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noch Hof, weder Vater, noch Mutter, und hätte recht gut draußen bleiben können; aber der ehrliche Menſch dachte: dann muß ein Anderer für dich fort, der nicht ſo gut ab⸗ kommen kann, wie du, und geht, zieht ſein Loos und muß Soldat werden. Wir Zwei waren im Felde treue Cam⸗ meraden, Ein Herz und eine Seele. Er kam beſſer weg, als ich, und begrub kein Bein in ſpaniſcher Erde. Anno 1815 iſt er heimgekommen, und gar mancher Brief kam ſeitdem an mich und alle ſchloſſen: Komm doch bald ein— mal! Er hatte ſich in Nußdorf geſetzt, verheirathet, und wie es ſchien, ging es ihm ſo ſo! Da denk' ich denn endlich vor vierzehn Tagen: Geh''mal hin! Ihr wiſſet Alle, das Gehen iſt meine Liebhaberei nicht mehr. Item, ich mache mich auf die Lappen, und gehe hin. Die letzten Wochen waren, trotz dem Oktober, ſo heiß, wie die im Auguſt. Da komm' ich denn ſo recht ſchachmatt nach Nuß⸗ dorf, und meine, ich müßte auf dem letzten Loche pfeifen vor Durſt. Da fällt mein Auge auf das erſte Haus, und ſiehe da, an einem langvorſtehenden Eiſen hängt ein ver⸗ goldeter Stern. Ich trete ein, und es ſitzen zwei Männer da, der eine der Wirth, der andere ein Schuſter, denn man konnt's ihm an der Pechſchürze anſehen. Ich grüße, ſetze mich, und bitte um ein halb Schöppchen Sechs und vierziger.
Der Wirth bringt's, ſchenkt ein, und ſagt: Wohl bekomm's!
Der Pechvogel war ein Kerl, dem man's an der rothen Naſe anſah, daß er nicht viel Waſſer trank, und neugierig dabei, wie ein altes Weib, und ein Nichtsthuer.
Woher des Wegs, Landsmann? fragt er.
Weither, ſag' ich.
Wollt Ihr noch weiter heute? fragt er.
Vielleicht; ſag' ich.
So geht's fort. Ich kann das Ausfragen fur mein Leben nicht leiden. Darauf kommt der Wirth auf das Wetter, auf die Ernte, und nun gibt ein Wort das andre, bis wir in ein recht angenehmes Geſpräch kommen.
Halt, denk' ich, erkundige dich einmal nach deinem Kameraden. Da ſag' ich denn: Vor etwa ſechs und dreißig und mehr Jahren hab' ich mit Einem bei den Franzoſen gedient, der von Nußdorf war, ich glaub', er hieß Pinkert? lebt der noch?
Gewiß, ſagt der Wirth. Er wohnt noch hier, und iſt ein behaltener Mann; aber er iſt ein Leimſieder, der das ganze Jahr nicht hinausgeht, als Sonntags in die Kirche, und ein Knicker dazu, der nie einem ehrlichen Manne von Wirth etwas zu verdienen gibt. Geht er Sonntag Mittags aus mit ſeiner Frau, der Lisbeth, und ſeiner Tochter und ſeinem Buben, ſo kehrt er eben nur ein im Gaſthaus„zur Sonne“ oder zum„grüuen Wald.“ Ihr verſteht mich ja?—
Der Pechvogel lachte höhniſch.
Das muß man aber ſagen, fuhr der Wirth fort, er iſt ein recht raiſonabeler Mann, ſitzt im Gemeinderath, kommt wacker voran, und hat ſich geſtern, wie ich höre, das Haus gekauft, wo er bis jetzt miethweiſe ſaß, und hat gleich acht hundert Gulden baar Geld drauf bezahlt. Und er war ſo arm wie eine Kirchenmaus, als er anfing, und ſeine Frau hatte auch etwas weniger, als Nichts.
Das Haus hätt' ich auch gekauft, ſagte der Pech vogel, den der Wirth Meiſter Hopp nannte, auch wenn ich das Geld hätte lehnen müſſen; aber der alte Jung⸗ geſell, dem's war, und der noch eins hat, worin er wohnt, hat's Niemand geſagt, und ich glaub', der Pinkert hätt's nicht fahren laſſen fürs Doppelte. Er weiß warum, ſchloß er mit geheimnißvoller Miene.
Na, lachte der Wirth, da wird'mal wieder etwas rechts dahinter ſtecken!
Das thut's auch, ſagte Hopp mit einem Geſichte/
das deutlich ankündigte, daß er allein das Geheimniß wiſſe
So rückt'mal heraus damit, Meiſter Hopp, rief der
Wirth. Ihr wißt ja doch Alles, was im Dorfe ſeit hun— dert Jahren geſchehen iſt.
Das ſchmeichelte dem Pechvogel, der mir widerwäͤrtig war. Er räuſperte ſich, trank und ſagte: Ich will's Euch im Vertrauen ſagen, Sternwirth, es iſt ein Heinzel— männchen drin!
Wass iſt drin? fragt halb ärgerlich der Wirth. Ein Heinzelmännchen? Ich glaub', Euch rappelt's unter der Pechkappe! Was iſt denn das für ein Ding?
Man meint, Ihr käm't heute auf die Welt, oder wäret ein Freigeiſt, rief der Hopp aus. Entweder wißt Ihr's nicht, dann will ich's Euch ſagen, oder Ihr glaubt's nicht, dann kann ich auch das Maul halten!
Parol! ich weiß es nicht! rief der Wirth aus.
Nun, ſo hört, hob der Pechvogel an. Heinzelmänn⸗ chen oder auch Hanſelmännchen, das ſind gute Hausgeiſter; ſo kleine putzliche Kerlchen, die, wenn ſie in einem Hauſe ſind, dem, der drinnen wohnt, und ſich mit ihnen gut hält, Segen bringen und ihm heimlich alle Arbeit thun.
Das ſind Kindermährchen, Meiſter Hopp, deren ein alter Kerl, wie Ihr ſeid, ſich ſchämen ſollte! ſagte der Sternwirth.
Seht Ihr's ſagte er, ſich zu mir wendend, es iſt auch einer von den Ungläubigen, von denen heute die Welt ſo voll iſt, wie ein Garten voll Unkraut, der mit Kehrig gedüngt wird. Aber ich will Euch eine Geſchichte erzählen, die wird Euch ſagen, wo Barthel den Moſt holt!
So thut's, ſagte der Wirth unwirſch.
(Schiuß folgt.)
Blinden⸗Anſtalt.
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NB. Zwei Gaben, welche in dem Gabenverzeichniß vom Monat Juli d. J. nicht verzeichnet find, bringe ich hier nachträglich. Durch Herrn Specht in Nflörsheim 50 fl.; M. W. 2 fl.
Friedberg im October 1850.
P. Schäfer, Vorſteher der Blinden ⸗Anſtalt.
Markt- Bericht. Friedberg, am 30. Oktober 1850.
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Aufgefahrenſ Verkauft Mittelpreiſe
Gattung. wurden wurden (Mtr.)(Mltr.) Wa e 20 13½ 7 53 e e e 8 8 6— Gerſte 32 32 4 58 Daf d eee 20 20 3 3 Erbſen———— Kartoffeln 30 26 2 2 Mohnſamen——— 5


