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Intelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, den negierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
M 5.
Sonnabend den 13. Juli
1830.
Amtlicher Theil.
Die Großherzoglich Heſſiſche Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg an die Großh. Bürgermeiſter resp. Beigeordneten und Polizeicommiſſäre, ſowie die Gendarmen dieſes Regierungsbezirks.
Betreffend: Diebſtahl mittelſt Einſchleichens zum Nachtheile des Han⸗ delsmannes Nathan Stern aus Köln.
Am 3. l. Mts. wurden zu Frankfurt a. M. folgende Gegenſtände entwendet:
1) Eine goldene, 14xBarätige, grünlich⸗gelbe Uhrkette, zum Umhängen um den Hals, ſ. g. Erbſenkette, mit gold⸗ nem Schieber und desgl. Haken, Hanauer Fabrikat;
2) eine goldne Damenuhr, mit vergoldetem Zifferblatte, arabiſchen Ziffern, Schlüſſelloch auf dem Zifferblatte, der Rand, welcher das Glas umfaßt, abgenutzt, ſo daß er das Glas nicht mehr feſthält. Das Gehäuſe iſt auf dem Rücken emaillirt und zwar mit Kreuzchen;
3) ein grün ſeidener gehäkelter Geldbeutel mit Stahlringen
und ſtählernen Eichelchen, enthielt 2—3 pr. Thlr., 4
pr. Drittelthalerſtücke, 3— 4 doppelte Guldenſtücke,
4—5 Sechsbätzner, 1 doppeltes Frankenſtüͤck, 1 eng⸗
liſchen Schilling.
Sie werden hierdurch beauftragt die deshalb erforder⸗ lichen Nachforſchungen eintreten zu laſſen und, im Falle Sie etwas entdecken, unverzüglich Anzeige an uns zu er⸗ ſtatten. 5
Friedberg am 7. Juli 1850. N
Du v r id e n
Der Sonnenſchirmbaum. Ein naturgeſchichtliches Curioſum. (Schluß.)
Der Talipotbaum, in der botaniſchen Kunſtſprache Corypha umbraculifera genannt, gehört in's Palmenge⸗ ſchlecht, und beſitzt das gewöhnliche Attribut deſſelben, nämlich eine harte äußere Rinde und ein weiches kraut⸗ artiges Mark, indem der größere Theil ſeines Durchmeſ⸗ ſers aus weicher brauner Zellſubſtanz beſteht, von welcher
man Sage bereitet. Das Nützlichſte an der ganzen Pflanze ſind jedoch die Blätter. Auf dem Baume vollkommen ausgewachſen und entfaltet, haben ſie eine ſchöne dunkel⸗ grüne Farbe; diejenigen aber, welche der Menſch für ſeine verſchiedenen Bedürfniſſe verwendet, werden abgeſchnitten, bevor ſie ihre ganze Größe erreicht haben, dann getrocknet und gepreßt, worauf ſie für die ganze und ziemlich bedeu— tende Dauer ihres Gebrauchs eine blaßbraͤunliche Farbe, etwa wie altes Pergament, erhalten. Ehe ſie dem Ge— brauch unterworfen werden, reibt man dieſe Blätter unter ſchweren Rollhölzern, wodurch aller Saft aus den Gefäßen gepreßt wird und das Blatt dünn, ſchlaff und durchſichtig wird und ſich in die geringſten Dimenſionen zuſammenlegen läßt. Die Blattform iſt fächerartig; eine ſtarke Sehne, die Fortſetzung des Blattſtengels, läuft durch das unge⸗ heure Blatt, und von ihr aus verzweigen ſich ſtrahlen⸗ foͤrmig kleinere Sehnen, beinahe in regelmäßigen Entfernun⸗ gen von einander, und theilen ſo das große Pflanzengewebe in Falten. Die Cingaleſen gebrauchen es als Fächer, wie denn auch der künſtliche Fächer dieſem natürlichen nach⸗ geahmt zu ſein ſcheint; auch dient es auf Ceylon aus— ſchließlich als Sonnen- und Regenſchirm, da es trefflich vor den Sonnenſtrahlen ſchützt und für die Näſſe ganz undurchdringlich iſt. Trotz des großen Raumes ſeiner Oberfläche iſt es dennoch ſo leicht, daß es ohne Anſtrengung in einer Hand getragen werden kann; weil aber ſeine ungeheure Größe, wenn vollſtändig ausgebreitet, ſehr un— bequem wäre, ſo ſchneidet man es nach Bedürfniß in ſchmälere Streifen.
Die Talipotblätter werden auch in verſchiedenen Formen zuſammengenäht und liefern treffliche tragbare und ſehr hübſche Zelte, indem man ein leichtes Holzgerüſte mit dieſem natürlichen Wachstuche bedeckt, von welchem das Waſſer abläuft wie von den Federn eines Waſſer— vogels. Die Verwendung der Blätter als Papier bedarf ebenfalls nur einer geringen Zubereitung. Manu ſteckt nämlich Blattſtreifen von ungefähr 15 Zoll Länge und 3 Zoll Breite(das gewöhnliche Format der cingaleſiſchen Bücher) auf eine Weile in kochendes Waſſer, und reibt ſie dann mit einem glatten Rollholze ab, um ſie biegſam zu machen und die Feuchtigkeit aus ihnen zu entfernen. Sind ſie dann trocken, ſo ſchreibt oder gravirt man viel⸗ mehr mit einem ſcharfen eiſernen Griffel auf ſie, und reibt dann die gemachten Einſchnitte mit einem dunklen, durch Kokosnußöl flüſſig gemachten Farbeſtoffe ein, wiſcht den Ueberſchuß ab, und erhält auf dieſe Weiſe lesbare und


