Ausgabe 
17.4.1850
 
Einzelbild herunterladen

ITntelligen

0 egermeiftr

tau

*

Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

N 30.

Mittwoch den 17. April

1850.

Zur Ortsgeſchichte der Wetterau. Kaiſerlicher Freiheitsbrief für Florſtadt.

Der unter dem 2. Juli 1304 von Kaiſer Albrecht I. an Johann Herrn von Limburg für ſeine Stadt Staden in lateiniſcher Sprache verliehene Freiheitsbrief hat ſich vor einigen Jahren wieder gefunden und iſt bereits ver⸗ öffentlicht.) Den von Kaiſer Kark IV. auf Dienſtag nach Sanct Margarethentag des Jahres 1365 an Gerlach Herrn von Limburg für Florſtadt in deutſcher Sprache ausge⸗ ſtellten glaubte man auch längere Zeit verloren und ſetzte ſogar Zweifel in ſein Daſein. Ich kann ihn nun aus ei⸗ ner Copie mittheilen, welche zwar jünger, als das ODrigi⸗ nal, aber ſicher mehrere hundert Jahre alt iſt. Was ihre Orthographie anbelangt, ſo iſt dieſe offenbar nicht die des Originals, ſondern der Abſchreiber hat die ſeiner Zeit an gewandt. Dagegen dürfen die Worte im Ganzen wol als getreu anzuſehen ſein, denn er hat ſeine Abſchrift trotz der orthographiſchen Neuerung roh gemacht und ſelbſt einmal, wo er die Worte nicht verſtand, kauderwelſches Zeug hin- geſchrieben, aus dem ſich jedoch mit leichter Mühe die Worte des Originals wieder herſtellen laſſen, was eben einen Beleg für das Feſthalten am Texte der Urkunde gibt. Der Freiheitsbrief lautet in jener Copie alſo:

Wir Carle, von Gottes gnaden Römiſcher Kayſer, zu allen zeiten Mehrer des Reichs, König zu Böhmen, bekennen vnd?) thun kund allen Leuten, die dieſen Brief ſehen oder hehren leſſen?), daß wir, angeſehen Gantz Stät⸗ ter getreuer dinſte, die Uns und dem Römiſchen Reich der Edle Gerlach, Herr zu Limpurg, Uns und des Reichs lie ber getreuer, Uffs untertrefflichſt hat gedahn und nach möglichkeit duhn ſoll und mag in), künfftigen zeitten und haben darumb Ihn und ſeinen Erben mit wohlbedachtem Muth, mit rechtem wiſſen und vollkommenheit Kayſerlicher Macht ſonterlicher gnad getahn und tuhn in und mit krafft diſſes brieffs, daß ſein Dorff Florſtatt mit graben, Mau ern, thurnen, pfortten, Erckern und anders, wie ſie bauen und veſtmachen zu allem Ihrem willen; auch ſollen die leute zu Florſtatt, die jtzund daſein oder noch dar kommen,

) Archiv für heſſiſche Geſchichte und Alterthumskunde 6. Bd. 1. Hft. (Darmſtadt 1849) S. 131.

) Die Copie hatbekenne /,vnd« fehlt.

) Man leſehören leſen.

) Die Copie hat vihn.

haben alle freyheit und Rechten alß andere Unſer und des Reichs Bürger zu Frankfurt mit behältnuſſen jederman ſei⸗ nes Rechten. Dabei gebieten wir allen Fürſten, Graffen, Herrn, Rittern, Knechten, Stätten, Gemeinten und ge bietten allen unfern und des Reichs lieben Getreuens), daß Sie die Vorgenande Unſere Genades) nit überfähren), hindern, jrren?) ſollen jn teheyne wis?), und wer dawi der thet, der ſoll, ſo offt das geſchicht, funffzick«) Marck lötiges Silber ſein verfallen, die helfft dem Reich, das ander halbe teil dem Edlen Gerlachen!!) und ſeinen Er⸗ ben. Verſigelvertig) mit Urkund dieſes briefs verſiglen mit unſer Keyſerl. Majeſtätt zeugnuß). Geben zu Selt!) nach Gottes geburth Dryzehn hundert Jahren und dar nach im fünff und ſechzigſten Jahre der nechſte Dinſtag nach Margrätetag, unſers Reichs des Römiſchen in dem zwantzigſten, des Bemiſchen ein and. und des Kayſerthumbs im Eilfften Jahr.

Darunter ſteht von derſelben Hand:

Copia Kayſers Caroli Atens über die Privilegien und Freyheiten Florſtatt.

Das iſt die Copie vollſtändig und bis auf die in den Text eingenommenen Verbeſſerungen buchſtäblich getreu. Doch habe ich überall, wo verbeſſert iſt, das, was in der Copie ſteht, mit derſelben Genauigkeit und Treue in An⸗ merkungen unter den Text geſetzt. Nur die Interpunction, welche ganz willkührlich war, habe ich nach der gegenwär tig üblichen zu regeln geſucht. Das Original des Frei⸗ heitsbriefes iſt, ſo viel ich weiß, bis jetzt unbekannt.

Der Freiheitsbrief nennt bloß Florſtatt, und es fragt ſich nun, welches Florſtadt gemeint ſei, ob Ober- oder Unter florſtadt. Ohne mich hier auf die Anſicht Andrer darüber einzulaſſen, will ich bloß meine darlegen, nach der dieſe kaiſerliche Urkunde fur Unterflorſtadt ausgeſtellt iſt, welches

) Die Copie hatGetreuer.

) Die Copie hatGenatte.

) d. h. beeinträchtigen, benachtheiligen.

) Die Copie hatIren.

) d. i. in deheine wis, welchesin keiner Weiſe bedeutet. Der Copiſt, welcher den Ausdruck nicht verſtand, hat kauderwelſch: Jute Heyna wis.

20) Die Copie hatgeſchickt, funffſick

n) Die Copie hatEttlen Gerlochen.

*) So ſteht in der Copie. Das letzte e iſt von ſpäterer Hand in t corrigirt.

100. n wird zu verbeſſern ſein:Ingeſigel zu einer zeugnuß.

) So ſteht in der Copie.