Ausgabe 
5.1.1902
 
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el,

Nr. 1.

Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung.

Seite 7.

braune Ann'. Das Kind that es ihr an, wie Jedermann.Nein, entschied ste,das dürfe man nicht zulassen, daß dies Kind auf dem Dorfe versauere und verbauere, da müsse man mit der Großmutter ein ernstes Wörtlein reden und an Geldunterstützung und so weiter solle es nicht fehlen. Sie begeisterte sich förmlich für den Plan und wußte es der alten Brigitte so eindringlich klar zu machen, ein wie großes Unrecht sie begehe, wenn sie dem Glück ihrer Enkelin im Weg stehen wolle, daß sich die arme Alte ganz lieblos vorkam, weil sie sich so ar nicht des Glückes freuen konnte, das ihrem iebling zu Teil werden sollte. Es zog sich etwas in ihr zusammen bei dem Gedanken, daß sie nun die einzige Freude ihres Alters hergeben 1 Sie sah es wohl ein, sie mußte, und I Z

Ann' war in der Stadt. In der Ferne, wo sie auf der Handelsakademie die Kaufmann⸗ schaft erlernen sollte. Ihre Briefe atmeten Glückseligkeit und ihre Zeugnisse waren gut.

(Fortsetzung folgt.)

ere

Ein Vekehrungsversuch.

In dem wöchentlich für den 1. sächs. Wahl⸗ kreis(Zittau) erscheinenden ParteiblatteDer arme Teufel erzählt ein Genosse folgendes heitere Erlebnis:.

Ich saß im Gefängnis. Durch eine kleine harmlose Zeitungsnotiz sollte ich eine Majestäts⸗ beleidigung begangen haben. Etnes Nachmittags wurde die Thür meiner Zelle geöffnet und her⸗ ein trat der evangelische Anstaltspfarrer. Es entwickelte sich zwischen uns beiden nun folgen⸗ des Gespräch:

Pfarrer: Nun, mein Sohn, sagen Sie mal, warum Sie hier sind?

Ich: Weil ich Sozialdemokrat bin!

Pfarrer(auffahrend): Waaas?(Schaut in

die Akten.) Eine Majestätsbeleidigung haben Sie begangen, die von Gott eingesetzte Autorität 4 Sie gehöhnt! Das ist strafwürdig, vor en Menschen und vor Gott, hören Sie, auch vor Gott!(Und dabei schaute er nach der Inschrift meiner Zellenthür, die lautete:Be⸗ denke das Ende! Ich habe beim Lesen aber immer nur an das Ende meiner Strafzeit gedacht!)

Ich: Ich bin mir nicht bewußt, eine Maje⸗ stätsbeleidigung begangen zu haben. Aber, Herr Pfarrer, Johannes der Täufer wurde wegen Majestätsbeleidigung hingerichtet und wird deshalb von der christlichen Kirche als Märtyrer verherrlicht!

Pfarrer: Ja, hm, die jüdischen und heid⸗ nischen Herrscher begingen allerdings Schlechtig⸗ keiten, Ehebruch usw., und das zu geißeln war ein Verdienst der ersten Christen.

ch: So! Möchte Ihnen nicht raten, heute das Gleiche zu thun, Herr Pfarrer! August der Starke von Sachsen z. B. war ein christ⸗ licher König. Er beging Ehebruch und führte ein lasterhaftes Leben, wie geschichtlich feststleht. Aber als diese historische Thatsache in einer Zeitung erwähnt wurde, wurde der Redakteur von sächsischen Richtern wegengroben Unfugs bestraft.

Pfarrer: Dann ist ihm recht geschehen! Jeder König, jede Obrigkeit ist von Gott. Die Fürsten sind nach unserer christlichen Auffassung die von Gott hören Sie, von Gott! ein⸗ Place Autorität! Gott will es so. Das

and zwischen dem Herrscher und den Unter⸗ thanen ist eine Gottesordnung, und wer den Fürsten beleidigt, der beleidigt Gott!

Ich: Ist jeder König eine von Gott einge⸗ setzte Autorität?

Pfarrer: Jawohl!

ch: Dann war es auch Milan von Serbien?

Pfarrer e Ja!

5* Und Ludwig der 14. von Frankreich au 8

Pfarrer: Selbstverständlich!

Ich: So, Herr Pfarrer! Hier habe ich ein Buch, das ich aus der Gefängnisbibliothek zum Lesen erhielt. Dasselbe wurde von einer christ⸗ lichen patriotischen Vereinigung herausgegeben

zur Pflege der nationalen Gesinnung. Da⸗ rinnen steht, Ludwig 14. sei derAusbund aller Scheußlichkeit gewesen, der die durch Steuern aufgebrachten Staatsgelder mit liederlichen Dirnen verpraßte, in Deutschland viele Städte, Schlösser und blühende Felder verwüsten ließ. Da wäre es doch merkwürdig, daß Gott einen solchenAusbund aller Scheußlichkeit als Autorität einsetzt!

Pfarrer(sehr verlegen): Ja, hm, ja, ja . Mach einer Weile): Sagen Sie mal, Sie sind aus der Kirche ausgetreten?

Ich: Ja, Herr Pfarrer!

Pfarrer: Das ist unrecht! Warum sind Sie nicht bei dem Glauben geblieben, in dem Sie die Eltern erziehen ließen?

Ich: Ja, sehen Sie'mal, Herr Pfarrer: ich bin katholisch erzogen. Der erste Glaubenssatz, den ich in der Religionsstunde lernte, hieß: Frage: Macht jeder Glaube selig? Antwort: Nein! Nur der wahre, katholische, apostolische Glaube macht selig! Wäre ich also der Religion, in der ich erzogen wurde, treu geblieben, müßte ich Sie, als Protestant, als einen Ketzer be⸗ trachten, der einmal ewig in der Hölle braten werde!!

Pfarrer(in die Akten sehend): Ich dachte, Sie wären protestantisch gewesen! Adieu, mein Sohn, bessern Sie sich! Suchen Sie die wahre Religion!

Ich: Die glaube ich im Sozialismus ge⸗ funden zu haben. Adieu, Herr Pfarrer! f 1 8 Herr Pfarrer hat mich nicht mehr be⸗ 1 3

Splitter. Aus spanischem Volksmund.

Die Fürsten wollen bei ihren Thaten Bedient sein, aber nicht beraten.

** *

Immer in Versuchung führen Großer Hunger offne Thüren. **

* Aus russischem Volksmund.

Ein Armer kann das Glück nur schwer erhaschen, Dem Reichen aber kriecht's in alle Taschen.

Humoristisches.

Mildernder Umstand. Richter: Sie sind wegen groben Unfugs, vielfacher Beleidigung und zahl⸗ reicher Körperverletzungen angeklagt. Was haben Sie zu Ihrer Entschuldigung anzuführen? Angekl.: Ich war während einer ganzen Session Mitglied des öster⸗ reichischen Reichsrats.(W Jakob.)

Schwache Verteidigung. Richter:Ange⸗ klagter, Sie haben sechs Ellen Tuch gestohlen. Ang e⸗ klagter:Ich bitte, das ist doch eine Kleinigkeit gegen die Länge der Erdachse, den Abstand der Erde von der Sonne oder die Unermeßlichkeit des Weltraumes.

In der Religionsstunde. Pfarrer:Und nun, meine lieben Kinder wer von Euch kann mir wohl die allerärgste Sünde, das schlimmste Verbrechen nennen, das nach den Landesgesetzen gar nicht streng genug bestraft werden kann? Nun, Karlchen, Du? Karlchen:Arbeiter sein, sagt mein Vater.

Litterarisches.

DerWahre Jakob hat soeben seine Neu⸗ jahrsnummer, die Nummer 1 seines 19. Jahr⸗ ganges, erscheinen lassen. Das farbige Titelbild sym⸗ bolistert die Arbeiterbewegung als denSchrecken des Jahrhunderts. Vor dem Arbeitsmann mit der roten Fahne ergreifen alle Schichten der Gesellschaft er⸗ schrocken die Flucht. In einer Anzahl kleinerer Illu⸗ strationen und Textbeiträge werden politische und soztale Satiren geboten, welche mit dem Jahreswechsel in Zu⸗ sammenhang stehen.Dem Proletarkat heißt der Titel eines von Clara Müller verfaßten Neujahrs⸗ gedichtes; auch eine in der SylvesternachtIm Reichs⸗ kanzlerpalais abgehaltene und in Versen geschil⸗ derte spiritistische Soirée sei hier erwähnt. Zahlreiche andere Beiträge sind den politischen Tagesfragen ge⸗ widmet; außerdem liegt der Nummer derLustige Almanach des Wahren Jacob für 1902 bei. Wir können unsern Lesern die Anschaffung der Nummer, die inkl. Almanach 10 Pfennig kostet, nur empfehlen.

Gedichte für das Volk von Karl Henckell sind von der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. so⸗ eben in billiger Ausgabe mit Illustrationen von Fidus ausgegeben worden. Die Arbeiter, welche die Einzel⸗ ausgaben der Henckell schen Dichtungen ihres Preises wegen nicht kaufen können, erhalten hier seine besten sozialen und lyrischen Gedichte in vom Dichter selbst bestimmter Auswahl zu billigem Preise.(30 Pfg. für das 78 Seiten starke Bändchen.) Wir empfehlen dies Heft jedem Arbeiter, besonders aber zu Deklamationen an Arbeiterfesten u. dgl.

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DBB hHBB Aus dem Gießener Standesamtsregister.

Aufgebotene. Am 20. Dez. Georg Hart⸗ mann, Dienstknecht, mit Henriette Jacobi, dahier. 21. Johann Kienbichl, Bahnmeisteraspirant dahier mit Minna Moosch in Leipzig. 23. Ludwig Schlaudraff, Buchbinder mit Margarethe Büchner, dahtier. 29. Wil⸗ helm Sommerlad, Bäcker dahier mit Anna Dickel in Angersbach. 30. Karl Schmidt, Schlossermeister, mit Martha Poppeck dahier.

Eheschließungen. 23. Sigmund Herzberger, Kaufmann in Crefeld mit Toni Meyerhoff dahier. 23. Jakob Sandor, Schauspieler mit Anna Rehder da⸗ hier. 23. Karl Berg, Bäcker mit Anna Marie Hinkler, geb. Backhaus dahier. 24. Karl Malkomesius, Trichinenschauer, mit Anna Kraus dahier. 24. Friedrich Deiß, Schlosser, mit Anna Nicolai dahier. 31. Her⸗ mann Klotz, Spengler mit Lina Klingelmeier dahier.

Geborene. Am 16. Dem Arbeiter Philipp Eisenhut e. S. 17. Dem Friseur Bernhard Dosch e. T. 18. Dem Friseur Philipp Lehrmund e. T. Dem Kreisbauinspektor Georg Theiß e. T. 19. Dem Fab⸗ rikant Karl Plank e. S. Carl Schneider e. S. 24. Dem Bäckermeister Wilhelon Löber e. S. Dem Schneider Christian Sauer e. T. 25. Dem Hülfsbremser Karl Bauer e. T. 27. Dem Privatdozent Dr. Wilhelm Eidmann e. T. 28. Dem Hausburschen Johann Wenzel e. S. 29. Dem Dienst⸗ knecht Ludwig Becker IV. e. T.

Gestorben e. Am 20. Karl Glitsch, 6 Monate alt, Sohn des Schuhmachers Johannes Glitsch dahier. 22. Elise Wießner, geb. Müller, 44 Jahre alt, Witwe dahier. 28. Karl Pimper, 50 Jahre alt, Schneider⸗ meister dahler. Christian Schädel, 9 Jahre alt, Sohn des Universttätsdieners Johannes Schädel dahier. Gertrude Theiß geb. Axt, 25 Jahre alt. Amalie Baist, geb. Simon, 73 Jahre alt. 31. Heinrich Franz 10 Jahre alt. 1. Januar 1902. Philipp Haun, 46 Jahre alt, Schreiner dahier. 2. Karl Reuling, 1 Monat alt.

22. Dem Zigarrenfabrikanten