N
9 N 0 .
des gierig erwarteten blutigen Schauſpiels zu berauben. Als wir nach Mary Strugnell forſchten, fanden wir, daß ſie ſich noch am ſelben Abend nach dem Urtheilsſpruch aus dem Staube gemacht hatte, und alle Nachforſchungen nach ihr waren vergeblich.——
Fünf Monate waren ſeither vergangen; das Schick⸗ Armſtrong's und ſeiner Frau war noch immer unentſchie⸗ den, als eines Tages ein Frauenzimmer, das in St. Bar⸗ tholomew's Hoſpital auf den Tod lag, zu mir auf meine Kanzlei in Temple ſandte, um eine Unterredung mit mir nachzuſuchen. Ich willfahrte, und traf— Mary Strug⸗ nell, welche in trunkenem Zuſtand vor einem Wagen aus— geglitten und zu Boden geſtürzt war, als ſie in der Nähe von Holborn Hill über die Straße eilen wollte. Der Wa— gen war über ſie hingegangen und hatte ihr beide Beine über dem Knie gebrochen. Eines elenden ſichern Todes ſterbend, hatte ſie nach mir geſandt, um über Wilſon's Ermordung ein vollſtändiges Geſtändniß abzulegen. Arm— ſtrong's Darſtellung und Ausſage wurden hierdurch voll— kommen beſtätigt. Pearce hatte den Mord vollbracht, und Beide waren eben eifrigſt im Zuſammenraffen und Packen ihres Raubs begriffen, als ſie durch die ganz unerwartete Rückkehr des Armſtrong'ſchen Ehepaars geſtört wurden. Pearce raffte ein Bündel und einen Reiſeſack auf und entfloh durch das Fenſter; ſie aber hatte nicht Muth und Faſſung genug zur Flucht, ſondern kroch in ihr Schlaf— zimmer zurück, wo ſie des Farmers Thun und Treiben durch die Spalten des Verſchlages beobachtete, der ihre Kammer vom Gange ſchied, und das Lügengewebe erſann, welches die Angeklagten der Schuld überführte. Pearce mochte ſich für verfolgt und durch das Gepäck an raſcher Flucht gehindert glauben, und ließ daher den Reiſeſack auf die beſchriebene Weiſe zurück, um ihn am anderen Morgen abzuholen, wenn ſich ſeine Befürchtungen als grund— los ergäben. Er hatte aber nicht den Muth, wieder im ſchwarzen Schwan vorzuſprechen, ſondern entwich ſo eilig und heimlich wie möglich nach London. Jetzt ſaß er, we— gen Einbruchs mit gewaltſamer Hand zum Tode verur— theilt, in Newgate. Ich trug Sorge, die Depoſition der ſterbenden Verbrecherin in gehöriger Form zu Papier zu bringen, und das Ergebniß davon war, daß nach einer Unzahl von Petitionen, Mahnungen und Apellationen bei den zuſtändigen Behörden Armſtrong und ſein Weib voll⸗ ſtändig begnadigt wurden. Sie verkauften ſodann Craig Farm und zogen in einen anderen entfernten Theil des Landes,— ich nahm mir nicht einmal die Mühe, zu fra⸗ gen, wohin. Von Herzen aber dankte ich der Vorſehung, daß ich ſo aus dieſem Handel gekommen war, der mich ſo viel Angſt, Reue, Aerger und Vorwürfe gekoſtet hatte, und machte mir die Lehre zu Nutze, welche für mich darin lag, ja nicht wieder allzuraſch und voreilig in meinen Schlüſſen zu ſeyn, ſelbſt wenn, wie hier, die Wahrheit derſelben auf der Hand zu liegen ſchien,— eine Lehre, die ich durch die erlittene geiſtige Pein nicht einmal zu theuer erkauft habe.—
98—
Hülferuf.
Die Gemeinde Allendorf, bei Biedenkopf, iſt in der Nacht zum 22. Febr. durch ein großes Brandunglück betroffen wor— den, indem das Feuer, bei dem ſtarken Sturmwinde raſch verbreitet, binnen wenigen Stunden 37 Wohn- und 30 Neben— gebäude verzehrte. Das Elend iſt noch dadurch vermehrt, daß Lebensmittel und Hausgeräthe, ſelbſt die nothwendig— ſten Kleidungsſtücke verbrannt ſind, ſo daß die Verunglück— ten ſelbſt, wie die übrigen Einwohner, welche ihre Hab— ſeligkeiten vor der weiter greifenden Flamme in Verwirrung zu retten ſuchten und nun die Obddachloſen zu ſich aufge— nommen haben, in drückenden Mangel verſetzt ſind. Wie— wohl von den umliegenden Orten und ganz beſonders von Biedenkopf die erſte Hülfe eingetreten iſt, ſo wird doch die unglückliche Lage der Gemeinde Allendorf, welche im vori— gen Jahre ſo ſehr durch Hagelſchlag und erſt kuͤrzlich durch Ueberſchwemmung gelitten hatte, einer längeren und aus— giebigeren Beihülfe bedürfen.
Wir geben uns der Hoffnung hin, daß dieſen Nah— rung- und Obdachloſen eine recht reichliche Beiſteuer zur Linderung ihres Elendes werde und erklären uns mit Ver gnügen bereit, Beiträge, mögen ſie in baarem Gelde oder Kleidungsſtücken ꝛc. beſtehen, entgegenzunehmen und ſpäter Rechenſchaft darüber abzulegen.
Friedberg den 19. März 1850.
Die Expedition des Intelligenzblattes.
Kirchenbuchs⸗Auszug vom Monat Februar. Butzbach. f Getraute:
12. Der Bürger und Bäckermeiſter Jacob Wilhelm Rumpf dahier mit Marie Eliſabethe, des Bürgers und Bäcker⸗ meiſters Heinrich Seippel daſelbſt eheliche zweite ledige Tochter. 90
17. Der Bürger und Rothgerbermeiſter Bernhard Gruͤ⸗ ninger III. und Marie, des Bürgers und Rothgerber— meiſters Jacob Rübſamen dahier zweite eheliche ledige Tochter.
Getaufte: 3. Dem Bürger Heinrich Ludwig Schild II. eine Tochter, Marie Katharine, geb. den 19. Jan. 3. Dem Bürger und Metzgermeiſter Heinrich Weiblinger eine Tochter, Caroline Johannette Dorothea, geb. den 12. Januar. 8. Dem Bürger und Schuhmachermeiſter Chriſtoph Roth— hardt ein todtgeborner Sohn. 17. Dem Bürger und Hutmachermeiſter Balthaſar Schild II. eine Tochter, Eliſe, geb. den 29. Jan. 17. Dem Poſtillon Johann Jacob Lemp ein Sohn, Jacob, geb. den 8. Febr. Beerdigte:
2. Clara Suſanne, des verlebten Bürgers und Rothger— bermeiſters Nicolaus Grüninger dritte nachgelaſſene ledige Tochter, alt 30 Jahre, 2 Monate und 24 Tage, den 21. Jan.
5. Der Poſtillon Joh. Degen von Anraff, im Furſtenthum Waldeck, alt 41 Jahre, 1 den 3. Febr.
13. Der Bürger, Strumpfweber und Glöckner in der Ho⸗ ſpitalkirche Heinrich Ludwig Rübſamen, alt 70 Jahre, 3 Monate und 2 Tage, r den 10. Febr.
17. Georg Chriſtoph Schwarz, des verlebten Burgers und Schuhmachermeiſters Philipp Heinrich Schwarz erſter nachgelaſſener lediger Sohn, alt 15 Jahre, 6 Monate und 18 Tage, 7 den 15. Febr.
B0


