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Nr. 37.
Gießen, Sonntag, den 14. September 1902.
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Redaktion: Kircheuplatz 11, Schloßgasse.
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Mitteldeutsche
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Redaktionsschluß. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
Abounementspreis:
Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die
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An die Sozialdemokraten Hessens.
Parteigenossen!
Der Bericht der Landtagsfraktion soll in der nächsten Woche zur Versendung gelangen.
Die Kreisvertrauensmänner, welche in der Wormser Landeskonferenz zugegen waren, haben in Gemeinschaft mit dem Landes⸗Komitee be⸗ schlossen, diesen Bericht im ganzen Großherzog⸗ tum zu verbreiten und gilt es nun, festzustellen, wie viel Exemplare jeder einzelne Kreis zur Verbreitung braucht.
Die Kreisvertrauensleute werden deshalb hierdurch aufgefordert, uns umgehend mitzu⸗ teilen, wie viel Exemplare sie brauchen und an welche Adressen dieselben gesandt werden sollen. Das Landes⸗ Komitee.
C. Ulrich, J. Orb, Gr. Marktstraße 23. Geleitsstraße 14.
München.
Alljährlich um die Zeit des Herbstbeginns richtet sich das Interesse der gesamten zielbe⸗ wußten Arbeiterschaft, dem Arbeiterparlament, dem sozialdemokratischen Parteitage, zu. Auch der diesjährige, der am Sonntage im gastlichen München zusammentritt, wird die Aufmerksam⸗ keit der Gesamtheit unserer Parteigenossen auf sich ziehen. Und nicht blos der Parteigenossen. Alle Welt, soweit sie sich mit Politik befaßt, verfolgt aufmerksam die Verhandlungen und Beschlüsse der Vertretung der stärksten Partei Deutschlands. Ohne äußeren Aufwand, ohne Lärm und Tam⸗Tam hat sich der sozialdemo⸗ kratische Parteitag die Beachtung in der Oeffent⸗ lichkeit errungen, die ihm gebührt. Ihn begrüßt kein Regierungsvertreter, kein Oberbürgermeister heißt ihn willkommen und doch werden seine Verhandlungen von der gesamten Presse mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Das ist mit ein Zeichen für die wachsende Bedeutung der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung.
Welch' ein Unterschted zwischen den Partei⸗ tagen der bürgerlichen Parteien und dem ge⸗ wählten Arbeiterparlamente! Hier kann der einfachste Arbeiter als Delegirter seiner Genossen seiner Meinung ungehindert Ausdruck verleihen, kann Kritik üben an der Partelleitung, der Thätigkeit der sozialdemokratischen Abgeordneten. Man fragt nicht, wer diese oder jene Ansicht äußert, man prüft nur das Gewicht der Gründe und beschließt demgemäß. Anders bei den Bürgerlichen. Da findet meist gar keine wirkliche Delegation statt, die„Partestage“ setzen sich aus 155 Führeen zusammen, die wiederspruchs⸗
— los ihre Weisheit verkünden. Hat sich wirklich
einmal ein Arbeiter dahin verlaufen und wagt etwa gar Opposition zu machen, so wird man sich seiner bald entledigen, wie das mit den Herren Gisberts und Brust auf der Mannheimer Zentrumsparade in prompter Weise geschah.
Dem Müncher Kongreß wird ein glatter Verlauf von vielen Seiten vorausgesagt. Die nach der provisorischen Tagesordnung— die wahrscheinlich nicht abgeändert werden wird— vorgesehenen Beratungsgegenstände umschließen keine Streitfragen, die zu einem hitzigenMeinungs⸗ kampf Veranlassung geben könnten. Meinungs⸗ verschiedenheiten sind damit natürlich nicht aus⸗
geschlossen und es kann eintreten, daß hier und da die Geister aufeinander platzen. Freimütige Kritik ist unserer Partei Lebensbedingung und oft sagte unser alter Liebknecht, daß er den Tag nicht erleben möge, wo alle einer Meinung wären. Die Kritik, von dem Gedanken getragen der Sache zu dienen, wird nie ihre Wirkung verfehlen und anregend und frucht⸗ bringend wirken.
Reicher Arbeitsstoff liegt dem Parteitage vor. Die Frage der Arbeiterversicherung ist ein sehr umfangreiches und schwieriges Ge⸗ biet praktischer Arbeit. Bei den Sachkundigen herrscht nur eine Stimme über die Mangel⸗ haftigkeit, Reformbedürftigkeit der bestehenden Versicherungseinrichtungen. Hier hat der Par⸗ teitag die Aufgabe, anregend zu wirken und die Forderungen zu formulieren, die das Klassen⸗ interesse der Arbeiterschaft gebietet. Vielleicht noch umfangreicher und weitschichtiger ist der Punkt Kommunalpolitik. In den letzten Jahren sind unsere Genossen immer zahlreicher in die Gemeindevertretungen gewählt worden und es erweist sich als notwendig, allgemeine Grundsätze aufzustellen, die für die Thätigkeit unserer parteigenössischen Gemeinderäte zur Richtschnur dienen können. Allerdings sind die hierbei in Betracht kommenden Verhältnisse, sowie die unseren Vertretern in der Gemeinde zufallenden Aufgaben so verschiedenartig und zahlreich, daß es fraglich erscheint, ob diefer Gegenstand zur Zufriedenheit aller Genossen erledigt werden kann.
Was die weiteren vorgesehenen Punkte anbelangt, so werden zweifelsohne Referat und Debatten über die bevorstehenden Reichs⸗ tagswahlen das höchste Interesse beanspruchen. Es gilt, sagt ganz richtig die„Geichheit“, klar zu machen zu der großen Schlacht, die unter der Losung ausgefochten wird: Gegen den Zollwucher! jener großen Schlacht, an deren stegreichen Ausgang das Proletariat, wirtschaft⸗ lich wie politisch ein zwingendes Lebens⸗ und Klasseninteresse hat. Es handelt sich ja um ein Höheres, als um die Abwehr der verbreche⸗ rischsten wirtschaftlichen Ausplünderung der proletarischen Massen allein: um die Verteidig⸗ ung des wirtschaftlichen Bodens, auf dem die Befreiung des Proletariats heranreift; um die Niederzwingung der bösartigsten politischen Reaktion, welche sich der ringenden Arbeiterklasse entgegenstemmt. Und weil dem so ist, so drängt die in Deutschland gegebene Situation wie unsere prinzipielle Auffassung dazu, daß der Kampf mit der alten grundsätzlichen Schärfe geführt werden muß. Ein anderer Umstand wirkt in der gleichen Richtung. Die Wahlparole wird weite, neue Bevölkerungskreise aus politischem Stumpf⸗ sinn und Wahnglauben reißen, in Berührung mit der Sozialdemokratie bringen, als„Mit⸗ läufer“ um die rote Fahne schaaren. Nicht blos als vornehmste Verteidigerin ihrer wirt⸗ schaftlichen und politischen Augenblicksinteressen muß ihnen unsere Partei nahen, sondern zugleich als Kämpferin für eine neue Gesellschaftsordnung, als Trägerin einer neuen Weltanschauung. Zu der Werbung für den, Tageskampf muß sich die Aufklärung über unser Endziel gesellen.
Vorbereitung zum Wahlkampf ist die Haupt⸗
Politische Rundschau.
Gießen, den 11. September.
Unerhörte Frechheit
legen die meisten agrarischen Organe angesichts der herrschenden Fleischnot an den Tag. Höhnisch sprechen sie von einem„Fleischnot⸗ rummel“, wie neulich schon das Berliner Bündlerblatt, und lügen, eine Fleischnot bestehe gar nicht. Die fortgesetzte Steige⸗ rung aller Lebensmittelpreise in den letzten Jahren, die doch jede Arbeiterfamilie empfind⸗ lich spürt, ableugnen zu wollen, dazu gehört schon eine anständige Portion Unverfrorenheit. Wenn aber die durch künstlich herbeigeführte Lebensmittelteuerung Ausgehungerten, die noch dazu unter ständigen Lohnherabsetzungen zu leiden haben, verhöhnt und verspottet werden, ihre Notlage als„Schwindel“ hiugestellt wird, so muß man das als eine ganz gemeine Nieder⸗ tracht und Frechheit bezeichnen. Und diese in⸗ fame Sippe nennt sich noch christlich!
Am unverschämtesten geberdet sich der be rühmte Antisemitenhäuptling Hirschel in seinem Offenbacher Schimpforgan. Bei ihrer geistigen Ohnmacht sind die Antisemiteriche natürlich nicht im Stande, einen sachlichen Kampf zu führen. Sie verlassen sich deshalb aufs Schimpfen und Schwindeln. In der vorletzten Nummer seines Arizonakikers bezeichnet Hirschel unter weidlichem Geschimpfe die Fleischnot als Schwindel und schiebt die Schuld der Fleischteuerung auf die Metzger, die er als Viehmörder tituliert. Ueber diese Art Mittelstandsretterei werden die Metzger⸗ meister sicher höchlich erbaut sein! Außerdem wird den Arbeitern vorgeworfen, sie vertilgten soviel Solberfleisch,„Worscht“, rohes Hack⸗ fleisch c., daß sie das Brot als nebensäch⸗ liche Beigabe betrachten und drum das Brotwucher geschrei aufgegeben hätten, um das Fleischnot⸗Geschrei zu erheben. Nun, Hirschel muß ja so schreiben. Wofür wird er denn bezahlt? Wo sollte es hinführen, wenn er die thatsächliche Fleischteuerung anerkennen würde?
Das Offenbacher Blättchen ist nun allerdings nicht ernst zu nehmen. Anders klingt, was die gut agrarische„Germania“, das Haupt⸗ blatt des Centrums, sagt:
„Enorme Preissteigerungen haben in den letzten Jahren fast alle Lebensmittel und Lebensbedürfnisse verteuert und so zu Einschränkungen geführt, die nicht nur im Volkshaushalte, sondern auch in den einzelnen Familien um so bitterer empfunden wurden, als die guten Lohnverhältnisse der letzen Jahre des vorigen Jahrzehnts ziemlich rasch einem rapiden Niedergang auf allen industriellen Gebieten Platz machen mußten. Nun zu guter letzt kommt noch eine Fleischteuerung, die, wenn sie noch länger anhalten sollte, zu einer wa hren Kalamität auszuarten droht.. Das Merkwürdige an der gegenwärtigen Lage ist, daß die Klagen so ziemlich aus allen Gegen⸗ den des Deutschen Reiches ertönen und aus dem Westen bzw. Südwesten noch mehr als
aufgabe des Münchener Parteitags. Er wird sie erfüllen! Glück seinen Arbeiten!
aus dem Norden, denn die Preise von Mann- heim, Stuttgart, Straßburg usw. übersteigen
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