Ausgabe 
2.10.1850
 
Einzelbild herunterladen

312

warteten ſie die Rückkehr des Offiziers, jedes Geſpräch ſchien abgeſchnitten, jede Unterhaltung ſtockte und eine halbe Stunde mochte ſo in peinlichſter Weiſe verſtrichen ſein, als der mitgegebene Bediente plotzlich todtenbleich in's Zimmer ſtürzte und die, jetzt kaum minder entſetzten Gäſte zu Hülfe rief. Ein paar Damen wurden richtig ohn⸗ mächtig, die Herren aber, die ſich ja auch in ihrer Maſſe geſichert fühlten, ſtürmten, da ihnen der Bediente weiter gar keine Rede ſtehen wollte, von dieſem geführt, durch den Garten, in deſſen Saal ſie bleich und beſinnungslos den unglücklichen jungen Menſchen, zwiſchen den beiden ſich gegenüber befindlichen Spiegeln, am Boden liegen fanden. Was er geſehen, was ihm begegnet, hat man nie genau erfahren können, der Bediente hatte allerdings draußen an der Thüre des Gartenſaales gehorcht und wollte den jungen Mann, als er ſich eine kurze Weile dort befunden, laut habe lachen hören, dann aber und der Mann glich ſelber mehr einem Todten als einem Leben⸗ den ſchwur er Stein und Bein, es ſei ihm ſo vorge⸗ kommen, als ob es von allen Seiten von oben und unten geantwortet hätte; gleich darauf gellte ein fürchterlicher Schrei heraus, und als dann Alles todtenſtill geworden war, und er ſelbſt in Furcht und Entſetzen viele Minuten lang athemlos gelauſcht, da hielt er es nicht länger aus, riß die Thür auf und ſah den Lieutenant ausgeſtreckt auf der Erde liegen. Weiter wußte er ſelber nichts, denn hierauf ſtürzte er ſpornſtreichs in die Geſellſchaft zurück, um Hülfe herbeizuholen.

Und der Lieutenant war todt? frug der Paſtor geſpannt.

Nein nur wahnſinnig, ſagte der Schulmeiſter; aber es iſt wahrhaftig ſchon zehn Uhr vorbei wünſche beiderſeits eine gute Nacht Bitte Barrenkamp ich dächte, ich ſollte die Treppen hier kennen das Mäd⸗ chen kommt auch gerade unten mit ihrem Lichte aus der Küche, die kann das Haus hinter mir wieder zuſchließen.

Und der Schulmeiſter verſchwand, während die Ehe⸗ leute 1 in dem nur matt erhellten Gemach zurückblieben.

Nün, die Geſchichte hat mir heute noch gefehlt, ſagte die Paſtorin, und räumte, wie nur um ſich eine Beſchäftigung zu machen, das auf dem Tiſche ſtehende Geſchirr zuſammen;nur wahnſinnig das iſt ja fürch⸗ terlich. Die Leute hatten aber auch gefrevelt, ſo etwas darf man ſich nicht zu Schulden kommen laſſen Herr Du mein Gott! rief ſie plötzlich, und als ſie die Taſſen, die ſie in der Hand hielt, wieder auf den Tiſch ſetzen wollte, fiel ihr eine herunter und zerbrach klirrend am Boden.

Was haſt Du denn? fragte der Paſtor und drehte ſich raſch und erſchrocken nach ihr um ſie ſah todten⸗ bleich aus und horchte mit der geſpannteſten Aufmerkſam⸗ keit nach dem Fenſter hinüber. Nichts aber als das Un⸗ wetter draußen ließ ſich vernehmen, der Regen ſchien etwas nachgelaſſen z und die Wolken ſchüttelten ſich nur noch, nach dem gen verzweifelten Kampf, ungeduldig und unwirriſch das Waſſer aus den naſſen Jacken.

Das war wieder derſelbe Hülferuf, flüſterte die Frau,derſelbe Ton und Heinrich ſoll mir der Herr in meiner letzten Noth beiſtehen er klang gerade wie meines Vaters Stimme. Sie barg das Geſicht in den Händen und ſchauterte am ganzen Körper zuſammen.

Unſinn! ſagte der Mann und ruͤckte ſich ärgerlich die ſchwarze Kappe auf das linke Ohr,Unſinn, die dum⸗ men Erzählungen haben Dich aufgeregt und Du fängſt mir am Ende auch noch heute Abend an Geſpenſter zu ſehen und zu hören. Wir wollen zu Bette gehen, es iſt Schlafenszeit und morgen, mit dem hellen Tageslicht wer⸗

*

den Dir ſchon alle die truͤben und ängſtlichen Gedanken vergehen. Habe ich nicht recht, Eliſe? aber was fehlt Dir auf einmal, was haſt Du?

Die Frau blieb, als ob ſie die Worte gar nicht ge⸗ hört in ihrer Stellung, nur die zitternde Geſtalt verrieth ihre Aufregung und ihr leiſes Schluchzen, wie die einzel⸗ nen, zwiſchen den faſt zuſammengepreßten Fingern vor⸗ quellenden Thränen kündeten, daß etwas ganz Abſonder⸗ liches in ihrem Herzen vorgehen müſſe.

Eliſe, ſagte der Mann nach kurzer Pauſe, während er leiſe der Gattin Hand ergriff und dieſe von ihren Augen wegzuziehen ſuchte,biſt Du nicht wie ein närriſches Kind, das ſich von ein paar thörichten Geiſtergeſchichten in Furcht und Schrecken ſetzen läßt, und nachher nicht mehr allein über den dunkeln Vorſaal gehen, oder leiden will, daß die Magd das Zimmer verläßt? Du kennſt doch den alten Verwalter, weißt doch, was er fortwährend für abenteuerliche Märchen erlebt haben will. Wie haben wir nicht erſt noch neulich über ihn gelacht, als er uns die Geſchichte von den zwei feindlichen Irrlichtern erzählte, und wie boͤſe wurde er darüber; und was das andere betrifft, wo..... 1

Das meine ich nicht, ſagte die Frau leiſe und faſt mehr mit ſich ſelbſt, als mit ihrem Manne redend,der Verwalter kann ſich geirrt haben, und die Spiegelgeſchichte iſt wohl fürchterlich genug, läßt ſich aber vielleicht natür⸗ lich erklären; nein, mir bewegt Anderes die Bruſt. Der Schulmeiſter hat ganz Recht, es gibt übernatürliche Kräfte, es muß ſie geben, denn wo wir wiſſen, daß der kleinſte Waſſertropfen von unzähligen Geſchöpfen belebt und be⸗ wohnt wird, wie dürfen wir da annehmen, die ungeheuren Luft⸗ und Aetherräume umſchloͤſſen frei und leer das ganze Weltall. Nein, das iſt nicht möglich; um uns her, über uns, neben uns regt es ſich und treibt und wirkt, die uns fernſtehenden Gebilde berühren uns aber nicht; unſere Nerven ſind nicht fein genug, ihre Nähe zu empfinden, oder ihre Kräfte, mir fehlt der Ausdruck, Dir genau zu beſchreiben, wie ich es mir denke, ihre Kräfte uͤben nicht einen ſolchen harmoniſchen, vielleicht magnetiſchen Einfluß auf die unſeren aus, um uns zum Bewußtſein ihrer An⸗ näherung zu bringen. Das dauert aber nur ſo lange, bis wirklich einmal ein uns verwandter Geiſt unſeren eigenen Luftkreis berührt, oder durch die Stärke ſeines Willens, ſeiner Seele, zu uns hingetrieben wird, dann ergreift er auch all die feinſten Faſern unſeres innerſten Syſtems und die Ahnung deſſelben, vielleicht auch nur das Bewußt⸗ ſein dieſes Gefühles entſteht und macht ſie geltend.

(Fortſetzung folgt.)

Für Schleswig⸗Holſtein

ſind ferner eingegangen: g

Von Södel: Von Bürgermeiſter Reitz 1 fl., J. Fourier 12 fr. J. Döringer 6 kr., W. Kleeberger 1 fl., Ph. Bender I. 1 fl., Ph. Bernt⸗ heuſels Kinder 18 kr., Caspar Volz 30 kr, Joh. Maurer 12 kr., Wilh. Diehl 18 kr., W. Loos 1 fl., Pfarrer Breidenſtein 1 fl., Chr. Böcher 12 kr., J. Böcher 11. 12 kr., J. Volz 12 kr., Karl Schneider 6 kr., G. Meyer 6 kr., Ph. Väth 6 kr., Casp. Peterſohn 6 kr. J. Raab II. 30 kr., Casp. Väth 30 kr., Dr. Danneberg 30 kr., Ph. Berntheuſel 18 kt., J. Stier 11. Wittwe 18 kr., Wilh. Thöt 6 kr., J. Väth VIII. 18 kr., J. Henſel II. 30 kr. 5

Von Beienheim: Durch Bürgermeiſter Muth von 25 daſigen Einwohnern 4 fl.

Von Fr. D. F. in R. 3 fl.

Von Nauheim: D. F. wegen Wiedergeneſung 2 fl.

Von Oberau: Pfarrer Schaarmann 48 kr., Lehrer Claus 24 250 Biagen. Meides 12 kr., M. Häfner 6 kr., C. Rau II. Wittwe 9 kr., G. Meides 6 kr., Ph. Schäfer II. 6 kr., G. Harber II. 6 kr., H. Winterling 6 kr., C. Lipp 6 kr., H. Kreuter 3 kr., Fr. Winterling J tr., B. Herben 3 kr., J. Leiſter 6 kr., M. Trineweiler 12 kr, C

Balz I. und C. Balz II. 48 kr.

Von Aſſenheim: Kammerdirector Gepger 2 fl.