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endlich, o Buͤrger, noch Scham in euch iſt, ſo gebt jenen heilloſen Gebrauch(das Tabakrauchen nämlich) auf, der in Schande entſprungen, aus Irrthum aufgenommen, durch Thorheit in Schwung gebracht wordeu iſt, durch den Got— tes Zorn gereizt, des Körpers Geſundheit zerſtört, das Hausweſen zerrüttet, das Volk im Vaterlande herabge— würdigt und auswärts verächtlich gemacht wird; einen Gebrauch, der ſchädlich den Augen, unangenehm der Naſe, dem Gehirn nachtheilig, der Lunge ſchädlich iſt, und, wenn ich es recht ſagen ſoll, durch die ſchwarzen Rauchwolken, die er verbreitet, dem Höllendampfe vollkommen gleicht!“
Wahrhaftig, da hat der königliche Tabaksfeind Alles geſagt, was man dem Tabake Schlechtes nachſageu kann, ſpricht der Gevatter, und fragt: Hat er denn mit der Predigt etwas ausgerichtet?— Nein, Gevatter, ſag' ich drauf, keinen Hund hat ſie hinter dem Ofen herausgejagt. Es wurde geraucht nach, wie vor.
Jacob I. ließ es nicht dabei. Er veranlaßte, daß das Parlament das Tabakrauchen verbot, den Tabaksbau unterſagte und die Einfuhr aus Virginien in Amerika der Art mit Abgaben belegte, daß er kaum mehr zu kaufen war,— und dennoch wurde geraucht.
Ein gleicher Feind des Tabaks war der kuͤrkiſche Kaiſer Murad der Vierte. Im Jahre 1623 verbot er das Rauchen bei Todesſtrafe, und mancher türkiſche Kopf kam von der Pfeife unter das Schwerdt des Capidſchi-Baſchi, oder Oberhofköpfers.
Da haben ſie's gewiß gelaſſen! ſagt der Gevatter. Und doch nicht, ſag' ich drauf, denn noch heute ſind die Türken die ärgſten Schmaucher. In Rußland wurde 1634 das Tabakrauchen auch verboten, und die Strafe war gut ruſſiſch. Wurde einer mit der Pfeife ertappt, ſo ſollte ihm— die Naſe abgeſchnitten werden! Ob viele Naſen abgeſchnitten wurden, iſt nicht bekannt, aber das iſt allbe⸗ kannt, daß das Verbot nichts half. Es wurde und wird in Rußland viel geraucht. Auch Frankreich verbot den Tabak ohne Erfolg. Deutſchland blieb nicht zurück. In Würtemberg wurde unter ſchweren Strafen das Rauchen verpönt; in Sachſen wurde es 1651 ſchon verboten mit dem Branntweintrinken und Brennen. Wollte Gott, das letztere wäre allgemein verboten; denn es iſt eine Peſt, die Leib und Seele verdirbt, aber der Tabak nicht. Bei⸗ des half nichts. In Gotha erging das Verbot 1695. In der Schweiz geſchah es nicht minder. In Ungarn wurde die Einfuhr des Tabaks 1670 verboten, und das Rauchen dem Adel bei fünfzig Gulden Strafe, dem Bauer bei ſechs Gulden unterſagt. Pabſt Urban der Achte that Tabak und Raucher im Jahre 1624 in den Bann, und auch die, welche in der Kirche ſchnupften. Inno⸗ cens der Zwölfte erneuerte 1690 dieſen Bannfluch. Von da an war die Geiſtlichkeit die Verfolgerin des Tabaks, und auch evangeliſche Geiſtliche predigten gegen den Tabak, ſo der Profeſſor Jäger in Tübingen und der Prediger an der Nikolaikirche zu Quedlinburg, Caspar Hofmann noch um das Jahr 1726.
Man ſagte dem Tabak alles Schlechte und Verwerf— liche nach, und ſtellte Rauchen und Schnupfen als Werke des Teufels dar. f
Was das Alles half? Der Tabak iſt unuͤberwindlich geweſen, und in unſeren Tagen ſind wir ſo klug, ihn uns gut ſchmecken zu laſſen, und kein Menſch denkt daran, ein Verbot ergehen zu laſſen. Um es aber anſchaulich zu machen, wie wenig alle dieſe Verbote fruchteten, will ich nur noch bemerken, daß gerade in der Zeit des ärgſten Verbotes der Gewinn, welchen allein die Holländer aus dem Tabakshandel zogen, auf die ungeheure Summe von zwanzig Millionen Thaler berechnet wurde. In Frank—
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reich, wo der Staat den Tabak allein verkauft, und ſonſt Niemand, bringt der Tabaksverkauf der Staatskaſſe jähr⸗ lich etwa vierzig Millionen Franken ein! 28
Da ich nun einmal hier von dem Tabak und dem Rauchen rede, ſo muß ich auch noch etwas über die Art und die Pfeifen, wie man raucht, und wodurch man raucht, erzählen.
Der ſchon genannte Mönch Pane ſah Pfeifen, die zweizackig waren, etwa ſo: /, in die kurze Zacke wurde ein Büſchel Tabak geſteckt und angezündet. Die Pfeifen waren von Holz, und verbrannten mit dem Tabak. Fran⸗ cisco Hernandez de Toledo fand 1560 in Mexico nur lange Röhren, die unten etwas weiter waren. In dieſen weiteren Theil ſteckte man den Tabak, und brannte ihn an. Da aber auch dieſe Rohre von Holz waren und ent— brannten, ſo wurde der Wohlgeruch des Rauches verdor— ben. Man machte nun ſolche Rohre künſtlich aus feinen Steinarten, dann aus feinem Thon. So kamen 1585 die erſten Thonpfeifen, oder irdenen Pfeifen aus Virginien in Amerika nach England, und von da nach Holland, Deutſch⸗ land und Frankreich. Ueberall machten ſie die Töpfer nach.
Nun dachte man daran, ſie zu verbeſſern, zu ver⸗ ſchönern, und bald machte man ſie aus ſchöngeadertem Holzmaſer, wie in Ulm, dann aus Porzellan in Meißen in Sachſen, dann aus einer feinen Talkerde, die man Meerſchaum nennt, beſonders in Ungarn, in Gallizien, in Wien und in Lemgo. In Zöblitz in Sachſen wurden Pfeifenköpfe aus Serpentinſtein gemacht. Heutzutage werden ſie aus allem nur erdenklichen Stoffe gearbeitet, und als noch vor fünfzehn Jahren der Badearzt in Wies— baden, Geheimerath Löhr, lebte, konnte man bei dem eine ungeheure Pfeifenſammlung ſehen von der allereinfachſten Thonpfeife bis zur koſtbarſten, mit Gold beſchlagenen Meerſchaumpfeife, aus allen nur möglichen Stoffen und allen erdenklichen Formen. f
Die Türken rauchen meiſt aus ganz kleinen, mitunter aber koſtbar verzierten Thonpfeifen, oder durch lange, weite Weichſelrohre, die oft ungeheures Geld koſten. Statt des Mundſtücks iſt eine Kugel von Bernſtein aufgeſetzt, die ſie blos wider die Lippen legen. Das können ſie aber auch ſo treiben, weil ſie faſt nur im Sitzen rauch en. Sie haben aber auch noch eine andere Art Pfeifen, die in Perſien und in ganz Indien gebräuchlich ſind, die Waſ⸗ ſerpfeifen, die man Narſileh und in Indien Huccah nennt. Sie ſind je nach dem Reichthume des Rauchers aus mehr oder minder koſtbarem Stoffe gemacht, und beſtehen aus einem unten breiten, oben ſpitz zulaufenden Keſſel, der halb mit kaltem Waſſer angefüllt iſt. Der Kopf iſt von einer etwas breiten Form, und der Stiefel deſſelben geht bis in das Waſſer. Ueber dem Waſſer, in dem eigent⸗ lichen Luftraume des Keſſels iſt das Loch angebracht, wohinein das Rohr geſteckt wird, welches aus einem acht bis zwölf Schuh langen, beweglichen Schlauche beſteht, der in einem Mundſtuͤck endet. Zieht nun der Raucher ſtark, wenn der Tabak im Kopfe brennt, ſo geht der Rauch gaukelnd durch das Waſſer, das ihm die Wärme und alles Unreine nimmt, und kommt kalt in das Rohr und in den Mund des Rauchers. Daß das köſtlich ſchmecken mag, verſteht ſich von ſelbſt.
Zum Schluß aber möcht' ich noch eine recht komiſche Art erzählen, wie die Kirgiſen im ruſſiſchen Aſien in Ge⸗ ſellſchaft rauchen. Sie machen in feſte Erde ein Loch, zu welchem von der Seite her ſo viel kleine Löcher ſchief hinunterführen, als eben Leute da ſind, die miteinander rauchen wollen. Das große Loch wird nun mit Tabak feſt ausgeſtopft und Feuer darauf gelegt. Nun ſtecken ſie die Rohre, meiſt aus hohlem Schilfrohr beſtehend, in die
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