Ausgabe 
9.11.1850
 
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Wctßgeſprrnkelten d. N. aus den dgtl in der Uſer⸗ lde zugelaufen if, u eine Belohnung

det 1850. Büch ſenmacher.

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Nur 15 kr.

Kichter.

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Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M S8.

Sonnabend den 9. November

1850.

Das Heinzelnännchen. Eine Geſchichte. (Fortſetzung.)

Mein Großvater mütterlicher Seits war ein Schreiner in Deſſau, ein frommer Mann und fleißig dazu. Der kaufte ſich auch ein Haus, darin ein Heinzelmännchen war, und er wußt's gar nicht. Wenn er Abends ein Stück Arbeit begonnen hatte, und er kam Morgens früh in die Werkſtatt, ſo war's ſir und fertig, und polirt wie ein Spiegel, daß man ſich darin beſehen konnte. Das machte ihn anfangs confus, aber er erinnerte ſich, von den Hein zelmäunchen gehört zu haben und wußte nun, woher's kam. Da das ihm ungeheuren Vortheil brachte, und er wußte, daß man im eigenen Hauſe von den Heinzelmänn⸗ chen nicht reden darf, ſich auch hüten muß, ſie zu ſehen, ſo ſchwieg er ſtille und ſagte es nicht einmal ſeiner Frau. Er wußte, daß die Weiber das Plaudern nicht laſſen kön⸗

nen, und ihre Neugierde kein Maaß und kein Geſetz kennt.

Alle Abende ſchloß er die Werkſtatt ab, und ſeine Frau durfte wo moglich gar nicht hinein. Weibernaſen ſind fein. Der Großvater meinte ſeine Frau merke nichts; aber Proſit die Mahlzeit! Die roch ſchon lange Lunten und hatte nur die Courage nicht, etwas zu ſagen. Die Neugierde aber, ſo ein Heinzelmännchen zu ſehen, brannte uhr ſchier das Herz ab, wie es ebenſo Weiberart iſt. Einmal beſtellt ein adeliger Gutsherr meinen Groß vater zu ſich auf ſein Schloß, da er neue Möbel braucht, und mein Großvater geht hin. Es war aber weit, und er mußte über Nacht bleiben. In den Gedanken an das gute Geſchäft, dem er entgegengeht, läßt er den Werk⸗ ſtattſchlüſſel in ſeinem Alltagswamms ſtecken und geht. Abends denkt meine Großmutter: Wenn du jetzt das Heinzelmännchen nicht arbeiten ſiehſt, ſo geſchieht's den Nimmerlestag. Nachdem ſie gegeſſen hat, bläſt ſie das Licht aus und hockt ſich unter die Hobelbank, wo ein Stoß Bretter ſteht, und man ſie gar nicht ſehen kann. Kaum hockt ſie da, ſo wird's taghell in der Werkſtatt, und iſt doch weit und breit kein Licht. Plötzlich kommt hinter dem Ofen ein Kerlchen heraus, ſo groß wie eine Kinderpuppe, niedlich und ſchön anzuſehen. Das fängt an zu klopfen und zu hobeln, und es geht ihm wie der Blitz von der Hand, und doch gibt's kein Geräuſch, keinen Lärm. Ehe ſie's ſich verſieht, iſt ein kleines Schränkchen fertig und polirt. Da aber kommt meiner Großmutter das Nieſen an. Das Heinzelmännchen wußte nicht, daß

ſie da war. Sie macht allerlei Grimaſſen, hält die Naſe mit der Hand zu, aber da widerſteh' Einer! Plötzlich nieſt ſie mit Macht. Da erſchrickt das Heinzelmännchen. Es iſt mit einem Male ſtichdunkel in der Werkſtatt und das Heinzelmännchen iſt für ewige Zeiten fort. So ein Heinzelmännchen iſt in dem Pinkert ſeinem Hauſe. Wie könnte der ſonſt ſo viele Schuhe machen? Himmel und Erde, ich bin auch ein Schuhmacher, dem's fir vom Leder geht, aber ſo arbeiten und gut arbeiten, wie der Pinkert, kann Niemand, wenn er nicht ein Heinzelmännchen zur Hilfe hat! Daher kommt's auch, daß er niemals einen Geſellen halt, und könnt' ihn doch brauchen. Er fürchtet das Plaudern, damit ihm das Heinzelmännchen uicht durch⸗ geht, wie meinem Großvater.

Der Wirth ſteht auf und ſagt: Meiſter Hopp, wenn Ihr Euch wollt heimgeigen laſſen, ſo will ich die Muſik bezahlen. Drauf geht er hinaus, und da ich auch genug hatte, ich ihm nach, bezahle mein halbes Schöppchen und gehe.

Wie ich nun ſo die Gaſſe hinaufgehe und nach dem Schuſter Jacob Pinkert frage, zeigen mir die Leute eim hübſches Haus. Ich trete hinein, wo Alles ſo blank und rein iſt, daß man ſeine Freude daran hat, und öffne die Stubenthür, da ſtellt ſich mir ein liebliches Bild dar.

Gegen mir über ſtand ein Tiſch, an dem ſaß die Frau Lisbeth und legte die Hände in den Schooß und machte ein ſo glückliches Geſicht, wie man's nur ſehen mag. Vor ihr ſaß mein getreuer Pinkert und hatte ein Glas Wein in der Hand und rief eben: Vivat der Lis beth! Ueber der Mutter Schulter lehnte ſich die hübſche Tochter und hatte das erſte weiße Blatt der Handbibel aufgeſchlagen, wo der lieben Mutter Geburtstag einge ſchrieben ſtand. Ein Bub, der von Geſundheit und Schel merei ſtrotzt, guckte neben dem Vater heraus und freut

ſich einestheils über der Eltern Freude und anderntheils

über den Kaffe und die Faſtnachtsküchelchen, die die Schweſter zu Ehren des Geburtstags der Mutter gebacken hat, und zur Küchenthür herein bringt fröhlichen Angeſichts die Magd die Milch zum Kaffe.

Ich wär' gern ſtehen geblieben und hätte mich an dem Anblicke des häuslichen Glückes meines Kameraden ſtille gefreut; aber er bemerkte mich und erkannte mich auf den erſten Blick.

Jacob, rief er, du treuer Kamerad, kommſt du end lich einmal! Er riß mich faſt um vor Freude. Daß du aber gerade heute kommſt am fünf und fünfzigſten Ge