Ausgabe 
5.6.1850
 
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als der bezaubernde Sänger ſein Lied geendet, und ſich

zum Weggehen anſchickte, bat ſie ihn noch um ein Lied,

und dann noch um mehrere.Mich bittet ſie nie, mit ihr zu ſingen! ſagte Pierre zu ſeinem Gefährten, als ſie mit einander zu Bette gingen.

Sie hat ihre guten Grunde dazu! verſetzte Florian lachend,Deine gewaltige Stentorſtimme würde ihre ſüße weiche Stimme und die Begleitung auf der Guitarre übertönen und verſchlingen. Es wäre, als ob ein Ham⸗ merwerk zum Geſang eines Kanarieuvogels den Takt ſchlagen ſollte. Aber nimm dieſen Scherz nicht übel, lieber Freund! ſetzte er freundlich und gutmüthig hinzu, als er die Züge des Freundes ſich verdüſtern ſah.Deine Baßſtimme iſt prachtvoll und von ſelteuer Kraft und Cor⸗ rectheit; aber ſie iſt zu größeren Dingen geſchaffen, als den kleinen Blumenſträußchen von Tönen, welche ich zu weilen mit Roſetten winde!

Pierre ſprang raſch vom Bette auf und ſchritt un muthig im Zimmer auf und nieder, denn in ſeinem leiden⸗ ſchaftlichen heftigen Gemüthe hatten dieſe Worte alle monen wilder Eiferſucht wachgerufen. Allein er bemeiſterte dieſe Aufwallung der Leidenſchaft endlich mit männlicher Kraft und ſagte freundlich:»Wohlan, Florian! laß uns den Vorſchlag des guten Vater Breguet annehmen. Wir wollen offen und redlich unſere Geſchicklichkeit erproben, und er und Roſette ſollen dann entſcheiden, ohne zu wiſ ſen, welchem von uns das Probeſtück gehört!

(Fortſetzung folgt.)

Für die Brandbeſchädigten in Bingen i ſind bei Iſidor Lindheimer eingegangen: Von Herrn Pfarrer Land⸗ mann fl. 2 42 kr.

Nachſtehender Brief ging mir nach Einſendung der Gaben für Bingen zu und bringe denſelben durch die Ge⸗ fälligkeit der Red. d. Bl. zur öffentlichen Kenntniß.

Simon Lindheimer. Bingen den 18. Mai 1850. Hochgeehrteſter Herr!

Mit inniger Rührung haben wir die anſehnliche Lie besgabe und die freundlichen Wünſche empfangen, welche die edelmüthigen Bewohner Friedbergs ihren vom Brand unglück ſchwer heimgeſuchten Brüdern in Bingen durch Ihre gefällige Vermittelung zugehen ließen.

In Folge deſſen melden wir Ihnen hiermit pflicht⸗ ſchuldigſt den richtigen Empfang: fl. kr. 10 einer direkten Baarſendung von Ihnen betragen 12 50 2) einer Baarſumme durch Hrn. Ludwig Homburg in Mainz für Ihre Rechnung, betragend Dazu für einen Poſtſchein von L. Homburg ver rechnet

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000 04

alſo eines Geſammtbetrags von 118 00 geſchrieben: Ein hundert achtzehn Gulden.

Da unſere Abſicht von Anfang an nur darauf gerich tet war, denjenigen hieſigen Brandbeſchädigten, deren Fahr⸗ habe nicht verſichert war, mit Hülfe edler Menſchenfreunde ihren Verluſt einigermaßen zu erſetzen, ſo können wir den wohlthätigen Bewohnern Friedbergs und der Umgegend, denen wir die obige Summe verdanken, um ſo leichter die beſtimmte Verſicherung geben, daß deren Gaben nur gemäß der Intention der liebevollen Geber ihre Verwendung finden werden.

Wir erfüllen zugleich eine zwiefache heilige Pflicht, indem wir einerſeits Ihnen, hochgeehrteſter Herr Lindheimer, ſowie den Herrn Geiſtlichen und Bürgermeiſtern, deren wohl⸗ wollende Anregung und Vermittelung uns obige Summe zugewendet hat und andererſeits allen den edlen Gebern, deren werkthätige Nächſtenliebe ſich durch Spenden für ihre unglücklichen Brüder in Bingen bewährt hat, die aufrich⸗ tige Verſicherung geben, daß nicht bloß die Unglücklichen, denen jene Gaben zufließen, ſondern auch der Unterſtützungs⸗ Ausſchuß und ſämmtliche Bewohner Bingens ſich gegen ihre Wetterauer Freunde in der Noth fortan ſtets zum waͤrmſten Danke verpflichtet fühlen werden.

Möge der Segen des allgütigen Vaters im Himmel Sie und alle Wohlthater der hieſigen Armen reichlich be lohnen, und Sie und Ihre Stadt und Umgegend vor ähn⸗ lichem Unglück für immer bewahren!

Mit der Bitte, unſern Dank zur Kenntniß der men⸗ ſchenfreundlichen Geber bringen zu wollen, zeichnen in Hoch⸗ achtung

Für den Unterſtützungs-Ausſchuß der Vorſitzende C. Kertell, Bürgermeiſter.

Der Secretär Ed. Sander, Realſchuldirector.

Der Kaſſirer H. Ackermann.

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Roß 5 Buß bach und Darmſtadt. 2 Ciſche, ee ee von Be⸗ Verkauf getragener Montirung. 1 3 orden.(Su!) Dienſtag und Mittwoch den 11. und Sama 114.2 1 84 0 A g den 15. Juni l. J., Nachmittags 2 Uhr, 6 12. dieſes Monats, des Vormittags von 8 bis auf dem Rathhauſe dahier öffentlich 1

Bekanntmachung.

(839) Montag den 10. Juni l. Mts., Nach⸗

mittags um 2 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe

das Anliefern und Anfahren von 2 Klafter

Pflaſterſteinen II. Sorte aus den Brüchen bei

Fauerbach II. und die Pflaſterarbeit von 66,0 EKlafter wenigſtnehmend verſteigert.

Friedberg am 3. Juni 1850.

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter

Bender.

Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn. Section Butzbach.

(840) Mittwoch den 12. d. Mts., des Vor⸗ mittags 9 Uhr, ſoll im Gaſthaus zum Stern dahier das Brechen und die Beifuhr von 270 Cubik⸗Klafter Steinen für die Fundation des Gleiſes von Butzbach bis Langgöns, loosweiſe an die Wenigſinehmenden öffentlich verſteigert werden. Butz bach am 1. Juni 1850.

Der Großh. Heſſ. Sections ⸗Ingenkeur Eicke meper.

12 und des Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, ſol⸗ len in der Reitercaſerne dahier und in der zu Darmſtadt eine große Quantität getragener Montirungsſtücke nebſt einer bedeutenden Anzahl Casquets, für Schuhmacher geeignet, meiſtbie⸗ tend gegen gleich baare Zahlung verſteigert werden. Indem man dies zur öffentlichen Kenntniß bringt, erſucht man zugleich die Herren Bürger⸗ meiſter dieſen Verkauf in ihren Gemeinden ge⸗ fälligſt bekannt machen laſſen zu wollen. Butzbach den 1. Juni 1850. In Auftrag: Cellarius, Oberquartiermeiſter. Bekanntmachung. (842) Auf juſtizamtliche Verfügung ſollen 23 Einwohnern zu Reichelsheim 1 Kuhkarrn, 3 Waſchkeſſel,

11 Kühe, f 3 Malter Korn, 6% Waizen,

2 Schweine, 4 Morgen Gras, 1 Kͤlelderſchrank,

werden. a Reichelsheim den 30. Mai 1850. Herzogl. Naſſ. Landoberſchultheißerei Hildenbrand.

Holz⸗Verſteigerung. (843) Freitag den 7. Juni l. J., ſollen in dem Herrn von Rothſchild'ſchen Walddiſtrict Altenberg bei Rodheim, Vormittags 8 Uhr,

4625 Stück eichen Schälholzwellen, und

700 Bohnenſtangen, oͤffentlich meiſtbietend verſteigert werden.

Die Zuſammenkunft iſt an Ort und Stelle auf dem Weg von Rodheim nach Okarben. Okarben am 2. Juni 1850. Diigen

Gras verkauf.

(844) Das diesjährige Gras zu Heu uni Grummet von den Gräfl. Solms⸗Rödelheim'ſcher Wieſen wird wie folgt verſteigert:

1) Donnerſtag den 13. Juni l J, von Mor- gens 9 Uhr an, von ungefähr 200 Mor; gen in Niederwöllſtädter Gemarkung, au der Neuherberge bei Niederwöllſtadt;