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Nr. 23.
Gießen, Sonntag, den 7. Juni 1902.
9. Jahrg.
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse
Mitteldeutsche
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Schlimme Zeiten.
n. Schwer lastet die Krise auf der deutschen Arbeiterschaft. Die Zahl der gänzlich Arbeits⸗ losen ist immer noch erschreckend groß. Und Diejenigen zählen nach Zehntausenden, die bei verkürzter Arbeitszeit zu herabgesetzten Löhnen arbeiten müssen. Die in verflossenem Winter von den Arhbeiterorganisationen verschiedener deutscher Städte vorgenommenen Arbeitslosen⸗ zählungen haben wahrhaft traurige Bilder des Elends und der Not bloßgelegt.
Reich und Staaten haben gar nichts zur Milderung des Notstandes gethan; von den Gemeinden nur wenige durchaus Ungenügendes. Ja, wenn es sich um„notleidende“ Agrarier gehandelt hätte! Aber so kamen und kommen ja nur arme Teufel von Arbeitern in Frage; die mögen sehen, wie sie fertig werden. Und im allerschlimmsten Falle ist ja die Armenpflege da. Zwar müssen bei dieser die Proletarier die kärglichen Unterstützungen mit ihren wenigen politischen Rechten zahlen, aber billiger thun es die Geldsacksritter nicht und— der Hunger thut weh.
Schlimme Zeiten liegen hinter uns, schlim⸗ mere stehen uns aber zunächst bevor. Anstatt hilfreich einzugreifen, um den Arbeitslosen Brot zu verschaffen, hat die Reichsregierung in Ge⸗ meinschaft mit den Vertretern der„notleidenden“ Schlot⸗ und Krautjunker Pläne geschmiedet, wie man den Armen und Aermsten zu Gunsten Wohlhabender Brot, Fleisch und Kleidung noch mehr verteuern kann! Wenn es wahr ist, daß die Not denken lehrt, dann muß es in den letzten Monaten Zehntausenden, die bisher den lieben Gott einen guten Mann sein ließen und den Kuckuck sich um Politik kümmerten, wie Schuppen von den Augen gefallen sein. Mau stelle sich doch vor:
Zehntausende hungern— und die Regierung plant eine weitere Brotverteuerung. Zehntau⸗ sende laufen in defekter Kleidung und zerrissenem Schuhwerk einher— und die Regierung plant neue Woll⸗ und Lederzölle. Zehntausende sehnen sich nach Arbeitsgelegenheit— und die Regie⸗ rung brüsktert das Ausland, das uns jährlich für viele Millionen unserer Industrieerzeugnisse abkaufte.
Mit anderen Worten: der Verwaltungs⸗ ausschuß der besitzenden Klassen— etwas anderes sind die Regierungen heutzutage nicht— hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, den Notstand noch zu verschärfen. Schlimmer ist in Deutsch⸗ land niemals zum Klassenhaß aufgereizt worden, als durch die Vorlage des Wucherzolltarifs.
Das sieht selbst der Beschränkteste ein, daß man durch künstliche Brot⸗ und Fleischverteuerung dem Arbeiter nicht zu Hilfe kommt, dessen Kinder nach Brot schreien. Und Arbeit wird dem Arbeitslosen auch nicht dadurch verschafft, daß man den bisherigen Käufern unserer In⸗
dustrieprodukte die Thüre weist.
Was in den letzten Jahren dem deutschen Volke zugemutet wurde, das ist geradezu un⸗ erhört. Aber ist denn das etwa das Richtige, sich nur auf die Abwehr zu beschränken und nur dann die Stimme zu erheben, wenn die Hand zum neuen Attentat gegen Volksfreiheit Und Volkswohlfahrt erhoben wird?
Nein und tausendmal Nein!
Wie konnte es denn überhaupt die Regierung wagen, dem Volke eine Umsturzvorlage, eine Zuchthausvorlage, eine Lex Heinze zuzumuten? Woher nahmen sie den Mut, von dem ausge⸗ powerten Volke eine Milliarde für Kriegsschiffe zu fordern? Wer stand hinter der Regierung, als sie die Grenze sperrte, damit dem deutschen Arbeiter kein Stück billigen Fleisches auf den
Tisch kam?
Wer hinter ihr stand? Die Mehrheit der Volksvertretung! Es ist traurig, aber wahr: die Mehrheit. Und diese Mehrheit kam bisher immer zu Stande, weil weite Schichten des arbeitenden Volkes in geradezu sträflicher Gleichgültigkeit dahin lebten. Die Zahl Derjenigen, die sich nur dann regen, wenn ihnen das Feuer bereits auf den Nägeln brennt, geht in die Hunderttausende. So lange es ihnen leidlich geht, spielen sie Karten, kanne⸗ gießern über den Burenkrieg und schimpfen auf die Engländer. Und wenn dann die Krise ein⸗ setzt, wenn die Arbeitsgelegenheit immer schlechter und die Löhne niedriger werden, dann machen sie lange Gesichter.„Wie mag das nur so urplötzlich gekommen sein?“ fragen sie sich dann wohl.„Gewiß sind da die verdammten Eng⸗ länder schuld, wenn's nicht gar die Juden waren!“ Der Gedanke kommt ihnen gar nicht, daß sie selbst die größte Schuld an den Zu⸗ en tragen, unter denen wir alle zu leiden aben.
Die Krisen zwar, die das anscheinend so feste Gefüge unserer kapitalistischen Gesellschafts⸗ ordnung periodisch bis in die Grundvesten er⸗ schüttern, können nicht von heute auf morgen beseitigt werden; sie sind Begleiterscheinungen des Kapitalismus und werden erst mit diesem fallen. Aber wie viel Schlimmes hätte immerhin verhütet, wie viel Gutes längst erzwungen werden können, wenn das arbeitende Volk in den Parlamenten die Vertretung gehabt hätte, die ihm zukommt. Jetzt hat das verhält⸗ nismäßig kleine Häuflein der besitzenden Klassen im Reichstag eine gewaltige Mehr⸗ heit, die vielen Millionen des werkthätigen Volkes in Stadt und Land sind durch eine winzige Minderheit vertreten. Wie im Reichs⸗ tag, so in den Landtagen. Man werfe doch einen Blick in die Zweite hessische Kammer! Unter 50 Abgeordneten sage und schreibe 6 Sozialdemokraten! Wenn auch bei uns in Hessen infolge des indirekten Wahlsystems und anderer chikanöser Wahlbestimmungen der eigentliche Volkswille gar nicht unverfälscht bei den Wahlen zum Ausdruck kommen kann, so müßten trotz alledem schon ganz andere Wahlresultate erzielt worden sein.
Es ist die höchste Zeit, die Indifferenten aufzurütteln. Man muß ihnen zunächst die Zipfelmütze von den Ohren ziehen, damit sie hören können, wenn wir ihnen sagen, daß sie die Hauptverantwortung tragen für die schlimmen Zeiten, über die alle klagen. Angenehm ist diese Aufgabe nicht, daß weiß jeder unserer Leser, der es mit seinen Parteipflichten ernst genommen und den sozialistischen Ideen in immer weiteren Kreisen Eingang zu verschaffen suchte. Aber mit neuen Kräften, mit neuer Arbeitslust muß an die Arbeit gegangen werden.
Es stehen Wahlen zum Hesstschen
[Landtag und binnen Jahresfrist auch Wahlen
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zum Deutschen Reichstag bevor. Soll so weiter gewirtschaftet werden, wie seither? Wollen wir uns den Leibriemen immer enger schnallen lassen, damit die„notleidenden“ Grafen und Barone noch besser leben können, als seither? Damit ununterbrochen weiter Kriegsschiffe gebaut werden können, weil unsere Zukunft angeblich auf dem Wasser liegt? Wollen wir weiter Kanonen gießen lassen, damit jeden Augenblick der innere Feind, die hungrige„Kanaille“, die nach Brot und Arbeit schreit, niederkartätscht werden kann?
Wer sich über die schlimmen Zeiten beklagt, hat die ernste Pflicht, mit zu arbeiten, um bessere Zeiten zu erkämpfen. Das muß den bisher Indifferenten begreiflich gemacht werden. Ebenso wenig, wie die schlimmen Zeiten „von selbst“ kamen, oder uns vom lieben Gott bescheert worden sind, kommen bessere Zeiten von selbst. Ein nützlicher Mitkämpfer für eine bessere Zukunft kann aber nur der sein, der sich klar ist über das, was ist, und das, was werden soll. Deshalb muß es unsere nächste Aufgabe sein, unsere Presse in immer weitere Kreise zu bringen. Sie ist unser bestes Rüstzeug; sie rüttelt die Schläfer auf und unterrichtet den Erwachenden; sie lehrt den Jungen die Waffen gegen die Reaktion führen und feuert die Alten immer wieder von Neuem an, wenn die Kräfte zu erlahmen drohen.
An's Werk, Genossen! Wir sind die letzten, die Zeit hätten, müde zu sein. Die Organisation ist fest gefügt; nun ist nichts wichtiger, als die Verbreitung der sozialdemokratischen Presse. In keinem Arbeiterheim in Oberhessen und den Kreisen Wetzlar, Marburg ꝛc. darf unser Blatt, die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ fehlen! Alle sollen und müssen vernehmen, was wir wollen, alle, die unter der schänd⸗ lichen Mißwirtschaft zu leiden haben, sollen unsere Mitkämpfer werden, unsere
Mitkämpfer für bessere Zeiten!
Friede in Südafrika.
Endlich hat die Schlächterei in Südafrika, die eine Schande für die gesamte Kulturwelt bedeutete, ihr Ende erreicht. Am Sonntag traf in London die Nachricht ein, daß die Friedensbedingungen beiderseitig unterzeich⸗ net worden seien. Jeder menschlich Denkende wird aufatmen, daß das massenmörderische Treiben nun aufgehört hat. Beutegierige Kapitalisten haben die Brandfackel des Krieges niedriger materieller Interessen wegen entzündet und die jahrelangen Kämpfe erforderten uner⸗ meßliche Opfer an Menschenleben und Gütern. Hoffentlich haben die ungeheueren Verluste, die dieser Krieg gebracht, wenigstens das eine Gute, daß die„Diplomaten“ künftig mit etwas weniger Leichtfertigkeit mit dem Feuer spielen. Den Buren hat der Krieg ihre Unabhängigkeit gekostet. Trotzdem stehen sie nicht als Besiegte da. Sie haben viel verloren, aber sie können stolz erhobenen Hauptes die Waffen übergeben, sie haben rühmlichst gekämpft. Sie hielten aus, als alle Hoffnung erloschen schien, sie haben jahrelang im Heimatlande das Leben des un⸗ steten Flüchtlings geführt, und haben nicht nachgegeben und dem stolzen Feinde mehr als
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