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Nr. 32. 9. Jahra
Redaktionsschluß. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr
Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse.
Gießen, Sonntag, den 10. August 1902.
Mitteldeutsche 5
Sonntags⸗Zeitung.
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Zum diesjährigen Parteitag.
Zu der Tagesordnung, die für den Münchener Parteitag von dem Parteivorstand vorgeschlagen ist, werden von mehreren Parteiblättern Ab⸗ änderungsvorschläge gemacht. So nimmt der „Vorwärts“ in einem längeren Artikel zu der vorgeschlagenen Tagesordnung Stellung und weist zunächst auf die besondere Bedeutung hin, die dem diesjährigen Parteitag— im Hinblick auf die gegenwärtige politische Situation und die kommenden Reichstagswahlen— zukomme. Die Wahlen von 1903 würden den Ausschlag geben, ob die Versumpfung der deutschen Ver⸗ hältnisse fortdauern soll, oder ob es dem Pro⸗ letariat gelingt, einen erfolgreichen Vorstoß auszuführen, und freieren und helleren Zuständen eine Gasse zu bahnen. Wir müssen in dem kommenden Jahrfünft auf wichtige Entscheidungen gefaßt sein. Da gilt es, nicht nur einig und stark, sondern auch klar bewußt und sicher ent⸗ schlossen zu sein.
Als Punkt 5 der Tagesordnung ist„Ar⸗ beiterversicherung“, als Punkt 6„Kom⸗ munalpolitik“ vorgesehen. Die Wichtigkeit dieser beiden Gegenstände erkennt unser Zentral⸗ organ vollkommen an, es meint aber, für diesen Parteitag der Wahlkampfrüstung wäre die Er⸗ örterung derselben weniger am Platze, die Re⸗ ferate darüber könnten das Programm eines jeden Parteitags zieren. Diesem solle aber seine Eigenart als Wahl⸗Parteitag gewahrt werden und darum wünscht der„Vorwärts“, daß als Punkt 5:„Die Wahlrechts⸗ Kämpfe in den Einzelstaaten“ und als Punkt 6:„Das Zentrum“ gesetzt werden möge. Zur Begründung des ersteren Vorschlags sagt der„Vorwärts“, der Parteitag müsse end⸗ lich die Frage erörtern:„Was müssen wir thun, um in den Einzelstaaten vorwärts zu kommen? Wir können Sachsen und Preußen nicht länger der unumschränkten Macht der Reaktion überlassen. Die Erfah⸗ rungen und Lehren der Wahlreformbewegung in den süddeutschen Staaten müßten wir uns aneignen und versuchen, ein demokratisches Wahlrecht aus eigener Kraft zu erobern. Zum zweiten Vorschlage wird angeführt, daß eine Erörterung der Zentrumsfrage ebenso not⸗ wendig sei, als eine solche des Landtagswahl⸗ rechts. Ueber Junkertum, Agrarier, National⸗ liberale, Freisinnige könne bei dem Referat über die Reichstagswahlen das Notwendige gesagt werden. Das Zentrums problem aber sei so kompliziert und weitschichtig, daß es nicht im Vorübergehen erschöpft werden könne.
— Seit den letzten Wahlen hat das Zentrum seine reaktionäre Entwicklung vollendet. Als stärkste Partei des Reichstags übt es den be⸗ stimmenden Einfluß auf die Regierung und die Richtung der Politik. Der Klerikalismus ist auch bei uns der Hort des Stillstandes und das Hemmnis jeder freieren und reineren Entwicklung. Unsere öffentlichen Verhältnisse ersticken in der Klosterluft des Zentrums. Indem das Zentrum alle herrschen⸗ den Mächte mit seinen Spenden besticht, indem es Junkern und Großindustriellen dient, Mittelständlern und Arbeitern listige Köder hinwirft, erkauft es sich den Ablaß
für seine ungezählten Sünden. Es trägt die
[ Hauptschuld am Militarismus, Marinismus,
an der Welt- und Kolonialpolitik, es ist ver⸗ antwortlich für die Flickschusterei der Sozial⸗ politik, es macht— unter Verrat aller seiner früheren Grundsätze— die aus⸗ schweifenden Forderungen der Zollwucherer mit, es ist auch auf dem Gebiete der politischen Volksrechte keineswegs mehr zuverlässig— man denke an das erzreaktionäre Verhalten in den (Landtagen—, es fördert jede kultur⸗ feindliche Unterdrückung geistiger Freiheit und künstlerischer Schöpferkraft. Unter Anwendung aller der großen Hilfsmittel der gewaltigen und bewunderungswürdtgen Organisation der katholischen Kirche, unter rafftnterter Anpassung an die Gemütsbedürfnisse unterdrückter armer Menschenseelen hindert das Zentrum die sozialistische Aufklärung und er⸗ hält die Ausgebeuteten— wohlwollende Freund⸗ schaft heuchelnd und schlau Almosen spendend— im Joche ihrer Ausbeuter.
Es ist nicht zu leugnen, daß unsere Erfolge gegen das Zentrum noch verhältnismäßig ge⸗ ringfügig sind. Es giebt schwarze Wahlkreise, die gegen jeden Lichtstrahl undurchlässig scheinen. Man glaube nicht etwa, daß der Liebersche Wahlkreis, in dem wir es bisher niemals, und auch diesmal nicht, über 700 Stimmen brachten, eine rein bäuerliche Bevölkerung hat; in den vier Kreisen, die für den Wahlbezirk in Betracht kommen— ste überschreiten allerdings seine Grenzen—, zählte bereits die Berufs⸗ zählung von 1895 nicht weniger als 18 000 in Bergbau und Industrie als Haupterwerb thätige Personen, während die Landwirtschaft 30000 erwerbsthätige Personen umfaßte, überwiegend kleinbäuerlichen Charakters!
Andererseits giebt es doch Anzeichen, daß die universale Mundstopf-⸗Politik des Zentrums — den Besitzenden aller Art werden auf Kosten der Besttzlosen Millionen gegeben, Pfennige ge⸗ nommen, mit denen dann die Ausgebeuteten beglückt werden— zu inneren Zerrüttungs⸗ erscheinungen führt. Die Zentrumsarbeiter be⸗ ginnen zu rebellieren. Dennoch zerfällt das Zentrum nicht von selbst. Ohne positive Arbeit der Sozial demokratie würden die inneren Zwistig⸗ keiten der Ultramontanen schließlich in nichts verpuffen.
Wie es die Sozialdemokratie anfangen müsse, in diese Kreise einzudringen, welche Agitations⸗ methoden anzuwenden, welche Form der Orga⸗ nisation zweckmäßig sei, diese Fragen, schließt der„Vorwärts“, müßten einer gehörigen Be⸗ ratung unterzogen werden.
Was die Anregung bezüglich des Zentrums betrifft, spricht sich die Münchener Post dahin aus, daß aus technischen Gründen ein er⸗ sprießliches Referat über das Zentrum nicht gut zu ermöglichen sei, ein solches ließe sich nicht aus den Aermel schütteln.„Wer die historischen und wirtschaftlichen Wurzeln dieses besonderen Parteigebildes bloslegen will, hat eine harte Arbeit zu leisten, die innerhalb eines Zeitraumes von sechs Wochen schwer zu leisten sein wird. Und Referate von der Qualität der antisozialistischen Bachemschen Blechpauken auf den Katholikentagen wollen wir doch nicht.“
Andere Parteiblätter legen der Erörterung des Zentrumsproblems, das mehr eine„sozial⸗ historische Doktorfrage“ sei, weniger aktuelle Bedeutung bei, unsere Parteigenossen wüßten
da, wo sie mit dem Zentrum zu thun hätten, diese Partei mit ihren eigenen parlamentarischen Früchten zu bedienen. Es genüge die Aussprache über das Zentrum im Rahmen der Debatte über den parlamentarischen Bericht der Fraktion. Dieser Meinung pflichten wir bei. Zum Kampfe gegen das Zentrum halten wir weder eine andere Agitationsmethode noch Form der Organisation für notwendig. Thatsache ist, daß wir in den im Besitz des Zentrums be⸗ findlichen Kreisen bisher nur noch wenig Fort⸗ schritte gemacht haben; aber deswegen braucht sich das Zentrum nicht so stolz als hieb⸗ und stichfest gegen die sozialdemokratische Agitation hinzustellen, wie es jetzt wieder anläßlich der Vorschläge des Vorwärts geschieht. Denn es giebt Wahlkreise mit zahlreicher Arbeiterbevölke⸗ rung, wo das Zentrum wenig oder gar keinen Einfluß besitzt und wir doch auch wenig Stimmen erzielen. Verschiedene vorwiegend evangelische Kreise im Saarrevier, der Pfalz und der Pro⸗ vinz Sachsen können hier als Beispiele ange⸗ führt werden. Auch in dem vom„Vorwärts“ angeführten Lieberschen Kreise haben wir in einzelnen durchweg katholischen Orten gute Fortschritte gemacht, dagegen konnten wir in anderen evangelischen noch keinen Boden ge⸗ winnen. Auf dem Lande geht es erfahrungs⸗ gemäß überall da vorwärts mit unserer Sache, wo wir geeignete Genossen am Orte haben, die, wenn auch nur im Stillen, agitatorisch wirken können. Daran mangelt es aber; hätten wir an jedem Orte nur einen solchen, so würde auch die Wiederstandsfähigkeit des Zentrums⸗ turmes bald gebrochen sein. Einer besonderen Agitationsmethode gegen das Zentrum bedarf es nicht, es unterscheidet sich ja doch kaum noch von den übrigen reaktionären Parteien.
Der Bericht über die palamentarische Thätigkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion
ist erschienen. Diesmal wird er vom Genossen Emil Rosenow erstattet, des an Jahren jüngsten Mitgliedes unserer Reichstagsfraktion. Die Broschüre umfaßt 39 Druckseiten, geht auf alle Gegenstände ein, die den Reichstag be⸗ schäftigten und erklärt und begründet die Stel⸗ lungnahme der Partei dazu. Wir können in Rücksicht auf den zur Verfügung stehenden Raum den Bericht nur auszugsweise wiedergeben.
Zuerst wird die Vorlage des Zolltarifs besprochen, dessen Inhalt die schlimmsten Be⸗ fürchtungen der Arbeiter bestätigt habe.
Es traf sich, daß die Regierung den Zoll⸗ tarif zu einer Zeit vorlegte, da über das deutsche Proletariat die schwersten Stürme der wirt⸗ schaftlichen Krise hinwegbrausten. Weit über eine halbe Million Arbeitsloser lungerte frierend und darbend um geschlossene Fabrikthore, ver⸗ ödete Arbeitssäle und unbeschäftigte Arbeits⸗ nachweise. Hunderttausende verzweifelnder Väter und Mütter wußten nicht, woher Brot nehmen, um die hungrigen Mäuler ihrer Kinder zu füllen oder Kleider zu beschaffen, um ihre Blößen zu decken. Wenn trotzdem die Blätter der preußischen Vieh⸗ und Kornjunker mit großem Geschrei die Macher des Zolltarifs be⸗ schuldigten, die„dringendsten Forderungen der
PPP


