Ausgabe 
18.9.1850
 
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Intelligenz-Vlatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M73.

Mittwoch den 18. September

1850.

Die Ahnung. Nach einer wahren Begebenheit. Von Fr. Gerſtäcker. (Fortſetzung.)

Vorbedeutungen, Ahnungen! ſagte der Verwalter lopfſchüttelnd, und hielt dabei den brennenden Fidibus auf tie Pfeife, ohne jedoch den Blick zu erheben, der ſich von da an feſt und unbeweglich in die eine Zimmerecke heftete, das ſind am Ende nur immer verſchiedene Worte für eine und dieſelbe Bedeutung. Doch zu meiner Erzählung eus der ſich jeder ſeinen Schluß ſelber ziehen mag, denn ich ſelbſt kann nichts weiter als die Thatſachen geben. Es war nach dem letzten Kriege; mein Bruder Karl, ein tüchtiger, ſtattlicher Burſche, hatte ſich auch anwerben und päter nie wieder etwas von ſich hören laſſen. Bei Leip⸗ ig wollten ſie ihn zuletzt geſehen haben; bis dahin dien⸗ en wenigſtens Landsleute aus demſelben Ort, in dem zämlichen Regiment mit ihm, und er ließ mich auch ein⸗ mal in einem von den Briefen grüßen. Nachher blieb er verſchollen und zehn Jahre, die ebenfalls verfloſſen, ohne gaß ich die mindeſte Nachricht erhielt, nahmen mir endlich en letzten Zweifel, daß er in jener blutigen Schlacht ge allen.

Nach dieſer Zeit, und als der Friede ſchon lange wieder ſeine ſegensreichen Früchte getragen, verwaltete ich in der Nähe von Grimma, eine kurze Strecke von Leipzig entfernt, ein Gut, ſchaffte im Juni meine Wolle in die Stadt, zum dort gehaltenen Markte, verkaufte ſie, und ſchickte, weil ich noch bei Thräna einen Freund beſuchen wollte, den Wagen von dort aus allein voraus. Dort jam das Geſpräch, ich weiß jetzt ſelbſt eigentlich nicht niehr recht wie, auf die frühere Kriegszeit und auf unſere gefallenen Freunde und Brüder, wobei ich äußerte, wie chmerzlich es doch für die Hinterbliebenen ſein müſſe, nicht einmal zu wiſſen, wo die geliebten Todten begraben gen und ob ſie überhaupt ein ehrliches Soldatengrab bekommen hätten.

Du lieber Gott, meinte hierauf mein Freund, der vortige Förſter,da iſt wohl Mancher wochenlang im lie zen Walde liegen geblieben, oder, was noch ſchlimmer iſt, nit der ganzen Maſſe in eine große Grube geworfen, und wie Viele wurden noch vorher von den Koſacken und anderem Volk geplündert und gemißhandelt, ich

age Dir, Bernhard, ich habe da ſchauerliche Dinge mit

angeſehen. Ich erinnere mich noch an einen armen Teu⸗ fel, dem halten ſie drei Kugeln in die Bruſt geſchoſſen und er lebte immer noch. Von den Unſern waren dabei Leute hinausgeſchickt, die Gebliebenen aus dem Wege zu ſchaffen und in ein Loch zu werfen; die aber natürlich, bei denen ſie noch Leben fanden, die legten ſie bei Seite, bis ſie fertig waren, und dann konnten ſie gewöhnlich bei denen wieder von vorn anfangen. Der Verwundete nun, der unter einer Eiche lag, ſtreckte die Hand nach mir aus und bat mich, ihm zu helfen, lieber Gott, was konnte ich für ihn thun, die Zunge klebte ihm ſchon am Gau⸗ men und er brachte kein Wort mehr über die Lippen; ſelbſt einen Trunk Waſſer, den ich ihm reichte, vermochte er nicht mehr hinunterzuſchlucken. Während ich ihn noch im Arme hielt, holte er ſeinen letzten Athemzug, und als ich ihm die Uniform aufriß, nach ſeiner Wunde zu ſehen, fiel er, eine Leiche, zurück. Auf der bloßen Bruſt fand ich aber einen Ring, den ich zum Andenken mitnahm und den armen Teufel dafür draußen am Waldesrand, etwa eine Stunde von hier, und nicht weit von dort, wo jetzt der Fußpfad in die große Straße einläuft, warm und weich in die Erde bettete. So lautete ſeine Erzählung, und er wollte mir den Ring, noch ehe ich fortging, zeigen, bald nachher aber kamen wir auf ein anderes Geſpräch und vergaſſen ihn. Gegen Abend endlich, denn ich hatte nun noch volle drei Stunden zu marſchiren, und der Mond ging etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang auf, nahm ich Abſchied von meinem Freunde und machte mich, nach dem er mir einen nähern Pfad durch's Holz gezeigt, auf den Heimweg.

Die Sonne ſank eben hinter den Wipfeln nieder, als ich ausmarſchirte, und im Walde dämmerte es ſchon; meinen Pfad konnte ich aber nichtsdeſtoweniger deutlich genug erkennen, und ſchritt rüſtig darauf vorwärts, bis ich von fern das hellere Licht des offenen Feldes durch die Bäume ſchimmern ſah; bald darauf erreichte ich die äußerſte Grenze des Waldes und vor mir, vielleicht noch eine Viertelſtunde entfernt, lief die Ch auſſee, die ſich ganz genau an den Pappeln unterſcheiden ließ. Ich uͤberflog die ausgedehnte Fläche mit meinem Blick, um nach den nächſten Thürmen genau die Stelle beſtimmen zu können, wo ich mich eigentlich befand, als ich in gar nicht großer Ent⸗ fernung und mitten auf einer kleinen feuchten Wieſe einen einzelnen Menſchen, und als ich näher hinſah, einen Sol daten erkannte, der hier allem Anſchein nach und mit dem Gewehr im Arme, Schildwache ſtand.