85 r —— ́—
dern es pflegt eine Reihe trauriger Ereigniſſe an anein⸗ ander zu ketten. So ſchien es auch hier der Fall zu ſein; zu dem Schmerze vereitelter Wünſche geſellte ſich bald die Klage um den Verluſt ſeiner geliebten Mutter, welche dem vorausgegangenen Gatten in die ſorgenleeren Räume der Gruft nachfolgte. n f
Der heimathliche Boden gewährte ihm nun nichts mehr, als traurige Erinnerungen. Er verließ daher die vererbten Güter, welche er ſeinem Verwalter übergab, unter dem Vorwande, daß er eine nöthige Reiſe unternehmen müſſe, von welcher er nicht ſo bald zurückkehren würde.
Zwei Wochen ſpäter nahm er an der ſchneebedeckten Grenzmauer, welche die deutſche Erde von den heiteren Gefilden Italiens ſcheidet, Abſchied von der Heimath. Am Fuße der Alpen ſagte er ihr nochmals Lebewohl, Sein Herz pochte laut nach Allem, was er dieſſeits der Alpen liebte; aber wie ſehr es ihn auch dahin zog, er wähnte die Braut treulos, er wußte ſeine Eltern von der Gruft umſchloſſen. Darum ſah er mit dem wehmüthigen Blicke nach der ernſten deutſchen Erde, welche für ihn nunmehr ja doch eine Stätte trauriger Erinnerungen war. Er ſtieg über den St. Bernhard in das Thal von Aoſta hinab, mit ſich ſelbſt uneinig, welchen Weg er nehmen ſollte. Eine kleine Villa in der Nähe Roms gewährte ihm ein freundliches Aſyl; dort verlebte er in ſtiller Abgeſchieden— heit die nächſten Jahre ſeiner Zukunft, und dachte nur mit trüber Rückerinnerung an ſeinen heimiſchen Herd.
Hätte er ahnen können, welche traurigen Zeiten die Familie Welsdorf ſeitdem erlebte, er würde zurückgeeilt ſein, um Hülfe zu bieten, wo es ſeine ſchwache Kraft ver— mocht hätte. Lina war nicht verlobt; ſie war einem aller⸗ dings an ſie geſtellten Antrage dadurch ausgewichen, daß ſie darauf erwiederte, ſie ſei bereits Auguſt's Braut; auf dieſe Weiſe war Auguſt zu eilfertig eine falſche Nachricht mitgetheilt worden, die ſich in der That nun ganz anders verhielt. Allerdings war dadurch, daß Auguſt's Briefe unbeantwortet blieben, der Schein nichts weniger als ge— gen die Beſtätigung dieſer Nachricht; allein dies war da⸗ durch veranlaßt worden, daß Hermann zu jener Zeit von Heidelberg eiligſt abberufen wurde, weil ſeine Mutter ſchwer erkrankt darniederlag. Deßhalb blieben auch die Briefe an Lina und ihre Mutter unbeantwortet, da man jeden Tag auf Beſſerung hoffte, ohne daß dieſelbe eintrat. Als nun die Mutter wieder geneſen war, und Hermann nach Heidelberg zurückkehrte, da wurden Auguſt's Briefe auf das Freundlichſte erwiedert. Allein er befand ſich damals ſchon in Italien und ahnte nicht, was ſich im Vaterlande ereignete. Er würde ſonſt bald wieder Italien verlaſſen haben, um in die Heimath zurückzukehren.
Lina wartete vergeblich auf die Beantwortung ihres Briefes; ſie ſchrieb zum Zweitenmale, doch wieder ohne Erfolg, bis ſie endlich Auguſt's Verwalter von deſſen Ab— reiſe mit der Bemerkung benachrichtigte, daß er nicht wiſſe, wohin Auguſt ſeinen Weg genommen habe, und wann er zurückkehren werde. f
Lina verfiel in eine beklagenswerthe Gemüthskrank— heit, und bald umdüſterte ſie die dunkle Nacht des Irrſinns. Mütterliche und brüderliche Liebe vermochten ſie nicht mehr zu heilen. Dieſe unternahmen zu ihrer Wiederherſtellung eine Reiſe in die ſchönen Gegenden Tyrols und der Schweiz, aber die Kranke kehrte nach Hauſe zurück, wie ſie daſſelbe verlaſſen hatte.——
(Schiuß folgt.)
14—
ein oder das andere Unglück über ſie zu verhängen, ſon⸗
Kirchenbuchs⸗Auszug vom Monat Dezember. Friedberg.
Getraute:
26. David Karl Scharmann, Gr. Heſſ. Feldwebel im 2. Bataillon des 4. Infanterie-Regiments, des weiland hieſigen Caſernenwärters David Scharmann nachge— laſſener ehelich lediger Sohn und Anna Maria Lippold, des hieſigen Bürgers und Büchſenmachers Anton Lippold, eheliche ledige Tochter.
Getaufte:
1. Dem hieſigen Bürger und Säcklermeiſter Joh. Georg Rauſch ein Sohn, Johann Conrad, geb. den 11. Sept. 9. Dem hieſigen Bürger und Schneidermeiſter Karl Hein— rich Friedrich ein Sohn, Fritz, geboren den 10. November.
16. Dem Gr. Lehrer am Schullehrerſeminar dahier Johannes Wahl eine Tochter, Maria Dorothea Auguſte Wil— helmine Emilie, geboren den 24. October.
16. Dem Gr. Regierungsſecretär dahier Johann Valentin Krach eine Tochter, Eva Katharina Eliſabethe Mar— garethe Amalie, geboren den 1. November. 4
25. Dem hieſigen Bürger, Metzgermeiſter und Wirth Jacob Nicolaus Müller ein Sohn, Emmerich, geb. den 14. Dez.
26. Dem Bürger zu Großgerau und Bauaufſeher 1. Klaſſe dahier Johannes Landau eine Tochter, Anna Marga— retha, geboren den 3. Dezember.
26. Dem Bürger und Bierbrauer dahier Jacob Burck eine Tochter, Maria Thereſia Eliſabetha, geb. den 9. Dez.
27. Dem Großh. Major außer Dienſt Georg Karl Fried- rich Schäffer dahier ein Sohn, Friedrich Chriſtian Ludwig Ernſt, geboren den 15. November.
Bede;
5. Der hieſige Burger und Oeconom Rudolph Schmidt, alt 34 Jahre, den 3. Dezember.
11. Anna Katharina Ritzel, des weiland hieſigen Burgers und Hufſchmieds Joh. Georg Ritzel nachgelaſſene eheliche ledige Tochter, alt 44 Jahre, 9 Monate und 3 Tage, 1 den 9. Dezember.
11. Ein todtgeborenes Söhnchen.
13. Des hieſigen Bürgers und Schneiders Georg Friedrich Löwenſtein eheliches Söhnchen, Georg Chriſtian Chriſtoph, alt 9 Jahre, 8 Monate und 10 Tage, 1 den 11. Dez.
13. Johann Heinrich Müller, hieſiger Bürger und Gaſt— wirth, alt 41 Jahre und 9 Tage, k den 11. Dezember.
13. Anna Eliſabetha(Bernhardt), der Maria Margarethe Brack von Faͤuerbach II. Töchterchen, alt 2 Jahre und 27 Tage, à den 11. Dezember.
16. Wilhelm Renneberg, des hier verſtorben geweſenen Stadthauptmanns und Wundarztes Joh. Georg Renne— berg, nachgelaſſener ehelicher Sohn, alt 12 Jahre, 9 Monate und 20 Tage, den 13. Dezember.
23. Ernſt Daniel Georg Philipp Ockel, hieſiger Bürger und Spenglermeiſter, alt 26 Jahre und 17 Tage, den 21. Dezember.
26. Johann Georg Schloder, Musketier im 2. Bataillon des 4. Infanterie-Regiments dahier, gebürtig zu Holz— mühl, Reg.⸗Bez. Alsfeld, alt 21 Jahre, 8 Monate und 11 Tage, t den 24. Dezember.
27. Karl Wolf, des hieſigen Bürgers und Schneidermeiſters Andreas Wolf, eheliches Söhnchen, alt 3 Jahre, 5 Monate und 7 Tage, 1 den 26. Dezember.
28. Friedrich Karl Weckerling, des weiland hieſigen Bür— gers und Maurermeiſters Karl Weckerling nachgelaſ— ſenes eheliches Söhnchen, alt 11 Jahre, 5 Monate und 12 Tage, 1 den 26. Dezember.


