Ausgabe 
6.12.1851
 
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eben ſo ſchnell wieder hinwarf, um ſich eine Strafpredigt zu halten. 3 f

Eduard ſprach erwie ein Grobian und Klotz haſt du dich gegen das Mädchen benommen. Konn⸗ teſt du ihm nicht ein Glas Wein, ein Stück Kuchen oder wenigſtens einen Stuhl anbieten? Was wäreſt du ohne deines ſeligen Onkels reiche Erbſchaft? Ein mittelloſer Handlungsdiener! Und jetzt ſpielſt du den übermüthigen Reichen, welcher ein braves Mädchen nur deßhalb gering⸗ ſchätzig behandelt, weil es ärmer iſt als er? Schäme dich Eduard!

Eduard ſchritt zum Fenſter, welches auf die Straße ging. Hinter blühenden Hyacinthen ſtehend, ſah er Eleo⸗ nore unten vor ſeinem Hauſe ſtehen und deſſen goldpran gende Firma leſen:Papier und Tapetenhandlung von Eduard Martin.

Als Eleonorens Blick von der Firma auf deſſen da⸗ rüber ſtehenden Inhaber fiel, wendete ſie ſich ſchnell um und trippelte davon. f

Guter Gott! ſprach ſie im Gehenes ſchien dem Herrn Martin nicht einmal recht, wegen 6 Thaler ſeinen Namen hinſchreiben zu müſſen. Wie viele Waſche muß ich dagegen waſchen, trocknen, mangeln und plätten, um 6 Thaler zu verdienen. ö

Als Eleonore die zweite Zahlung leiſtete, trug Martin ihr einen Stuhl herzu. Auch klingelte er und gebot ſeiner Haushälterin, eine Flaſche Wein, zwei Gläſer und einen Teller mit Gebäck herbeizuholen. Aber Eleonore, welche dieſen halb laut geſprochenen Auftrag vernommen hatte, wartete deſſen Erfüllung nicht ab, ſondern empfahl ſich ſchnell.

Beim dritten Male hatte ſich der junge Handelsherr beſſer vorgeſehen. Er nöoͤthigte der Jungfrau ein Glas Malagaweins auf, von welchem ihre Lippen nur naſchten. Dagegen war ſie nicht zu bewegen, den dargereichten Kuchen zu berühren und da der junge Mann ſich ſo weit vergaß, daß er in die Pfirſichwange Eleonorens kniff, ſo entſprang dieſr erglühend und ſchnell wie ein ſchüchternes Reh.

Ein derartiges Benehmen war nur geeignet, die auf⸗ keimende Leidenſchaft des jungen Mannes noch mehr zu entflammen. Derſelbe konnte kaum den Ablauf des Monats erwarten und als der Zahltag kam, ſo ſah dieſer den Handelsherrn gewählter und ſorgſamer denn jemals gekleidet. Aber Martin ſah ſich ſchmerzlich getäuſcht. Statt der züchtigen Jungfrau erſchien eine wackere Alte, Eleonorens Mutter. Im fünften Monate kam abermals Frau Niedner. O weh!

Da faßte Martin ſich ein Herz und fragte: Tochter iſt doch nicht krank?

O nein! verſetzte die Mutteraber ſie hat ſehr viel zu thun.

Darauf hatte Martin auch zu thun, wenn ſchon gerade nicht viel. Er ging des Tages ein- und auch mehr⸗ mal bei Eleonorens Wohnung vorüber, dabei mit Argus augen nach der Jungfrau umherſpähend.

Endlich glückte es ihm, Eleonore an einem ſchönen Maiabend vor ihrer Hausthüre ſtehen zu ſehen. Allein ein eiſiger Schreck durchzuckte den verliebten Handelsherrn, als er auf Eleonorens Arme ein Kind erblickte, das von ihr zärtlich geliebkoſet ward.

Ihre

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Von den Furien der Eiferſucht gepeitſcht, entrann er dieſem Anblicke.

Die Niednerſche Tochter iſt wohl verheirathet?

fragte er, ſcheinbar gleichgültig, ſeine Haushälterin.Ich ſah zufällig ein kleines Kind auf ihrem Arme, das ſie ſehr zu lieben ſchien.

Getraut oder verheirathet iſt die Jungfrau oder

hälterin, welche ihres Herrn wahre Geſinnungen längſt errathen hatteMutter und Tochter geben das Kind für einen Findling aus. Aber kein Menſch glaubt die Lüge. Wie wäre auch ſonſt das junge Ding ſchon Hofleibwäſcherin geworden und könnte ihres Vaters Schulden abtragen?!

ner Silbe wieder. Vielmehr begrub er ſich eifriger denn

je in die Geſchäftsführung ſeiner Handlung. Aber auch dieſes Heilmittel ſchlug fehl, daher er ſich nach einigen Monaten zu einer großen Reiſe entſchloß, von welcher er erſt nach Jahresfriſt heimzukehren gedachte. Seinem alten, bewährten Buchhalter übertrug er ſeine Handlung, ſo wie ſeine ubrigen Angelegenheiten, indem er ihm dazu unbe-

dingte Vollmacht ausſtellte.

Nach Martin's Abreiſe ſtellte ſich auch Eleonore

wieder ein, wenn der Zahltag erſchien. (Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachung.

Verhandlungen wegen Gründung einer Suppen-An⸗ ſtalt für dieſen Winter, haben zu dem Reſultat geführt, daß Montag den 8. d. M. mit Ausgabe der Suppe in der Wohnung der Wittwe Baumann angefangen werden kann.

niß, welche von dieſer Anſtalt Gebrauch zu machen in der Lage ſind und bemerkt dabei, daß der Preis einer aus 2 Schoppen beſtehenden, Portion auf 2 Kreuzer geſetzt iſt und daß diejenigen, welche Suppe zu erhalten wünſchen ſich bei nachſtehenden Perſonen anmelden können. Friedberg am 1 Dezember 1851. Anmeldungen nehmen an: Lehrer Schäfer(Blinden⸗Anſtalt), J. Steinhäuſer,

Bäcker. J. Falck, Sattler. F. W. Reuß, Bäcker.

Krach, Reg ⸗Sekretär. J. Pfeffer, Schreiner. Gg.

Schmidt, Metzger. M. Mondigler, Kupferſchmied.

M. Hirſch, Kaufmann.

Markt⸗ Bericht. Friedberg, am 3. Dezember 1851.

Aufgefahrenſ Verkauft 5:

Gattung wurden wurden tee

(Mltr.)(Mltr.) fl. kr. Wage. 57 11 40 An 2 272 9 57 Gerſte. 8 7 39 Hafer. 5 5 Kartoffeln.. Erbſen 2 2 9 Mohnſamen.

eg e 1 Mamſell Niedner nicht antwortete die liſtige Haus- Ir konnen 0

Man ſetzt hiervon diejenigen Mitbürger in Kennt⸗

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

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Bekanntmachung. (1903) Das der hieſigen israel. Gemeinde mit Hannchen Schiff gemeinſchaftlich zuſte⸗ hende, am Ecke in der Judengaſſe zwiſchen

Samuel Buchsweiler und Feiſt Adlei's Wittib gelegene mit No. 207 bezeichnete Wohn⸗ haus ſoll Dienſtag den 9. Dezember, Morgens um 10 Uhr, unter den alsdann bekannt gemacht werdenden Bedingungen auf hieſigem Rathhauſe öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Friedberg den 19. November 1851. In Auftrag des isr. Vorſtandes Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Ben de r.

Hofraithe⸗Verſteigerung. (19300 Montag den 15. Dezember, Vor⸗

mittags um 10 Uhr, ſoll auf freiwilligen An⸗

trag des Eigenthümers die auf der breiten Straße mit No. 11 bezeichnete Hofraithe einer öffent⸗ lichen Verſteigerung ausgeſetzt werden. Dieſelbe beſteht in einem dreiſtöckigen Wohnhauſe, zwei Scheunen, einem Brau- und Brennhaus mit eini⸗ gen Nebengebäuden und Stallung für jegliches Vieh, nebſt großem verſchloſſenem Hofraume.

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Von nun an erwähnte Martin Eleonorens mit kei⸗

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N ſͤeſigem Rathhal 1 beßter Qualit gert werden, ale moufſin, Druck ak- und Strick iu, Stickmuster,

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