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Nr. 37.
Mitteldeuische Sonntags⸗geitung.
Seite 7.
Spaten
Stehleitern
verlor. Dieser hatte schon längst bemerkt, daß es mit seiner Wirtschaft den Krebsgang gehe, und sich darüber aus Verdruß dem Trunk ergeben, daß er keinen Tag nüchtern war. Und um schneller wieder reich zu werden, hatte er in mehrere Lotterien gesetzt und sein Geld verlottert, bis er nichts mehr hatte. Da kamen die Gläubiger, denen er schuldig war, und nahmen ihm das Letzte.
Nun mußten neue Gemeindsvorsteher gewählt und der hohen Landesobrigkeit vorgeschlagen werden. Da gab es zwei Parteien. Die Lumpen wollten einen oder zwei ihres Gleichen, denen sie schuldig waren, die rechtschaffenen Leute aber wollten das nicht. Es war viel Zanlks. Viele fragten den Herrn Pfarrer darüber, wenn er sie nach seiner Gewohnheit besuchte. Er aber antwortete ihnen und sprach:
„Ich wundre mich sehr, daß keiner von euch noch an den braven Mann gedacht hat, der euch schon so viel Nutzen gestiftet, der so klug, so menschenfreundlich und so thätig ist. Ich meine den Schulmeister. Wenn ihr den wählet, so habet ihr den rechten Mann an der Spitze. Freilich, er gehört nicht zu denen, die sich zu einer Ehrenstelle drängen. Aber eben deswegen muß man zuerst auf ihn achten. Denn die, welche um Ehrenstellen werben, und andern den Rang ablaufen wollen, haben gemeiniglich Nebenabsichten. Sie sind stolz und ehrgeizig, wollen nicht das Beste der Gemeinde, sondern ihren Hochmut befriedigt
sehen.“ (Fortsetzung folgt.)
Professor Rudolph Virchow.
Einer der besten und tüchtigsten Männer im deutschen Volke, ein ausgezeichneter Gelehrter und Forscher von internationaler Bedeutung und Berühmtheit, Rudolph Virchow, ist am Freitag, den 5. September, nachmittags in dem hohen Alter von 81 Jahren in Berlin gestorben. Sein Tod mußte schon längerer Zeit befürchtet werden; er hatte sich im Anfang des Jahres eine Verletzung zugezogen, deren Folgen er erlag. Das Leben, welches damit sein Ende erreicht, hat zeitlich das Durchschnitts⸗ maß dessen, was sonst Menschen beschieden ist, weit überschritten. Und diese lange Lebens⸗ und Schaffenszeit, welche Virchow vergönnt war, ist bis zu seinem Ende„Mühe und Ar⸗ beit“ gewesen, sie ist ausgefüllt worden durch beispiellos emsige und enfplgreiche Thätigkeit im Dienste der Menschheit.
Als Politiker stand Virchow stets in den Reihen der Opposition. Bei der Junkerkaste war er bitter verhaßt; seine Parteigänger— er gehörte erst der Fortschrittspartei und später dem Freisinn Richter'scher Richtung an— können ich ihm als Muster in Prinzipientreue nehmen.
us dem inhaltreichen Leben des Verstorbenen seien einige Daten mitgeteilt. Geboren ist Virchow am 13. Oktober 1821 in Schivelbein in Pommern. Er widmete sich dem medizi⸗ nischen Studium und wirkte bahnbrechend auf verschiedenen Spezialgebieten der neueren Me⸗ dizin, besonders der Anatomie und Pathologie. Als im Jahre 1848 in Oberschlesien der Hungertyphus wütete und die preußische Re⸗ gierung den jungen Arzt Dr. Vir ch o w zum Studium der Epidemie nach Schlesten sandte, da machte sie ohne ihren Willen ihren Beauftragten zu dem eindringlichsten Ankläger ihrer selbst und des unsozialen
bureaukratischen Systems, unter dem das ganze Land litt und seufzte. In seinen Mitteilungen über die Epidemie warf Virchow scharfe Schlag⸗ lichter auf das Elend der unbemittelten ober⸗ schlesischen Bevölkerung, die geistig hülflos in erschreckender Unbildung dahinlebte, sozial tief unter dem Niveau des Menschenwürdigen bleibend. Mit großer Entschiedenheit und unerbittlicher Rücksichtslosigkeit legte Virchow den Zusammenhang dar, den die Gesundheits⸗ verhältnisse eines Volkes mit seiner allgemeinen politischen und sozialen Lage haben. Natürlich konnte die reaktionäre preußische Regierung einen Mann von so„revolutionären“ Anschauungen nicht brauchen. Sie, die das Talent hatte, kaum einen Mann von hervorragender Befähi⸗ ung ungemaßregelt zu lassen, sah auch einen Virchow der preußischen Verwaltungsmisere entfliehen. Er siedelte nach Würzburg über. Im Jahre 1852 untersuchte er im Auftrage der baierischen Regierung die Ursachen der Not im Spessart, und seine Arbeit darüber schloß er im Jahre 1852, vor nunmehr einem halben Jahrhundert, mit dem Satze:„Bildung, Wohlstand und Freiheit sind die ein⸗ zigen Garantien für die dauerhafte Gesundheit eines Volkes.“ Nachdem die schlimmsten Orgien der preußischen Reaktion vorüber waren, vermochte Virchow an der Berliner Universität zu wirken. Am 6. Juni 1861 präsidierte Virchow der Versammlung, in welcher die Fortschrittspartei gegründet wurde. In der Konfliktsperiode stand er in dem Vor⸗ dertreffen des Kampfes gegen Junkertum und Absolutismus. Der Haß Bismarcks gegen den unerschrockenen Professor war so groß, daß er ihn gar vor die Pistole fordern wollte; woraus freilich nichts wurde. Dem preußischen Abge⸗ ordnetenhause gehörte Virchow von 1862 bis heute an, dem Reichstage als Vertreter von Berlin II von 1880 bis 1893.— Auch die politischen Gegner werden dem Toten ein ehrendes Angedenken bewahren.
Am Dienstag Nachmittag erfolgte die Be⸗ stattung Virchows vom Berliner Rathause aus. Dort, im entsprechend geschmückten Rathaus⸗ saale, fand vorher eine Totenfeier statt, an der die Vertreter der Universität, Abgeordnete, die Mitglieder der Stadtverordneten Versamm⸗ lung, darunter auch Mitglieder der sozialdemo⸗ kratischen Fraktion, teilnahmen. Von verschiedenen Rednern wurde der Verstorbene als Gelehrter und Politiker gefeiert.
Hessische Volkssitten.
Von einer wenig bekannten hessi⸗ chen Volkssitte berichteten kürzlich die Hessischen Blätter für Volkskunde: der öffent⸗ lichen„Mädchenversteigerung“ zur Kirmeß. Seit dem 15. Jahrhundert sind Belege dafür zu finden, und sie ist aus dem uralten deutschen „Mailehen“ hervorgegangen. Dafür spricht auch der noch in Schwalm übliche Ausdruck „Liehstrauß“: Die Maifrau schmückt den Hut des Burschen für den Tag mit Bändern und Blumen. Durch diese symbolische Handlung wird für Beide die Verpflichtung ausgedrückt, im Laufe des folgenden Jahres nur mit ein⸗ ander zu tanzen. Giebt der Bursche den„Lieh⸗ strauß“(Lieh— Lehen) weiter, so darf dessen
neuer Besitzer mit dem Mädchen tanzen. Wie.
im ungarischen Schwaben hat die Versteigerung auch in Hessen vor Allem den Zweck, die Kirch⸗ weihkosten, welche die Burschen tragen, aufzu—
bringen. In Großen-Buseck z. B. ziehen die Burschen eines Abends auf den Hochber mit einem Fäßchen Bier und vielem Gebäck. Dort werden nun die Mädchen versteigert. Komisch ist, daß, nachdem die Besucher sich jeder ein Mädchen ersteigert haben, der Rest der Mädchen mit„Ramsch“ verauktioniert und für ein paar Pfennige dem Meistbietenden zu⸗ Dog er wird. Ganz ähnlich ist es in Beuern.
och hier stehen die Bräuche, auch in Nieder⸗ Gemünden, mehr in der Luft— es ist eher ein Spaß— während in Engelnrod das Mädchen durchaus an das Resultat der Versteigerung gebunden ist. Aber die Alten von Beuern wissen ganz gut, daß es sich ursprünglich um die ersten drei Tänze handelt, und der Bursch tanzt auch in der Regel den ersten Tanz mit dem ersteigerten Mädchen. In Engelnrod darf sich überhaupt Niemand an den„Reigen“ be⸗ teiligen, als die Burschen mit ihren„Tanzmähd“. Nach H. E. Meyer ist die Sitte des dreimaligen Vortanzes bei der Kirmeß nach dem Vorbild dreimaliger Umführung der jungen Frau um den Herd entstanden.
Humoristisches.
Das kommt davon. Fremder: Was ist denn heute los in der Stadt? Alles festlich geschmückt und geflaggt? Kommt vielleicht gar der Kaiser zum Besuch? Einheimischer: J wo! Das ist blos ein begnadigter Duellmörder, der heute seinen feierlichen Einzug hält.(Postill.)
Schreckliches Gesicht. Meisterin:„Herjotte, die Milch is schonst wieder sauer!“— Lehrbub(aus sicherer Entfernung):„Warum kieken Se boch immer rin?“
Litterarisches.
Die neueste Nummer des„Wahren Jakob“ ist zum großen Teil dem sozialdemokratischen Parteitag gewidmet. Das Titelbild zeigt den bayrischen Löwen in höͤchst fideler Stimmung; in dem zum Bild gehörigen Gedicht„Die rote Woche in München“ giebt er seinen wahren Gesinnungen unver⸗ hüllten Ausdruck.„Zum Parteitag“ betitelt sich soda nn ein Gedicht, das noch aus der Feder Max Kegels herrührt. Schließlich unternimmt es noch der„Metzger⸗ meister a. D. und nunmehriger Hausbesitzer Wurstler in München“, in einer Stammtischrede über den Parteitag seine Meinung zu sagen.
Die Nummer enthält außerdem die Wiedergabe eines Porträts Theodor Metzners nebst Nachruf für den⸗ selben. Ferner ist das Gemälde des Stuttgarter Malers F. Zundel„Alter Mann“ in autotypischer Reproduktion wiedergegeben. Außerdem enthält die 12 Seiten starke Nummer eine große Anzahl humoristischer Illustrationen, Gedichte und Erzählungen. Der Preis der sehr hübsch ausgestatteten Nummer beträgt wie immer nur 10 Pfg.
Geschichts kalender.
14. September. 1901: Me. Kinley, Präsident der Vereinigten Staaten,. 1804: Arnold Ruge, demokr. Schriftsteller,. 1769: Alex. v. Humbolt,“.
15. 1898: Wilh. II, Umsturzrede in Prenzlau. 1630: Astronom Kepler,*.
16. 1878: Beginn der Sozialistengesetzdebatte im Reichstage.
17. 1900: Bergarbeiterstreik in Pennsylvanien. 1870: Aug. Geib in Ketten nach Lötzen transportiert.
18. 1848: Barrikadenkampf in Frankfurt a. M. Tod der Abg. Auerswald und Lichnowsky.
19. 1901: Ende des Glasarbeiter-Generalstreiks.
20. 1901: Der chinesische Sühneprinz erhält den schwarzen Adlerorden. 18665: Annektion von Hannover, Kurhessen und Frankfurt durch Preußen.
geboren; f- gestorben.
Paftesgenossens Perücsschssgt bel Eulen Einkäufen die Inserate der Tuteld. Sonniags- Zeitung.
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Edgar Borrmann, Giessen
Neustadt 11 0 Teleson 298
Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Ilauis- und Küchen-
Geräte-Hlandlung Landwirtschaftl. Geräte Rechen Erute Stricke 0 Prahtgeslecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Rasenmäher Waagen und Gewichte Messerputzmaschinen
Herde und Oefen Solinger Stahlwaren und
r„uU. Gaskoche Feassc hacken geldemach Silberwaren
Dr. Kleins Fleischsaftpress. Fee
D. Kaminka
Uhrmacher Giessen, Marktplatz 18
Vorteilhafte Bezugsquelle für
Uhren, Gold⸗
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Herren- u. Knaben ge Tuche und Buxlein
Anfertigung nach Mass
Markus Bauer, Giessen
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