Ausgabe 
26.1.1850
 
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Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht,

daß nur allein die Hengſte von Heinrich Knauf zu Fiſchbach, Reg.-Bez. Alsfeld, von

Farbe hellbraun, ohne Abzeichen,

Johann Fiſcher J. zu Hutzdorf, Reg.-Bez. Alsfeld, von

Farbe kaſtanienbraun, ohne Abzeichen,

Jacob Eigenbrodt zu Oberwegfurth, Reg-Bez. Alsfeld, von Farbe kaſtanienbraun, mit weißen Hinterfuͤßen, Georg Schorck zu Loͤhrbach, Reg.-Bez. Heppenheim, von

Farbe Rothſchimmel, und

Leonhard Kröll zu Winterkaſten, Reg.-Bez. Erbach, von

Farbe Falbe mit Stern,

als zur Zucht tauglich erkannt, dagegen diejenigen des Johannes Schneider I. zu Gontershaußen, Reg.-Bez.

Alsfeld, von Farbe kaͤſtanienbraun mit durchgehender

Bläͤſſe,.

Johannes Höhle zu Marienhagen, Reg. Bez. Biedenkopf,

Adam Heilmann zu Bierbach, Reg. Bez. Dieburg, von Farbe kaſtanienbraun mit Stern, und

Hieronymus Scior zu Pfirsbach, Reg.-Bez. Erbach, von

Farbe ſchwarzbraun mit Sternchen für untauglich erachtet worden ſind.

Zugleich wird verordnet, daß außer den tauglich er kannten Hengſten, keine weiteren von Privatperſonen und insbeſondere nicht die oben bezeichneten untauglichen Hengſte zum Bedecken von Stuten bei Meidung einer den Contra venienten treffenden Strafe von 3 fl. bis 5 fl. verwendet werden dürfen.

Die Gr. Bürgermeiſter, Gendarmen und ſonſtige Polizeiofficianten, haben auf den Vollzug dieſer Bekannt machung zu achten und jede Zuwiderhandlung zur Anzeige zu bringen.

Friedberg den 20. Januar 1850.

Gr. Heſſ. Regierungs-Commiſſion des Regierungsbezirks Friedberg ui of er

Der Geigerler. Eine Erzählung von Berthold Auerbach. (Schluß.)

Auch ward es ihm nun wieder nachgeſehen, daß er den Kindern unter der Dorflinde an Sommerabenden vor geigen durfte. So lebte er nun auf's Neue friſch auf, und manchmal erblitzte wieder ſein alter Uebermuth. Als im Sommer darauf das neue Schulhaus zu bauen begon nen wurde, da war er beſtändig wie zauberiſch dorthin gebannt. Er ſaß auf dem Bauholze, auf den Steinen, und ſah mit beſtändiger Aufmerkſamkeit zu, hacken, graben und hämmern. Mit dem früheſten Morgen, wenn die Bauleute auf ihrer Arbeitsſtätte erſchienen, war der Geigerlex ſchon da, er war faſt wunderſam dorthin gebannt. Wenn die Werkleute nach drei Stunden Arbeit ihr Frühſtück ver zehrten, und wenn ſie am Mittag eine Stunde Raſt machten, und Kinder und Weiber kamen, die ihnen das Eſſen brach ten, da ſaß der Geigerlex immer unter den Ruhenden und Genießenden, und machte ihnenTafelmuſik, wie er's nannte. Viele aus dem Dorfe ſammelten ſich dazu, und 7 7 0 der ganze Bau eine ſommerlange einzige Luſt⸗

arkeit.

Der Geigerlex ſagte oft, jetzt ſehe er erſt recht, wie er ſo viel habe zu thun gehabt; er hätte ſollen überall

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ſein, meinte er, wo fröhliche Menſchen raſten; und Muſik könnte den magern Kartoffelbrei zum ſchmackhafteſten Lecker⸗ biſſen machen...

Ferne und unverſehens bereitete ſich aber auch ein unheilvolles Geſchick für unſern Geigerlex, und daran war der Amtmann ſchuld, der ihm doch ſo wohlwollte. Dieſer kam eines Tags mit einem jungen genial ausſehenden Manne, der geraume Zeit mit auf der Bruſt verſchränkten Armen vor dem Geigerlex, der eben in der Feierſtunde ſpielte, ſtehen blieb.

Das iſt der letzte Spielmann, von dem ich Dir erzählt, ſagte der Beamte,den mußt Du malen, er iſt unſer einziger Ueberreſt aus der alten Nomantik.

Und ſo geſchah's.

So ſehr auch der Alte Anfangs wiederſtrebte, und faſt mit Händen und Füßen dagegen ſchlug; er gab dem Drängen des Amtmanns endlich nach, und ließ ſich ab konterfeien. Mit bangem Zittern ſaß er vor der Staffelei, und wollte dann wieder jede Minute aufſtehen um nach- zuſchauen, was der Mann da macht. Der Maler aber geſtattete das nicht, und verſprach ihm das Bild zu zeigen, wenn es vollendet war. So ſaß nun der Alte viele Tage vor der Staffelei, und wenn er am Mittage den Ruhen⸗ den und Eſſenden wieder vorſpielte, waren es jetzt ſchwere Klageweiſen, nichts von den alten luſtigen Springen und Tänzen. ö

Als das Bild vollendet war, und der Geigerlex es ſehen durfte, ſchrie er beim erſten Anblicke wie raſend auf: Du verdammter Kerl, haſt mich geſtohlen! 6

Von dem Tage an, als der Maler fortgegangen war und das Bild mitgenommen hatte, war Geigerlex ganz verändert; er ging im Dorfe umher und redete viel mit ſich. Man hörte ihn manchmal murmeln:An die Wand genagelt geſtohlen! Der Geigerlex hat Tag und Nacht offene Augen und ſchaut von der Wand herunter, und ſchläft nicht, und ißt nicht und trinkt nicht geſtohlen!

Man brachte kaum mehr etwas Geſcheites aus ihm heraus. Auf ſeiner Geige aber ſpielte er die wunderſam ſten Weiſen, und dann lachte er bisweilen und ſagte: Ha ha, Du dort an der Wand angenagelt mit Deiner Geige, Du kannſt nicht ſpielen, Du biſt nicht der Rechte, da ſitzt er.

Noch Einmal flackerte der Lebensgeiſt im Geigerlex auf; es war der Tag, als der geſchmückte Tannenbaum auf den fertigen Giebel des neuen Schulhauſes geſteckt wurde. Die Zimmerleute kamen, ſonntäglich angethan, mit einer Muſikbande vorauf, um ihren Bauherrn, den Geigerlex, abzuholen. Er war den ganzen Tag über ſo voll Uebermuth wie in ſeinen beſten Jahren, er ſang, trank und ſpielte bis in die tiefe Nacht hinein, und am Morgen fand man ihn, den Fiedelbogen in der Hand, auf ſeinem Bette todt....

Manche Leute wollen in ſtiller Nacht, wenn es 12 Uhr ſchlägt, im Schulhauſe ein Klingen hören wie die zarteſten Geigentöne. Einige ſagen, es ſei das Inſtrument des Geigerlex, das, dem Schulhauſe vererbt, allein ſpiele. Andere wollen gar die Töne, die der Geigerlex beim Baue in Holz und Stein hineingeſpielt, in der Nacht heraus klingen laſſen. Jedenfalls werden die Kinder nach allen neuen rationellen Methoden in einem Hauſe unterrichtet, das von der Sage umſchwebt iſt.(Europa.)