fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
geſezte Stu
M 68.
Sonnabend den 30. Auguſt
1851.
uberg:
Uhr 5 1 5
5 Aus dem Leben eines Vogelsbergers in Krieg und Frieden. —— Erzählung von W. O. v. Horn.
(Fortſetzung.)
„Während mein Vater ſo fortſprach, bedachte ich mir auch die Sache und war bald einig, wie ich's an⸗ fangen wollte, das Abſehen mit der Mühle zu hintertreiben. Ich dachte mich hinter meine Mutter zu ſtecken, die den
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rei eiſe eptember auf in fl. 40.— Vater ganz leicht herum bringen konnte, wenn ſeine Ge— w. heraus, danken auch ganz abſeits lagen. Sie ſtrich ihm um den ge Beſtellung Bart, nannte ihn Peterchen, Männchen und der Art, und wie der Blitz ſchlug der Wind um und blies aus ent⸗ gegengeſetzter Richtung, nämlich. aus der ihrigen.“
Ich lachte herzlich.
„Parol, Herr!“ rief er aus,„ſo machte ſie's und
1 ſo machen ſie's alle und kriegen allemal richtig, was ſie . wollen. O, die Weiber ſind mordpfiffig. Mit dieſem Troſte kam ich heim, und ſobald der Vater die Kühe füt⸗ Blutegel un terte und die Mutter in der Küche war, machte ich mich ſſigen Natu, an ſie. „Ach, ſie hatte mich, ihren Erſtgebornen ſo lieb. Wie hätte ſie mir das verſagen können, um was ich bat? aden Obwohl ſie's nicht gerne that, ſo ſah ich doch gleich, Forſtmänner, wie's ſtand. 8 g g a iger, welche„Ich ſäh' dich gern in der Mühle, ſagte ſie, mein
imerungsver⸗ lieber Kaspar, denn du hätteſt da ein gar reichlich und ernehmungen gut Leben; aber wenn du abſolut nicht willſt, ſoll Er dich nicht zwingen; doch was willſt du dann treiben? Siehſt du, Kaspar, fuhr ſie fort, es iſt eine harte Zeit und es wird uns ſchwer, euch Alle durchzubringen. Du biſt der Aelt'ſte und ſollteſt die Kleinen ernähren helfen; willſt aber noch ſelber ernährt ſein. Das geht nicht!—
villſach bela geaßtr, ſowol auen wir jeden
hafung aß„Herr Gott! fiel ich ihr in die Rede, das will ich * gern! Der Hirt iſt ja geſtorben. Dingt mir die Heerde! —„Du biſt zu jung, ſagte ſie; die Bauern nehmen dich „Court nicht an. 15385 g f „So will ich Holzhauer im Walde werden. Die 851. verdienen ein ſchön Stück 90 dog ich, 0. — lAoende ungeſtraft ſo viel Holz mit heimnehmen, als ſie 1 tragen können. Da kriegen wir unſern Brand und Geld 9 3535, dazu. ö 57%„Das ging ſchon, ſagte ſie nachſinnend. Ich will's 7 deinem Vater ſagen.“
Damit war ich zufrieden. 5 10 „Es war dunkel geworden. Ich ſchlüͤpfte zur Thüre hinaus, und als ich hinaustrat, ſprang Jemand neben der
Thüre hervor und rief: Holla! um mich zu erſchrecken. Es war Nachbars Annebärbel, die mich erwartet hatte. Die liebe Hexe erſchreckte mich oft ſo.
.„Vor Annebärbelchen's Thür ſtand ein weitäſtiger Winterbirnbaum. Unten am Stamme lag ein altes Bau— klotz, auf dem im Sommer die Leute Abends ſaßen. Nun war's eben kein Sommer mehr. Der alte Winterbirn⸗ baum ließ ſchon ſeine rothgelben Blätter fallen und die Schwalben waren ſchon über ſechs Wochen fort. Ob's nun gleich ganz friſch war im Freien, ſo ſetzten wir uns doch auf das Bauklotz, recht dicht an einander, um zu plaudern und doch nicht zu frieren.
„Haſt du das Handwerk ſchon gelernt? fragte utzend das neckiſche Ding.“
„Ja ſchöͤn gelernt, ſagte ich, hätt' ich nicht nach dir das Heimweh kriegt! g N„Sie lachte. Wenn ich's geweſen waͤr', fragte ſie, ich hätt's nicht gekriegt.
„O du Abſcheuliches! rief ich und wollte aufſtehen und weglaufen.
„Sie hielt mich. Verſtehſt doch gar keinen Utz? zankte ſie. 1„Ja Utz, ſagt ich, du haſt geſagt, was dein Herz enkt!
15„Kaspar, ſagte ſie darauf, ſei doch nicht einfältig, bin ich nicht dein Schatz?
„Ja, ſo lang dir kein Andrer beſſer gefällt! f„Geh' ſchäm' dich, ſagte ſie zornig. So was hätt' ich nicht geſagt.
„Freilich, ſagte ich, du biſt huͤbſch und gefällſt Allen.
„Das hatte ihr geſchmeichelt. Sie lächelte, aber unterdrückte es doch.
„Laß das dumme Gerede, ſagte ſie. Bleibſt du jetzt
daheim? „Da liegt's, ſeufzte ich, da liegt's ja eben. Mein Vater will mich in die rothe Mühle verdingen. Denk'
mal, in die rothe Mühle, drunten im Thal!
„Ei was? und du willſt nicht? fragte ſie ver— wundert.
„Wenn du mitgingſt!
„Das kann nicht ſein, Kaspar, verſetzte ſie ernſt; aber ich begreife dich nicht, fuhr ſie fort. So gut, wie du's in der rothen Mühle kriegſt, hat's ſo leicht Niemand im Dorfe. Das iſt doch, meiner Treu! wahr..
„Wär's nicht ſo weit von dir, Annebärbelchen! ſagt
ich ſeufzend.


