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bild meiner erregten Phantaſie ſein? war es moglich, daß ich die Conturen der jetzt, trotz der Dämmerung immer noch genau erkennbaren Geſtalt nur träume oder denke? Ich blieb plötzlich ſtehen und hielt den Blick feſt und un⸗ verwandt auf die Figur geheftet. Da verſchwammen die Umriſſe mehr und mehr mit dem, jetzt dunkel dahinter lagernden Feld, zuerſt verſchwand der Tſchako— die Uniform— ich ſah nur noch das blitzende Gewehr, das Bandelier, die helleren Beinkleider— auch dieſe wurden immer undeutlicher— das Alles zog ſich wie ein leichter, wehender Nebel in den feuchten Grund— der Körper, wenn es überhaupt ein Körper geweſen, lief flüſſig, in luftigen Hauchen aus einander, und zuletzt war gar nichts mehr zu erkennen—. Doch nein, das weiße Bandelier ſtach noch immer ſcharf und deutlich gegen den düſtern Hintergrund ab— ich konnte deutlich die Kappe ſehen, in der das Seitengewehr hing.— War denn auch das Täuſchung?— wenigſtens davon wollte ich mich noch überzeugen, denn wenn ich auch unbeweglich wohl zehn Minuten auf meiner Stelle ſtehen blieb, der Schein des Bandeliers regte ſich eben ſo wenig, und hing, wie es faſt ausſah, von einer unſichtbaren Gewalt getragen, in der Luft.“
„Je näher ich kam, deſto deutlicher ließ es ſich unter⸗ ſcheiden, und ſchon ſtand ich, kaum noch fünf Schritt da⸗ von entfernt, als ich...“
„Herr Gott— was war das?“ rief die Frau ploͤtz⸗ lich und fuhr erſchreckt auf. Der Verwalter ſchwieg und ſelbſt der Paſtor warf einen flüchtigen ſcheuen Blick im Zimmer umher.
„Was haſt Du denn?“ ſagte er dann und verſuchte zu lächeln,„Du jagſt Einem ja ordentlich Schreck ein.“
„Hörteſt Du nichts?, ſagte die Frau und ſah leichen⸗ blaß aus,„mir war es, als ob Jemand um Hülfe ſchrie...“
„Die erregte Einbildungskraft,“ beruhigte ſie der Schulmeiſter,„wir haben Alle ein gutes Gehör, Frau Paſtorin, verlaſſen Sie ſich darauf, hätte wirklich Jemand gerufen, es wäre uns nicht entgangen, die Erzählung hat Ihre Nerven aufgereizt, das unbedeutendſte Geräuſch er— ſchreckt uns dann; bitte, Herr Verwalter, fahren Sie fort.“
Der Paſtor war aufgeſtanden und wiſchte mit ſeinem Taſchentuch den Hauch von dem Fenſter, um hinausſehen zu können; bei dem augenblicklichen Schweigen hörten ſie, wie der Regen polternd gegen die Scheiben klapperte und draußen auf dem gepflaſterten Hofe laut und klatſchend aufſchlug. Der Verwalter, welcher während der ganzen Unterbrechung, die übrigens nicht ſo lange gedauert, als
ich hier gebraucht, ſie zu beſchreiben, ſeine Stellung kaum
ſo weit verändert, daß er bei dem erſten Ruf den Kopf etwas erhob, jetzt aber wieder eben ſo ſtill und in ſeinen Gedanken verloren in dieſelbe Ecke ſtarrte als vorhin, fuhr augenſcheinlich mehr mit ſich ſelbſt ſprechend,, wie zu den Andern gewandt, mit leiſerer Stimme als vorher alſo fort: „Fünf Schritte mochte ich noch davon entfernt ſein, als ich erſt in dieſem hellen Bandelier weiter nichts wie— einen einfachen Streifen weißen Sandes erkannte, der ſich hier, von dunkler Erde und hohem Graſe umgeben, viel—⸗ leicht zwei Schritt lang auf dem Boden herzog. Aber— ich berührte ihn mit dem Fuße— die Stelle war erhöht, ſelbſt das immer mehr ſchwindende Licht warf noch ſeinen letzten düſtern Schein über den kleinen flachen Hügel.— Es war ein Grab und hier unten— wie mit einem elektriſchen Schlage durchzuckte es meinen ganzen Körper — viele Minuten ſtand ich, meiner ſelbſt kaum mächtig, auf der einſamen Stelle.— Plötzlich— ich konnte mir im Anfang nicht einmal Rechenſchaft darüber geben— raffte ich mich empor und floh, ſo ſchnell mich meine Fuße trugen, zu meinem Freund, dem Förſter zurück.“
„Der Ring, der Ring— das war der einzige Ge— danke, den ich mit Bewußtſein feſthalten konnte— der Ring des todten Soldaten, und bleich und athemlos er⸗ reichte ich bald darauf ſein Haus wieder. Er erſchrack, als er mich in dieſem Zuſtande ſah,— er wollte—“
Der Verwalter ſchwieg plötzlich, ſtand auf, ging zum Fenſter und trat von dieſem wieder zum Tiſch zurück.
„Und der Ring?“ frugen der Paſtor und der Schul⸗ meiſter geſpannt.
(Fortſetzung folgt.)
Markt⸗ Bericht. Friedberg, am 18. September 1850.
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Aufgefahren] Verkauft: g
Gattung. wurden wurden e (Mltr.)(Mltr.) fl. kr.
Wajzen 55 55 8 +7 Korm me 4 4 5 35 Gerſte. 0 40 35 4 31 Hafer 41 29 29 2 47 Erbſen. 10———— Kartoffeln. 15 9 1 40 Mohnſamen.————
Bekanntmachungen von Be⸗ hörden.
N ινινν Bekanntmachung.
(1469) Freitag den 27. September l. J., Vormittags um 9 Uhr, ſoll auf dem Rathhaus zu Okarben das zur Concursmaſſe des Oeco⸗ nomen Chriſtian Carl gehörige Immobiliarver⸗ mögen, beſtehend aus einem in modernem Style neu erbauten, maſſiven, zweiſtöckigen Wohnhaus mit Scheuer, Stallung und Brennerei, ſodann etwa 120 Morgen Gelände, meiſtens von vor⸗ züglicher Güte, und Letzteres in Parzellen, unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Be⸗ dingungen, öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Im Termin
Dienſtag den 1. Oktober, Vormittags 10 Uhr, wird das Gut mit Gelände im Ganzen dem öffentlichen Verkaufe ausgeſetzt und bei annehm⸗ barem Gebote, je nach dem Ergebniß der Ver⸗ ſteigerungen, dem Parzellenverkauf oder dem
Gutsverkauf im Ganzen der unbedingte Zuſchlag alsbald ertheilt werden. Großkarben am 10. September 1850. Großh. Heſſ. Landgericht Jäger. Sartorius.
O bſt⸗ Verſteigerung.
(1512) Dienſtag den 24. d. M., Nachmit⸗ tags 1 Uhr, ſoll die diesjährige Gemeinde⸗ Obſterndte, beſtehend in circa 150 Malter Aepfel und 8 bis 10 Malter Birnen, an Ort und Stelle verſteigert werden. Schwalheim den 16. September 1850. Der Bürgermeiſter Reimer.
Bekanntmachung.
(969) Im Intereſſe des handelnden Publi⸗ kums wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß ge⸗ bracht, daß der Stadt Friedberg von Großh. Miniſterium zu Darmſtadt die Abhaltung von weiteren vier Viehmärkten genehmigt wurde, von welchen in dieſem Jahre an folgenden Tagen abgehalten werden, als:
1) den letzten Mittwoch vor Michaeli, 25. Sept., 2) den letzten Mittwoch vor Simon Judä, 23. Okt. 3) den erſten Mittwoch nach Martini, 13. Nobr. Die Gr. Bürgermeiſter werden erſucht dieſes in ihren Gemeinden bekannt machen zu laſſen. Friedberg den 19. Juni 1850. 5 Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Edicetalla dung.
(1518) ueber das Vermögen des Philipp Schneider J. zu Södel iſt der Concurs erkannt worden. Anſprüche jeder Art find deßhalb im Termin Mittwoch den 13. November d. J., Morgens 8 Uhr,
bei Meidung des ohne beſonderes Präelufidecret erfolgenden Ausſchluſſes von der Maſſe dahier anzuzeigen und zu begründen. In dem Termin ſoll zugleich ein Arrangement verſucht, und, wenn ein ſolches nicht zu Stande kommt, über die Wahl eines Curators und Verwaltung der Maſſe verhandelt werden. Gläubiger die nicht in Selbſtperſon erſcheinen, haben ihre Mandanten
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