Ausgabe 
6.3.1850
 
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kennen gelernt. Hierauf erfolgte die gewöhnliche lächerliche Formalität der Frage an die armen Ueberwieſenen: Was

ſie ihrerſeits vorzubringen hätten, damit nicht Todesſtrafe

über ſie verhängt werde; der Richter ſetzte eben ungebeug ten Sinnes die verhängnißvolle ſchwarze Kappe auf, als plötzlich ſich ein neues und überraſchendes Licht über dieſen räthſelhaften verwirrenden Rechtshandel verbreitete. Halt, mein Lord! rief Armſtrong mit wilder Heftig keit.Hören Sie mich an und laſſen Sie mich reden. Meiner Seel! ich will ja jetzt Alles geſtehen, my Lord! Stille, Martha, ſag' ich. Ich bin der Schuldige, mein Lord; nicht das arme Weib hier! Gott weiß es, mein Lord, die Alte iſt, unſchuldig; laßt ſie frei und ich will Euch Alles geſtehen. Ich allein bin ſchuldig, zwar gottlob nicht des Mordes, aber doch des Diebſtahlsla⸗ John! John! ſchluchzte das Weib und fiel Armſtrong leidenſchaftlich um den Hals, laß uns zuſammen ſterben! Ruhig, Martha! ſag' ich Dir! rief Armſtrong entſchloſſen.Ja, mein Lord, ich will Euch Alles geſtehen. Seht, ich war mit meinem Weibe über Land gegangen, um Gelder fuͤr Mr. Wilſon zu erheben, für geſchmuggelte Waaren jenes Geld, mein Lord, welches in meiner Kiſte gefunden wurde. Als wir in jener ſchrecklichen Un- glücksnacht heimkamen, traten wir durch die Hinterthür

in's Haus; ich hörte oben einen Lärm, ging hinauf und,

fand den armen Wilſon mauſetodt am Boden liegen. Ich erſchrack fürchterlich und ließ das Licht fallen, rief das Weib und ſagte ihr's. Sie that einen lauten Schrei und fiel beinahe in Ohnmacht. Sehen Sie, mein Lord, damals ſchoß mir der verruchte Gedanke durch den Kopf, ich wolle

das Geld behalten, das ich mitgebracht; und da ich wußte,

daß die Schlüſſel zu dem Pulte, worin der Schuldbrief lag, im Schlafzimmer verwahrt waren, ſo kroch ich noch einmal zurück, wie dieſes falſche meineidige Weibsbild es geſagt, holte die Schlüſſel und nahm die Schuldverſchreibung. Hierauf überredete ich mein Weib, das die ganze Weile über zitternd in der Küche drunten geſtanden hatte, es ſeie klüger von uns, wir kehrten noch einmal in aller Stille um, da Niemand außer uns im Hauſe war ich hatte nämlich an der Thüre von dem Stübchen, worin dieſes Weibsbild da wohnt, zuvor ſchon probirt, ob es daheim ſei damit man uns nicht für die Mörder halte. Wir machten's nun ſo, und kehrten auf einem Aufwege zurück nach Craig Farm, und pochten an der vorderen Thüre. Und das iſt die reine lautere Wahrheit, ſo wahr mir Gott helfe, my Lord! Mir ſoll geſchehen, was ich verwirkt habe, aber Sie, mein Lord, Gott ſegne Sie! thun Sie dem armen Weibe nichts zu Leide, das nun ſchon dreißig Jahre meine wackere Hausfrau iſt. Nächſten Mai, den ich nicht mehr erleben werde, ſind's 25 Jahre, daß wir unſere beiden Kinder begruben. Wären ſie noch am Leben, ich wäre gewiß ein braverer Mann; aber die Stelle, welche ſie da drinnen leer gelaſſen haben, iſt nun ausgefüllt von Liebe zu ſchnödem Gewinn, und dieſe hat mich ſo weit gebracht. Es geſchieht mir ganz recht, ich hab's nicht anders verdient; aber Gnade, meine Herren! erbarmen Sie ſich über mich! wandte er ſich von dem Richter mit den unerſchütterlichen marmorkalten Zügen zu der Jury, als ob dieſe ihm helfen könnte;Gnade! nicht für mich, ſondern für das arme Weib da, das ſo unſchul dig iſt wie ein neugebornes Kind! Ich bin ſchuldig; ich bin der Elende, der Dich, gute Martha, in dieſen ſchänd lichen Handel verſtrickt hat! Mit dieſen Worten riß der rauhe Mann ſeine Lebensgefährtin mit leidenſchaftlicher Rührung an ſeine Bruſt, und Thränen der Reue und des Schmerzes ſtrömten über ſeine gebräunten Wangen.

Ich war tief erſchüttert und fühlte, daß der Mann

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die volle Wahrheit geſagt hatte. Offenbar war es einer von jenen Fällen, wo eine dem Argwohn ausgeſetzte Per ſon ihre eigene Sache noch verſchlimmert, indem ſie zu einer Liſt ihre Zuflucht nimmt, und Armſtrong war allem Anſchein nach durch die Verübung ſeines Diebſtahls zu einem Auskunftsmittel getrieben worden, welches eine voll kommen unſchuldige Perſon nicht eingeſchlagen haben würde. So hatte die eine Schuld die andere geboren, und die Schuld des Mordes war ihm und ſeinem unglücklichen Weibe aufgebürdet worden. Als er ſein Geſtändniß ge⸗ than, machte ich mir innerlich bittere Vorwürfe, daß ich zu ſeinem Verderben noch beigetragen, und hätte gerne die ganze Verhandlung jenes Tages ungeſchehen gemacht. Der Richter dagegen war ganz unempfindlich; in der An gabe Armſtrongs nur ein neues Lügengewebe ſehend, ſprach

er kaltblütig das Todesurtheil über die beiden Angeklag

ten. Es war Freitag; am Montag ſollten ſie gehenkt werden.

Schlechtes Geſchäft!, flüſterte mir der Anwalt der Verurtheilten im Vorbeigehen zu;Ihre Hauptzeuge, die Frau Strugnell, iſt die wahre Schuldige!-

(Schluß folgt.)

i Peer fin. des im Jahr 1849 in Heldenbergen zum Fleiſchverkaufe N geſchlachteten Viehes. f

Gemäſtet Ungemäſtet Zuſammen

Ochſen 2 6 Kühe 28 4 71 Rinder 1262 41. 103 Kälber 44 Schweine 98 Hämmel 28 Schaafe 7 Ziegen 49

Leider wurde das Fleiſch von den zwei letzten Vieh⸗ gattungen faſt durchgehends als Hammelfleiſch verkauft. Heldenbergen im Januar 1850. 9 Der Fleiſchbeſchauer Anton Pauly.

Blinden Anſtalt.

: Für genannte Anſtalt gingen im Monat Februar folgende Gaben ein und werden hierdurch mit herzlichem Danke beſcheinigt:

Durch P Galle in Uffhofen, Canton Alzei, 7 fl. Durch Uni⸗ verſitätsdiener Schwarz in Gießen 11 fl. 4 kr. Durch Pfarrer Oeſer in Lindheim 7 fl. 59 kr. Durch Pfarrer Uhrig zu Iſenburg 2 fl. 42 kr. Durch Pfarrer Oeichert in Grüningen von Freunden in Holzheim 2 fl. 6 kr. Durch Pfarrvicar Gombel zu Pohlgöns 1 fl. 34 kr. Durch die Redactiondes Volksfreunds 33 fl. 30 kr. Durch Gebrüder Schwarz in Schzell 1 fl. 30 kr. Durch Glaſer⸗ meiſter Weckerling hier von einer Geſellſchaft Friedberger in Ockſtadt bei fröhlichem Sang 1 fl. 1 kr. Durch Pfarrer Strack in Ober⸗ rosbach von E. B. und B. A. H. in Niederrosbach 2 fl; St. 18 kr. Durch Kaufmann Specht in Niederflörsheim aus 3 Schulen 7 fl. 22 kr. urch Seminariſt M. Schäfer von einer großen Anzahl Zöglinge des hieſ. Schullehrer⸗Seminars 4 fl. 36 kr. Durch Pfarrer Buchhold zu Oſſenheim von Fr. W. Keller in Oſſenheim 30 kr.; ditto und Kinder 54 kr. G. Knies in Bauernheim 6 kr. Durch Pfarrer Landmann in Rendel, M. Wittich, Windecker, F. Kitz, Lehrer Weißgerber zu Rendel 2 fl. Diüurch Pfarrvicar Henrici aus der Gemeinde Kleinlinden 6 fl. 42 kr. Von Frau von Oberhofmeiſterin v. R. zu D. 2 fl.; Ph. W. 1 fl; Ueberzahlung 3 kr.; Ungenannt 1 fl.; Ungenannt 12 kr.; von einer 70jährigen Blinden zu F. eine Gabe für ihre Leidensgefährten 1 fl. 30 kr. B. 6 kr.; Wittwe Schäfer 6 kr.; deren Dienſtmagd 3 kr. Bäckermeiſter St. z 24 kr.; Hr. Dr. Banſa in Homburg 2 fl.

Gott ſegne alle obigen Geber und Freunde der armen Blinden und erwecke auch in Zukunft theilnehmende Herzen. Friedberg den 1. März 1850.

P. Schäfer, Taubſtummen⸗Lehrer.

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