Ausgabe 
9.11.1850
 
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burtstag meiner Lisbeth, der ein Ruhe- und Freudetag für's ganze Haus iſt, das iſt noch ſchöner!

Die Frau Lisbeth, die Tochter, das Gretchen, der Bub, die Magd ſogar, kamen, reichten mir recht herzlich die Hände und ſagten, ſie freuten ſich ſo ſehr, daß ſie mich, den ſie aus ihres Vaters Erzählungen ſchon ſo lange kennten, nun auch von Angeſicht ſähen!

Siehſt du, Jacob, ſagte Pinkert, heute früh hat Gretchen zu mir geſagt: Heut' iſt der Mutter Geburts- tag, ich hab's in der Bibel geſehen.

Still, ſagte ich da, back' Faſtnachtsküchelchen und mach' einen guten Kaffe, hole auch eine Flaſche guten Wein. Sie darf nichts merken. Wie wir ihr nun alle⸗ ſammt Glück wünſchen, will ſie's nicht glauben. Da holt Gretchen die Bibel und zeigt's ihr, und da gerade biſt du gekommen. Nun iſt heute ein doppelter Freudentag, und da ohnehin kein Streich heute gearbeitet werden darf, ſo können wir recht plaudern. Nun ſetz' dich, alter Kamerad!

Ich ſag' Euch, das ſind Menſchen nach dem Herzen Gottes. Dieſer Tag iſt der froheſte, den ich ſeit Philipp's Hochzeit und den Taufen ſeiner zwei Kinder erlebt habe, geweſen. Alle die alten Geſchichten aus Spanien und Frankreich, alle das Elend, das wir erlebt und miteinan der durchgekämpft haben, alle die Freuden, die uns zu Theil wurden, kamen wieder lebendig in die Erinnerung.

Bis ſpät in die Nacht hinein ſaßen wir bei einander und ſuchten dann das Bett mit frohen glücklichen Herzen.

Am andern Morgen als die Glocke vier Uhr ſchlug, ging's unten ſchon Pfiff! Pfaff! Da dachte ich: Kaufe die Stunden aus, die du bei dem Freunde biſt, wer weiß, ob du ihn auf dieſer Erde noch einmal ſiehſt, und ſtand auf.

Als ich herunter kam, ſaß Frau Lisbeth da und ſpann Schuhhanf; das Gretchen faßte Schuh ein; der Bub, das Andreschen, zog Pechdrähte, und die Magd beſorgte das Vieh im Stalle.

Als der Bub ſeine Anzahl Pechdraͤhte gemacht hatte, nahm er ſeine Bücher, lernte für die Schule, und der Andern Arbeit ging unausgeſetzt fort. Pinkert ging's flugs von der Hand, und doch waren die Nähte wie genagelt. Dabei plauderte er lebhaft mit mir. Nach dem Frühſtück ging Gretchen mit der Magd auf's Feld; die Mutter kochte; der Bub war in der Schule, und Pinkert arbeitete wie ein Feind. So ging's bis Mittag, dann wieder bis zur Feierſtunde. In dieſer gingen wir in den ſchönen Garten hinter dem Hauſe, wo noch die letzten Herbſtarbeiten ver richtet wurden. Nach dem Nachteſſen ging's wieder an die Arbeit bis Schlag zehn Uhr. Da betete Pinkert den Abendſegen, wie er auch vor dem Frühſtück den Morgen⸗ ſegen gebetet hatte, und wir gingen zu Bette.

So hatte Alles in dem Hauſe ſeine Ordnung, und dieſe wurde mit größter Pünktlichkeit beobachtet.

Ich fragte Pinkert: Warum hältſt du dir keinen Geſellen? Er ſagte: Die ordentlichen ſind ſelten und keinen

Strohmer mag ich. Heut zu Tag iſt es bös mit den Geſellen. Sie wollen viel Lohn und wenig Arbeit, und die Arbeit iſt ſchlecht. Auf ein Dorf kommt kein ordent licher Geſelle. Einen hatte ich drei Jahre, der war brav. Er iſt daheim jetzt und dir darf ich es ſagen er wird nun bald kommen und mein Gretchen heirathen. S'iſt ein gar braver, treuer Würtemberger. Bis der kommt, mag ich keinen andern. (Schluß folgt.)

Statt des alten Goldes eine Frage.

Wie mag's kommen, daß, wenn man zur Erndtezeit an einem Kornacker vorübergeht, die meiſten Aehren zur Erde gebeugt ſind, einige aber ganz gerade in die Hoͤhe ſtehen und weit über die anderen hinausſchauen?

Ei, ruft der Gevatter aus, da müßte man doch Tinte getrunken haben, wenn man das nicht wüßte; die Aehren, die voll Körner ſind, die ſenken ſich herunter, und die ganz leeren recken ihre Hälſe hoch in die Höhe!

Richtig, Gevatter, ſo iſt's! aber gerade ſo iſt's in der Menſchenwelt. Den vollen Aehren, die ſich in ihrer Körnerfülle zur Erde beugen, möchte ich die Menſchen vergleichen, die viel wiſſen und viel erfahren haben, in⸗ wendig und auswendig. Die ſind beſcheiden und demüthig, weil ſie wiſſen, daß ſie noch viel mehr wiſſen könnten und möchten, und es doch nicht wiſſen. Die Dummköpfe, die nichts im Kopfe haben, gleichen den leeren Aehren, die gerade in die Höhe ſtehen. Die recken auch die Köpfe hoch hinauf über andere Leute, und meinen, ſie wären's.

Nun ſagt, Gevatter, was denkt Ihr, wenn Ihr ſo einen hochmüthigen Pinſel einhertänzeln ſeht, der die Naſe hoch trägt und meint, er habe es ſchon erreicht?

Nun, ſagt der Gevatter, ich denke, es ſei eine leere Aehre, leeres Stroh, oder in Summa ein Eſel!

Hat der Gevatter Unrecht, lieber Leſer? Merk's darum: Geſcheidte Leute ſind beſcheiden und demüthig, und Demuth und Beſcheidenheit ſteht Jedem gut zu Geſichte!

(Spinnſtube 1850.)

Markt- Bericht. Friedberg, am 6. November 1850.

Aufgefahren] Verkauft Mittelpreiſe Gattung. wurden wurden (Mltr.)(Mltr.) fl. ö kr. Walzen 23 23 11 50 ß 3 3 6 Gerſte 36 36 4 53 Hafer 10 6 3 7 Erbſen 3 3 6 10 Kartoffelnn 24 19 2 3 Mohnſamen.

Bekanntmachungen von Be⸗ Dofratthe⸗

Verſteigerung.

ſtehendes, den Wilhelm Netz'ſchen Eheleuten

hoͤrden.

dc t ον Bekanntmachung. (17210 Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Mittwoch nach Martini, als den 13. November l. J., Viehmarkt dahier abgehalten wird.

Die Gr. Bürgermeiſter der Umgegend werden erſucht ſolches in ihren Gemeinden bekannt machen zu laſſen.

Friedberg den 31. Oktober 1850.

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

(1680 Dienſtag den 26. November, Mor⸗ dahier gehörendes Grundſtück meiſtbietend ver⸗

gens um 11 Uhr, wird in hieſigem Rath⸗

hauſe die dem Bürger Chriſtian Vogt gehörende

Hofraithe, beſtehend in einem Wohnhaus und

zwei Ställchen, an Johannes Steinhäußer, einer meiſtbietenden Verſteigerung ausgeſetzt. Friedberg den 23. Oktober 1850.

In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter

eee

Verſteigerung.

(1686) Dienſtag den 26. November, Mor⸗ gens 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe nach⸗

ſteigert, als:

164 Ruthen S 322,4 Klafter im Lachen⸗

feld, an der Steinritz. Friedberg den 24. October 1850. In Auftrag Gr. Heſſ. Landgerichts Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Ben de r.

Edictalladung.

(1702) ueber das Vermögen des Heinrich Wilhelm Sommerlad zu Okarben iſt der for⸗ melle Concurs erkannt worden. Demzufolge find alle Forderungen, Vorzugsrechte und An⸗

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