Wahltermin augesetzt werden. Damit erreichten die schwarzen Helden nun weiter nichts, als daß sie den sozialdemo kratischen Wahlmännern unnötige Kosten ver— ursachten, denn beim zweiten Wahltermin wird die Wahl vorgenommen, ohne Rücksicht auf die Zahl der erschienenen Wahlmänner. Und so ist auch Genosse Orb am Donnerstag mit 32 Stimmen gewählt worden.— Das Zentrum hatte sich eingebildet, große Eroberungen bei dieser Wahl zu machen, es muß froh sein, daß Es hatte namentlich den Sozialdemokraten in den beiden
Offenbacher Bezirken den Garaus machen wollen,
schreibt die Frkftr. Ztg., und zog sich lediglich
eine Blamage zu, die durch die unqualiftzierbare OObstruktion seiner Wahlmänner in Offenbach⸗
Land wahrlich nicht kleiner wird. Schiebungen ähnlicher Art wie in Dieburg werden auch aus anderen Kreisen berichtet; so
pvperdankt der Nationalliberale Heidenreich sseine Wahl dem Umfall mehrerer Zentrums⸗ Wahlmänner! Parteien um ein Mandat wie die Hunde herum⸗ beißen, sind sie sich doch sofort einig, wenn ihre
Wenn sich sonst die bürgerlichen
Zersplitterung zur Wahl eines Sozialdemokraten
führen könnte!— In Griesheim⸗Wolfskehlen
halte unsere Partei 19 Wahlmänner, die Gegner
insgesamt 22. Sie wählten geschlossen den Landwirtsbündler Senßfelder und ließen ihren seitherigen Vertreter Backes durchfallen. Welches Bild: ein Schwärmer für die Lebens mittelverteuerung als Vertreter eines Arbeiter— bezirkes!— Durch den Umfall mehreker Wahlmänner verlor auch der bisherige Abg. für Lauterbach⸗Schlitz, der Schlitzer Bür— germeister Zinßer sein Mandat. Hier soll ebenfalls stark hinter den Koulissen gearbeitet und die Wahlmänner beeinflußt worden sein. Der erste und zweite Wahlgang ergab Stimmen⸗ gleichheit, deshalb mußte das Mandat ausge— knobelt werden und das Lotterieglück warf es den Bürgermeister Stöpler in Lauterbach in den Schoß. Die Anhänger Ziußers sollen dar⸗ über sehr erregt sein, was man ihnen schließlich nicht verübeln kann.— In Grünberg siegte Hirschel nur mit knapper Not, er erhielt 17, Moll in Grünberg 16 Stimmen. Um ein Haar hätte sich der vorzeitig in dem Offenbacher Antisemitenblatte angestimmte Siegesjubel ge— rächt; es durfte noch ein einziger der treuen urteutschen Wahlmänner umfallen, so war Hirschel durchgefallen und konnte Klagelieder statt des Jubelgesanges ertönen lassen.
Ueber das Ergebnis der diesmaligen Wahl giebt folgende Aufstellung einen Ueberblick.
Stadtbezirke.
Bisheriger Wahlbezirk: Vertreter: Gewählt: Darmstadt Morneweg Natl Langenbach/ Fr.⸗ Köhler Säng V. Mainz Dr. David. Z= Dr. David Haas Se. Haas Offenbach Ulrich Soz. Ulrich Worms Reinhart Natl. Reinhart Bingen Pennurich Zent. Pennrich Friedberg Jöckel Natl. Damm Fr. Alsfeld Guntrum Fr. Reh Fr. Gießen Gutfleisch Fr. Gutfleisch
Ländliche Bezirke. (Provinz Oberhessen)
3. Butzbach Joutz Natl. Joutz
6. Grünberg Schönfeld Natl. Hirschel Ant.
9. Lauterbach⸗ Zinßer Natl. Stöpler 2 Schlitz
10. Herbstein⸗ Schmalbach Ant. Schmalbach Ulrichstein
11. Laubach⸗ Weidner Chrsoz. Weidner Schotten
(Provinz Starkenburg) Bezirk
2. Michelstadt Lang Natl. Lang 4. Waldmichelbach Heidenreich Natl. Heidenreich
6. Reinheim⸗ Ohl Ant. Hauck Ant. Lengfeld 9. Dieburg Seelinger Natl. Seelinger
13. Griesheim⸗ Backes Natl. Sensfelder B.
Wolfskehlen d. L.
16. Offenbach⸗ Land Rau Soz. Orb Soz. (Provinz Rheinhessen)
1. Pfeddersheim Möllinger Natl. Möllinger 6. Oppenheim Koch Natl. Braun Natl. 9. Finthen⸗ Frenay Zent. Frenay
Ingelheim
Im Allgemeinen bedeutet die diesmalige Wahl eine ganz empfindliche Niederlage der Nationalliberalen, die von ihren bis⸗ herigen Sitzen sechs verloren haben, sie sind also nur noch 15 Mann stark im Landtage vertreten. Die Freisinnigen haben mit
Hilfe unserer Partei drei Mandate erobert, werden also mit fünf Mann im Landtage ein⸗ ziehen. Unsere Partei behauptete ihren Besitz⸗— stand, wie bisher zählt der hessische Landtag sechs Sozialdemokraten. Leider viel zu wenig! Entsprechend der Stärke unserer Partei in Hessen gebührte uns mindestens ein Drittel der Landtagssitze! Das Zentrum behielt seine bisherigen 7 Sitze. Der 32. Landtag zählt also 15 Nationalliberale, 7 Zentrumsleute, 6 Sozialdemokraten, 5 Freisinnige; die übrigen 17 Mitglieder sind Parteilose, halbe und ganze Antisemiten, Bauernbündler ꝛc. Zur Bildung einer Mehrheit in irgend einer Frage müssen demnach im neuen Landtage wenigstens drei
Parteien zusammengehen, was immerhin einen
kleinen Fortschritt bedeutet. Hoffentlich macht der neue Landtag ein Ende mit dem korrum⸗ pierenden indirekten Wahlsystem. Ueberall und allgemein kam der Unwillen des Volkes über dieses Bevormundungssystem zum Ausdruck. Nur vereinzelte Kandidaten wagten als Gegner des direkten Wahlrechts aufzutreten. Die Be— seitigung des heutigen Zustandes, der eine Rechtlosigkeit der großen Masse des Volkes ist, muß nach wie vor eine der Hauptaufgaben unserer Partei sein. Wir werden dafür mit allem Nachdruck und zäher Ausdauer kämpfen.
Der Landtag ist bereits auf den 24. November einberuben.
Der Zollkampf im Reichstage.
Angesichts des Widerstandes der Linken gegen den Zolltarif versuchten es die Anhänger der Lebensmittelverteuerung mit Gewalt maßregeln, man will den Geist der Oppo⸗ sition mit dem Knüttel totschlagen. Um eine sachliche Beratung ist es der Junkergesellschaft überhaupt nicht zu thun, es sprechen fast nur Abgeordnete der Linken. Die Herren von der Rechten und dem Zenteum vertreiben sich der— weil die Zeit in den Restaurationsräumen des Reichstags, von wo sie nur zur Abstimmung herbeigeklingelt werden, um die Schlußanträge durchzudrücken. Das ist der regelmäßige Ver⸗ lauf einer Reichstagssitzung. So ging es auch am Mittwoch und Donnerstag.
Aber das Alles genügt den Wucherparteien noch nicht. Schon lange brüten sie über den Plan einer Aenderung der Geschäftsordnung des Reichstags, wodurch sie die angebliche „Obstruktion“ vernichten wollen. Dieser saubere Plan hat nun in Form eines Antrages des Zent⸗ rümlers Aich bich ler feste Gestalt angenommen. Dieser Antrag will die namentlichen Abstim⸗ mungen beseitigen. Während jetzt die Abge— ordneten bei dem Namensaufruf durch Zuruf mit Ja oder Nein antworten, soll dann die Abstimmung durch Karten mit entsprechender Aufschrift erfolgen.
Der Plan der Dunkelmänner läuft also darauf hinaus, während der Abstimmung weiter zu verhandeln, um dadurch die Beratung zu verkürzen. Es bedeutet dieser Anschlag eine niederträchtige Vergewaltigung der Minderheit, einen Bruch der Verfassung des Reichstags, der Geschäftsordnung. Den Antrag haben 175 Abgeordnete der Rechten und des Zentrums unterschrieben, selbstverständlich sind auch die Antisemiten bei dem gegen die parlamentarische


