U fungeschlosserh vor⸗ Rankenbericht nebst ich in Briefmarken, wonach sofort, nötiger stattet wird. Sen⸗ Att bitte zu richten
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zeigten sie diesmal eine geradezu verdächtige Königstreue, sie winselten demut vor der Kaiserbüste. 10 jeder Redner den heiligen Kampf gegen
dem Bunde der Landwirte aufgedrungen worden
nicht genügend berücksichtigt habe. Dann tadelte
Er forderte zur Einigkett auf und brachte die tiefste Ehrfurcht des Bauernbundes vor der Krone zum Ausdruck. Und
o oft die Revision ihrer monarchischen Gefühle ankündigte, das Kaiserhoch auf Aufforderung des Bundesvorsitzenden.
N lenheim. Der fing gleich mit der Vernich⸗ Lung der Sozialdemokratie an.
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Nr. 7.
Gießen, Sonntag, den 16. Februar 1902.
9. Jahrg
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Jonnt
Mitteldeutsche
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Heerschau der Bündler.
Im Zirkus Busch in Berlin hielt der Bund der Landwirte am Montag seine diesjährige Generalversammlung ab. Von den agrarischen Preßorganen war früher schon angekündigt worden, daß diese Generalversammlung sich zu einer gewaltigen Kundgebung der„Landwirt⸗ schaft“ gegen die Handelspolitik der Regierung und für die agrarischen Zollforderungen ge⸗ stalten werde. Die Zöllner hatten denn auch alles gethan, um ein volles Haus zu bekommen. Tausende füllten die weiten Hallen des Zirkus. Am Eingange entwickelte sich eine rege Geschäfts⸗ thätigkeit; Plötz⸗Zigarren, Ansichtspostkarten des Bundes der Landwirte wurden verkauft, die diversen Ballsäle des sündigen Berlin an⸗ gepriesen.
Von Begeisterung war aber nicht viel zu spüren. Vorsichtig usd bedächtig sprachen die Führer, die sonst mit erheblichem Kampfgetöse auftraten. Und wenn sie früher drohten, bei Nichterfüllung ihrer Forderungen mit Sack und Pack zu den Sozialdemokraten überzugehen, so
förmlich mit Hunde⸗ Dabei proklamierte
te Sozialdemokratie!— Röficke, der Bundesvorsitzende, eröffnete die Versammlung mit einer langen Begrüßungsrede, in der er zunächst erklärte, daß der gegenwärtige Kampf
sei, weil man die Interessen der Landwirtschaft
er Caprivi und Hohenlohe, die der Landwirt⸗ schaft feindlich gegenüber gestanden hätten. Auch von dem jetzigen Reichskanzler, der sich erst jetzt zu erkennen gegeben habe, sei wenig zu erwarten.
a wie es sich gehört, schrie die„gesamte Landwirtschaft“, die schon
Dann kam der andere Vorsitzende, v. Wan⸗
Daß der Bund Brotwucher treibe, sei Verleumdung der frei⸗ innigen und sozialdemokratischen Gegner.
Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Freisinn und Sozialdemokraten, so bald der Kampf der Landwirtschaft gilt. Die Frei⸗ sinnigen gleichen den Käfern, die den stolzen Baum anbohren. Die Sozialdemokratie ist der Schwamm, der den Baum zu Fall bringt. Aber es stehen auch nicht alle staatserhalten⸗ den Parteien auf unserer Seite. Viele nennen sich unsere Freunde, sie sind aber noch schlimmer als alle Feinde. Vor den Wahlen halten die Herren schöne Reden, im f Reichstag aber vertreten sie nicht unsere In⸗ teressen mit Rücksicht auf die hohe Polltik (Pfui ⸗Rufe). Das mag den Herren aber gesagt sein, wir lassen nicht mit uns spaßen.
Ebenso geht es mit der Regierung. Es wäre furchtbar, venn der Kaiser seine
Bauern nicht hören wollte. Aber auch der Höchstgestellte ist eben nur ein Mensch!— Wie der Kampf
endigen wird, das weiß nur unser großer Allitrte im Himmel, auf ihn wollen wir vertrauen.
Wirklich ergötzlich! Für die niederträchtigste Ausbeutung des Volkes, für den schlimmsten Wucher wird der Herrgott angerufen, als ob er auch ein Junker wäre. Man sieht, zu was für Dingen die Religion gut ist. Erinnert das nicht an die Gepflogenheit der Briganten in den Abruzzen, die vor dem Ueberfall erst zum Muttergottesbilde flehen, damit der Angriff wohl gelingen möge?— Dr. Hahn erstattete dann den Geschäftsbericht. Ein Kassenbe⸗ richt wurde nicht gegeben. Mitglieder zähle der Bund 250 000, 18000 mehr als im Vor⸗ jahre. Zu den Mitgliedern gehören angeblich 40 000 Handwerker und andere Gewerbetreibende, 217000 Kleingrundbesitzer, 31500 mittlere Be⸗ sttzer und 1500 Großgrundbesitzer. Der Bund hat im letzten Jahre nicht weniger als 7200 Versammlungen abgehalten; er hat 48 Wanderredner beschäftigt. Die Zentralverwal⸗ tung des Bundes zählt 22 Oberbeamte, 104 Bureaubeamte, 10 Geschäftsführer nebst 6 Bureaubeamten.
Darauf krähte der Hahn über den Zoll⸗ tarif. Diese Ausführungen sollten die Antwort auf die Rede Bülows sein, die dieser bei einem Festessen des Landwirtschaftsrates am Freitag gehalten hat und deren wesentlichsten Inhalt wir weiter unten wiedergeben. Mit Ruhe und Kühle wolle er Bülow antworten, erklärte der Bundesdirektor. Dann trug er die sattsam bekannten wirtschaftspolitischen Anschauungen des Agrariertums vor, betonte, nicht langfristige Handelsverträge wären die Hauptsache, sondern die Rücksicht auf den Inlandsmarkt, der durch Zölle geschützt werden müsse, sprach von einer „Gefahr der Erhöhung industrieller Löhne“ und forderte schließlich zum energischen Vorgehen auf, dem die Regierung nachgeben werde.
In diesem Tone gefielen sich noch eine ganze Anzahl Redner. Graf Limburg⸗Stirum, ein Herr v. Oldenburg, Liebermann v. Sonnenberg und mehrere andere kamen an die Reihe, jeder predigte den Kreuzzug gegen die vaterlandslose Sozialdemokratie, jeder triefte von Königstreue und fast alle flehten den Herrgott an, daß er ihnen zu Wucherzöllen verhelfen möge. Das⸗ selbe that auch zum Schluß der dicke Oertel, der nebenbei noch die Freizügigkeit be— kämpfte.
Zum Zolltarif gelangte eine Resolution zur Annahme, in der die Ablehnung der Vorlage gefordert wird, wenn nicht den„berechtigten Forderungen der Landwirtschaft entsprochen werde“, mit andern Worten, wenn nicht dem 1 Volke der 7,50 Mk.⸗Zoll aufgehalst wird.
Verschiedene Hochs beendeten die Bündler— parade. Wenn auch die Redner gehörig in die Lärmtrompete stießen, so war doch, wie der „Vorwärts“ konstatiert, keine Kampfesstimmung, kein Siegesbewußtsein zu bemerken. Selbst die extremsten Agrarier werden sich trotz aller großen Worte aufs Handeln verlegen, und schließlich schmunzelnd die Millionen in die Tasche stecken, die ihnen die Regierungsvorlage zuschiebt. Das heißt, wenn das konsumierende Volk sich ruhig ausplündern läßt.
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In der Rede, die der Reichskanzler am Freitag auf dem Festmahle des Landwirtschafts⸗ rates hielt, sagte er mit Bezug auf die Zoll⸗ vorlage zunächst, daß ein Gegensatz zwischen ihm und dem Kaiser nicht existiere, wie fälsch⸗ lich behauptet werde. Dann warnte er die agrarischen Heißsporne:
„Durch nichts werden die berechtigten Be⸗ strebungen der Landwirtschaft mehr gefährdet und geschädigt, als durch Uebertreibungen und Einseitigkeiten. Die verbündeten Re⸗ gierungen sind darüber einig, dat die von ihnen vorgeschlagenen Getreide⸗ zölle die Grenze bezeichnen, bis zu welcher jene Zölle erhöht werden können, ohne einerseits der ganzen übrigen Bevölkerung lästig zu fallen und ohne andererseits den Abschluß von Handelsverträgen in Frage zu stellen, wie sie die Landwirtschaft, die Industrie und der Handel brauchen, die alle drei mit festen Ver⸗ hältnissen rechnen müssen und alle das Be— dürfnis nach ruhigen, gleichmäßigen Zuständen haben. Auch ist es sehr zweifelhaft, ob eine weitere Erhöhung der Getreidezölle über die Sätze des Entwurfs hinaus für die Landwirt⸗ schaft auf die Dauer von Vorteil sein würde, denn sie könnte eine Reaktion hervorrufen, unter deren Einfluß auch der legitime Zoll⸗ schutz der Landwirtschaft fallen würde.
Bei einer vernünftigen Darlegung des Standpunktes der verbündeten Regierungen leitet mich die Hoffnung, zu verhindern, daß von den Vertretern und Freunden der ländlichen In⸗ teressen die Verabschiedung der Tarifvorlage durch ungebührliche Mehrforderungen wie die auf Vermehrung und Erhöhung der Minimalzölle vereitelt werde. Ich sage ihnen als ehrlicher Steuermann, das Schiff der Tarif⸗ novelle kann sehr wohl sich über Wasser halten, aber bei noch schwererer Ladung werden die Wellen am Ende wohl nicht den Schiffer, gewiß aber„den Kahn verschlingen“.
Mit dem guten Rate an die Vertreter der Land wirtschaft, sie möchten für eine geschlossene Schlachtordnung auf dem Boden der Tarif⸗ vorlage wirken, schloß der Kanzler. Dann trank er auf das Wohl der Landwirtschaft.
Die deutsche Arbeiterschaft hat ihre Schlachtordnung gegen das Zollungeheuer schon längst aufgestellt und wird kämpfen bis es„in den Orkus“ befördert ist.
Um den Zolltarif.
Im Interesse der Kleinbauern haben die sozialdemokratischen Mitglieder der Zoll— tarifkommission folgenden Antrag als§ 10 eingebracht:„Aus den Erträgnissen der Zölle, die bei der Einfuhr von Waren in das deutsche Zollgebiet erhoben werden, sind 60 Millionen zur Verbesserung der Verkehrsver⸗ hältnisse, unter Berücksichtigung der Bedürf⸗ nisse der Kleinbauern, insbesondere durch Verbesserung und Bau von Landwegen und Kanälen, zu verwenden. Ueber die Art der Verwendung hat alljährlich der Reichstag zu beschließen.“— Vortrefflich! Jetzt mögen die Agrarier zeigen, ob ihnen das Wohl der Land⸗ wirtschaft wirklich am Herzen liegt.— Die Junker werden dafür nicht zu haben sein und damit beweisen, daß ihnen der Kleinbauer höchst schnuppe ist.


