Ausgabe 
17.8.1850
 
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Mädchen, erwiderte der Kapitän mit einer Bewegung, die ſelbſt er nicht unterdrücken konnte,und Alle, die da⸗ rauf waren, ſind auch mit verſunken! Da warf ſie ſich um meinen Nacken und weinte bitterlich. Einer der Ma troſen, der ſah, wie durchnäßt vom Seewaſſer ſie war und wie ſie vor Froſt bebte, gab mir ſeine Jacke, in welche ich ſie einhüllte und, erſchöpft an Geiſt und Körper, weinte ſie ſich bald auf meinem Schooß in Schlaf. Als ſie aber wieder erwachte, erneuerte ſie ihre Klagen um ihrenar⸗ men Vater und ihre arme Mutter.

Als es ſich allmählich etwas im Boote geordnet hatte, wurde unſer einziges Faß Zwieback zur Vertheilung ge offnet, aber er hatte durch das Seewaſſer gelitten; nur einige waren brauchbar, und dieſe wurden zu gleichen Theilen unter uns vertheilt. Auch das Waſſer wurde ausgetheilt, der Kapitän ſelbſt beſorgte dieß, indem er für Jeden einzeln es in eine Taſſe füllte, um zu verhindern, daß die unglücklichen Erſchöpften mehr nähmen als auf ſie kam. Katharinens Augen folgten der Taſſe, als ſie her umging, mit einem Blicke, der zeigte, daß ſie vor Durſt faſt verging, dennoch äußerte ſie nicht ein Wort. Auf meine Bitte goß der Kapitän das für mich und ſie Be⸗ ſtimmte zuſammen. Mein Schlund war trocken, aber ich netzte nur meine Lippen und gab dann die Taſſe dem blaſſen, leidenden Kinde; ſie verſchluckte den Inhalt in einem Zuge, dann ſah ſie mich an und lächelte einen Augen⸗ blick, aber bald legte ſie ihren Kopf wieder an meine Bruſt und weinte.

Alle unſere Hoffnung beruhte darauf, bald ein Schiff zu treffen. Seit dem Beginne unſeres Unglücks hatte jedes Auge oft am Horizonte danach geſpäht. Als die Sonne ſich ſenkte, der Wind friſch wehte und das hoch gehende Waſſer über die Seiten des Bootes drang, muß⸗ ten wir fortwährend arbeiten, um es auszuſchöpfen. Un⸗

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terdeſſen hatte einer der Matroſen, der unvorſichtig über eine Bank ſtieg, den Fuß auf unſern Kompaß geſetzt und ihn zertrümmert. Ohne dieſen Leiter auf dem weiten Ocean war unſere Lage in Wahrheit hoffnungslos. Unſere Vor räthe waren faſt erſchöpft, und ſollte das Boot noch die ganze Nacht fahren, ſo ſtarrte uns das Geſpenſt des Hun gertodes entgegen.

Der Wind wurde heftiger, Blitze durchzuckten die Wolken und grollender Donner wurde immer näher gehört. Noch vor Sonnenuntergang war der Himmel ſo in Fin ſterniß eingehüllt, daß ein frühes Zwielicht entſtand. Als das Waſſer immer häufiger und immer ſtärker über den Bord unſers Bootes floß, rief der Kapitän endlich aus: Meine Freunde, Alles iſt verloren; in weniger als einer Stunde werden wir bei Denen ſein, die wir eben haben vom Meer verſchlingen ſehen.

Der Sturm brach bald in ſeiner ganzen Wuth aus, und die Dunkelheit machte unſere Lage ſo untröſtlich, als ſie nur ſein konnte. Als wir ſchon alle Hoffnung aufge⸗ geben und jeden Augenblick unſern Untergang erwarteten, da erſpähten unſere Blicke ein Schiff, das ſeinen Lauf auf uns richtete. Welch' ein Troſt! Wir erreichten es glücklich, riefen es an, und wurden ſchnell aus unſerer ſchrecklichen Lage erlöſt.

In vierzehn Tagen kamen wir nach New⸗York. Als wir in die herrliche Bay einfuhren, fühlte ich ganz das Schwierige meiner Lage ohne Geld, ohne Freunde, ohne Bekanntſchaften. Da fiel mein Blick auf Katharina ſie war noch verlaſſener!Armes kleines Weſen, ſagte ich, und gab unwillkürlich meinen Gefühlen Worte,»was ſich auch ereigne, ich will Dich nicht verlaſſen.»Ich weiß es, daß Du es nicht thun wirſt, ſagte ſie, indem ſie mich umarmte.Nein, niemals! rief ich aus.

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

NN Bekanntmachung.

(968 Mit Genehmigung Gr. Miniſteriums zu Darmſtadt wird von den auf die hieſigen Viehmärkte zum Verkaufe gebracht werdenden Schweinen(Milchſchweine find ausgenommen) von einem Stück ein Kreuzer ſog. Standgeld erhoben.

Dieſes wird mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Erhebung dieſes Standgeldes, beim Einbringen der Schweine in die Stadt, erhoben wird.

Die Gr. Bürgermeiſter werden erſucht, dieſe Bekanntmachung in ihren Gemeinden zur Oeffent⸗ lichkeit bringen zu laſſen.

Friedberg am 19. Juni 1850.

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Hofraithe⸗Verſteigerung. (1137) Dienſtag den 20. Auguſt, Morgens um 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe die Wilhelm Netz'ſche Hofraithe, beſtehend in Wohn⸗ haus mit Werkſtätte, Scheuer und Stall, an Johannes Faatz, meiſtbietend verſteigert.

Friedberg am 17. Juli 1850. In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts: Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter ö Bender.

Immobiliar-Verſteigerung. (1206) Dienſtag den 3. September, Mor⸗ gens um 11 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe

die Chriſtian Müller'ſchen Immobilien, be⸗ ſtehend in

1) Hofralthe am Uſathor, als Wohnhaus, Stall und Gärtchen an Balthaſar Schmidt,

2) 302,8 Klafter, 154 Ruthen Garten in der 6. Gewann, an Eliſabetha Katharina Domſchütz,

der Stadtkirche 13% kr, dem Hoſpital dahier 6% kr. Friedberg am 1. Auguſt 1850. In Auftrag Gr. Heſſ. Landgerichts Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Bekanntmachung.

(127110 Montag den 26. Auguſt d. J., Morgens 9 Uhr, ſollen in der Hofraithe des Oeconomen Chriſtian Carl zu Okarben, das zu deſſen Concursmaſſe gehörende Schiff und Ge⸗ ſchirr, beſtehend aus mehreren Wagen, Pflügen, Eggen ꝛc. ꝛc., ſodann Gefütter, Stroh, Spreu und drei Stückfaß mit Aepfelwein und etwa Ohm Branntwein, unter den alsdann er⸗ öffnet werdenden Bedingungen öffentlich an den Meiſtbietenden verſteigert werden.

Sobald mit der Verſteigerung dieſer Gegen⸗ ſtände zu Ende, ſoll dann auch noch das auf den Wieſen ſtehende Grummetgras, ſowie die zweite Schur des Klee's öffentlich verſteigert werden. 8

Großkarben am 13. Auguſt 1850.

Großh. Heff. Landgericht Jäger. Schmidt. Bekanntmachung.

(1272) Freitag den 30. Auguſt, Morgens 9 Uhr, ſoll auf dem Rathhauſe zu Okarben das zur Concursmaſſe des Oekonomen Chriſtian Carl gehörige Immobiliarvermögen, beſtehend aus neu erbautem Wohnhaus mit Scheuer, Stallung und Brennerei, ſodann etwa 120 Normalmorgen Gelände, meiſtens von vorzüg⸗

licher Güte und Letzteres in Parzellen, unter den alsdann eröffnet werdenden Bedingungen meiſtbietend verſteigert werden.

Im Termin Montag den 2. September, Mor- gens 9 Uhr, wird dann aber auch das Gut mit Gebäuden im Ganzen dem öffentlichen Ver⸗ kaufe ausgeſetzt werden.

Großkarben am 13. Auguſt 1850.

Großh. Heſſ. Landgericht Jäger. Schmidt.

Edietalla dung.

(1273) ueber das Vermögen des Oeconomen Chriſtian Carl zu Okarben iſt der formelle Con⸗ curs erkannt. Dieſes öffentlich bekannt machend ſetzt man zugleich Termin zur Anmeldung aller Anſprüche auf

Montag den 23. September d. I.,

Vormittags 9 Uhr an, wo Jeder, der Anſprüche an die Maſſe bilden will, ſolche bei Meidung ſtillſchweigends erfolgenden Ausſchluſſes anzuzeigen hat. In dieſem Termin ſoll zugleich wegen Beſtellung eines Curators der bereits interimiſtiſch hat be⸗ ſtellt werden müſſen ſowie Genehmigung der bis dahin ſtattgehabten Gutsverkäufe gehan⸗ delt werden. Großkarben am 13. Auguſt 1850. Großh. Heſſ. Landgericht Jäger. Schmidt.

Güter Verpachtung. (127) Dienſtag den 27. Auguſt, Morgens um 9 Uhr, werden in hiefigem Rathhauſe nach⸗ ſtehende ſtädtiſche Grundſtücke auf ſechs Jahre meiſtbietend verpachtet:

1) 3 Morgen, die Lachenwieſen in 6 Abthei⸗ lungen,

2) 4 Morgen 2 Prtl. 29 Ruthen, der Schützen⸗ acker in 5 Abtheilungen,