Ausgabe 
30.7.1851
 
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zurück. Die Concurrenz kann überhaupt nur eigent⸗ lichen Ackersleuten, dem Einzelnen ſelbſt aber nur einmal geſtattet werden, ſelbſt wenn auch bei einer vorausgegangenen Concurrenz kein Preis errungen worden. Für Pflüge und Beſpannung ſorgt der landw. Verein.

Indem der Unterzeichnete Vorſtehendes zur öffentlichen Kenntniß bringt, ladet er die Vereinsmitglieder, ſowie alle Freunde der Landwirthſchaft, zu recht vielſeitiger Theilnahme an den Preisvertheilungen ein. Weſentlich könnten dieſelben auch dadurch verſchönert werden, wenn auch unabhängig von der Preisvertheilung ſchönes ſelbſtgezogenes Vieh und andere intereſſante Gegenſtände der landwirthſchaftlichen Induſtrie dem größeren Publikum zur Anſicht ausgeſtellt würden. 0 An die Herren Ortsvorſtände und die verehrlichen Mitglieder des landwirthſchaftlichen Vereins ergeht zugleich die Bitte um gefällige Mittheilung zur möglichſten Verbrei⸗ tung dieſer Bekanntmachung.

Laubach den 16. Juli 1851..

Der Präſident des landw. Vereins von Oberheſſen.

In deſſen Abweſenheit der Vicepräſident Dr. Gros.

Aus dem Leben eines Vogelsbergers in Krieg und Frieden. Erzählung von W. O. v. Horn.

Es war in den ſchönen Octobertagen des Jahres 1847, als ich einen lieben alten Freund in der Nähe von Frankfurt am Main beſuchte. Meine Geſundheit hatte durch anhaltendes Sitzen gelitten; es war daher meine Abſicht, mir recht viel Bewegung zu machen; recht viele Zeit in friſcher Luft zuzubringen und ſo dem Uebel den Scheidebrief zu geben. Der Freund, ſelbſt Arzt kannte Uebel und Heilungsplan, ja letzterer ging recht eigentlich von ihm aus.

Komm' nur, hat er mir geſchrieben,ich will ſchon ſorgen, daß dir's an Bewegung und friſcher Luft nicht fehle. Da thürmen ſich vor uns die ſchönen Höhen des Taunus mit ihren reizenden Fernſichten, ihren alten Burgruinen und lieblich gelegenen Orten; da liegen in den reizenden Thalgründen die Bäder mit ihren Heilquellen; dort oben Homburg und ſeine neue Welt, ruhend auf dem goldenen Boden franzöſiſcher Zwanzigfrankſtücke und getragen von einer Spielhölle, wo der Deutſche ſich rupfen läßt in aller Langmuth und Geduld. Da liegt das ſtolze Frankfurt mit allen Herrlichkeiten der Welt und der Börſe, des Theaters und der Wiſſenſchaft, des Handels und der Kunſt; komm' nur! Und wenn du nicht an Leib und Seele geneſen heimkehrſt, ſo will ich, wie Sir John Fallſtaff ſagt, ein ausgenommener Hering ſein und du weißt, das iſt ein erſtaunenswerther Gegenſatz gegen meinen erkleck lichen Anſatz von Behäbigkeit.

Wer hätte da widerſtehen können?

Die wunderherrlichen Octobertage lockten. von dannen.

Nun laß uns den Operationsplan beſprechen, ſagte der Freund, nachdem er mich mit alter Liebe empfangen.

Du biſt Feldherr, ſagte ich; rechne mich zum Troß oder zum Heere, wie du willſt!

Auch gut, war ſeine Antwort; und nun wurden denn die Ausflüge geordnet und am andern Morgen raſch begonnen. Von dieſen Leib und Seele erquickenden kleinen Reiſen kehrten wir am Abend in den traulichen Kreis der lieben Familie zurück, um am Morgen ſie in anderer Rich⸗ tung hin neu zu beginnen. So flogen acht bis zehn Tage

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hin, und mit jedem Tage fühlte ich mich wohler. Dit din 00 Fahrten ſelbſt und die Punkte zu beſchreiben, wohin ſi Ba gingen, iſt nicht meine Abſicht. Nicht immer konnte del der Freund Gefährte ſein, weil Menſchenweh und Pflichtberuß ihn oft in eine ganz andere Richtung führten, als ich ſü und einſchlug; aber Einer begleitete mich uͤberall, das wa ſein Kutſcher, ein ehrlicher Vogelsberger, dem das Hen 1 f

Seine Erzählungen gebe ich ſchmucklos in Nachfol gendem wieder, muß jedoch meinen guten Kaspar, deſſe inneres Leben ſeine Worte ſchildern, auch äußerlich vor das Auge des geneigten Leſers führen, und zwar ohne poetiſche Schminke, die hier, wo es einfache Wahrheit gilt, nichts taugt..

Mein guter Freund Kaspar hatte eine anſehnliche Länge. Von dem Ebenmaß ſeiner Geſtalt würde Schwan Uenannten Ga thaler's Künſtlerauge nicht viel zu rühmen haben, denn ſrge Donner die übermäßig langen und dünnen Beine wollen nicht ſof mittags 9 Uhr ganz zu dem etwas kurzen Oberleibe paſſen, deſſen Arme n in der Länge wiederum nicht mit dem Normalmaß dei in dun Apollo von Belvedere übereinkommen. Bei anſehnlicher filberung des Breite der Schultern iſt der Kopf zu klein zu nennen, über der erſchinem deſſen kurze Stirn das ſchlichte Haar, ſie faſt verdeckend,] am welche die herabhängt. Die kleinen, blaugrauen Augen ſind lebhaft eu

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und freundlich. Die Naſe reckt ſich ziemlich weit, ſpitz undd 9 unternehmend in die Welt hinaus und der breite Mund über dem kurzen Kinne hat viel einnehmende Freundlichkeit 1 Gutmüthigkeit und Ehrlichkeit iſt der Ausdruck des Geſichts, und die gerade Haltung weiſt auf eine zeitweiſe militä⸗ 0 riſche Laufbahn hin. Der Grundton iſt vorherrſchender Ernſt. Dieſe durchaus treue Perſonalbeſchreibung, die

einem Polizeimanne, wie Dunker in Berlin oder meinem Freunde Frank, hinlänglich genügen würde, meinen guten Kaspar unter Tauſenden herauszufinden, beſonders, wenn ich noch zufüge, daß er einen Hechtgrauen traͤgt mit ver ſilberten Knöpfen und eine graue, breitdecklige, etwas ver- brauchte Filzmütze, die ein ſchwarzes Stuͤrmband unter dem Kinn feſthält; die Beſchreibung mag aber den weite ren Beweis liefern, einerſeits, daß ich meinen Helden Arbei nicht aus dem lichten Reiche der Ideale, ſondern aus bells

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der Wirklichkeit nehme, und andererſeits, daß ich mich e

dadurch von allen Leuten meiner romantiſchen Zunft unter(42350) 2

ſcheide, die ihre Helden alleſammt zu Adoniſſen umſchaffen. Nachmittags

Wahrheit über Alles! 0 nachber 0 0

(Fortſetzung folgt.) 158050

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Miszellen. Jan

Ein bekanntes franzöſiſches Blatt erzählt: Die Ba g wle

ronin von L. in Paris wollte jüngſt ihre Jugendfreundin,] zee

dbffent Frau von C. beſuchen, und bemerkte auf dem Wege bald, daurgunn

daß ihr ein ſehr elegant gekleideter Herr auf allen Schrit geben.

ten nachfolgte. Im Anfange beunruhigte ſie dies, als ſie Iriedbt aber in das Haus trat und ſah, daß der Herr auch dahin

gehe, glaubte ſie, er wohne darin; indeſſen folgte er ihr. f immer, und auch nach der Wohnung ihrer Freundin. So Aabiite. aͤngſtlich ſie auch darüber war, erklärte ſie ſich die Sache 16 doch, indem ſie den Herrn für einen Bekannten ihrer Freun⸗ 1251)

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