Ausgabe 
23.1.1850
 
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Der Geigerlex geſtand ſein Vergehen offenherzig ein. Er hatte die ſeltſame Eigenheit, daß er faſt in jeder Taſche ein Schächtelchen mit Reibzündhölzchen trug, um nie fehl⸗ zugreifen, wenn er ſeine Pfeife anzünden wollte. Wenn man ihn beſuchte, und wenn er wohin kam, ſpielte er immer damit, daß er eines der Hölzchen raſch entzünden machte. Oft und oft ſagte er dabei:Es iſt doch ſchänd⸗ lich, daß das erſt jetzt aufkommt, wo ich bald abkratzen muß. Schaut, wie das geht, wie der Blitz. Wenn ich's zuſammenrechne, habe ich Jahre Zeit verloren mit dem Feuerſchlagen, der Alte da oben muß mir dafür zehn Jahre Zulag geben zu den ſiebzig Jahren, die mir gehören.

Aus dieſer faſt kindiſchen Spielerei war aller Wahr⸗ ſcheinlichkeit nach der Brand entſtanden, und der Amtmann ſagte mit Bedauern, daß er ihn wegen unvorſichtigen Umgehens mit Feuer dem Geſetze gemäß beſtrafen müſſe. Es iſt nur gut, ſetzte er indeß hinzu,Ihr ſeid eigentlich der letzte Spielmann; in unſerer Zeit voll gries grämiger Wichtigthuerei ſeid Ihr ein Ueberreſt aus der vergangenen luſtig ſorgloſen Welt, es wäre ſchade, wenn Ihr ſo jämmerlich umgekommen wäret.

Und bei meinem geſunden Durſt verbrennen, das wäre gar zu dumm! Herr Amtmann, ich hätte ſollen Pfarrer werden, ich hätte den Menſchen gepredigt: Macht Euch nichts aus dem Leben, und es kann Euch nichts an⸗ haben; ſchaut Euch Alles wie eine Narrethei an, und Ihr ſeid die Geſcheiteſten; und gibts noch auf der andern Welt eine Nachkirchweihe, ſo tanzen wir ſie auch mit! Wenn die Welt immer luſtig wär', nichts thät' als ar beiten und tanzen, brauchte man keine Schullehrer, nicht ſchreiben und leſen lernen, keine Pfarrer, und mit Ver⸗ laub zu ſagen, auch keine Beamte. Die ganze Welt iſt eine große Geige, die Saiten ſind aufgeſpannt, der luſtige Herrgott verſtünde es ſchon, darauf zu ſpielen, aber er muß immer an den Schrauben am Halſe das ſind die Herren Pfarrer und Beamte drehen und drücken, und es iſt alles nichts als ein Probiren und Stimmen, und der Tanz will nie losgehen.

Solcherlei Rede führte der Geigerlex und der Amtmann nahm wohlwollenden Abſchied von ihm. Wir aber bleiben, und wollen die Geſchichte dieſes Mannes erkunden.

Es ſind jetzt nahezu dreißig Jahre, ſeit der Geiger lex im Dorfe iſt, gerade ſo lange als die neue Kirche ein⸗ geweiht wurde. Damals kam er in das Dorf und ſpielte drei Tage und drei Nächte, nur einige Morgenſtunden ausgeſetzt, faſt unaufhörlich die tollſten Weiſen. Abergläubige Leute munkelten, das müſſe der Teufel ſein, der ſoviel Uebermuth aus dem Inſtrumente zu locken vermag, der Niemandeu ruhen und raſten ließ, der ihm zuhörte, wie er ſelbſt kaum der Ruhe zu bedürfen ſchien. Er während dieſer ganzen Zeit kaum einen Biſſen und trank nur, aber in mächtigen Zügen, während der Pauſen. Manch⸗ mal war's, als bewegte er ſich gar nicht, er legte nur den Fiedelbogen auf die Saiten und helle Töne ſprangen daraus hervor, der Fiedelbogen hüpfte faſt von ſelbſt in kurzen Sätzen auf und nieder.

Hei! was war das ein Raſen und Springen auf dem großen Tanzboden in derSonne!

Einmal rief die Wirthin, eine behaglich runde Wittwe, während einer Pauſe:Spielmann! halt' doch einmal ein, alles Vieh im Dorfe verklagt Dich, und muß faſt verkommen, die Burſchen und Mädchen gehen nicht heim zum Füttern. Wenn Du's nicht wegen der Menſchen thuſt, um des lieben Vieh's wegen halt doch ein!

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Recht ſo, rief der Geigerler,da könnt Ihr's ſehen, wie der Menſch das edelſte Weſen auf der Erde iſt, der Menſch allein kann tanzen, Paarweiſe tanzen. Wirthin, wenn Du einen Tanz mit mir machſt, dann hör' ich eine Stunde auf.

Er ſtieg von dem Tiſche herunter. Alles drang in die Wirthin bis ſie nachgab. Sie mußte ihn um die Hüfte faſſen; er aber hielt ſeine Geige, entlockte ihr noch nie gehörte Töne und in ſolch ſeltſamer Stellung, ſpielend und tanzend, drehten ſie ſich im Kreiſe und zuletzt hörte er wie mit einem hellen Jauchzen auf, umfaßte die Wirthin und gab ihr einen herzhaften Kuß. Er erhielt dafur einen eben ſo herzhaften Schlag auf den Backen. Das 1 und das Andere geſchah indeſſen in Friede und Luſt

arkeit.

Von jener Zeit an blieb der Geigerlex im Hauſe der Sonnenwirthin. Er niſtete ſich dort ein, und wenn eine Luſtbarkeit in der Umgegend war, ſpielte er auf, kehrte aber immer wieder regelmäßig zurück, und es war weit und breit kein Dorf und kein Haus, in dem mehr getanzt wurde als bei der runden Sonnenwirthin.

Der Geigerler benahm ſich im Hauſe als dazu ge⸗ hörig, er bediente die Gäſte(zur Feldarbeit kam er nie), unterhielt alle Ankommenden, machte bisweilen ein Karten ſpiel und wußte den neu angekommenen Wein trefflich zu loben.Wir haben wieder einen friſchen Tropfen; ver ſchmeckt ihn nur, in dem Wein da iſt Muſik drin! Ueber alles was das Wirthshaus betraf, ſprach er mit der Redensart: Wir.Wir liegen auf der Straß', man 1. über uns ſtolpern, wir haben den beſten Keller n

Der Jahrstag der Kircheneinweihung kam wieder, und der Geigerler war noch immer da.

Heute iſt mein Purzeltag, heut' bin ich hier auf die Welt kommen! ſo rief er, und ſeine Geige war luſtiger als je.

Man konnte ſich im Dorfe und in der ganzen Gegend das Wirthshauszur Sonne gar nicht mehr denken ohne den Geigerlexr. Die Wirthin aber dachte ſich's doch viel leicht anders. Als der zweite Jahrestag der Kirchweihe vorüber war, faßte ſie ſich ein Herz und ſagte:Lex, Du biſt mir lieb und werth; Du bezahlſt, was Du verzehrſt; aber möchteſt Du nicht auch wieder einmal probiren, wie ſich's unter einem andern Dache hauſt; Wie meinſt?

Mir gefällt's bei uns! Wer gut ſitzt, ſoll nicht rücken, ſagt man im Sprüchwort.

Die Wirthin ſchwieg.

Wieder vergingen einige Wochen, da begann ſie abermals:Lex, nicht wahr, Du meinſt's gut mit mir?,

Nechtſchaffen gut,

Hör', es iſt nur wegen der Leute, ich leg' Dir nichts in den Weg, aber weißt, es iſt ein⸗Gerede Du

kannſt ja wiederkommen, nach ein Paar Monaten. Wenn Du wiederkommſt, ſteht Dir mein Haus offen.

Ich geh' nicht weg, da brauch' ich nicht wieder kommen.

Mach' jetzt keine Späß', Du mußt fort.

Ja, zwingen kannſt Du mich. Geh'nauf in meine Kammer, pack meine Sachen in einen Bündel, und wirf ſie auf die Straße. Fleck.

Anders kriegſt Du mich nicht vom

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