Ausgabe 
6.9.1851
 
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(Haft.

Intelligenz-Blatt

den, leiſtt

Gewinn fuͤr die

die Jahres,.

8 Provinz Oberheſſen

eibrenten im Allgemeinen,

2 den Regierungsbezirk Friedberg im Beſonderen.

ahn.

2 Sonnabend den 6. September

1 70.

1851.

it 4 kr. *, à Flacon

Amtlicher Theil.

Die Großherzoglich Heſſiſche Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg an die Großh. Bürgermeiſter dieſes Regierungsbezirks. Betreffend: Die Einſendung der Waiſenhausbüchſengelder für 1851.

Die Einſendung der Waiſenhausbüchſengelder für 1851 bringen wir unter Bezug auf unſer Ausſchreiben vom 10. Januar d. J. Amtsblatt No. 2 in Erinnerung; erwarten aber, daß vorſchriftsmäßiger Sortenzettel nebſt Beurkundung nicht fehlt, auch ſchlechte Münzen nicht eingeſendet werden. Friedberg den 2. September 1851.. Ouvrier.

ind schmerzlos

nittner.

M.

Binter⸗Saiſon ot⸗Stoffen, kins, We⸗ Preiſen.

wuders bllige. Aus dem Leben eines Vogelsbergers in Krieg und Krieden. Erzählung von W. O. v. Horn. (Fortſetzung.) Ich war recht geſpannt, wie es nun mit den diplomati⸗ ſchen Unterhandlungen der Mutter würde gegangen ſein, die, wie Kaspar geſagt, ſich auf das Herumkriegen ihres Mannes verſtand. Während ich meine Gloſſen über die weibliche Eheſtandspolitik machte, die in allen Himmels gegenden und in allen Schichten der Geſellſchaft dieſelbe bleibt, nur mehr oder weniger fein und ſpitzöhrig, aber Jurling zu immer auf Schleichen und Umwegen ihr Ziel verfolgt, ichen Artikelt und mit Schmeicheln oder Schmollen es ſicher erreicht, 935 hatten die raſchen Thiere die ebene Strecke zurückgelegt. Der Zügel ruhte. Kaspar machte rechts kehrt und zeigte mir wieder ſein von ſüßen Erinnerungen verklärtes An⸗ geſicht. n nSie können ſich denken, hob er wieder an,daß mich Annebärbelchen's Rede ſtutzig machte. Ich blieb noch 9 eine Weile ſitzen und dachte darüber nach. Endlich fand ich, daß ſie recht hatte. Mein Entſchluß ſtand feſt, ich wollte nun in die rothe Mühle. 10 0 Als ich in das Haus trat, hörte ich ſchon, wie die Mutter meinen Vater bearbeitete. Aus dem ſanften Tone, sern mit dem er ſprach, entnahm ich, daß der Sieg meiner * Mutter ganz nahe ſei. Ich trat alſo ſchnell hinzu und alan fagte: Ich hab' mich anders beſonnen; ich will nun in die Mühle gehen. Meine Mutter lief an wie ein geſottener Krebs.

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*

Du Erzeſel, rief ſie, was fällt dir denn ein? Erſt kommt er und lamentirt, bis ich den Vater herumzukriegen ver⸗ ſpreche, und wie ich es bald fertig habe, pfeift der Wind aus einem andern Loche! Geh' hin und werd' des Mül⸗ lers Sackeſel. Sie warf den hölzernen Kochlöffel in die Stube. Mein Vater zog mir eine Geſalzte hinter das Ohr und ging ihr nach. Ich rieb die Dachtel ein und dachte: ſie wird ſich ja verſöhnen laſſen! Ich kannte ihr gutes Herz.

Das geſchah denn auch, und da am andern Tage Sonntag war, ſo ging mein Vater nach der Kirche in die Mühle, und als er nach eilf Uhr nach Hauſe kam, war's fertig. Ich bekam zwölf Gulden und einfaches Zugehör, und war zufrieden.

Nachmittags trieb ich mit Annebärbelchen die Kühe auf eine einſame Waldwieſe, wo wir recht plaudern konn⸗ ten. Sie freute ſich, daß ich in die Mühle kam. Siehſt du, Abends, wenn du feierſt, kommſt du herauf zu mir, und im Winter kommſt du in unſere Spinnſtube. Sonn- tags ſind wir den ganzen Nachmittag bei einander. Wärſt du Holzhauer, ſo gingen die Abende für uns verloren, denn du wärſt zu müde. So iſt's beſſer! O, das war ein gar ſchöner Nachmittag, weil es eben der letzte war, wo wir zuſammen hüteten. Schon Montags fruͤh nahm ich das kleine Bündel, das alle meine Habſeligkeiten um⸗ ſchloß, und zog in die Mühle. Dort war eine kurioſe Wirthſchaft. Der Müller war etwa ſechzig Jahre alt und ſchon recht baufällig. Er trug den ganzen Tag die Schnappsbuttel in der Hoſentaſche mit ſich herum und ſchnupfte ganz abſcheulich. Dabei hatte er rothe entzün⸗ dende Augen, zitterte mit den Händen und war ein recht unappetitlicher Menſch. Schon um acht Uhr Abends ſchlief

er wie ein Sack, und keine Macht hätte ihn wach ge

bracht, zumal wenn er in die vermaledeite Schnappsbuttel tiefer hineingeblickt als gut war, was regelmäßig in der Woche ſiebenmal vorkam. Dieſer alte Mann hatte ſſch die Narrheit einfallen laſſen, ein junges hüͤbſches und raſches Ding zu heirathen, deren Vater, ja, was ſag' ich? deren Urgroßvater er faſt hätte ſein können. Die Mül⸗ lerin war neunzehn Jahre alt, als er ſie heirathete, und das waren nun fünf Jahre her. Im Vogelsberg ſagt man: wenn ein alter Mann ein rechter Narr wird, ſo heirathet er ein junges Ding; und ich ſag's auch. Da hatt' ich's recht vor Augen. Die hackte ihm das Mus auf dem Kopf. Er mußte pariren wie ein Lehrjunge, und zu Allem ja ſagen, was ſie that. Sagte ſie: Alter geh'!