Ausgabe 
2.2.1902
 
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Nr. 5.

Gießen, Sonntag, den 2. Februar 1902.

9. Jahrg.

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Mitteldeutsche

Sonntags⸗Zeitn

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Der neue Zolltarif

und die

Lebenshaltung der Arbeiter.

Unter diesem Titel hat derHandelsver⸗ trags⸗Verein eben ein neues Heft seiner han⸗ delspolitischen Flugschriften erscheinen lassen, dessen Verfasser der praktische Arzt Dr. Hans Kurella ist. Sie enthält viel neues Material. Der Verfasser weist das große Interesse nach, welches die arbeitende Bevölkerung an der Ver⸗ hinderung des Brot⸗ nnd Fleischwuchers hat. Im Arbeiterhaushalt betragen die Ausgaben für Lebensmittel 60, oft bis 66 Prozent des Familieneinkommens. Je höher das Einkom⸗ men, je weniger ist es durch Lebensmittel be⸗ lastet, und wenn ein Arbeiter mit 900 bis 1000 Mk. Einkommen 52 bis 53 Prozent des⸗ selben für Lebensmittel aufwenden muß, ist das Einkommen über 1600 Mk. nur noch mit 40,6 Prozent belastet. Wie der bekannte Hy⸗ gieniker Professor Flügge berechnet, stellt sich der Minimalpreis täglicher Nahrung für den Arbeiter auf 60 Pfg.(Selbst als Mini⸗ malpreis der täglichen notwendigen Nahrung halten wir diese Summe für zu niedrig. Wollte man für die Ernährung eines Mannes, der arbeiten muß, nicht mehr als 60 Pfg. täglich bei den heutigen Lebensmittelpreisen ausgeben, würde man die Erfahrung machen, daß damit die verausgabten Körperkräfte nicht wieder er⸗ setzt werden können, in wenigen Wochen würde der Maun zu Grunde gerichtet sein. D. Red.) Für eine Familie, die aus Mann, Frau und drei Kindern besteht, ist also ein täglicher Min⸗ destaufwand von 1,80 Mk. für Nahrung er⸗ forderlich. Da die Nahrung im Arbeiterbudget etwa 60 Prozent der Ausgaben beansprucht, so kann erst ein tägliches Einkommen von 3 Mk. einer Arbeiterfamilie die notdürftigste Ernäh⸗ rung verschaffen. Eine Familie, die unter 1095 Mk. Jahreseinkommen hat, kann sich so⸗ mit nicht ausreichend ernähren. Dieses Schicksal haben in Deutschland acht Millionen Arbeiterfamilien.

Nur der zwölfte Teil von dem, was anderer⸗ seits an Fleisch als unbedingt zur Ernährung erforderlich bezeichnet ist, wird zumeist von den Arbeitern konsumiert. Dagegen ist der durch⸗ schnittliche Kartoffel verbrauch in den Ar⸗ beiterfamilien heute Pfund Kartoffeln pro Tag und wird noch mehr steigen, wenn Brot und Fleisch verteuert werden. Dr. Kurella faßt die Folgen der Brotverteuerung dahin zu⸗ sammen: Steigerung des Eiweißmangels in der Ernährung der Arbeiter durch das Sinken des Fleischkonsums, Unmöglichkeit einer Deckung des Eiweißbedarfs durch Mehrproduktion und Verbilligung der Molkereiprodukte, Verringerung des Brotkonsums in gewissen Schichten und stärkerer Konsum von Kartoffeln und minder⸗ wertiger Nahrung. Der neue Zolltarif bedeutet eine bedeutende Einengung der Lebensmöglichkeit und wird seine verhängnisvollsten Wirkungen

auf Leben, Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Sittlichkeit ausüben.

Als nächste Wirkung der durch Zölle her⸗ vorgerufenen Lebensmittel⸗Preissteigerung und Unterernährung weist Kurella die Steige⸗ rung des Alkoholismus nach. Selbst in einem im Auftrage des preußischen Kultus⸗ ministers von Professor Kircher herausgegebenen Bericht finden sich die Worte:Eine wirksame Bekämpfung des Alkoholmißbrauches ist ohne wirtschaftliche Hebung der Bevölkerung, ohne Beschaffung guter Nahrung, Kleidung, Wohnung kaum durchzuführen. Auch die Thatsache der Steigerung der Eigentumsvergehen durch hohe Lebensmittelpreise weist der Verfasser statistisch und in zahlreichen Urteilen nach. Darunter ist das Bezeichnendste dasjenige des jetzt agrarischen Professors v. Mayr:In der Periode 1835/61 hat so ziemlich jeder Sechser, um den das Getreide im Preis gestiegen ist, auf je 100,000 Einwohner im Gebiete diesseits des Rheins, einen Diebstahl mehr hervorgerufen, während anderseits das Fallen des Getreide⸗ preises um einen Sechser je einen Diebstahl bei der gleichen Zahl von Einwohnern verhütet hat.

Nicht minder schlimm sind die Folgen für die Volksgesundheit, die Wehrkraft, die Kinder⸗

sterblichkeit. Ganz bedeutend wird die Zahl der Eheschließungen zurückgehen. Dagegen schwillt die Zahl der Auswanderer. In den

Jahren hoher Getreidepreise, von 1880 bis 1892, sind rund Millionen Deutsche über See gegangen, von denen 54 Prozent Männer waren, darunter der überwiegende Teil in den kräftigsten Arbeits jahren.

Alle diese Stimmen auch aus den Kreisen der Männer der Wissenschaft werden aber die Agrarier nicht im geringsten von ihren volks⸗ verderblichen Wucherplänen abhalten, wenn es nicht dem Volk und seinen Vertretern selbst gelingt, den Agrarierübermut die verdiente Niederlage zu bereiten. M. V.

politische Rundschau.

Gießen, den 30. Januar. Neue Flottenvermehrung in Sicht!

Unser Zentralorgan, derVorwärts, war in der Lage, einen Erlaß des Marineamts zu veröffentlichen, wonach dem Reichstage im Winter 1904/05 eine Novelle zum Flottengesetz vorgelegt werden soll, die eine weltere Ver⸗ mehrung der Auslandsschiffe in stch schließt. Im Flottengesetz von 1900 war diese Vermehrung vom Reichstag verweigert worden. Ferner kündigt der Erlaß an, daß die Vorlage

eine Steigerung der Indiensthaltung

der Schiffe enthalten werde. Man hat nämlich, wie derVorwärts bemerkt, um die große Flottenvorlage von 1900 nicht zu gefährden, absichtlich und wider besseres Wissen die Volksvertretung über einen wesentlichen

Teil der Vorlage im Dunkeln gelassen, indem man ihr die damals schon gehegte Absicht, die Indiensthaltungen entsprechend dem möglichst beschleunigten Ausbau der Schlachtflotte zu steigern, verschwieg.

Bei Beratung des Flottengesetzes von 1900 erklärte die Regierung, neue Steuern brauche man nicht zur Ausführung der Flottenpläne. Jetzt, nach erst zwei Jahren, sind die Reichs- finanzverhältnisse schon derart, daß neue Steuern als etwas ganz Selbstverständliches angesehen werden. Der Erlaß, den der Marineminister in der Reichstagskommission für echt erklären mußte, zeigt, was das Volk von der gegen⸗ wärtigen Regierung zu gewärtigen hat. Brot⸗ wucherpolitik, Verteuerung der Lebensmittel, allgemeine Arbeitslosigkeit und dabei soll das Volk noch Riesensummen für unnütze Panzer⸗ kähne aufbringen! Hoffentlich gehen dem Michel endlich die Augen auf!

Agrarisch⸗antisemitische Wahlnieder⸗ lagen.

Im Reichstags⸗Wahlkreise Schaumburg⸗ Lippe fand am 23. Januar für den ver⸗ storbenen freis. Abg. Müller eine Ersatzwahl statt. Das Ergebnis war folgendes: Es er⸗ hielten Graf Reventlow(antis.⸗kons.) 3016, Architekt Demmig(freis. Volksp.) 3054 und Maschinenmeister Reichenbach(Soz.) 1634 Stimmen. Somit ist Stichwahl zwischen Graf Reventlow und Demmig notwendig.

In der Hauptwahl im Jahre 1898 erhielt der Konservative 2367; der Freisinnige 2042; der Sozialdemokrat 1237; der Antisemit 475 Stimmen. In demselben Jahre fand eine Nachwahl statt, bei der für unsere Partei nur 591 Stimmen abgegeben wurden.

Diesmal gingen die Konservativen und An⸗ tisemiten zusammen. Sie brachten es gegen⸗ über der letzten Wahl trotz einer wilden Agi⸗ tation bei außerordentlich starker Wahlbeteili⸗ gung nur auf ein Mehr von 263 Stimmen. Dagegen wuchsen die Freisinnigen um 418, während die Sozialdemokraten ihre Stimmenzahl gegen die letzte Nachwahl ver⸗ dreifachten; ein volles Drittel mehr als bei der 98er Hauptwahl eroberten.

Das ist ein für die Sozialdemokratie un⸗ gemein glänzendes Ergebuis, um so glänzender, weil der Wahlkreis Bückeburg beiläufig der kleinste Reichstagswahlkreis in Deutschland überwiegend ländlich ist. Und neben dem Fortschritt der Sozialdemokratie bedeutet das Wahlergebnis ein warnendes Menetelel für die Brotwucherer. Die Antisemiten hatten eine riesige Agitation entfaltet. Sämtliche Abge⸗ ordnete der Fraktion Liebermann waren im Kreise anwesend und betrieben die Bearbeitung der Wähler in der ihnen eigenen aufdringlichen und rüdigen Weise. Trotzdem dieses klägliche Resultat! 7 s

Eine weitere Ersatzwahl fand am Dienstag in dem 10. sächs. Wahlkreise Döbeln-Roß⸗ wein für den verstorbenen nationalliberale!