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Der Kranke regt ſich jetzt, aus einem ſtärkenden Schlummer erwachend, in der Kammer und ſeine Frau tritt eben in die Stube, aus der Apotheke zurückkehrend, und ſtaunt über den vornehmen Beſuch.
Die ſchöne Dame erhält leicht die Erlaubniß, die kleine Emmy mit hinüber zur Beſcheerung zu nehmen, und auf ihren Armen trägt ſie jubelnd das Kind in den frohen, glänzenden Kreis, gefolgt von Robert, der jetzt fühlt, daß er nichts Strafwürdiges begangen, indem er ſeine Beſcheerung mit Emmy getheilt.
Dem kranken Manne aber und ſeiner Frau wurde ſofort Speiſe und Labung hinübergeſchickt von der glück⸗ lichen Mutter.—
Die Saat des Guten liegt in jeder Kinderbruſt. Lockert den Boden nur und hegt und pflegt die junge Pflanze, und ſie wird gedeihen für das ganze Leben. Die erſte fromme Thräne, dem Kindesauge entlockt, iſt Segens— thau für dieſen Boden.
VI.
Im warmen Dachſtuͤbchen ein junger, dunkellockiger Mann. Geiſt und Schwärmerei in Aug' und Mienen, über dem friſchen Mund ein ſchwarzes Bärtchen— die Geſtalt ſchlank und biegſam.— Er ſchiebt das Collegien⸗ heft, woran er beim Lampenſchimmer emſig geſchrieben, bei Seite, erhebt ſich und tritt an's Fenſter. Er öffnet und lehnt ſich hinaus, trotzdem, daß der Nordwind erkäl⸗ tend über die Dächer ſtreicht.—
Nach den erleuchteten Fenſtern in der zweiten Etage gegenüber richtet er ſeine Blicke.
Seine Heimath iſt fern im Gebirge. Dort hat er Eltern und Geſchwiſter— der Vater iſt Landprediger.— Seine Gedanken fliegen dorthin in das Vaterhaus. Jetzt ſind die Lieben Alle um den Weihnachtsbaum verſammelt und gedenken auch ſeiner. Das bevorſtehende Examen hat ihn in der Stadt feſtgehalten; auch wäre die Reiſe in's Vaterhaus zu beſchwerlich und koſtſpielig geweſen.
Er muß ſich in Geduld faſſen. Zu Neujahr erhält er die Geſchenke von Eltern und Schweſtern, und im kommenden Frühling zieht er ſelbſt heim in die grünen Berge.—
l Seine Sehnſucht und ſeine Gedanken kehren jetzt zurück von der geliebten Heimathsſtätte und ſchwärmen wieder hinüber nach den lichten Fenſtern.
Er ſummt leiſe für ſich in die Nachtluft hinaus:
„Ach wärſt Du doch mein eigen, Wie lieb ſollt'ſt Du mir ſein.“
— Bald darauf wird drüben an den Scheiben eine Mädchengeſtalt ſichtbar. Der Schatten begränzt deutlich gegen die blendende Helle, welche aus dem Hintergrunde der Stube bricht, die Umriſſe eines reizenden Lockenkopfes. Jetzt hebt ſie die Hand von der Bruſt aufwärts, und wie mit magnetiſcher Kraft wirkt dieſe Bewegung herüber und durchſchauert mit ſüßer Wonne den Jüngling.
Dann verſchwindet ſie. Der junge Mann aber lehnt noch immer heraus, die Blicke auf das theure Fenſter, wo die geliebte Erſcheinung aufgetaucht, gerichtet.
Da öffnet ſich leiſe die Thüre, Etwas fällt auf den Boden und raſch wird die Thüre wieder zugeſchlagen.
Der Träumer ſpringt vom Fenſter zurück, er ſieht etwas Weißes auf dem Boden ſchimmern. Es iſt ein Papierumſchlag und als dieſer unter ſeinen haſtigen Fingern fällt, taucht eine allerliebſte, goldgeſtickte Brieftaſche her⸗ vor. Auf dem innern Deckel prangt in einer Roſenguir⸗ lande der Buchſtabe A.
„Amalie!“ jubelt der junge Mann und preßt das Geſchenk an Herz und Lippen.— Er eilt wieder an's
Fenſter— und auch drüben wird die Geſtalt ſichtbar, doch nur auf einen Augenblick.— Wie eine Trophäe hält er ſein Weihnachtsgeſchenk hoch empor. i S
Aber jetzt hält es ihn nicht länger in der engen niedrigen Stube. Er wirft ſich in die Kleider und ſtürmt fort. Er muß in heitere Geſellſchaft; denn ſtumme Freude iſt nur halbe Freude.—
(Fortſetzung folgt.)
Kirchenbuchs⸗-Auszug vom Monat Novbr.
Friedberg.
Getraute:
10. Franz Witzenbacher, des zu Lorſch verſtorbenen Buͤr— gers und Domänenboten Franz Witzenbacher hinter⸗ bliebener ehlicher lediger Sohn, Secretär an hieſiger Eiſenbahnſtation, und Helene Jordis, des hieſigen Bür⸗ gers Johann Heinrich Jordis ehliche ledige Tochter.
17. Heinrich Lotz, des verſtorbenen Schultheißen Johannes Lotz zu Niederbeſſingen hinterbliebener ehlicher Sohn, Ortsbürger zu Berſtadt und Bureaudiener bei hieſiger Section der Main-Weſer⸗Bahn, und Margaretha Eliſa⸗ betha Schulze, des dahier verſtorbenen Bürgers und Glaſermeiſters Conrad Auguſt Schulze, hinterbliebene ehliche Tochter. f 5
Nachtrag.
5. September. Jacob Morſchel, des zu Obermörlen ver⸗ ſtorbenen Burgers und Maurermeiſters Johannes Morſchel hinterbliebener ehlicher lediger Sohn, Bürger und Maurermeiſter dahier, und Eva König, des zu Obermörlen verſtorbenen Bürgers und Wirthes Johan⸗ nes König, hinterbliebene ehliche ledige Tochter.
Getaufte:
3. Ein unehlicher Sohn, Heinrich Jacob, geb. den 28. October.
3. Dem hieſigen Bürger und Metzgermeiſter Joh. Nicolaus Eugel eine Tochter, Anna Katharina Eliſabetha, geb. den 10. Oktober.
3. Dem hieſigen Bürger und Oekonomen Chriſtian Glocken⸗ gießer eine Tochter, Anna Katharina, geb. den 20. Oktober.
7. Dem hieſigen Burger, Oekonomen und Metzgermeiſter Johannes Heinrich Walz III. eine Tochter, Maria Margaretha Katharina, geb. den 1. Oktober.
7. Dem hieſigen Bürger und Rothgerbermeiſter Peter Decher ein Sohn, Joh. Friedrich Wilhelm, geb. den 19. Oktober.
10. Dem hieſigen Bürger und Drehermeiſter Jakob Stark eine Tochter, Anna Maria Eliſabetha, geb. den 31. Oktober.
17. Dem hieſigen Bürger und Schuhmachermeiſter Philipp Weckerling ein Sohn, Friederich, geb. den 23. Oktober.
17. Dem hieſigen Landgerichtsdiener Jacob Schmitt ein Sohn, Jacob, geb. den 8. November.
21. Dem hieſigen Bürger und Mehlhändler Adam Rauſch II. ein Sohn, Johann Wilhelm, geb. den 1. November.
22. Dem hieſigen Bürger und Schneidermeiſter Konrad Fauſt eine Tochter, Auguſte, geb. den 30. Oktober.
22. Dem hieſigen Bürger und Metzgermeiſter Johannes
Hanſtein III. eine Tochter, Katharine Louiſe, geb. den 2. November. 24. Dem Feldwebel im 2. Bataillon des 4. Gr. Infanterie⸗ Regimentes Stephan Bender dahier, ein Sohn, Chriſtoph, geb. den 11. November. N
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