Ausgabe 
27.7.1850
 
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Sie haben Recht, entgegnete er nach einigem Zoͤgern.Es iſt ein ſehr verwickeltes Gewebe; aber ich zweifle dennoch nicht, daß ſich mir auf irgend eine Weiſe Gelegenheit bieten wird, meine Unſchuld darzuthun!

Dann verſank er in hartnäckiges Stillſchweigen, und Keiner von uns ſprach mehr ein Wort, bis der Wagen, nach einer Weiſung, die ich dem Kutſcher zuvor gegeben,

vor dem Thore des Gefängniſſes in Kendal anhielt. Mr.

Briſtowe bebte zuſammen, wechſelte die Farbe, bemeiſterte

dann aber augenblicklich ſeine Aufregung und ſagte:Sie

müſſen natürlich ihre Pflicht thun; die meinige weiſt mich an, einer gerechten und allgegenwärtigen Vorſehung nicht zu mißtrauen! 0

Wir traten in das Gefängniß, und die nothwendige Durchſuchung ſeiner Kleidung und ſeines Gepäcks ward ſo ſchonend wie möglich vorgenommen. Zu meinem großen Entſetzen fanden wir aber unter dem Geld in ſeiner Börſe ein ſpaniſches Goldſtück von eigenthümlichem Gepräge, und in dem Futter ſeines Mantelſacks, ſehr geſchickt ver⸗ borgen, ein Kreuzchen mit Brillanten, welche Beide, wie ich aus dem der Polizei übergebenen Verzeichniſſe der ge ſtohlenen Gegenſtände wußte, einen Theil des Raubs in Five Oak's Houſe bildeten. Des Gefangenen leidenſchaft⸗ liche Betheurungen: er wiſſe nicht und könne nicht be⸗ greifen, wie dieſe Artikel in ſeinen Beſitz gekommen, lockten dem alten erfahrnen Schließer ein ſarkaſtiſches ungläubiges Lächeln in's Geſicht, während mich dieſes vollſtändige Ein ſtürzen der Theorie ſeiner Unſchuld, welche ich mir aus ſeinem offenen Weſen, dem unerſchütterlichen Gleichmuthe und der Kühnheit ſeiner Nerven abſtrahirt hatte, vollkom men beſtürzt und wortkarg machte.

Vermuthlich ſind Euch dieſe Gegenſtände im Schlaf zugekommen?! ſagte der Schließer höhniſch zu ihm.

O ja, im Schlafe! rief ich mechaniſch.Daran hätte ich nicht gedacht! der Verhaftete und der Schließer ſtierten mich fragend an, allein ich hatte das Gefängniß ſchon verlaſſen, bevor Jener noch ſeinem Erſtaunen oder ſeiner Verachtung Worte geben konnte.

(Fortſetzung folgt.)

Aufruf.

Schleswig-Holſtein von deutſchen Regierungen ver⸗

nehmen im Begriffe.

4 1255 5, leugnet und einem blutigen Vernichtungskampfe preisgegeben iſt dieſen Kampf mit Ernſt und Entſchloſſenheit aufzu⸗ 4 Begeiſtert reiht ſich ſeine helden⸗ müthige Jugend unter die vaterländiſchen Fahnen und der Sieg wird hoffentlich der gerechten Sache nicht fehlen.

Die Opfer indeſſen, welche das kleine Land ſchon ge bracht hat und noch bringen muß, drohen ſeine Kräfte zu erſchöpfen wenn ihm nicht wirkſame Hülfe zu Theil wird. Leider müſſen tapfere und ſchlagfertige deutſche Heere un⸗ thätig einem Kampfe zuſehen, in dem es ſich weſentlich um die Ehre und Integritat des deutſchen Vaterlandes handelt!

Aber wenn auch die traurige Zerriſſenheit, welche Deutſchlands Kräfte augenblicklich lahmt, es verhindert, daß die Regierungen einmüthig thun, woran Pflichtgefühl und Vaterlandsliebe ſie unabläſſig mahnen ſollten die deutſche Nation wird darum ihre Schuldigkeit gegen einen wackeren Bruderſtamm nicht vergeſſen, der den Anmaßungen eines übermüthigen Feindes zu begegnen und unauslöſchliche

. N

Schmach von dem deutſchen Namen abzuwenden entſch ſ.

ſen iſt.

Darum fordern die Unterzeichneten zunächſt zu Geld⸗

unterſtützungen für Schleswig-Holſtein auf, welche ſie in Empfang zu nehmen und an die Behörde zu befördern auch Nachweis darüber zu geben bereit ſind. Sie fordern hierzu auf in der feſten Ueberzeugung, daß ſie dabei eine Ange⸗

legenheit vertreten, bei welcher jede Meinungsverſchieden⸗

heit ausgeſchloſſen, die zugleich volksthümlich und legitim wie keine andere iſt und daß von der Theilnahme und Aus⸗ dauer, welche die deutſche Nation hier bewährt, es weſentlich abhängen wird, ob das Ausland ihr ferner Schmach und Hohn wird bieten dürfen. Möge keiner zurückbleiben deſſen Verhältniſſe Hülfeleiſtung geſtatten, möge der Sinn fuͤr l Ehre des Vaterlandes nirgends ſich erloſchen zeigen! 5 5 Friedberg den 20. Juli 1850. 1

Hofmann, Abgeordneter zum Reichstage. Krach. J. Steinhäuſer. G. Trapp II.

Cordes. W. A. Simon. J. Pfeffer. Textor. Cronenberg. Mayer Hirſch. C. Groß. H. Dechert.

Bei der Expedition d. Blattes werden ebenfalls Bei⸗ träge entgegengenommen. ö 2

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

NN NN

Immobilien⸗Verſteigerung.

2) 81,6 Klafter Garten beim Schützenrain, an Jobs. Engels Wittwe. Zins der Barfüßerſchule 12 kr. Heller. Friedberg am 27. Juni 1850. In Auftrag Gr. Heſſ. Landgerichts

lons und Gamaſchen, Halsbinden, Hemden, Socken und Schuhe, ſowie ausrangirte Bett⸗ teppiche ꝛc. ꝛc. gegen gleich baare Zahlung an die Meiſtbietenden öffentlich verſteigert werden. Dieß den Steigliebhabern zur Nachricht und zu⸗

(1027) Dienſtag den 30. Juli, Morgens um 10 Uhr, werden die Immobilien der Lud⸗ wig Wagenknecht'ſchen Eheleute in hieſigem Nathhauſe meiſtbietend verſteigert, als:

1) Hofraithe, beſtehend in Wohnhaus, zwei Nebenbauen, Scheuer, Schoppen, Stall und zwei Mühlgängen an der Uſa,

2) 192 Klafter Garten in der 6. Gewann, an Johann Heinrich Müller,

3) 927 Klafter Garten in der erſten Gewann, an Heinrich Hanſtein IV.

Friedberg am 27. Juni 1850. In Auftrag Gr. Heſſ. Landgerichts Der Großb. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Immobilien⸗Verſteigerung. (1028) Dienſtag den 30. Juli, Morgens um 10 Uhr, werden in hieſigem Rathbauſe die den Hartmann Lang'ſchen 11. Eheleuten dahier gehörenden Immobilien meiſtbietend verſteigert, nämlich:

1) Hofraithe, als Wohnhaus, Hinterhaus und

Stall, an Georg Rauſch III.,

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Ben dier Hofraithe⸗ Verſteigerung.

(1135) Dienſtag den 30. d. Mts., Vormit⸗ tags um 10 Uhr, ſoll die Hofraithe des ver⸗ ſtorbenen Kaufmanns Joh. Heinr. Fritz hier nochmals auf hieſigem Ralhhauſe unter den bei der Verſteigerung bekannt gemacht werdenden

Bedingungen an den Meiſtbietenden verſteigert

werden und wird bemerkt, daß zugleich mit dem Zuſchlage unwiderruflich die Genehmigung er⸗ folgen ſoll. 7 Friedberg den 18. Juli 1850. 9 Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Wed giſt ei g ex nn n n 1 (1139) Montag den 29. d. M., Vormit tags von 8 bis 12 Uhr und Nachmittags von 1 bis 6 Uhr, ſoll in der Kloſſerkaſerne dahier eine bedeutende Parthie getragener Czako, Tor⸗ niſter, Mäntel, Fauſthandſchuhe, Spenzer, Mützen, wollene Hoſen und Gamaſchen, leinene Panta⸗

gleich mit dem Erſuchen an die Großh. Herrn Bür germeiſter der Umgegend, dieſe Verſteige⸗ rung im Intereſſe ihrer Gemeinden gefälligſt

bekannt machen laſſen zu wollen.

Friedberg den 15. Juli 1850. In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter.

Aufforderung

an die Schuldner der Pfand⸗ und Leih⸗Anſtalt zu Friedberg.

(1141) Die Schuldner der Friedberger Pfand⸗ anſtalt, deren Pfänder bis jetzt verfallen find, werden aufgefordert dieſelben bis zum 17. Auguſt l. J. einzulöſen oder zu prolongiren, als ſonſt deren Verſteigerung ſtattfinden ſoll.

Bemerkt wird noch beſonders, daß die Aus⸗

löſung, ſowie die Renovation nur an den dazu

beſtimmten Tagen, Montag, Mittwoch und Samſtag, geſchehen kann. Friedberg den 16. Juli 1850. Für die Pfandhaus Verwaltung Faatz. C. Klein.