Ausgabe 
2.2.1850
 
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ohne es zu wiſſen, und ſein ſchmuckes Töchterchen tritt mir grüßend auf dem Fallreep entgegen. Nun, ſo will ich denn auch thun, wie es recht iſt, und mit nichten bei ihm vorübergehen. Mit Gunſt, Ihr Herren von Helvoetſluis, ſo man mit Jemandem gelebt hat in Freuden Jahre lang, ſoll man nicht fremd an ihm vorübergehen in der Stunde der Noth. Darum kehre ich hier bei meinem alten Schiffs maaten ein. Kann's Euch nicht zumuthen, Euch darnach aufzuhalten und hoffe, Euch nachher im Stadthauſe fröh⸗ lich wiederzuſehen. Kommt, Geſina van Printz, führt mich zu Eurem Vater. 191

Die reichen Bürger, ſo wie die vornehmen Schöffen und ſtattlichen Gemeindeherren ſchauten einander gar ver drießlich an. Sie wußten nicht recht, ſollten ſie fortgehen oder den Beſuch des Admirals abwarten, der doch nicht lange dauern konnte. Kopfſchüttelnd entſchieden ſie ſich endlich für das Letztere. Unterdeſſen hatte Michael de Ruiter die Hand des Mägdleins ergriffen, das ſtolz an der Seite des Admirals in das Haus ging.

Der alte Schenkwirth wollte ſich bei dem Eintritt des vornehmen Gaſtes erheben; aber dieſer litt es nicht, ſondern ſagte:Nicht doch, Geert van Printz. Komme zu Dir daher, damit Du mir ein Stündchen Obdach gibſt, aber nicht, um Dich von Deinem Ankerplatz zu vertreiben. Laß mich bei Dir ſitzen und ſage Deinem Mädel, daß ſie uns eine Pfeife bringe, dann aber ſprich, wie Dir's ge gangen, ſeit Du Deinen alten Backsmaaten nicht mehr geſehen haſt? a

Geert van Printz fuhr mit der Hand uber die Au gen:Ganz das alte Gemüth, wie es war zur Zeit, da wir als Kojegaſten am Bord desOrmus hauſten. Gott ſegne ihn!

Ormus? unterbrach ihn raſch de Ruiter.Recht! war ein tüchtig Schiff und nur einem ſo ungeſchickten Burſchen, wie mir, konnte es begegnen, kopfüber über das Fockſegel wegzufliegen, ſtatt ein Reffband drein zulegen. In jener Nacht hätte ich ſicher den Hals gebrochen, wenn nicht Geert van Printz mit ſeiner Eiſenfauſt zugegriffen hatte. Hatteſt damals eine eiſerne Fauſt, Backsmaat; mein Genick ſpürte den Griff noch drei Tage nachher.

Ich habe Gott oft mit Thränen in den Augen da⸗ für gedankt, daß er mich an dem Tage Euch zur Seite ſtehen ließ. Und wenn ich ſo hülflos auf meinem Stuhle ſaß und von einem Bekannten gelegentlich hörte, wie Ihr da und dort dem Feinde eine Schlappe beige bracht und wieder ruhmvoll unſere Flagge vertheidigt hat tet, ſagte ich zu mir ſelbſt: das hat Gott ſo gefügt und Dir die Kraft dazu gegeben, ſonſt wäre es nie geſchehen.

Ja, alter Backsmaat, das iſt wahr. Du haſt einen großen Antheil an meinem Thun und darum iſt's auch billig, daß Du den Nutzen davon haſt. Muß mich faſt ſchämen, daß ich ſo ſchmuck einhergehe und Du ſitzeſt da in einem dunkeln Winkel mit'm alten Schanzlober bedeckt, als ob.... Nun, nun, ſage mir, wie es Dir ergangen iſt, wo Du gedient haſt zur See und warum Du nicht zu Deinem alten Backsmaaten gekommen biſt.

Das geſchah mit uns Beiden, wie es aller Orten zu ſein pflegt, wo das Seevolk neben einander hauſt. Man trifft mit einem Manne auf demſelben Kiel zuſam men, theilt die gefährlichſte Arbeit und den letzten Schluck mit ihm und wenn die Reiſe wohl vollbracht iſt, ſtiebt man auseinander, wie Spritzwaſſer, ohne daß Einer ſagen kann, wie es geſchieht. Als ich aber nun fort und fort von einem Michael de Ruiter hörte, der wie ein Wetter auf der See war, und Wind davon kriegte, daß es derſelbe ſei, uit dem ich am Bord desOrmus die Koje getheilt hatte, da dachte ich, wollte mich auch aufmachen und drein

ſchlagen, ſo könnte es wohl kommen, daß wir einmal bei⸗ ſammen ſtänden im Gefecht. Ging auch alsbald an Bord eines Staatenſchiffes, aber es bekam mir ſchlecht, denn als wir draußen und dem Feinde gegenüber waren, traf die erſte Kugel, die über das Deck flog, mein Bein. Ich ward in des Doctors Kammer und ſpaͤter zu Lande ge bracht und war nun dem Teufel zur See nichts mehr nütze, weder zur Orlog noch zur Kauffarthei.

Und Du kamſt noch immer nicht zu Deinem alten Freunde? War das recht? He?

Wetter, Herr Admiral, ich hörte von Euern Sie gen, darum ging ich auch an Bord eines Kanonenſchiffes, und wäre mir da ein Stückchen geglückt, wäre ich zu Euch gekommen und hätte zu Euch geſagt: Das und Jenes have ich gethan, nun bin ich hier und möchte an Eurer Seite fechten. Aber ſo? Als'n Bettler, mit'm lahmen Bein? Das ließ ich bleiben.

Hm! Es war dumm, aber ich hätte es auch viel leicht ſo gemacht. Und was nun weiter?

Anfangs war's gar nichts. Die vornehmen Myn heers ſagten, ich hätte noch nicht gedient und könne auf nichts Anſpruch machen; aber ſpäter hatten ſie dann ein Einſehen, und als ich geheilt entlaſſen war, bekam ich ein Schmerzensgeld von hundert Gulden ein für alle Mal. Eines ſchlichten Mannes Bein muß wohl nicht mehr werth ſein, zumal das linke, darum ſtrich ich das Geld brummend ein, fand ein Mädel das zu mir paßte, hei rathete ſie und errichtete einen Schank. Das ging auch gut einige Jahre lang, bis ſie mir ſtarb. Darauf kroch Alles rückwärts wie ein Krebs, denn ich hatte keine ſon derliche Kenntniß von der Wirthſchaft. Nun iſt wohl meine Tochter, die Geſina, tüchtig herangewachſen, aber ein junges Ding kann doch nicht ſo zwiſchen den Gäſten herum hanthieren, wie eine reſolute Frau. Das Geld iſt auch zuſammengeſchmolzen und ich ſitze da, ein alter kran ker Krüppel und kann nicht von der Stelle. Aber das iſt Alles nichts werth und ein ſchlechtes Geſpinnſt, was ich Euch da abwickle; darum will ich ſtoppen damit und mich freuen, daß ich Euch geſund vor mir ſehe in meiner Kajüte. Seid mir nochmals von Herzen willkommen, Michael Adrianſon de Ruiter.

Die beiden Männer ſaſſen einander ſtill gegenüber. Der Admiral hatte ſeinem alten Gefährten die Hand ge geben und ſah ihn mit Rührung an:Höre mich an, Geert van Printz. Uns Beiden iſt es wunderlich gegan gen in der Welt. Du haſt des Lebens Trübſal erfahren vollauf; mir iſt das Glück erſchienen viel und oft. Ich kenne Dich von früher her, altes Spliezeiſen. Du biſt ein ſtolzer, eigenſinniger Geſell, aber Deinem ehemaligen Kameraden ſchlägſt Du es nicht ab....

Sprecht es nicht aus, Mynheer de Nuiter! ent gegnete der alte Invalide ernſt.Ich habe meinen Wil

len für mich gehabt mein Lebenlang und ich will ihn auch

behalten. Weiß wohl, daß es Euch von Herzen kommt und daß Ihr Euern letzten Stüber mit mir theilen wür det. Aber ich kann es von Euch ſo wenig nehmen, als von einem Andern, denn es ſieht wie ein Allmoſen aus und das nehme ich von Keinem. Habe mich auch hier am Lande, wie es einem alten Seemann geziemt, ehrlich er nährt vom Plattinglegen und Wergzupfen....

Michael de Ruiter unterbrach ihn:Genug, alter Burſche! genug! Pumpſt mir das Waſſer in die Augen. Du biſt ein eigenſinniger Deckläufer geweſen Dein Leben lang und ich will nichts weiter mit Dir zu thun haben. Aber mit Deinem Töchterchen zu ſchwatzen wirſt Du mir doch erlauben, alter Griesgram? Das iſt ein gar liebes

Kind! werden

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