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mit heiſerer, kaum vernehmlicher Stimme,—„ geſteht es nur— geſteht— Ihr ſaht an jenem Abende meinen Vater — Münzer!“
Die Kranke war in fürchterlicher Aufregung und der Küſter hätte Gott weiß was darum gegeben, kein Wort von der ganzen Geſchichte geſagt zu haben; doch zu ſpät. Auch der Paſtor, der gerade jetzt wieder aus dem Hauſe trat und beſtürzt erkannte, welcher Fehlgriff gemacht ſei, war nicht mehr im Stande, ſeiner Frau das einmal feſt und krampfhaft erfaßte Ziel zu entrücken. Hören wollte ſie, hoͤren von des Küſters eigenen Lippen, was er geſehen, die Gewißheit wollte ſie haben, daß ihr Vater ſelber ſie gerufen,„und dann, dann“— meinte ſie und ſtrich ſich die Haare aus der feuchten weißen Stirn, „werde ſie ruhiger,— werde ihr beſſer werden.“
Es blieb keine andere Wahl, als ihr zu willfahren und der Paſtor forderte zuletzt ſelbſt den alten Mann auf was er wiſſe, bei ſeiner Seele Heil aber kein falſches, übertriebenes Wort zu ſagen.„Ach, lieber Herr Paſtor,“ erwiderte der Greis,„wollte doch Gott ich hätte ganz ge— ſchwiegen, noch dazu, da ich nicht einmal etwas Beſtimm⸗ tes über die Geſtalt ſagen kann.“
„Die Geſtalt,“ widerholte, kaum bewußt, die Kranke, „wo war ſie— wie ſah ſie aus?“
Der Schulmeiſter ſtand beſtürzt und ängſtlich daneben, jetzt ſchien ſein letzter Einwurf gehoben— und welchen Eindruck mußte eine ſolche Beſtätigung auf die reizbare Kranke machen!
„Genau weiß ich's nicht,“ flüſterte der alte Mann und ſah ſich ſelbſt hier im hellen Sonnenlichte ſcheu um, als ob ihm der Gedanke an das Geſchehene noch Schauder erwecke;„doch— es wird vielleicht beſſer ſein, Ihnen das Ganze nur in wenigen Worten mitzutheilen. Ich hatte mich nämlich an dem Abende ſchon früh, weit früher als gewöhnlich, in's Bett gelegt; das Wetter war ſtür⸗ miſch und mein altes Reißen plagte mich wieder einmal ganz abſonderlich; ſobald ich aber einzuſchlafen verſuchte, ſtörte mich ein häßlich ächzendes Geräuſch, das, wie ich gar bald fand, von dem offen gelaſſenen Fenſterladen der Sakriſtei herrührte. Nun hätte ich allerdings leicht hin⸗ übergehen und den Laden ſchließen können, noch dazu da ich fürchten mußte, der Wind bräche ihn vielleicht die Nacht aus den Angeln, und von der kleinen Hinterthür, die aus meinem Zimmerchen hinüberführt, ſind's ja wie Sie wiſſen, nur wenige Schritte— ich hatte aber die Schlüſſel in des Herrn Paſtors Studirſtube liegen laſſen...“
(Schiuß folgt.) Kirchenbuchs-Auszug vom Monat Septbr. Friedberg.
Getraute Keine.
Getaufte:
1. Dem hieſigen Bürger und Oeconomen Friedrich Lud— wig Netz eine Tochter, Charlotte, geb. den 15. Auguſt. 1. Dem hieſigen Bürger und Lohgerbermeiſter Ernſt Phi
lipp Philippi ein Sohn, Johannes Martin Hermann, geb. den 11. Auguſt. 1
1.(Zu Rodheim.) Dem hieſigen Bürger und Schreiner⸗ meiſter Chriſtian Valentin ein Sohn, Johann Philipp Wilhelm, geb. den 14. Auguſt. a
8. Dem hieſigen Bürger und Bauaufſeher Peter Gatzert eine Tochter, Eliſabethe Friederike Karoline, geb. den 29. Auguſt.
12. Dem Bürger zu Babenhauſen, Reg.-Bez. Dieburg, und Taglöhner dahier, Peter Greim ein Sohn, Tobias, geb. den 21. Auguſt.
14. Dem Candidaten der Theologie und Vorſteher eines Erziehungs-Inſtituts dahier Johannes Karl Chriſtian Kaͤrſt, ein Sohn, Julius Heinrich Friedrich Karl, geb. den 19. Auguſt.
15. Dem hieſigen Burger und Lederhändler Johannes Bechſtein II. ein Sohn, Heinrich Wilhelm, geb. den 28. Auguſt.
21. Dem hieſigen Bürger und Kappenmacher Jacob Ben⸗ der ein Sohn, Jacob, geb. den 5. Septbr.
22. Dem hieſigen Bürger und Gartenſchützen Johann Fer⸗ dinand Volp eine Tochter, Sophie Chriſtine, geb. den 14. Septbr.
30. Dem Lehrer an der hieſigen Muſterſchule Jacob Volk ein Sohn, Richard Johann Peter, geb. den 4. Septbr.
Beerdigte: N
11. Der hieſige Bürger und Todtengräber Johann Nico⸗ laus Milius, 7 den 9. September, alt 57 Jahre, 3 Monate und 22 Tage.
16. Eliſabethe Sophie Karoline Dauernheim, des weiland hieſigen Gr. Zolleinnehmers Joh. Martin Dauernheim eheliche ledige Tochter, alt 18 Jahre und 11 Monate, T den 14. September.
17. Anna Margaretha Landau, des Buͤrgers zu Großgerau und dermaligen Offizianten an der Eiſenbahn dahier Johannes Landau eheliches Töchterchen, alt 9 Monate und 12 Tage, 1 den 15. September.
22. Johannette Schreiber, geborne Häfner, des weiland hieſigen Bürgers und Bäckermeiſters Georg Schreiber nachgelaſſene Wittwe, alt 50 Jahre, t den 20. Septbr.
23. Wilhelmine Gatzert, geborne Wenzel, des hieſigen Buͤr⸗ gers und Bauaufſehers Peter Gatzert Ehefrau, alt 30 Jahre, 1 Monat und 1 Tag, k den 22. September
Markt⸗ Bericht. Friedberg, am 23. Oktober 1850.
— Aufgefahren] Verkauft ittel.
Gattung. wurden wurden A (Mltr.)(Mltr.) fl. kr. Walen 12 5 7 7 Korn minn 8 5 5 58 Gerſte 28 28 4 54 ee 25 19 3— SA 3 3 5 55 Kartoffeln 110 81 2 2 Mohnſamen 5 5 5 12—
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
Nr Bekanntmachung.
371) Montag den 4. November d. ee folgenden Tage, jedesmal von Vor⸗ mittags 9 Uhr an, ſollen in der Wohnung des Gaſtwirths und Oekonomen Chriſtian Carl zu Skar ben, nachfolgende, zu deſſen Concursmaſſe gehörige, größtentheils ſehr gut erhaltene Ge⸗
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genſtände, als: Commode, Schränke, Nacht⸗ tiſche, eine Brandkiſte, Bettladen, ein Ge⸗ wehrſchrank mit Glasthüre, mehrere Flinten, Piſtolen ꝛc. ꝛc., ferner Weißzeug, Bettzeug, Glaswerk, Steingut, Kupfer, Meſſing, Zinn, Eiſen, Blech, ein Kronleuchter, mehrere Wirth⸗ ſchaftsgeräthſchaften und ſonſtiger Hausrath, ſo⸗ wie endlich eine Chaiſe und eine vollſtändige noch neue Brandweinbrennerei, beſtehend aus einem Schwarz'ſchen Apparat— 120 Quart- füllung— drei Gährbütten, einem Vormaiſcher, einer Kartoffelmühle(Cplinder), Satzgefäßen,
Maiſchpumpe ꝛc. ꝛc., unter den im Termin be⸗ kannt gemacht werdenden Bedingungen öffentlich verſteigert werden. Die Brennerei und die Chaiſe werden Dienſtags Nachmittags zur Verſteigerung kommen. Großkarben am 11. Oktober 1850. Großh. Heſſ. Landgericht Jäger. Sartorius.
Edicetalladung.
(1622) Ruland Mörles Wtb. zu Beienheim entlieh— wann iſt nicht angegeben— bei
bedeul Leuchte Kanzel ſleine, lücher, Fri


