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Beilage zur Alitteldeutschen Sonntags-Teitung.
Nr. 9.
Gießen, Sonntag, den 2. März 1901.
8 9. Jahrg.
Politische Rundschau.
Internationaler Sozialisten Kongreß.
Wie in letzter Nummer schon mitgeteilt wurde, soll der nächste internationale Kongreß
im August nächsten Jahres in Amster dam
stattfinden. Aus der Bekanntmachung des in⸗ ternationalen Bureaus in Brüssel ist noch hin⸗ zuzufügen, daß nach dem Beschluß des Londoner Kongresses(1896) zugelassen sind:
1. Die Vertreter der Vereinigungen, die das Ziel verfolgen, das kapitalistische Eigentum und die kapitalistische Produktionsweise durch die sozialistische Produktionsweise zu ersetzen und die für die Erreichung dieses Zieles die Be⸗ nutzung von Gesetzgebung und Parlament für notwendig erachten.
2. Die rein gewerkschaftlichen Vereinigungen (Trades⸗Unions), welche, ohne an der politischen Bewegung teilzunehmen, die Notwendigkeit eines gesetzgeberischen und parlamentarischen Vorgehens anerkennen. In Folge hiervon sind die Anarchi⸗ sten ausgeschlossen.
Das Bureau fordert die Genossen auf, zu dem Kongreß Stellung zu nehmen und zur Tagesordnung Vorschläge zu machen.
Gehörig gezüchtigt
wurde in der Freitagssitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses der Oberbürgermeister von Wien, der Antisemit Lueger. Das ist ein politischer Abenteurer schlimmster Sorte; er verfügt über all' die schönen Eigenschaften, die unsere Radauantisemiten auszeichnen in er⸗ höhtem Maßstabe, weshalb ihn diese auch ab⸗ göttisch verehren. Im Verdächtigen, Verleum⸗ den und Beschimpfen seiner Gegner leistet er Unglaubliches. Aber das rückständige Wiener Kleinbürgertum, dessen Führer Lueger ist und das ihn zum Bürgermeister und Ehrenbürger wählte, leistet nicht mehr wie früher blindlings Heeresfolge. Er wollte darum seine sinkende Popularität etwas auffrischen, zumal auch die Wahlen bevorstehen. Das wollte er erreichen durch eine Interpellation über die Sammlung zu einem fortschrittlichenWahlfonds. Die Verhand⸗ lungen darüber endeten jedoch mit einer empfind⸗ lichen Niederlage des„Herren von Wien“. Seiner Gewohnheit gemäß beschimpfte er seine Gegner in der Interpellation; diese blieben ihm aber die Antwort nicht schuldig. Dr. Vogler von der Fortschrittspartei wies haarklein nach, schreibt die„Frkf. Ztg.“, daß alle Behauptungen Luegers aus der Luft gegriffen seien und der Sozialdemokrat Schuhmeier entwarf eine ausführliche Schilderung der Korruptionswirt⸗ schaf! des Luegerschen Regimentes; beiden Rednern konnten die Christlich⸗Sozialen nur mit Beschimpfungen antworten. Lueger selbst, der dann sprach, versuchte es zuerst mit faden Witzen, und als diese nicht wirkten, machte er halbe Eingeständnisse und entschuldigte sich mit Nichtwissen. Dann kam Pernerstorfer, der das Bild der Persönlichkelt Luegers zeichnete und seine Wandlungen, seine Chamäleonsnatur und seine Verläumdungssucht schilderte. Insbesondere warf er ihm vor, daß er stets im Schutze der Immunität des Reichsrats und des Landtags berläumde, und dann, wenn er verklagt werde, 1 Auslieferung hintertreibe. Dann fuhr er fort:
„Dieses systematische Verstecken hinter der Immunität ist in meinen Augen das Zeichen einer persönlichen Ehrlosigkeit. Herr Bürger⸗ meister Dr. Lueger, Sie sind ein persönlich ehrloser Mensch! Es hat eine Zeit gegeben, wo Dr. Lueger als jugendlicher Siegfried der Demokratie ausgezogen ist. Heute geht er daher als der servile Sancho Pansa des Klerikalismus. Und wenn ich dabei an den Prinzen Lichtenstein denke, so bitte ich Don Qufxote um Verzeihung. Das Ergebnis der heutigen Verhandlung ist kein verlorenes. Wir geben uns damit wirklich zufrieden. Nicht die
Gegner der Christlich⸗Sozialen, sondern die Christlich⸗Sozialen führen einen Verzweiflungs⸗ kampf, der zu ihren Ungunsten entschieden werden wird. Es ist entsetzlich daß es einer Partei möglich war, seit zehn Jahren in unserem Vaterlande allen Schmutz vom Boden aufzu⸗ wühlen, sodaß er an die Oberfläche gekommen ist. Vielleicht hat dem Dr. Lueger einmal als Ideal vorgeschwebt, Bürgermeister einer Stadt zu sein, von deren gesamten Bevölkerung er geliebt wird. Er weiß es heute, daß er der Bürgermeister einer Stadt ist, in der ihn gut die Hälfte haßt, wie man einen Todfeind haßt, das verkörperte Prinzip Unedlen, alles Gemeinen und Niedrigen in unserem Lande. Das schlimmste Zeichen unseres öffentlichen Lebens ist aber, daß, obwohl Dr. Lueger von sehr vielen Leuten so taxiert wird, wie ich ihn taxiert habe, es noch immer zu den Gepflogenheiten gehört, daß sich ehrenhafte und anständige Menschen nicht scheuen, diesem Manne die Hand zu geben. Die allgemeine Verachtung sollte sich vereinigen gegen den Führer einer niedrigen, gemeinen und verderblichen Partei.“
Zwar unterbrachen die Trabanten Luegers den sozialdemokratischen Redner fortwährend mit den gemeinsten Beschimpfungen, dieser ließ sich aber nicht irre machen. Und als Lueger selbst nochmals zum Wort kam, wußte er auf die wuchtigen Anklagen wieder nur mit Schimpfereien zu antworten. Er wird seine Rolle bald ausgespielt haben!
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Von Nah und Lern.
Träger des vornehmsten Rockes.
Vor dem Kriegsgericht der Marine-⸗Akademie in Kiel hatte sich der Fähnrich zur See Osterburg wegen Sittlichkeits⸗Ver⸗ brechen zu verantworten. Die Anklage legt ihm zur Last, sich am 3. November vor. Js. an zwei minderjährigen Schulmädchen vergangen zu haben. Unter den 19 Zeugen befanden sich eine Reihe von Schulkindern. Der Angeklagte trat am 7. April 1900 in bie Marine ein und wurde im April 1901 zum Fähnrich zur See befördert. Bei den ihm zugeschriebenen Ver— brechen ist er planmäßig vorgegangen. Kurz nach der That wurde er verhaftet und der Irrenklinik in Kiel zur Beobachtung seines Geisteszustandes überwiesen. Der Oberarzt der Klinik erschien als Sachverständiger. Die Ver⸗ handlung wurde, da eine Gefährdung der Sitt⸗ lichkeit zu befürchten stand, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Sie ergab die Schuld des Angeklagten. Dieser wurde wegen Sittlich⸗ keitsverbrechen in zwei Fällen auf Grund des § 176 Absatz 3 zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und zur Degradation verurteilt.
Sehr jugendliche Mörder.
Aus Berlin wird berichtet, daß dort das 4 jährige Söhnchen eines Omnibuskutschers in der Invalidenstraße, während die Mutter die Wohnung auf kurze Zeit verlassen hatte, sein in der Wiege liegendes zweieinhalb Monate altes Schwesterchen so schwer durch Stiche mit einem Tischmesser verletzte, daß das Kind bald darauf im Kaiser Friedrich-Kinder— krankenhause starb.
Viel grausiger noch ist die Blutthat, die der 9 jährige Sohn eines Brennereiverwalters auf dem Gute Scheelshof bei Arys in Ost⸗ preußen verübte. Während Vater und Mutter abwesend waren, ermordete er durch Axthiebe seine drei jüngeren Geschwister. Der Thäter ist ein schwächlicher Junge mit sehr stupidem Gesichtsausdruck. Ueber die That selbst gab er, während er ab und zu in Thränen ausbrach, Folgendes an: Seine Geschwister, Kinder im Alter von 3, 4 und 6 Jahren, hätten ihm nicht gehorchen wollen, daher habe er die
Axt genommen und zuerst sein 2 jähriges Schwesterchen und dann den im Bette liegen⸗ den 6jährigen Bruder erschlagen. Die kleinen Leichen waren furchtbar zugerichtet. Der jugend⸗ liche Mörder wurde in das Polizeigefängnis nach Arys abgeführt. Das Kind muß offenbar an einem geistigen Defekte leiden, sicher war es sich des Verbrecherischen seiner That nicht bewußt; weshalb bringt man es da ins Ge⸗ fängnis?
Litterarisches.
Eine Schrift über den Burenkrieg. Selten hat ein politisches Ereignis die öffentliche Mein⸗ ung in Deutschland im gleichen Maße aufgerüttelt, wie der Krieg in Südafrika. Mit merkwürdiger Einhellig⸗ keit hat das deutsche Volk gegen die angeblich räuberische Politik der Engländer Partei ergriffen. Momente der inneren Politik kamen dazu, um jenen Enthusiasmus für die Sache der stammverwandten Buren zu entfachen, der in Deutschland in der Regel für unterdrückte fremde Natlonen emporzulodern pflegt. Es ist einer der schönsten Züge des deutschen Nationalcharakters, daß er so rück⸗ haltlos und so— unpolitisch, für den Freiheitskampf anderer Völker sich einsetzt. So war es zur Zeit des griechischen Freiheitskrieges, so heute im Burenkrieg. Diese Begeisterungsfähigkeit ist aber, wie nicht zu ver⸗ gessen ist, von gewissen Partelen zu parteipolitischen Zwecken ausgenutzt worden. Die Reaktionäre aller Schattierungen haben die Sache der Buren zur ihrigen gemacht. Die Alldeutschen, Konservativen und Anti⸗ semiten glaubten die Zeit gekommen, um das deutsche Volk dem englischen völlig zu entfremden. Man kann sagen, daß es bei dieser Parte weniger die Liebe zu den Buren als der Haß gegen England war, der die „nationale“ Begeisterung schürte.
Wie die deutsche Sozialdemokratie stets und überall für die Gleichberechtigung der Nationalitäten eintritt, wie sie im Innern die Unterdrückung des dänischen und polnischen Volkstums verurteilte, so auch prinzipiell die Gewaltpolitik Englands. Aber den Kreuzzug unserer deutschen Reaktionäre gegen das englische Volkstum hat sie nie mitgemacht.
Die Sozialdemokratie ist sich stets dessen bewußt ge⸗ wesen, was Europa England zu verdanken hat, und hat andererseits auch nie verkannt, daß die Buren an sich vom Standpunkt der Entwickelung und der Kultur keine überschwängliche Teilnahme verdienen.
Immerhin fehlte bis jetzt die Zusammenstellung des nötigen sachlichen Materials zur Beurteilung der ganzen Frage. Man war auf durchaus unkontrollierte Nach⸗ richten angewiesen, und im politischen Tageskampfe ist natürlich für historische Erwägungen wenig Raum.
Es macht deshalb eine Schrift von Friedrich Hertz, die im Edelheim'schen Verlage in Berlin er⸗ schienen ist, betitelt:„Recht und unrecht im Burenkriege“ den dankenswerten Versuch, die ganze Burenfrage vom historisch⸗politischen Gesichts⸗ punkte aus zu beurteilen. Die Schrift enthält ein sehr fleißig zusammengetragenes reichliches Material. Ihr Hauptzweck ist der: den Krieg nicht als Resultat der Handlungen von guten oder bösen Menschen, sondern als Konsequenz einer langen ökonomischen und politischen Entwickelung darzustellen, die seit 20 Jahren den tragi⸗ schen und beklagenswerten Konflikt vorbereitet hat.
Die Schrift wird vermutlich eine große Entrüstung in allen denjenigen Lagern hervorrufen, in denen man an der Englandfeindschaft matertell interessiert ist. Die⸗ jenigen Kreise des deutschen Volkes aber, die nur aus warnler Begeisterung für die Sache der Unterdrückten sich dem Korps der Englandhetzer angeschlossen haben, werden zum Nachdenken angeregt werden und werden vielleicht ihr Urteil, wenn auch nicht zugunsten Englands umgestalten, so doch einer gründlichen Revision unter⸗ ziehen.—
Das Buch Unseren Freunden, Ausgabe für ein Buch gestatten zu können, schaffung dringend empfohlen.
kostet geheftet 1 Mark, gebunden 2 Mark. die in der Lage sind, sich eine solche sei die An⸗
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An unsere Leser! Die Kolporteure sind gehalten, bis zum 15. jeden Monats abzurechnen; wir bitten die Abon⸗
neuten, dies zu beachten. Die Expedition. 2
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