Ausgabe 
9.1.1850
 
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mehr des Wiederſehens, als der Trennung gedenkt. Allein unvorhergeſehene Zufälle der nächſten Tage änderten die Lage der Dinge. Auguſt's Vater war ſchwer erkrankt, und bald war dem trauernden Sohne die Aufgabe, ſeinen Vater zu Grabe zu geleiten. Die Erde, welche des Hin geſchiedenen Hülle umgab, deckte zugleich manche Wünſche Auguſt's auf immer. Denn wenn ein kindliches Gemüth an das Glück künftiger Tage denkt, ſo möchte es ſich immer dieſes Genuſſes in Mitte liebevoller Eltern erfreuen.

Dieſes traurige Ereigniß beſtimmte Auguſt, das Vor haben ſeiner Rückkehr nach Heidelberg aufzugeben, um einer troſtloſen Mutter als letzte Stütze und Freude zur Seite zu ſtehen. Mit dem Zerfallen ſeines Planes, nach Heidelberg zurückzukehren, zerfiel auch ſein Lieblingswunſch, Lina und ihre Mutter wiederzuſehen; zwar erneuerte er dieſen Vorſatz wieder, allein die Weite der Reiſe und viel fältige Hinderniſſe ließen dieſen Vorſatz nicht zur Aus führung kommen.

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Zwei Jahre waren bereits verfloſſen, ſeitdem Auguſt von Hermann Abſchied genommen hatte. Er ſehnte ſich mehr als je, den lieben Freund einmal wiederzuſehen.

Er hatte bereits Anſtalten getroffen, ſeinen längſt gehegten Plan auszuführen, als ihn unvorhergeſehene Ge ſchäfte nach Berlin riefen. Dieſelben nahmen einige Tage in Anſpruch und überhäuften ihn ſo mit Arbeit, daß er oft ſehnlichſt die Abendſtunden erwartete, welche ſeiner Erholung gewidmet waren. Am letzten Tage war er früher fertig geworden, wie gewöhnlich. Er ging daher, um eine kleine Promenade außerhalb der Stadt zu machen, dem Brandenburger Thore zu.

Zum Erſtenmale war er ſeit längerer Zeit weniger mit den ernſten Gedanken ſeiner vollbrachten Arbeit be ſchäftigt und gönnte der Rückerinnerung an verfloſſene Jahre einigen Raum in ſeinem Innern. Er gedachte des Abends imRheiniſchen Hofe, zu Mainz, wo er Lina mit ihrer Mutter zum Erſtenmale geſehen; ſie mußte jetzt, wie er glaubte, in der vollſten Blüthe ihrer Jugend ſtehen; denn damals ſchon war ſie bereits den Kinderjahren ent wachſen, und hätte nicht ihr kindlich ſchüchterner Blick das Gegentheil verrathen, man hätte glauben können, daß ſie die Gränze bereits überſchritten habe, welche die Kindheit von dem Eintritte eines Mädchens in die Welt ſcheidet. Er entwarf ſich ein Bild, wie ſie wohl jetzt herangewachſen ſein müſſe, und dieſes Bild nahm einen ſo ſchönen Raum in ſeinem Innern ein, daß in ihm Pläne und Entwürfe auftauchten, nach welchen er die Bande treuer Freund ſchaft durch die Bande der Verwandtſchaft feſter an ein⸗ ander zu ſchließen wünſchte. So dachte er jetzt, als er einen am Boden liegenden Armring bemerkte. Er hob ihn auf und betrachtete ihn näher; es waren auf ihm die Buchſtaben L. v. W. eingegraben.

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*

Nicht weit vor ſich erblickte er, als er forſchend um herſah, zwei Damen, welche ſchnellen Schrittes dem nahen Thore zueilten; er verdoppelte ſeine Schritte, um ſie ein zuholen. Eben hatte er ſie erreicht, als dieſelben auf ſei nen Ruf umblickten.

Die beiden Damen waren Lina und ihre Mutter; ſie erkannten Auguſt ſogleich wieder. Während er an Lina den verlorenen Armring zurückgab, ſprach die Mutter mit dankbarer Anerkennung, wie ſehr ſie ſich ihm verpflich tet fühle, daß er ihrem Sohne ſtets ein ſo lieber theil⸗ nehmender Freund geweſen ſei.

Auguſt bat um Erlaubniß, ſie auf ihrem Spazier⸗ gange begleiten zu dürfen, bei welcher Gelegenheit er dann erfuhr, daß Lina's Mutter, kaum von einer ſchweren Krankheit geneſen, eine Erholungsreiſe zu machen, im Be griffe ſtehe; er lud ſie freundlich ein, ihre Reiſe über ſeine Güter zu nehmen, und wußte mit der Ausführung dieſes Vorſchlages ſo viel Annehmlichkeiten zu verbinden, daß Frau von Welsdorf das freundliche Anerbieten annahm.

So hatte denn Auguſt das langerſehnte Ziel ſeiner Wünſche, früher als er es vermuthet, erreicht; er war nun in Lina's Nähe. Die nicht geahnte Ueberraſchung eines ſo glücklichen Zuſammentreffens ſchien ihm ein Er wachen aus einem langen Traume zur ſchönen Wirklichkeit.

Lina war während der Jahre, welche ſeit dem Abende in Mainz verfloſſen waren, zur blühenden Jungfrau heran gewachſen. Jene Herzensgüte, welche ſchon damals ihr Auge belebte, als ſie imRheiniſchen Hofe ſich enger an die Mutter ſchmiegte, ſie ſprach auch jetzt ſich ſchöner noch im Auge der herangereiften Jungfrau aus, das blau wie Italiens Himmel ihrem lieblichen Angeſichte erhöhten Reiz verlieh.

Es gibt Menſchen auf Erden, ſo ſelten ſie auch ſind, deren innere Vorzüge allein uns zu beglücken vermögen. Und eben dieſe Vorzüge können weit dauernder feſſeln, als körperliche Reize. Freundſchaft und Liebe verdanken denſelben ihr ſchönſtes Daſein, denn ſie ſind keiner Ver gänglichkeit unterworfen; ſie tragen höheren Werth in ſich als die Güter der Erde, ſie tragen das Gepräge der Erhabenheit, der Ewigkeit. Ein ſo ſeltenes Weſen war Lina. In der Nähe dieſes liebenswürdigen Mädchens ver lebte nun Auguſt glückliche Tage. Er lernte mit jedem Tage Lina's Eigenſchaften mehr ſchätzen und ſah wohl ein, daß nur ſie allein ſeine Wünſche für die Zukunft zu befriedigen vermöchte. Die aufrichtige Liebe, welche er ihr, ſeitdem er ſie faſt noch als Kind zum Erſtenmale ge ſehen, ſtets im treuen Herzen bewahrt, fachte die gemach ten Erfahrungen über Lina's Vorzüge in dem Grade an, daß er wohl einſah, von wem das wahre Glück künftiger Tage abhing.

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Be hoͤrden.

MN ν

Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn.

(11) Zur Ausrüſtung der Bahnwärter ſollen

25 Kaputzröcke

25 Hüfthörner und a

25 lederne Scheiden mit Tragriemen und

Signalflaggen

auf dem Submiſſionswege an die Wenigſtfor⸗ dernden verakkordirt werden. Die Bedingungen und Muſter liegen täglich auf dem Geſchäfts⸗

zimmer des Unterzeichneten zur Einſicht bereit und wollen die Luſttragenden ihre Forderungen, getrennt für jeden dieſer Gegenſtände, mit der AufſchriftAusrüſtungsgegenſtände betreffend längſtens bis zum 10. Januar k. J. Vormittags 11 Ühr verſiegelt einreichen. Unmittelbar darauf geſchieht die Eröffnung der Gebote, bei welcher Jedermann anweſend ſein kann. Friedberg am 31. Dezember 1849. Der Großh. Heſſ. Sections-Ingenieur der Sektionen Friedberg und Vilbel Hochgeſand.

Oeffentliche Ladung. (7) Alle unbekannte Gläubiger des zu Vilbel

verſtorbenen Johannes Breiter 1. fordert man hiermit auf, ihre Forderungen Dienſtag den 22. Januar, Vormittags, bei unterzeichnetem Gerichte anzumelden, als ſie ſonſt bei der Erbauseinanderſetzung nicht berück ſichtigt werden. Groskarben am 30. Dezember 1849. Großh. Heſſ. Landgericht Jäger. Schmidt. Holz Verſteigerung. (12) Donnerſtag den 10. Januar 1850, von Vormittags 9 Uhr an, ſollen in dem Gräfl. Solms Rödelh. Wald bei Wickſtadt nachfolgende Holzſortimente verſteigert werden: