Ausgabe 
25.5.1850
 
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Intelligenz-Vlatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M. 40.

Sonnabend den 25. Mai

1850.

Der corſiſche Dolch. (Schluß.)

Der arme Antonio war außer ſich: die Vorſtellung, daß die, welche er liebte und verehrte, von den ſchmutzigen Gedanken dieſes abſcheulichen Menſchen entweiht werde, machte ihm Schwindel. Aber er bezwang ſeine aufſtei gende Wuth einem ſolchen Verbrecher gegenuber.

Ich liebe Angeluccia und will ſie zu meiner Frau machen, ſagte er mit Würde.

Auch gut, die Sache wird ſich machen mit uns, Dein Vater iſt reich, er wird für Roballini bezahlen.

Mein Vater würde bezahlen, wenn Deine For⸗ derungen ſich nicht fortwährend ſteigerten, entgegnete Antonio;eben um dieſe Sache zu einem endlichen Ab ſchluß zu bringen, ſuche ich Dich ſeit acht Tagen. Ich komme, um Dich mit klingendem Silber abzufinden.

Weil ſich's nicht mit Blei machen ließ, entgeg nete der Bandit, indem er mit den Flintenkolben an ſeine Sandalen ſchlug.Doch laſſen wir das; ich nehme den Vorſchlag an.

Wie viel verlangſt Du, um, wenn es einmal be⸗ zahlt iſt, auf jeden Verſuch, Dich zu rächen, Verzicht zu leiſten? fragte Antonio,und welche Garantie werden wir haben, daß Du getreulich hälſt, was Du verſprichſt?

Und worauf ich mein Wort gebe! rief Santo! und warf trotzig den Kopf zurück.»Ich denke nicht, daß irgend Jemand ſagen könnte, ich hätte irgend ein Mal mein Wort nicht gehalten. Das war richtig: Santo raubte, mordete, aber nie hat er gelogen.

Beſtimme die Summe! ſagte Antonio.

Pietro Santo überlegte einen Augenblick, dann aber nannte er eine Zahl, welche Antonio in einen Ausruf der Verwunderung ausbrechen ließ.Das ganze Vermögen meines Vaters reicht nicht aus, um Deiner Forderung zu genügen, ſagte er.

Nun, dann reden wir nicht weiter davon. Ange⸗ luccia iſt eine gute Tochter, und ſie wird ſich opfern, um ihren Vater zu retten. Der Bandit wußte recht wohl, wo Antonio zu treffen war.

Und Du wirſt Angeluccia umbringen? ſchrie der unglückliche junge Mann, indem er wüthend ſeine unbe waffneten Hände rang,Du wirſt ſie ermorden?...

Verſteht ſich! ſagte kaltblütig der Bandit, indem er friſches Pulver auf ſeine Flinte ſchüttete.

Die Geduld Antonio's näherte ſich ihrem Ende, er

hatte kein Verlangen mehr, als mit eignen Händen dieſes Ungeheuer zu erwürgen, welches ſich ein Vergnügen aus ſeiner Verzweiflung zu machen ſchien. Vielleicht ging er einem gewiſſen Tod entgegen, wenn er ſich auf denſelben warf, aber ſchon war er im Begriffe, dieß dennoch zu wagen, als ihm plötzlich eine Idee beikam. Er ſuchte ſeine Ruhe wieder zu gewinnen und näherte ſich dem Banditen, deſſen Gewehr ſtets auf ihn gerichtet war.Nein, Santo, ſagte er, ſich zu lächeln zwingend,ſey vernünftig und verkaufe mir mein Glück ein wenig billiger. Ich ver ſpreche Dir dafür, ein Pater und ein Ave für Dich zu ſprechen am Tage meiner Hochzeit.

Der Bandit nahm ehrfurchtsvoll ſeine Mütze ab.

Na, das iſt das erſte geſcheite Wort, das Du ſeit unſerem Zuſammenſeyn geſprochen haſt, ſagte er mit zerknirſchter Miene,gut, für das Pater und Ave will ich ein Opfer bringen.

Wie viel! forſchte der junge Mann.

Die Hälfte der Summe, entgegnete der Bandit.

Antonio machte eine Geberde der Freude.

Das heißt nämlich: unter der Bedingung, fügte Santo hinzu,daß Du und Dein Vater euch verpflichtet, die andre Hälfte nächſtes Jahr abzutragen.

Antonio ſah nun wohl ein, daß ſich die Angelegen heit nicht nach Wunſch ermitteln ließ.Theile es anſtatt in zwei Zahlungsfriſten in drei, ſagte er.

Pietro Santo ſah ihn mit einem mißtrauiſchen Blicke an.Nun, ſo wirſt Du drei Ave ſprechen? entgegnete er.

Machen wir's ſo, ſagte Antonio,und bringen wir die Sache gleich hier in's Reine. Ich werde Dir ein Stück Papier und einen Bleiſtift geben. Du kannſt genug ſchreiben, um mir die Bedingungen ſelbſt aufzuſetzen. Dieſe werde ich zu meinem Vater tragen, der ſie voll ziehen wird. In drei Tagen ſollſt Du meine Antwort aben.

öWenn Du nicht verliebt wäreſt, verſetzte der Ban dit, ſo würde ich glauben, daß dies eine Finte wäre, mit welcher Du aus meinen Händen entſchlüpfen wollteſt. Aber ich habe keine Furcht; Angeluccia iſt da, welche für Alles einſtehen wird... gib Dein Papier her.

Die Gier nach Gewinn überwog die Klugheit.

Antonio war ſehr blaß geworden. Er knöpfte ſeine Weſte auf und ſteckte die Hand hinein, als ob er dort das Papier und den Bleiſtift ſuchen wollte, die der Bandit bedurfte. Ein ſchwacher Laut, wie von einem metalliſchen Gegenſtande ausgehend, kaum merklich, ließ ſich hören.