Ausgabe 
5.7.1851
 
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Intelligenz-Blatt

amt

5 fuͤr die b

00 Provinz Oberheſſen

15 25 im Allgemeinen,

be weg den Regierungsbezirk Friedberg dernagel im Beſonderen.

1096.

. 52.

Sonnabend den 5. Juli

1851.

, Amtlicher Theil.

Uawahtheit.

itung. Die Großherzoglich Heſſiſche

ee Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks

a, dch wit Friedberg

eee an die Gr. Bürgermeiſter ſowie an die Gr. Gens;

igeſellſchaft, darmerie des Regierungsbezirks.

Betreffend: In Unterſuchungsſachen den in der Nacht vom 29. auf

tigen. den 30. Zuni 1851 in Oſſenheim ausgebrochenen Brand. Wir beauftragen Sie, auf den der Brandſtiftung ver⸗

dern pam, dächtigen Konrad Schmidt von Garbenteich genau

tenen und in

zu fahnden und ihn im Betretungsfalle zu verhaften und u Fried bertz

an das Gr. Landgericht dahier abzuliefern. Friedberg den 2. Juli 1851.

Für Unter Ouvrier.

5 Der Sohn eines Kuhhirten. 1 dle* Nach dem Franzöſiſchen von Franz von Carneville. 5 00* aufnAlſo, mein Lieber, ſagte der junge und elegante u und a Vicomte von Mirkourt zu Herrn Martin, einem der reich⸗

J open, kurzen urzen, Bellen, lut⸗Andrang

ſten Manufakturiſten der Provinz Brie, Sie ſind der

Sohn eines Kuhhirten 27 Ja, Herr Vicomte,

hirten. i Die Heerden ihres Herrn Vaters ſollen ja zahl⸗ reicher geweſen ſein, als die Abraham's und Jacobs; wie

das neunte Kind eines Kuh⸗

ein cen Erfabrun

i e iel hundert Kühe beſaß er denn? Nicht eine einzige; er hütete nur jene der anderen 7 hn Buh Leute, und hat nie welche gehabt, als die ich ihm gege n und in alla ben habe. bei C. BinSie haben alſo, ſo zu ſagen, mit Nichts ange⸗ fangen? 1 0 länderO, im Gegentheile! ich habe mit 400,000 Franks een, angefangen. Ja, das iſt eine verhängnißvolle Ge⸗ 1

ſchichte!... mit einem Worte habe ich, ein Kind noch,

zwei Menſchenleben geopfert, und einem jungen, ſchönen 0 5 Ja, mein

Bort 5 5 % e Mädchen, den Verlobten und Vetter geraubt.

50 delg, fieber Vicomte, dies einzige Wort,

Abſicht dabei gehabt hätte, müßte ich mir mein ganzes Leben hindurch zum Vorwurfe machen, obwohl ich damit mein Glück gemacht habe.

Herr Vicomte von Mircourt machte der einzigen

wenn ich eine üble

Töchter des Herrn Martin den Hof; und obgleich das Andenken an ihre Voreltern durchaus nichts in ſeinem Vorſatze, dieſe Meſallianz einzugehen änderte, ſo war er dennoch begierig die Geſchichte ſeines künftigen Herrn Schwiegerpapas zu hören. Herr Martin, behaglich am Ka⸗ mine ſitzend, war juſt in einer Stimmung, wo ſich die Seele gerne mittheilt. Stolz auf ſeine bürgerliche Herkunft, fand er ſich nichts weniger als geehrt durch dieſe Heirath und ging nur ungern daran, ſein überaus reiches Töchter⸗ chen zur Vicomteſſe zu machen; allein es war ihr Ver⸗ langen und er liebte ſie zu ſehr, um ihrem künftigen Glucke hinderlich ſein zu wollen; ſo duldete er denn den adlichen Herrn Schwiegerſohn und ging heute ſogar ſo weit, ihm ſein Geſchichte mitzutheilen, wozu er übrigens immer gerne bereit war.

Ich bin in der Provinz Brie geboren, hub er an, und 100 Schritte von unſerer Hütte befand ſich das Schloß des reichen Negotianten Herrn Valliere, deſſen einzige Tochter einen Pariſer von ungefahr 40 Jahren heirathen ſollte, den ſie aber nicht liebte. Ein weitſchich⸗ tiger Verwandter, den Valliere bei ſich aufgenommen hatte, da er völlig mittellos war, beſaß ihre ausſchließ⸗ liche Liebe; bis hierher werden Sie denken, iſt die Ge⸗ ſchichte ziemlich alltäglich, aber Geduld, und Sie werden ſehen, welche unerwartete Wendung ich der Sache gab.

Sie verliebten ſich doch nicht etwa in Fräulein von Valliere?

Ich, wo denken Sie hin, ich war damals ein Küh⸗ junge von 9 Jahren.

Pardon! Pardon! dieſes Fräulein Valliere und das alte Fräulein desſelben Namens, welche ſo bedeutende Fonds bei Ihnen aufliegen hat, ſind alſo zwei verſchiedene Perſonen?

Nicht doch, greifen Sie mir nicht vor, Herr Vi⸗ comte!... Der geliebte Vetter hieß Beaumont, und als er erfuhr, daß die Heirath mit dem Pariſer beſtimmt be⸗ ſchloſſen war, verſuchte er das Aeußerſte, warf ſich dem Vater zu Füßen, ſprach mit unendlicher Rührung von ſei⸗ ner Liebe, und der Gegenliebe ſeiner Couſine, ging vom Bitten zum Flehen, allein vergebens; Herr Valliere gab ihm unverhohlen zu verſtehen, daß er ſein Kind niemals einem vermögensloſen Manne geben würde.

Außerdem, ſagte er, iſt Ihre Liebe, mit der Sie das Mädchen umgarnt haben, auch eine Undankbarkeit gegen mich Ihrem Pflegvater, der Sie mit Liebe zu ſich geuom⸗ men und aufgezogen hat. Ich ſtelle es nun Ihrer Wahl.