Ausgabe 
1.11.1851
 
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Intelligenz-Blatt

fuͤr die

7 Provinz Oberheſſen

*. im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg

f ben. im Beſonderen.

en dar

0 5 1 S6. Sonnabend den 1. November 1851.

Def. Beigrord uu L id t.*

Eine Geſchichte, wie ſie leider oft paſſirt. Von W. O. v. Horn. (Fortſetzung.)

1 Seht, ſagte der Schmiedjacob, das iſt die rechte und Tanzmufl Weiſe, wie ein Vater mit ſeinem Kinde reden ſollte. Ge⸗ Jar gute Ge meiniglich aber wird die Ehe zwiſchen den Eltern abgere⸗

de des geselligen det und auf die Kinder gar keine Rückſicht genommen. Ich weiß Fälle genug, wo es dann ging, als wären Hund

und Katze zuſammen verheirathet; ich weiß aber auch

1 ſolche, wo der armen, jungen Frau das Herz brach und ſie bald begraben wurde. Das ſind ſo die Acker-Ehen, die geſchloſſen werden, weil die Brautleute viele Aecker zuſammenliegen, alſo große Stücke zu erwarten haben, oder die Geld⸗Ehen, wo's heißt: Er hat acht Tauſend; Sie zehn Tauſend, macht achtzehn Tauſend, alſo müſſen

ſie ſich heirathen, daß das Geld zuſammenbleibt. Das

ſind nicht die im Himmel geſchloſſenen Ehen, ſondern da hat der Teufel ein Bißchen die Hand im Spiele und das

Unkraut ſäet er ſicher; Brenneſſeln abſonderlich! 1

a Nun werdet ihr gerne wiſſen wollen, was die Agnes

geſagt habe? Sie hat herzhaft: Ja geſagt, und der Alte

hörte wohl dran, wie es ihr ums Herz war und er hat ihr ſeinen erſten vollen Segen gegeben. Und nun gingen

ſie ſtille heim.

Altenſtadt u- Weſer⸗Bahn.

ags, Mitt

Ir. Büdingen. .

ttmlich keiten vol⸗

. 22 1 Abends ſagt die Mutter wieder: Nun, Alter, krieg'

4 für ih 1 085 Antwort, als das dreimaligeSo von geſtern A bend?

u 1851. 1 Er ſagte: Morgen fahren wir hinunter auf die

1, Gene Schau. Du weißt, mir iſt allemal recht, was dir recht

1 iſt! Dabei lächelte er aber ſo ſchalkig, daß es eben ein

en Glück war, daß es ſtichdunkel war in der Schlafkammer,

ee daß es ſeine Frau nicht wahrnahm, denn die hätte ſicher 0 Blau lich ein Hͤrlein drein gefunden und gekuörpelt, denn ſie 5. meinte, ſie hätte die Hoſen ganz. Freilich war's, genau genommen, wahr, allein der Alte meinte doch, er habe ſie noch an der Leine. Die Männer meinen ſo! f i Sie fuhren wirklich am andern Tage auf die Mühle und die Sache wurde richtig. Agnes war, das mußte die Mutter ſelber ſagen, heute in dem Glücke ihres Herzens wirklich ſchön. N Nach vier Wochen zog ein glückliches Paar in die Mühle ein. Der alte Riebeler ſteuerte ſein Kind wie ein wackerer Vater aus.. Die Mutter hatte die Geſchichte gleich an Käthchen

geſchrieben und ſie eingeladen zur Hochzeit, aber ſie ſchrieb zurück, es ſei eine große Landparthie(ſo nennen es näm⸗ lich die Leute in der Stadt, wenn ſie einmal Sonntags heraus auf ein Dorf gehen oder fahren) an dem Tage, da dürfe ſie nicht fehlen; ſie wünſche aber Agnes alles Liebs und Guts zu ihrer Heirath.

. Hinter dem Briefe ſteckte was Anderes. Was ſoll ich bei der Bauernwirthſchaft machen? ſagte das hochnaſige Ding. Da muß ich mit den ungeſchlachten Bauernburſchen tanzen und habe noch Langeweile in den Kauf! Nein, es geluͤſtet mich gar nicht!

Die Mutter fand das natürlich; der Vater runzelte die Stirne; Agnes brach in Thränen aus, daß die einzige Schweſter, die ſie hatte, an ihrem Ehrentage fehlen ſollte, und dieſer Umſtand ſtörte ihr Glück gar ſehr; indeſſen lebte ſie mit ihrem braven Manne ſo vergnügt, wie ſie es ſich eben nur hätte wünſchen mögen.

Als der alte Riebeler in die Stadt zu ſeinem Dun zelchen kam, rieb er ihr den Kümmel gehörig; aber das naſeweiſe Ding nahm es nicht nur nicht zu Herzen, ſon dern rümpfte das Näschen und ließ das Mäulchen hängen; denn ſo hatte der Vater noch nie mit ihr geredet und ſie war das gar nicht gewohnt. Die Mutter meinte auch, als er es ihr ſagte, er ſei doch auch zu hart mit ihr umgegangen. Sie ſähe ſo was ſtädtiſch anz da ſei Alles anders. Der Alte aber meinte, wenn das Stadt leben die Gefchwiſterliebe todtſchlage, ſo möge es zum Henker fahren; da ſei ihm das Dorfleben hundertmal lieber, und es wäre gut, das Dunzelchen zurückzuholen. Darauf lenkte die Mutter ein und ſuchte den Alten zufrie den zu ſtellen, was ihr auch endlich gelang. Sie hatte ja die Hoſen!

Vier Wochen darauf kam denn Käthchen mit einer ganzen Schaar Stadtmädchen und Herren zum Beſuch. Da wurde der Hof aufgeputzt und, was Küche und Keller ver mochte, aufgetiſcht. Das war wahr, Käthchen war die Schönſte, die Gewandteſte unter Allen und der Alte ſah ſeine Luſt an dem Kinde; aber daß ſie bei Allem ſagte: Ihr müßt vorlieb nehmen; es iſt ſo ländlich hier! das ärgerte ihn; denn er hatte Alles aufs Beſte hergeſtellt. Mittags fuhren ſie Alle zu Agnes. Da war's wieder grade ſo, und das Käthchen that nicht einmal extra herz⸗ lich mit der Schweſter, waͤhrend die vor Herrlichkeit gar nicht wußte, was ſie thun ſollte, ihre Gäſte zu vergnügen und zu ehren. 5

Einer von den jungen Herren machte ſich gar viel