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und aufmerkſam, wie ſolches die fromme Kindesliebe thut, der Kranken als ein Troſtesengel ſtets zur Hülfe ſtand. Aber das Blei des Kummers hatte der Betrüger M...
vom benachbarten Dorfe ihm auf die Bruſt gewälzt, denn
ihm hatte Hermann viele Waaren, an Werth 1200 Gul— den, anvertraut, und derſelbe war flüchtig gegangen und ließ alle Schulden unbezahlt. Nun ſollte Hermann Walther auch ſeine Schuld tilgen, welche bei dem reichen Kauf— mann Vernet in der Rheinſtadt K. im Gläubigerbuche noch nicht ausgelöſcht war. Aber er konnte leider nicht zahlen, denn für das Wiedergeneſen ſeines Weibes hatte derſelbe bereits gewichtige Summen verwendet, obwohl bis hierher fruchtlos, und nun mußte der Schwergeprüfte noch deu Geldverluſt durch den Betrüger M... tragen. Da ſaßen die Armen beiſammen und zitterten und weinten. Gern hätte der Vater und die Tochter ihre Zähren vor der Mutter verborgen, aber wie konnten ſie? Hatte ja dieſelbe in dem Briefe des Kaufmanns Vernet geleſen, daß ihr Mann binnen dreien Tagen zahlen müſſe, ſonſt würde der— ſelbe, nach dem Rechten, gewißlich in den Schuldenthurm zu K. geworfen. Sie jammerte bang auf und dieſer ſchwarze Herzenskummer verſchlimmerte uoch ihr Krankheitsübel. Verſteigern konnte Hermann nichts laſſen, denn er wohnte nur in der Miethe; dabei waren ſeine Hausgeräthe werth— los und wenige.„Wann werden dieſe Pfrüfungen enden?“ ſeufzte die Kranke, und Hermann, geſtützt auf das glau— bensvollſte Gottvertrauen, ſprach ihr Muth ein mit dem Bibelſpruche:„Wen Gott lieb hat, den züchtiget er!“ und tröſtete ſie mit dem Wechſel alles Irdiſchen, und daß viel— leicht ihrer Familie, wenn auch ſpät, doch ein Glücksſtern aufgehe.
„Jeſus, Maria und Joſeph!“ ſchrie auf einmal Do— rothea laut und beſtürzt auf, die ſeither, an das ſchmale Fenſtergeſimſe den Kopf gelehnt, dem Geſpräche der Eltern zugehorcht hätte.„Da kommt ja Vernet, begleitet von einem Amtmanne, zweien Gerichtsdienern und Soldaten! Das halbe Dorf zieht ihm nach! Vater! Mutter! Da iſt er ſchon! Er kommt in unſer Haus! Gott ſteh' uns beil⸗
Das Klopfen an der Thüre bedeutete die Forderung um Einlaß, und die laute Weiſe deſſelben verrieth Men— ſchen, welche auf den ſichern Einlaß ein Recht haben mochten. Dorothea raffte ſich muthig zuſammen, war ſie ja faſt auf Alles vorbereitet, mit den Ihrigen, was da kommen werde. Das Mädchen öffnete die Thüre und hereintraten der Kaufmann Vernet und die Gerichtsdiener, in der Mitte der Amtmann. Die Soldaten harrten draußen, jedes Auftrags gewärtig. Dorothea ging voraus, ohne
nur zuvorkommende Aufmerkſamkeit für die Eintretenden zu äußern, ſah ſie doch in dieſen Männern gleichſam die Todtengräber für das Lebensglück ihrer Familie.
„Könnt Ihr zahlen, Hermann Walther?“ fragte der Amtmann mit ziſchelnden Worten, welche ein necken— der Huſten unterbrach.
„Gott weiß es, ich zahlte gerne, doch Unglücksfälle bitterſter Art ſuchten mich heim, darum verzeihe man mir, ich kann jetzt nicht zahlen!, ſprach Walther und vom Krankenbette her unterſtützte ſein Wort das leidende Weib.
„Das Auge Vernet's zuckte wild-ſpöttiſch und eine Hölle loderte in demſelben. Es blieb ſtarr auf den Amt— mann gerichtet. Der verſtand den Blick.
„Und ſind auch ſonſt keine Güter zur Entſchädigung Vernet's da?“ fragte der Amtmann heftig.—„Keine l“ verſetzte Walther dumpf und ging nach dem Krankenbette
hin, um ſein Weib, das in heißen Fiebergluthen litt, zu
beruhigen.
.„So ſeid Ihr dem Schuldthurme verfallen, und jetzt ſchon werdet Ihr dahin abgeführt!“ ſprach hart und herz⸗ los der Amtmann und rief den Soldaten durch's Fenſter zu, daß ſie herbeikommen ſollten, um den Gefangenen zu überwachen.
b Die Gerichtsdiener ergriffen nun den Walther und ſchraubten ihm die Daumen zuſammen. Dorothea drängte ſich nach ihrem Vater hin, gleichſam um die rauhe Ge— richtsdienerhand von ihm abzuwehren. Doch der Amtmann griff in die aufgelöſeten Haarlocken des Mädchens und ſchleuderte daſſelbe zurück. Dorothea warf ſich jetzt dem Kaufmanne zu Füßen und flehte deſſen Herz um Mitleid und Erbarmung an. Doch auch dieſe Bitte war umſonſt. Krampfhaft verzerrte Vernet ſein gräuliches Geſicht und blieb ſtumm!
Walther wollte von ſeinem Weibe und von ſeiner Tochter Abſchied nehmen, aber auch dieſes Lebewohl ver— ſagte man ihm. Sie ſtießen ihn fort. Da hörte man plötzlich ein Röcheln und Aechzen und Stöhnen. Es war die Kranke. Der Schrecken hatte ſie gelähmt, und der Jammer gab ihrem Herzen den Todesſtoß.„Gott vergib euch!“ rief ſie noch und verſchied. Dorothea blieb ſprach⸗ los, als ihr Vater vom Krankenbette fortgeriſſen wurde, der noch ſeines Weibes letzten Kampf geſehen und ſcheidend ihr Sterbewort gehört hatte. Dorothea lag ohnmächtig am Boden.
(Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. Oeffentliche Aufforderung.
(159) Peter Bopp von Melbach, geboren im Jahr 1777, alſo über 70 Jahre alt, der ſchon ſeit langer Zeit von Hauſe abweſend und über deſſen Schickſal nichts zur Kenntniß ſeiner An- gehörigen gekommen iſt, wird hiermit aufgefor— dert, etwaige Erb- oder ſonſtige Anſprüche an die von ſeinem Vater Philipp Bopp herrühren— den, gegenwärtig im Beſitz des Conrad Bopp in Melbach befindlichen Immobilien, binnen 3 Monaten dahier geltend zu machen, widrigen⸗ falls er für verſchollen, Conrad Bopp als Eigen⸗ thümer der fraglichen Immobilien betrachtet und demgemäß weiter verfügt werden wird. Gleichzeitig werden, da auch Eberhard Hul— derich von Melbach über verſchiedene andere, ſeiner verſtorbenen Ehefrau von Seiten des Philipp Bopp, resp. deſſen Sohnes Johann Heinrich Bopp, zugefallene Grundſtücke dispo⸗
niren will, ohne das Eigenthum urkundlich nach— weiſen zu können, alle übrigen etwa Berechtigten aufgefordert, ihre Anſprüche an den Boppiſchen Immobiliarnachlaß binnen der obigen Friſt da— hier zu begründen oder ſich zu gewärtigen, daß ſolche bei Beſtätigung von Veräußerungen un⸗ berückſichtigt bleiben. Friedberg den 21. Januar 1851. Großh. Heſſ. Landgericht Dr. Irle. v. Preuſchen.
Main ⸗Weſer⸗ Bahn,
6363) Samſtag den 15. Februar l. J. ſollen die der Bauverwaltung gehörenden Grundſtücke auf die Dauer von 5 Jahren an den Meiſtbieten—
den verpachtet werden.
Die Verſteigerung geſchieht an Ort und Stelle, weßhalb die Zuſammenkunft für die Verpach— tung der Grundſtücke in der Gemarkung Vilbel Vormittags 11 Uhr im Hainborn, in der Ge— markung Kloppenheim Nachmittags 1 Uhr an der Dortelweiler Gemarkungsgrenze, in der Ge— markung Okarben Nachmittags 2 Uhr am Selzerbrunnenweg feſtgeſetzt wird.
Auf dem Büreau des Unterzeichneten, f 2 1 0 l ſowie auf der Station Vilbel können die Steigbe⸗ dingungen täglich eingeſehen werden. Friedberg den 25. Januar 1851. Der Großh. Heſſ. Sections⸗Ingenieur der Sektion Vilbel Hochgeſand.
Main ⸗Weſer⸗ Bahn.
(462) Mittwoch den 12. Februar l. J. ſollen
die der Bau-Verwaltung gehörenden und neben der Bahn gelegenen Grundſtücke auf die Dauer von 5 Jahren an Ort und Stelle an den Meiſtbietenden verpachtet werden.
Die Zaſammenkunft für die Verpachtung der Grundſtücke in der Gemarkung Friedberg iſt Vormittags 8 Uhr am Uſathor, in der Gemar— kung Fauerbach 11. Vormittags 9 Uhr am Hain⸗ graben, in der Gemarkung Bruchenbrücken Vor⸗ mittags 10 Uhr am Lindenbaum, in der Ge— markung Niederwöllſtadt Vormittags 11 Uhr an der alten Schlagshohle.
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