ſieht man, daß Du eine verdammte Landratte biſt, die nichts davon weiß, wie es auf offener See zugeht. Du biſt ein ausländiſcher Hund, ein deutſcher Muff, oder ſo etwas dergleichen; denn hätteſt Du nur einen Tropfen niederländiſch Blut in Deinen Adern, das Wort wäre nimmer über Deine Lippen gekommen.“
„Seid nicht böſe, Meiſter Schellfiſch. Es war nicht ſo ſchlimm gemeint. Alſo eine Priſe ſagtet Ihr?“
„Zwei Priſen, ſagte ich, ſind es, und den dritten hat der Teufel geholt.“
„Erzählt es uns noch einmal, guter Mann!“ rief ein Anderer, der jeden Streit hindern wollte.„Wär' es auch nur, um den dicken Faßbinder da zu überzeugen, der ein ungläubiger Thomas und noch dickfelliger iſt, als ſein Namensvetter in der Bibel. Ihr braucht Euch nicht ſo anzuſtrengen mit dem Maulwerk, denn jeder brave Nie— derländer iſt ſtumm und ſperrt die Ohren weit auf, wenn vom Michael de Ruiter die Rede iſt. Erzählt alſo! Er— zählt!
Ja! Erzählt, Gevatter Seezunge!“
„Erzählt, und Ihr ſollt Genever vollauf zum Schwim⸗ men haben den ganzen Tag.“
„Seid doch nur ſtille, damit er zu Worte kommen kann. Geſtern Abend alſo... 2“,
„Nicht geſtern Abend, Hans Keſſelſchmied, ſondern geſtern früh, als kaum der Tag dämmerte und ich draußen vor meinen Netzen trieb, war ich am Steuer eingenickt, als es mir plötzlich vor den Ohren ſummete, ich weiß nicht wie, und ich jach auffuhr.“
„Was giebt's, Pieter?“ rief ich meinem Maaten zu, der auf der Vorderpflicht ſtand und die Hand über die Augen hielt, damit das Licht ihn nicht blende.
„Na, Gott ſtärke Euer Trommelfell!“ lachte er laut auf.„Dauert nun ſchon drei Stunden, das Kanoniren, und Ihr ſchlaft feſter als eine todte Ratte.“
„Was für'n Kanoniren?“ fragte ich.
„Was weiß ich!“ rief der Pieter.„Kommt von Doggersbank herüber. Wird am Ende wohl der de Ruiter ſein, der hier herum kreuzt und mit'n Engländern zuſam— men gerathen iſt. Kommt uns immer näher der Lärmen und iſt nur Schade, daß man vor dem Nebel nichts ſehen kann. Darum thäten wir gut, unſere Netze bei Zeiten in Sicherheit zu bringen.“
„Das wollen wir!“ ſagte ich, mir den Schlaf vol— lends abſtreifend, und nun zogen wir die Netze ein und warfen die gefangenen Fiſche in aller Eile durcheinander in eine und dieſelbe Bune. Und kaum hatten wir den letzten Zipfel des Netzes binnen Bords, da friſchte der Wind auf, der Nebel verzog ſich und wir ſahen die ganze Geſchichte vor uns. Vier Schiffe wiegten ſich auf der Salzfluth. Das eine trieb abwärts allein; es mußte ſei— nen Theil ſchon früher bekommen haben, denn es war im Sinken begriffen und die Mannſchaften enterten in die Böte, die aber auch gottesjämmerlich zugerichtet waren, denn man konnte ſie kaum über Waſſer erhalten. Zwei andere ſchwere Kanonenſchiffe hatten einen Dritten zwiſchen ſich und ſetzten ihm tüchtig zu mit Kanoniren, als wollten ſie ihn zwingen, ſeine Flagge zu ſtreichen. Aber dieſer Dritte hatte am großen Topp unſere geſegnete Staaten— Flagge und hielt aus wie ein braver Holländer. Ich und mein Maat ließen Alles ſtehen und liegen, aber wir gaben genau Acht und wenn ſich der Pulverdampf auf Augen— blicke verzog, ſahen wir ſtets deutlicher, wie es mit den Schiffen ſtand, denn die Strömung brachte uns einander immer näher. Und bald waren wir ſo nahe, daß ſie uns vom Verdecke aus mit ihren Flinten hätten treffen können.
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Eine Zeitlang hatte der Wind geſchwiegen; es ſchien als wenn der Lärm ihn zurückgedrängt hätte. Aber nun kam er mit erneuerter Kraft zurück; er jagte den Dampf in dichten Ballen an uns vorüber, wie die Engländer die Flagge ſtrichen, wie unſere Leute beide Schiffe zugleich enterten und wie ein Lärmen entſtand auf allen drei Verdecken, daß man glauben mußte, es werde Keiner von Allen übrig bleiben und ſich alleſammt mit den Fäuſten würgen.“
„Schiffer!“ rief mein Pieter,„da geht's bunt über Eck. Das müſſen wir uns näher beſehen.
„Ja, ſagte ich, das wollen wir, Maat.“
„Und ehe wir es uns verſahen, waren die Priſen— ſchiffe mit den Leuten des Holländers beſetzt, der nun zwiſchen ihnen heraus auf freies Waſſer ſegelte, worauf wir ſogleich an ſeinen Backbord heran gierten. Als wir nun das Staatenſchiff anſahen, wie es ſo donnermäßig zugerichtet war, daß es uns faßt erbarmte, ſprang ein Mann auf die Galerie, der glühte über und über und dieſer Mann war unſer Michael de Ruiter. Er winkte mit dem Hut und rief uns zu:„Hollah, Ihr da im Tjalkboot! Wenn ich nicht irre, ſind wir Landsleute mit— ſammen?⸗
„Das ſind wir, Gott helfe uns und ſegne Euch, Mynheer Michael Adrianſon,“ ſagte ich.
„Wenn das iſt,“ ſprach er raſch weiter,»ſo ſtützt Euere Breitfock aus, ſegelt mit dieſem Briefe zu Lande und beſtellt uns Quartier.“
„Das wollen wir, Herr Admiral, und wollen Alles ausrichten, was Ihr ſonſt noch zu beſtellen habt!“ rief mein Maat Pieter zu Deck.
„Habt Ihr nicht Augen im Kopf?“ hieß es nun. „Ihr habt geſehen, was wir für Arbeit gemacht und daß wir Noth haben werden, binnen zu kommen. Grüßt die Einwohner von Helvoetſluis und ich laſſe ihnen ſagen, die Maas ſei rein.“
Die umſtehenden Bürger gafften den Fiſcher mit offnen Mäulern an und ſchlugen die Hände zuſammen. Jener aber merkte, daß er tüchtig Oberwaſſer bekommen, darum machte er ſich noch ein Mal ſo lang und die leere Kanne ſchwingend, rief er aus:„Habt Ihr's Alle gehört? Das hat der Herr Admiral zu mir und meinem Maaten geſagt und da ſind wir nicht faul geweſen, haben die Breitfock und das Stagſegel ausgeſtützt und das alte Tjalkboot iſt gelaufen, daß das Spritzwaſſer ohne Aufhören über den Bug hinſchlug, und als wir noch nicht verſtanden werden konnten wegen der großen Entfernung, ſchrieen wir doch ſchon zu Lande: Der Michael de Ruiter kommt binnen und hat ein Paar ſchmucke Priſen im Schlepptau.“
„Habt in alle Wege Euere Schuldigkeit gethan, Landsmann, und könnt Euere Kanne in Ruhe trinken!“ entgegnete ein ſtattlicher Bürgersmann, der unlängſt zur Gruppe getreten war.„Habt Euere Stimme laut er— ſchallen laſſen und ſie iſt gehört worden, das könnt Ihr ſehen rings umher zu Waſſer und zu Lande.“
„Wahrhaftig! Kopf an Kopf wohin ſich das Auge wendet! Ich glaube, die ganze Stadt iſt draußen.“
„Aber, was ſoll denn das bedeuten? Da drüben drängen ſie ſich Alle nach einer Stelle zu.“
„Hollah! Hollah! Am Ende ſind ſie ſchon im Anzuge und wir haben's verplandert!“
„Ja, wahrhaftig, hört Ihr die Muſik von drü her? Sie ſind's! Sie nds l“ g N 5
„Hei! da fällt auch ein Schuß. Der kommt vom Wall herunter.“
„Das iſt das Landungs-Signal! Vorwärts!“
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