eee eee
8 8
e 17 . Etg.
en und b. h.
Anlaß öfter an ung
nserer Verlauseselle neu aufzunehmende
fg.
Pfg.
ig zu entrichten, bis chreibung der Divi⸗ len Geschäftsankeils
betzinst und beim
Kann darüber ch genommen
30. Juni.
H. Baum.
950 10 19
Schul⸗ und Sorten. ete. hib Ner-
. . / 2 b
Nr. 28.
Gießen, Sonntag, den 13. Juli 1902.
9. Jahrg
ö Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse.
V
55
Mitteldeutsche
g⸗Jeitunt
Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
e
Abonunementspreis:
Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.
Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und
finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg.
2 Inserate Die 5 gespalt. Bei mindeste ns
5 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal Be ste llung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 33 7½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 500% Rabatt.
Die„vereinigte Linke“. isher stets gethan.
Der Artikel des Genossen Philos in Nr. 26 unseres Blattes, der für die nächsten Wahlen ein Zusammengehen der Linken— also der Freisinnigen beider Linien, Demokraten und Sozialdemokraten empfiehlt, hat eine lebhafte, von uns kaum erwartete Erörterung in der bürgerlichen wie auch in der Parteipresse her⸗ vorgerufen. Das heißt,„erörtert“ wurde die Anregung des Artikelschreibers in den Organen unserer Partei eigentlich nicht. Diese beschränkten sich größtenteils darauf, auf die Undurch führ⸗ barkeit dieses schönen Gedankens und die Un⸗ möglichkeit eines„Kartells der Linken“ hinzu⸗ weisen. Dieselbe Ansicht vertraten wir in der dem Artikel Philos' angehängten Bemerkung. Daß die Sozialdemokratie gemeinsam mit den bürgerlichen Linksparteien den Kampf gegen die Reaktion führen solle, ist eine schon oft in unsern Blättern und auch auf Parteitagen diskutierter Gedanke. An sich wäre er so übel nicht.— „Wir glauben, daß sich die Partei prinzipiell gar nichts vergeben würde, wenn sie die Si⸗ tuation zu einer Niederwerfung des Junker⸗ tums ausnützen wollte. Dleser Standpunkt ist auch von Bebel, der gewiß als treuer Hüter des Prinzips gelten darf, in Hannover vertreten und von der Mehrheit des Parteitages acceptirt worden.“— Das sagt die Münchener Post.
Gewiß, an der Beseitigung der Junker⸗ herrschaft hätte die Sozialdemokratie ein großes Interesse. Sie hat auch bei ihrem taktischen Vorgehen die Bekämpfung der junkerlichen Reaktion niemals aus dem Auge verloren. Trotzdem ist ein Kartell der Linken prinzipiell und praktisch ein Unding. Sämtliche bürger⸗ liche Parteien mitsamt dem Junkertum stehen uns als herrschende Klasse unversöhnlich gegenüber. Angesichts dieser thatsächlichen Ver⸗ hältnisse müssen wir eine soztaldemokra⸗ tische Politik verfolgen und es geht nicht an, die Agitation für unsere sozialistischen Grund⸗ sätze vorläufig bei Seite zu lassen, wie Philos meint. Sein Appell an Demokraten und Freisin⸗ nige, uns nicht im Stiche lassen, wird wirkungs⸗ los verhallen. Vor die Wahl gestellt zwischen Sozialdemokrat und konservativen Reaktionär werden die biederen Freisinnskämpen mit ganz wenigen Ausnahmen sich zu dem letzteren hin⸗ gezogen fühlen und den Sozialdemokraten durch⸗ fallen lassen. Wenn auch hier und da Fragen auf⸗ tauchen, wie jetzt die Zollfrage, in deren Be⸗ urteilung wir mit verschiedenen bürgerlichen Gruppen einig gehen, so ändert das nichts an dem zwischen sozialdemokratischer und kapita⸗ listischer Weltanschauung klaffenden Gegensatze und kann uns nicht veranlassen, eine Aenderung unserer bisherigen Taktik in Erwägung zu ziehen. f
Was kann man überhaupt unter einem „planvollen Zusammengehen der linksstehenden Parteien“ verstehen? Ein förmliches Kartell, so, daß sich die in Betracht kommenden Par⸗ teien schon im ersten Wahlgange über einen gemeinsamen Kandidaten verständigen, müßten mir mit aller Entschiedenheit aus den oben angeführen Gründen und noch einer Menge anderer ablehnen. Bleibt also nur, daß wir in der Stichwahl zwischen klerikal⸗ konservativen und freisinnig⸗demokratischen Kandidaten für
die letzteren eintreten. Und das haben wir Es sind nur ganz wenige ausnahmsweise gelagerte Fälle, wo unsere Ge⸗ nossen nicht mit der nötigen Energie diesen Standpunkt einnahmen. Unbekümmert um das Verhalten des Freisinns uns gegenüber wird unsere Partei auch bei den nächstjährigen Wahlen überall, wo ein Freisinniger einem Konservativen oder Klerikalen gegenübersteht, für den Ersteren eintreten.
Das Schicksal des hessischen Wahlgesetzentwurfes.
Was schließlich noch aus der berühmten hessischen Wahlreform werden wird, kann man im Augenblicke, da diese Zeilen in Druck gehen, noch nicht sagen. Die Frage liegt jetzt der Ersten Kammer vor, es ist aber zweifelhaft, ob darüber vor Schluß des Landtags noch entschieden wird. Wenigstens befindet sich die Wahlgesetzvorlage nicht unter den etwa siebzig Gegenstäuden, welche den„geborenen“ Gesetz⸗ gebern zur Erledigung in einem Tage vorliegen. Und wenn das Wahlgesetz jetzt nicht von der Ersten Kammer verabschiedet wird, so ist die ganze, von der Zweiten Kammer darauf ver⸗ wendete wochenlange Arbeit umsonst gewesen.
Nach den Beschlüssen vom vorigen Mittwoch war die Zweite Kammer gewissermaßen abge⸗ schafft worden, denn es waren alle Anträge in Bezug auf deren Zusammensetzung abge⸗ lehnt worden. Man hatte ein Wahlgesetz geschaffen, auf Grund dessen keine Abge⸗ ordneten gewähll werden sollten!
Die Kammer hatte sich selbst das Todes⸗ urteil gesprochen! Schlimmer hat sich wohl noch nie ein Parlament blamiert.
Am Donnerstag bemühte sich nun besonders unser Genosse David, der Kammer aus der Sackgasse herauszuhelfen, in die sie die Ver⸗ bohrtheit der Reakttonäre hineingerannt hatte. Präsident Haas beantragte zunächst einen neuen Artikel Za, um dadurch aus der fatalen Situation herauszukommen. Dieser Antrag war jedoch geschäftsordnungsmäßig unzulässig, weil über denselben Gegenstand schon beschlossen war. Nunmehr empfahl David, die Kammer möge sich durch einen Zusatz zu Artikel 61 aus der Klemme helfen. Der Antrag Haas wird zurück⸗ gezogen und ein Antrag Weidner mit 31 gegen 3 Stimmen angenommen, der dahin geht, daß in Art. 61 folgender Passus eingefügt werde: Art. 3 des alten Wahlgesetzes und damit die bisherige Zusammen⸗ setzung der Zweiten Kammer bleibt be⸗ stehen, bis zur Neuregelung der Wahlkreis einteilung durch besonderes Gesetz, die spätestens am 31. Dezember 1907 erfolgt sein muß. Vorher war noch bedauerlicherweise die Regie⸗ rungsforderung des dreijährigen Wohn⸗ sitzes in Hessen angenommen worden. Die Wahlpflicht wurde wieder abgelehnt. Bei der Schlußabstimmung wurde dann das Gesetz mit den Aenderungen der zweiten Lesung mit allen gegen 4 Stimmen angenommen. Nun muß man, wie gesagt, abwarten, was die
Kammer der Privilegierten damit anfangen wird.
Fällt das Gesetz, wir weinen ihm keine Thräne nach; dessen aber können die Rück⸗ schrittler sicher sein, die Sozialdemokratie wird nicht ruhen, bis sie getreu ihrem Programm das allgemeine gleiche ind direkte Wahlrecht auch für den Landtag erkämpft hat.
Religion und Sittlichkeit.
„Religion muß sein!“ sagt die Kirche. Und die Schule betet es nach.„Ohne Religion keine Sittlichkeit,“ behauptet die hausbackene Philister⸗ weisheit; und die um Thron un Altar ver⸗ künden es wie aus einem Munde:„Dem Volke muß die Religion erhalten werden, weil die Religion die Voraussetzung aller Moral ist.“ Daraus ergiebt sich die Konsequenz:„Je mehr Religion, desto mehr Sittlichkeit; je weniger Religion, desto weniger Sittlichkeit.“ Also laßt uns Kirchen bauen und dem Volke das Wort Gottes predigen!
Wir aber sagen: Welch' ein Irrtum! Was hat der Kirchenglaube mit den Gesetzen der Ethik und Moral zu schaffen? Seit wann kann man Trauben lesen von den Dornen und Feigen von den Disteln?
Es ist nicht wahr, daß Religion und Sitt⸗ lichkeit notwendigerweise zusammen gehören und daß die eine die andere bedinge. Religion und Sittlichkeit sind zwei vollständig verschiedene Begriffe; jeder von ihnen schließt eine andere Welt in sich. Oder hat etwa der Glaube an einen dreieinigen Gott, an Himmel und Hölle, an Unsterblichkeit und Fegefeuer, an die Macht des Gebets und die Verwandlung von Brot und Wein beim Abendmahl einen direkten oder indirekten Einfluß auf das menschliche Denken und Handeln, ob es gut oder böse, sittlich oder unsittlich sei? Was haben starres Dogma und äußerlicher Zeremonienkram, sagenhafte Tradi⸗ tion und blinder Buchstabenglaube täglichen Lebenspraxis, mit dem warmen Fleisch und Blut des Menschen zu thun, der sein Können und Wollen nach dem Maße seiner Selbstbestimmung regelt? Es gehört viel Be⸗ griffsverwirrung und Aberwitz dazu, um hier innere Zusammenhänge zu entdecken. Die wer igen Goldkörnchen Ethik, die in dem Schlackenwerk aller Kirchenreligion zu finden sind, gehören von Natur aus gar nicht hinein. Spekulativer Geschäftsinstinkt hat sie, die ewig sind und alle äußeren Religionsformen überdauern, erst hin⸗ eingetragen und mit dem Schlackenwust ver⸗
schmolzen, um diesen an Wert gewinnen zu lassen. Es kann deshalb wohl eine Sittlichkeit
geben ohne Religion, und es giebt eine solche; aber die Religion als Religion braucht noch lange nicht das Wesen der Sittlichkeit in sich zu fassen. N
Die edelsten, größten, tugendhaftesten, geni⸗ alsten Menschen haben gelebt und leben noch ohne Glauben, ohne Kirchenlehre, ohne Gott und Teufel. Nicht ohne Religion, denn auf seine Art ist ein jeder religiös; aber jedenfalls 1 Kirchenreligion, und von der ist hier die
ede.
Andererseits stehen die gläubigsten und frömmsten Völker der sog. Christenheit, jene Völker, die die meisten Kirchen und Klöster, Wallfahrtsorte und Heiligtümer, Priester, Mönche und Nonnen aufweisen, die noch am
mit der
————
r .
3


