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ner Herrin die freundlichſten Blicke wechſelte. Die Dame ſchien kränklich und von einer Bruſtkrankheit befallen; denn ſie legte häufig ihre Hand auf's Herz, bei welcher Gelegenheit ich denn einmal bemerkte, daß ſie ein ſehr ſchöͤnes koſtbares Armband trug.
Dieſe Perſonen bildeten meine Reiſegeſellſchaft. Der vermeintliche Onkel ſchlief bald; bald ſah er ſich gedanken— los um; der leichtſinnige Neffe las ohne Unterlaß weiter; die Dame ſeufzte oft; der kleine Hund ſchnarchte, und ich ſchwelgte in dem vollen Genuſſe eines wachen Traumes, und ſpann mir allerhand ſeltſame Geſchichten über die Perſonen aus, die mich umgaben. Meiner Anſicht nach waren die Dame und die beiden anderen Perſonen einan— der vollkommen fremd, und die Dame, die ganz allein in einem Wagen der erſten Klaſſe fuhr, ihre einfache aber äußerſt geſchmackvolle und elegante Toilette, ihr ſchüch— ternes, zurückhaltendes Weſen, ihr koſtbares Armband mit edlen Steinen, gaben meiner Phantaſie einen weiten Spiel⸗ raum, den die Ankuuft an unſerm Beſtimmungsorte nur allzufrühe ſtörte. Der Zug hielt: aber der junge Mann las weiter; die Dame ſeufzte wieder und legte die Hand auf's Herz; der ältliche Herr drückte ſich von Neuem in die Ecke, und keines ſchien zuerſt aufſtehen zu wollen. Da verabſchiedete ich mich aufſtehend mit einer leichten Verbeugung von meinen Reiſegefährten, verließ den Wagen und ſah mich bald darauf im Beſitze eines Zimmers in einem Hotel garni.
Nach eingenommenem Mittagsmahle ging ich in's Theater und von da, auf das Zureden eines Freundes, in ein geheimes Spielhaus. Zu meiner nicht geringen Ueberraſchung erkannte ich hier in dem oſtenſiblen Beſitzer der Spielhölle denſelben alten Herrn, den ich am Morgen im Eiſenbahnwaggon getroffen und dem ich die Eigenſchaft eines mürriſchen alten Onkels angedichtet hatte. Wir trafen nur wenige Geſellſchaft hier, und das Spiel hatte noch nicht begonnen; die Croupiers aber ſaſſen auf ihren hohen Stühlen zu beiden Seiten des Tiſches und legten jene einfältige Gleichgültigkeit an den Tag, wie man— gleichviel ob ſie natürlich oder künſtlich iſt— ſtets an ſolchen Menſchen bemerkt. Der alte Herr ſaß am einen Ende der Tafel und umkrallte in nervöſer Aufregung eine maſſive goldene Doſe, während ſeine Augen unruhig zwiſchen den Goldhaufen vor ihm und der Thüre hin— und herzulaufen ſchienen. Die letztere öffnete ſich bald, und hereintrat— mein anderer Reiſegefährte, der junge Mann, den ich für den Neffen des Alten gehalten. Wie⸗ wohl erſt wenige Leute da waren, begann doch ſogleich das Spiel— Rouge et noir— alle Stimmen verſtumm⸗ ten, und Nichts war mehr zu hören, als die eintönigen Worte, womit die Croupiers den Erfolg jedes Spiels an— zeigten, und das Klimpern des Goldes, das die ſchwarzen Rechen der Spieler einſtrichen.
Ich ſpiele nicht ſelbſt, und darum, ſowie weil ich von allen Anweſenden nur meine beiden Reiſegefährten kannte, war meine Aufmerkſamkeit ſozuſagen nur auf dieſe beiden concentrirt, deren Benehmen ſie noch ſteigerte. Der junge Mann verlor namhafte Summen, legte Rolle um Rolle auf den grünen Tiſch, die immer ſchon im nächſten Augenblick die Beute des Croupiers wurden; das Blut ſtieg ihm in die bleichen Wangen, und tiefe Seufzer ent⸗ ſtiegen von Zeit zu Zeit unwillkürlich ſeiner Bruſt. Ich weiß nicht, was mir dieſes peinliche Intereſſe an dem jungen Mann einflößte: aber mit jedem Umſchlagen der Karten ging mir ein tiefer Stich durch's Herz; denn ein o hartnäckiges Ausharren im Spiel und eine ſo hart⸗ näckige Spielwuth waren mir noch gar nicht vorgekommen. Auch die übrigen Spieler ſchienen meine Empfindungen
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zu theilen; denn es dauerte nicht lange, ſo ſpielte nur mein junger Reiſegefährte noch allein, und die Anderen bildeten nur ſtumme Zuſchauer. Um ein Uhr Morgens etwa verließ er den Spieltiſch und zwar, wie ich wohl mit Recht vermuthete, ohne einen einzigen Napoleon mehr zu beſitzen. Ich folgte ihm auf dem Fuße und trat mit meinem Freunde in ein benachbartes Kaffeehaus, um dort zu Nacht zu ſpeiſen.
„Sie ſcheinen ſehr aufgeregt von den Scenen, die Sie heute Abend geſehen haben,“ ſagte mein Freund, „und es wundert mich um ſo mehr, daß Sie nicht ſelbſt ſpielen, weil Sie weder das Intereſſe verbergen können, das Sie am Spiele nehmen, noch die Freude oder den Geſchmack daran. Sollten Sie wirklich nicht auch einmal pointiren wollen?“
Mit Nichten,“ verſetzte ich; ich werde niemals ſpielen. Zwar leugne ich nicht, daß mich das Spiel und beſonders ein ſolches Hazardſpiel, wie wir es heute ge— ſehen haben, ſtets intereſſirt. Aber mein Intereſſe iſt eigentlich nur ein phyſiognomiſches und pſychologiſches, und heute Abend nahm es meine Theilnahme vorzugsweiſe in Anſpruch, weil ſowohl der Bankhalter als der junge Mann, der ſo viel verloren hat, heute Morgen auf der Eiſenbahn hieher meine ſchweigſamen Reiſegefaͤhrten waren und weil ich gerade dieſe beiden Männer, denen das blinde Glück eine ſo verſchiedene Stellung anwies, für Onkel und Neffe hielt.“
„Der junge Mann, den Sie meinen, iſt ein Oberſt in ruſſiſchen Dienſten,“ verſetzte mein Freund;—„er iſt der Graf Z., der um ſeiner vielfältigen Verluſte willen eine traurige Berühmtheit erlangt hat. Sie wiſſen ja, welch' ungeheure Reichthümer die Mehrzahl des vornehmen ruſſiſchen Adels beſitzt; auch dieſer Graf ſoll einſt ſehr reich geweſen ſein, nun aber allerdings nicht mehr viel von ſeinem Vermögen ſein eigen nennen können. Er kommt eben von Neapel, wo er ſo ungeheure Summen verloren haben ſoll, daß ich ſie nicht zu nenneu wage. Er iſt ein wahnwitziger, leidenſchaftlicher Spieler, den auch die hartnäckigſten Verluſte und unwandelbares Unglück nicht haben von ſeiner Krankheit heilen können. Den Bankhalter kenne ich nicht; ich ſah ihn heute Abend zum erſten Male dort; aber er ſoll ein Spanier ſein, der das Spiel um eine ſehr bedeutende Summe gepachtet hat. Allein da kommt Monſieur Clement, der angebliche Eigen⸗ thümer jenes Salons; ich will Sie ihm vorſtellen, dann können Sie leicht etwas Näheres über den Bankhalter erfahren.“
(Fortſetzung folgt.)
Miszellen.
Die Erſten, welche glaubten, ſich den Schnupftabak in die Naſe ſtopfen zu müſſen, wurden verhöhnt und dann ein wenig verfolgt. Der engliſche König Jakob J. ſchrieb gegen die Tabaksſchnupfer ein Buch Miso Capnos. Einige Jahre ſpäter excommunicirte der Papſt Urban VIII. die Perſonen, die in der Kirche Tabak nahmen.— Die Kaiſerin Eliſabeth glaubte, der Excommunicationsſtrafe noch eine Sanktion beifügen zu müſſen: ſie geſtattete den Küſtern, Denjenigen die Tabatieren zu confiseiren, die in der Kirche ſchnupften. Amurat IV. verbot das Tabakſchnupfen bei Gefahr des Naſenabſcheidens.
Am Schwanenfluſſe in Neuholland hat ein deutſcher Botaniker kurzlich eine Blume entdeckt, die, wenn die Sonnen⸗ ſtrahlen darauf fallen, einen Rauch von ſich gibt, wie eine brennende Tabakspfeife.— Manche Frau fände in einem ſolchen Blumenſtock vollen Erſatz für ihren abweſenden Mann!
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